G-Fest 2026 am 20.06. und 21.06.2026 im ETKO in Limmasol (Zypern)

Ein Festival, das anders sein will – und genau deshalb überzeugt

Eventname: G-Fest

Headliner: Her Last Sight, Textures

Vorbands: Buzzouter, KBC, Being Of Entropy, Guiltera, The Djingerbread, Experience, Mould, New Disorder, Dame Tu Alma, Speak In Whispers, Saisei, Textures

Ort: ETKO, Limmasol

Datum: 20.06. und 21.06.2026

Kosten: ab 65,00 € – VIP Tickets: ab 139,00 €

Genre: New Metal, Prog Metal, Groove Metal, Djent, Alternative Metal, Dark Metal, Metalcore

Besucher: ca. 300

Veranstalter: G-Fest.cy

Link: http://gfest.live

Während viele Festivals versuchen, immer größer und spektakulärer zu werden, verfolgt das G-Fest einen anderen Ansatz. Unter dem Motto „Less Growl, More Soul“ steht nicht die Jagd nach den größten Namen im Vordergrund, sondern die Leidenschaft für modernen Metal in all seinen Facetten. Metalcore, Progressive Metal, Alternative Metal, Djent, Post Metal oder moderne Spielarten des Death Metal – stilistische Grenzen spielen hier kaum eine Rolle. Das Festival versteht sich vielmehr als Plattform für aktuelle Entwicklungen innerhalb der Szene und verbindet internationale Acts mit den spannendsten Bands Zyperns. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr wagte das G-Fest nun den nächsten Schritt. Statt einer Indoor-Location zog das Festival auf das Gelände von EKTO im Herzen von Limassol – einer ehemaligen Weinfabrik, die heute vor allem als Heimat der großen BEONIX-Techno-Events bekannt ist. Die urbane Kulisse verleiht dem Festival einen ganz eigenen Charakter. Bemalte Wände lokaler Künstler, kreative Installationen, Bars und verwinkelte Innenhöfe schaffen eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Industrial-Flair und Kunstprojekt angesiedelt ist. Für das G-Fest wird bewusst nur ein Teil des Geländes genutzt. Die riesige Hauptfläche des BEONIX-Festivals bleibt abgesperrt, wodurch alles angenehm kompakt wirkt. Trotz der überschaubaren Besucherzahl von rund 300 Gästen am ersten Tag entsteht nie das Gefühl von Leere. Ganz im Gegenteil: Das Festival fühlt sich familiär an. Musiker, Veranstalter und Besucher begegnen sich auf Augenhöhe, kommen miteinander ins Gespräch und feiern gemeinsam die Musik. Ein weiterer Pluspunkt ist das Bühnenkonzept. Zwei Bühnen wechseln sich im Minutentakt ab, sodass praktisch keine Umbaupausen entstehen. Während auf einer Bühne gespielt wird, bereitet sich die nächste Band bereits auf der anderen vor. Dazwischen befinden sich Foodtrucks, Sitzgelegenheiten und Bars – kurze Wege, entspannte Stimmung und ein durchgehend fließender Festivalablauf.

Ein Moderator mit Kultstatus

Eröffnet wird das Festival von Cypriot Smurf, einer auf Zypern äußerst bekannten Social-Media-Persönlichkeit. In seinen Videos nimmt er den zyprischen Alltag mit viel Selbstironie aufs Korn und genießt längst Kultstatus. Anders als sonst tritt er diesmal ohne seine bekannte Verkleidung auf und führt als Moderator durch beide Festivaltage.

Buzzouter eröffnen das Festival

Buzzouter – G-Fest – 2026

Den musikalischen Auftakt übernehmen Buzzouter aus Limassol. Die junge Band besteht aus russischen Musikern, die heute auf Zypern leben, und setzt auf modernen Alternative Metal mit einer charismatischen Sängerin an der Front. Obwohl der frühe Nachmittag traditionell nicht die dankbarste Spielzeit ist, gelingt es Buzzouter schnell, die ersten Reihen in Bewegung zu bringen. Die Songs besitzen genügend Härte, verlieren dabei aber nie ihre Eingängigkeit. Ein gelungener Festivalstart, der Lust auf mehr macht.

