Das Quartett aus Wisconsin erlebt gerade so etwas wie einen zweiten Frühling, und wer die Band, so wie ich, letztes Jahr mit Benediction und Master gesehen hat, weiß, dass sie immer noch komplett abliefern. Jungle Rot flogen leider immer ein wenig unter dem Radar und es freut mich wirklich für den Sänger und Gitarristen Dave Matrise, dass es wieder so gut funktioniert. Ich konnte damals auch schon ein Konzert für die Band im heimischen Ostfriesland organisieren, zusammen mit Incantation und Catastrophic. Ein sehr netter Zeitgenosse. Die Band ist schon seit 1992 dabei und hatte den einen oder anderen Mitgliederschwund. Seit 2005 sind die Positionen an der zweiten Gitarre und die am Bass jetzt aber sehr stabil und seit 2019 arbeiten sie mit einem neuen Drummer.
Mit Cruel Face Of War hat man nun das zweite Album am Start und mit Unique Leader Records ein Label, welches die Band gut supporten wird.
Und so wie es sich für eine old schoolige Formation und grundsätzlich im Metal gehört, legt man mit einem Intro los, welches uns ein wenig den Dschungel etwas näherbringt. Kurzes Ding, Gitarrenverzerrer an, und dann legt man mit Apocalyptic Dawn los wie die Feuerwehr. Druckvoll und groovig agiert man, so wie man es von ihnen kennt. Growls und weiter geht es, bis man dann mit einem intensiven Uftata-Part angreift. Ja, danke, da bin ich sofort dabei. Im Midtempo greift man an und zelebriert glorifizierten Spaß. Mini-Break, Gitarren vorweg und ein kurzes Solo und wieder in den geilen Uftata-Part, während die Gitarrenarbeit aus der Solo-Sequenz weiterverarbeitet wird. Wieder Break, die Gitarren zaubern wieder vorweg und erneut in einen groovigen, aber aggressiven Midtempo-Moment, der es in sich hat. Der Sound ist auch dermaßen vernichtend, und so wird man quasi plattgemacht von der Instrumentenfraktion.
Ach, wie schön, auch Cruel Face Of War kommt mit dieser Uftata-Attitüde, welche ja alles zerstört. Dieser treibende Rhythmus ist einfach nackenbeschädigend, da man ja immer den Kopf und eben den Nacken bewegen muss. Klar, das gab es schon sehr oft, da muss man sich nichts vormachen, aber hier stimmt eben das Gesamtkonzept, denn die dazugehörigen Riffs sind absolute Weltklasse. Und so jagt man alle vor sich her und bereitet, zumindest ist es so bei mir, dem Hörer eine absolute Freude. Dass die Burschen diese auch beim Spielen haben, ist mehr als hör- bzw. spürbar. Nach über zwei Minuten wechselt man den Kurs und liefert einen Livebonus mit, denn es erfolgt ein Refrain- bzw. Mitschreipart, und selber agiert man mit „Hey, hey, hey“. Das wird so was von gefeiert werden auf den Bühnen der Metalwelt, aber hallo. Ein völlig geiler Part. Dieser wird noch ein wenig modifiziert und schockt ohne Ende. Kleines, melodisches Solo dazu und eine kleine Tempoverschärfung, und schon ist der gemeine Fan einfach nur zufrieden, zumal man ja auch wieder zum Uftata-Part zurückkehrt. Ach ja, Death Metal kann so einfach und auch so schön sein.
Was Jungle Rot absolut draufhaben, ist die Verarbeitung von Groove and Drive, so auch beim nachfolgenden Song Maniacal. Langsam, mit einem Obituary-Riff und Groove, geht man an den Start. Ein Let’s Go folgt und dann groovt man sich durch die Botanik. Die Doublebass rasselt langsam vor sich hin und man wirbelt ohne Hektik herum. Das Tempo wird zwischenzeitlich mal erhöht, die Gitarren klingen wie eine Sirene und man verfolgt weiter diese Schiene. Guter Wechsel zwischen Slow- und Midtempo. Allerdings nicht so intensiv wie die beiden Vorgänger, aber trotzdem schon ganz geil.
Suffer In Silence legt dann in Sachen Geschwindigkeit noch eines drauf. Sehr geil. Schönes Uptempo zu Beginn. Break, Gesang und Gitarre alleine und wieder mit einer schnellen und fetzigen Uftata. Ja, so muss das sein. Feines Ding, schön aggressiv und nach vorne gerichtet. Fette Riffs, die dann ein wenig an Benediction erinnern, aber natürlich ist das hier alles Jungle Rot pur, da gibt es keine zwei Meinungen. Ein absolutes Brett, welches direkt ins Ohr geht. Nach einem Break nimmt man das Tempo raus, baut eine Doublebass-Attacke mit ein, bleibt langsam und holt eine kleine Melodie heraus und wird wieder aggressiv, indem man die Gitarren vorwegspielen lässt und einen neuen, schnellen und gitarrenlastigen Part einbaut und später wieder die Doublebass schnell an die Wand schleudert. Ja, fettes Teil.
Diese vier Songs sollen hier mal stellvertretend für das ganze Album stehen, welches absolut schockt.
Den Nacken zerren kann und wird man sich definitiv beim Song Radicalized.
Das Album bleibt bis zum Schluss stark, und ich mag sie besonders, wenn sie im schnellen Midtempo oder old schooligem Uptempo agieren und dann diese Uftata-Momente erzeugen, zu denen man so richtig schön abgehen kann. Wie zum Beispiel beim Song Blade Of Betrayal. Einfach herrlich.
Jungle Rot komplementieren mit Cruel Face Of War das bis dato geile Death-Metal-Jahr und bekommen hoffentlich dadurch noch eine größere Aufmerksamkeit. Die Qualität haben sowohl das Material als auch die Band.
Death Metal Victory!
Hier geht es für weitere Informationen zu Jungle Rot – Cruel Force Of War in unserem Time For Metal Release-Kalender.



