Uada gehören für mich schon seit Jahren zu den Bands, die im modernen Black Metal einfach herausstechen. Gegründet 2014 in Portland, haben sie sich relativ schnell einen festen Platz in der Szene erspielt, nicht zuletzt durch ihren dichten, atmosphärischen Sound, der irgendwo zwischen US-Black-Metal, europäischen Einflüssen und einer ganz eigenen, fast schon spirituellen Aura liegt. Eine Band zwischen Schatten, Ritual und purer Energie. Was Uada für mich aber wirklich besonders macht, ist die Art, wie sie ihre Musik transportieren, und das merkt man als Fan vor allem live. Ich habe sie mittlerweile mehrfach auf der Bühne erlebt, und jedes Mal hatte das Ganze weniger von einem klassischen Konzert, sondern eher von einem Ritual. Diese Energie, diese Intensität, dieses Gefühl, dass da mehr passiert als nur Musik, das bleibt hängen.
Umso gespannter war ich natürlich, als Interwoven angekündigt wurde. Und ich gebe ehrlich zu: Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet. Gerade weil ich die Band eher aus ihrem dichten, druckvollen Sound kenne. Und genau hier setzt dieses Album an, das stellt erstmal alles auf den Kopf.
Eine Überraschung, die schnell zur Begeisterung wird
Als ich Interwoven zum ersten Mal gestartet habe, war ich erstmal kurz irritiert. Kein Blastbeat, keine Wand aus Gitarren, kein typischer Uada-Sound. Stattdessen: Akustikgitarren, Raum, Stille, Cello und eine Atmosphäre, die sich komplett anders anfühlt. Aber diese Irritation hält nicht lange. Sehr schnell wird klar, dass das hier kein Experiment um des Experiments willen ist, sondern etwas, das schon lange in der Band geschlummert hat. Die Idee zu diesem Album reicht tatsächlich bis zur Gründung zurück, und genau das hört man. Interwoven ist kein Nebenprojekt und kein „Unplugged“-Release. Es ist eher wie ein fehlendes Puzzlestück in der Bandgeschichte. Ein bewusstes Freilegen dessen, was unter der Oberfläche schon immer da war.
Die Band selbst beschreibt das Album als einen bewussten Akt der Verletzlichkeit, und genau so fühlt es sich auch an. Alles wirkt unmittelbarer, ehrlicher, fast schon unangenehm nah. Ohne die gewohnte Härte bleibt nichts, hinter dem man sich verstecken kann. Produziert wurde das Ganze von Jake Superchi selbst im eigenen Studio, gemastert von Arthur Rizk. Der Sound ist entsprechend organisch, offen und lässt den Songs Raum zum Atmen. Jede Nuance, jede kleine Unsauberkeit, jedes Atmen, alles bleibt drin. Genau das macht den Reiz aus, es ist menschlich und dadurch wirkt es total nah. Auch visuell passt alles: Das Artwork von Peter Beste unterstreicht diese ruhige, fast schon meditative Grundstimmung perfekt.
Jeder Song ein eigenes Ritual – reduziert, intensiv und erstaunlich wirkungsvoll
Der Einstieg mit Djinn zeigt direkt, worum es hier geht. Der Song wirkt roh, reduziert und unglaublich emotional. Ohne die typische Härte entfaltet sich eine ganz andere Wirkung, getragen von Akustikgitarren und diesen tiefen, melancholischen Cello-Linien. Gerade hier merkt man, wie stark die Songs auch ohne Verzerrung funktionieren. Devoid Of Light geht noch stärker in diese rituelle Richtung. Der gleichmäßige Gesang, die Percussion und die orchestralen Elemente erzeugen fast schon das Gefühl, Teil einer Zeremonie zu sein. Das hat etwas sehr Hypnotisches. Mit The Dark (Winter) wird es noch intensiver. Der Song lebt stark von seiner Atmosphäre. Die Streicher bringen eine Tiefe rein, die unter die Haut geht, während die Vocals immer dunkler und eindringlicher werden. The Purging Fire wirkt für mich fast schon sakral. Der Song hat etwas Erzählerisches, fast wie ein düsteres Märchen, das sich langsam entfaltet. Die tiefen Vocals und die reduzierte Instrumentierung lassen unglaublich viel Raum für eigene Bilder im Kopf.
Dann kommt mit Der Brandtaucher eine echte Überraschung. Das Cover fügt sich erstaunlich nahtlos in das Album ein. Der ohnehin schon düstere Song bekommt hier eine noch intensivere, fast schon ritualhafte Note. Man hat wirklich das Gefühl, er hätte schon immer zu Uada gehört.
Und dann ist da noch Something In The Way. Ein Song, den wahrscheinlich jeder kennt, aber in dieser Version wirkt er nochmal ganz anders. Uada bleiben nah am Original, schaffen es aber trotzdem, eine eigene, sehr fragile und melancholische Stimmung zu erzeugen. Für mich funktioniert das erstaunlich gut und gehört definitiv zu den Momenten, die hängen bleiben.
Was sich durch das gesamte Album zieht: diese bewusste Reduktion. Keine Effekthascherei, keine Überproduktion, stattdessen Fokus auf Stimmung, Klang und Emotion. Und genau dadurch entfaltet Interwoven seine Wirkung.
HIER! geht es für weitere Informationen zu Uada – Interwoven in unserem Time For Metal Release-Kalender.