Überraschung des Tages: Kin Beneath Chorus – KBC

Bereits der zweite Auftritt entwickelt sich zu einem persönlichen Highlight des Festivals. Kin Beneath Chorus oder KBC aus Griechenland gehören zu den Bands, die man ohne große Erwartungen besucht und anschließend nicht mehr vergisst. Optisch erinnert die Formation zunächst an eine Mischung aus New Yorker Hardcore, kalifornischem Punkrock und klassischem Metal. Musikalisch präsentiert sich die Band zwar eindeutig modern, doch immer wieder brechen brachiale Riffs und aggressive Passagen hervor, die deutlich machen, dass hier Musiker am Werk sind, deren Wurzeln weit über aktuelle Metalcore-Trends hinausreichen. Gerade dieser Mix macht den besonderen Reiz aus. KBC wirken niemals aufgesetzt oder kalkuliert. Vielmehr scheinen sie moderne Einflüsse organisch in ihren eigenen Stil integriert zu haben. Die Band bleibt sich selbst treu und entwickelt sich dennoch hörbar weiter. Mich überzeugt der Auftritt so sehr, dass ich die Gelegenheit nutze, spontan ein Interview mit der Band zu führen. Wer die sympathischen Griechen erlebt hat, versteht schnell, warum sie zu den großen Gewinnern des ersten Festivaltages gehörten.

Viel Growl trotz Festivalmotto

Zurück auf der Garden Stage folgt mit Being Of Entropy eine Band, die das Festivalmotto augenzwinkernd auf die Probe stellt. „Less Growl“ bedeutet schließlich nicht „No Growl“ – und genau das beweisen die Zyprer eindrucksvoll. Der Frontmann scheint jede Faser seines Körpers in den Gesang zu legen und schreit sich förmlich die Seele aus dem Leib. Dabei überzeugt die Band nicht nur durch ihre Intensität, sondern auch durch eine starke Bühnenpräsenz. Besonders beeindruckend ist der junge Schlagzeuger, der trotz seines Alters bereits erstaunlich souverän agiert und das Fundament für den wuchtigen Sound legt. Being Of Entropy gehören zu jenen Bands, denen man problemlos eine große Zukunft innerhalb der zyprischen Metalszene zutrauen kann.

Guiltera – Gastgeber mit Ambitionen

Guiltera – G-Fest – 2026

Zurück auf der Main Stage betreten nun die Organisatoren selbst die Bühne. Guiltera, die Band, aus deren Namen sich auch das G-Fest ableitet, zählt noch zu den jüngeren Formationen der zyprischen Metalszene. Doch wer ihren Auftritt erlebt, merkt schnell, dass hier eine Band mit klarer Vision und großen Zielen am Werk ist. Im Mittelpunkt steht Frontfrau Vikki, ein wahres Energiebündel. Kaum betritt sie die Bühne, zieht sie das Publikum in ihren Bann. Mit ihrer natürlichen Ausstrahlung, ihrer Spielfreude und permanentem Kontakt zu den Fans wirkt sie, als stünde sie genau dort, wo sie hingehört. Ihre Energie überträgt sich mühelos auf die Zuschauer und macht den Auftritt zu einem der unterhaltsamsten des Tages. Gitarrist und Hauptsongwriter Alex versteht es, moderne Metalcore-Elemente mit eingängigen Melodien und dezenten Progressive-Einflüssen zu verbinden, ohne dabei die nötige Wucht aus den Songs zu nehmen. Seine Kompositionen wirken durchdacht und abwechslungsreich, während Frontfrau Vikki ihnen auf der Bühne mit ihrer unbändigen Energie zusätzlich Leben einhaucht. Gemeinsam bilden beide das kreative Herz der Band – nicht nur musikalisch, sondern auch als treibende Kräfte hinter dem G-Fest selbst. Dass Guiltera längst über die Grenzen Zyperns hinaus denken, zeigt auch ihre jüngste Tour als Support von Skillet. Weitere internationale Pläne, darunter eine Asientour, stehen bereits im Raum. Betrachtet man die Entwicklung der Band, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Guiltera auch regelmäßig auf europäischen Festivalbühnen zu sehen sein werden.

The Djingerbread Experience sorgen für Ausnahmezustand

Mit The Djingerbread Experience folgt anschließend deutscher Besuch. Schon optisch sticht die Band heraus. Statt der üblichen Bandshirts erscheinen die Musiker komplett in Schwarz gekleidet, mit eleganten Hemden, die fast an das Outfit einer Service-Crew erinnern. Dieser bewusst schlichte Look bildet einen spannenden Kontrast zu der enormen Energie, die wenig später auf der Bühne explodiert. Musikalisch bewegen sich die Deutschen deutlich stärker im klassischen Metalcore als viele andere Bands des Wochenendes. Harte Breakdowns, aggressive Growls und hymnische Refrains wechseln sich gekonnt ab. Persönlich liegt mir diese Ausrichtung zwar etwas weniger als die stilistisch offeneren Acts des Festivals, doch an der Qualität des Auftritts gibt es keinerlei Zweifel. Vor allem das Publikum feiert die Band frenetisch. Schon nach wenigen Songs bilden sich Circle Pits und Moshpits, immer mehr Zuschauer stürmen nach vorne. Selbst der Sänger mischt sich später unter die Fans und feiert gemeinsam mit ihnen weiter. Für die Band scheint die Begeisterung fast überraschend zu kommen. Entsprechend groß ist die Spielfreude, die sich von Minute zu Minute weiter steigert. Ein beeindruckender erster Auftritt auf zyprischem Boden.

Eine Drohnenshow als Liebeserklärung an Zypern

Bevor der Headliner des ersten Abends die Bühne betritt, richtet sich der Blick in den Himmel. Hunderte Drohnen formen verschiedene Motive und verleihen dem Festival einen unerwartet emotionalen Moment.
Flammende Gitarren, die berühmte Metal-Pommesgabel und schließlich sogar die Silhouette Zyperns erscheinen über dem Festivalgelände. Die Show wirkt dabei nie wie ein bloßer Effekt, sondern vielmehr wie eine Liebeserklärung der Veranstalter an ihre Heimat. Überhaupt zieht sich diese Verbundenheit wie ein roter Faden durch das gesamte Festival. Das G-Fest möchte nicht einfach nur ein weiteres Metalfestival sein, sondern ein Stück zyprischer Identität vermitteln – offen, herzlich und mit einem Augenzwinkern.

Her Last Sight liefern die Show des Abends

Her Last Sight – G-Fest – 2026

Schon das Intro zeigt, dass die Israelis Unterhaltung großschreiben. Zunächst erscheint das bekannte Logo von 20th Century Fox auf der Videowand – allerdings mit dem Namen der Band anstelle des Filmstudios. Es folgt eine humorvolle, KI-generierte Vorstellung der Musiker, bevor diese schließlich unter lautem Jubel die Bühne betreten. Alle fünf Musiker betreten schließlich die Bühne in weißen „I Love Cyprus“-T-Shirts – genau den Souvenirshirts, die man in nahezu jedem Touristenladen der Insel findet. Ein kleiner Gag mit großer Wirkung, der beim heimischen Publikum sofort für Begeisterung sorgt und zeigt, dass sich die Band Gedanken gemacht hat, wie sie ihre Gastgeber auf sympathische Weise abholen kann. Musikalisch liefern Her Last Sight modernen Metalcore auf höchstem Niveau, doch gerade ihre unzähligen Stilbrüche machen den Auftritt so unterhaltsam. Zwischen brachialen Breakdowns und hymnischen Refrains tauchen plötzlich Western- und Country-Anspielungen auf, bevor die Band Sekunden später wieder mit voller Wucht in den Metal zurückkehrt.
Diese bewussten Genrewechsel wirken nie beliebig, sondern unterstreichen den fast schon filmischen Charakter ihrer Show. Auch technisch bleibt kaum ein Wunsch offen. Der Sound gehört zu den besten des gesamten Wochenendes. Zeitweise wirkt die Mischung derart präzise, dass man beinahe das Gefühl hat, eine Studioaufnahme zu hören. Ob eigenes Produktionsteam oder nicht – klanglich setzen Her Last Sight an diesem Abend Maßstäbe. Zum Finale wird es noch einmal herrlich verrückt. Gemeinsam mit Moderator Cypriot Smurf, diesmal wieder in seiner bekannten Verkleidung, verwandelt sich die Bühne kurzfristig in eine griechische Taverne. Zwischen traditionell anmutender Taverna-Stimmung und völlig überdrehtem Metal wird getanzt, gefeiert und gelacht – bis schließlich sogar eine Flasche nach typisch griechischem Brauch auf dem Kopf von Cypriot Smurf zerschlagen wird. Zwischen ausgelassener Stimmung, augenzwinkerndem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie endet der erste Festivaltag mit einem der unterhaltsamsten Momente des gesamten Wochenendes. Trotz der überschaubaren Besucherzahl verlässt kaum jemand das Gelände enttäuscht. Im Gegenteil: Die Stimmung ist hervorragend, die Gespräche drehen sich bereits um den zweiten Festivaltag – verbunden mit der Hoffnung, dass am Samstag noch mehr Besucher den Weg zum G-Fest finden.

Tag zwei – Kunst, Extreme und Lokalhelden

Der zweite Festivaltag beginnt für mich etwas anders als geplant. Statt pünktlich vor der Bühne zu stehen, verbringe ich den frühen Abend mit zwei Interviews – eines mit den Veranstaltern des G-Fests, das andere mit Kin Beneath Chorus. Eine Entscheidung, die ich nicht bereue, auch wenn sie ihren Preis hat: Den Auftritt des Openers Mould verpasse ich größtenteils. Schon beim Betreten des Geländes wird allerdings klar, dass ich etwas Besonderes verpasst habe. Während der Interviews kann ich die Vorbereitungen für die Show verfolgen, die zeigen, die erahnen lassen, dass hier weit mehr als ein gewöhnliches Konzert geboten wurde.

Mould – Zwischen Performancekunst und Metal

Was ich noch miterleben kann, gleicht eher einer düsteren Kunstinstallation als einer klassischen Metalshow. Blut wird über nackte Oberkörper und Hälse gestrichen, Musiker betreten maskiert die Bühne, zwei komplett schwarz gekleidete Frauen mit Bondage-Elementen begleiten die Inszenierung, später kommen weitere Masken und Facepaint zum Einsatz. Mould selbst erscheint zunächst in einer Zwangsjacke und wird von seinen Begleiterinnen auf die Bühne geführt. Musikalisch bewegt sich das Projekt irgendwo zwischen Dark Wave, Black Metal, Post Metal, Industrial, Pagan-Einflüssen und düsteren Klanglandschaften. Akustische Passagen wechseln sich mit extremen Ausbrüchen ab, Melancholie trifft auf rohe Aggression. Selbst ohne den kompletten Auftritt gesehen zu haben, bleibt der Eindruck, dass hier weniger ein Konzert als vielmehr ein Gesamtkunstwerk präsentiert wurde. Auch wichtig zu sagen, dass es sich hier um einen zyprischen Künstler/Musiker handelt.

New Disorder überzeugen mit Erfahrung

New Disorder – G-Fest – 2026

Zurück auf der Main Stage übernehmen New Disorder aus Italien. Im Vergleich zu vielen anderen Bands des Wochenendes fällt zunächst eines auf: Die Musiker bringen sichtbar mehr Bühnenerfahrung mit. Das Durchschnittsalter liegt etwas höher als bei den meisten Acts des Festivals – und genau das merkt man ihrem souveränen Auftreten an. Anstatt sich in extremer Bewegung zu verlieren, strahlt die Band eine angenehme Ruhe und Selbstverständlichkeit aus. Jeder Griff sitzt, jeder Song wirkt eingespielt. Musikalisch verbinden die Italiener modernen Metal mit klassischen Einflüssen und schaffen damit einen Sound, der sowohl eingängig als auch druckvoll bleibt. Growls und melodische Passagen halten sich dabei gekonnt die Waage. Vielleicht gehören New Disorder nicht zu den spektakulärsten Bands des Wochenendes, dafür liefern sie einen rundum überzeugenden und professionellen Auftritt ab, der beim Publikum entsprechend gut ankommt. Was ich im Laufe des Abends an gekauften T-Shirts und Gesprächen vom Publikum mit der Band noch sehen kann.

Dame Tu Alma – düster, exzentrisch und überraschend eingängig

Mit Dame Tu Alma aus der Schweiz folgt anschließend einer der visuell eindrucksvollsten Auftritte des gesamten Festivals. Schon beim Betreten der Bühne wird klar, dass hier viel Wert auf eine eigene Ästhetik gelegt wird. Aufwendige Kostüme, aufwendiges Make-up und ein düsteres Bühnenbild lassen zunächst vermuten, dass nun kompromisslos extremer Black oder Death Metal folgen könnte. Doch genau das macht den Reiz der Schweizer aus. Hinter der morbiden Fassade verbirgt sich erstaunlich eingängiger Dark Metal mit Gothic- und Alternative-Rock-Einflüssen. Die Songs besitzen Ohrwurmqualitäten, ohne ihre düstere Atmosphäre zu verlieren. Besonders Gitarrist Vidame de la Fey zieht dabei immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Mit seinem markanten Make-up – der untere Teil des Gesichts tiefschwarz, darüber ein fast weiß geschminktes Gesicht mit leuchtend roten Lippen – wirkt er wie eine Figur aus einem düsteren Tim-Burton-Film. Immer wieder setzt er dieses verschmitzte, fast boshafte Grinsen auf, das unweigerlich Erinnerungen an den Joker weckt, ohne wie eine bloße Kopie zu erscheinen. Vielmehr erschafft er seinen ganz eigenen Charakter. Auch Sänger Vulture King mit seinem imposanten Kinnbart verleiht der Band eine eindrucksvolle Präsenz, während Bass und Schlagzeug das Fundament für die dichte Atmosphäre liefern. Gerade weil sich niemand in den Vordergrund drängt, wirken Dame Tu Alma als Einheit besonders stark. Eine Band, die weit mehr Aufmerksamkeit verdient und auch auf europäischen Festivals problemlos bestehen dürfte.

Speak In Whispers setzen das nächste Ausrufezeichen

Speak In Whispers – G-Fest – 2026

Am frühen Abend gehört die Main Stage schließlich einer Band, auf die sich viele Besucher besonders gefreut haben: Speak In Whispers. Die Formation aus Larnaka zählt seit einigen Jahren zu den spannendsten Aushängeschildern der zyprischen Metalszene und hat sich ihren Ruf mit starken Live-Auftritten und kontinuierlicher Weiterentwicklung verdient. Bereits bei ihrem Konzert als Support von Soen in der Royal Hall in Nikosia setzte die Band erstmals auf eigens produzierte Hintergrundvisuals. Beim G-Fest kommt diese Produktion nun zum zweiten Mal zum Einsatz – und zeigt eindrucksvoll, welchen Mehrwert sie der ohnehin intensiven Live-Performance verleiht. Die Animationen greifen die Stimmung und die Inhalte der Songs auf und machen den Auftritt noch atmosphärischer. Ganz reibungslos beginnt das Set allerdings nicht. Kleine technische Probleme machen sich zunächst bemerkbar – sowohl am Sound als auch daran, dass die Band auf der Bühne noch nicht ganz zu ihrer gewohnten Sicherheit findet. Doch Speak In Whispers bewahren die Ruhe. Mit jedem Song gewinnen sie mehr Selbstvertrauen, der Sound findet seine Balance und die Performance entwickelt nach und nach genau jene Wucht, für die die Band inzwischen bekannt ist. Der Mix aus atmosphärischen Melodien, druckvollen Riffs und emotionalen Vocals entwickelt einen regelrechten Sog. Zusammen mit den Visuals entsteht ein nahezu cineastisches Konzerterlebnis, das das Publikum vollständig in seinen Bann zieht. Spätestens jetzt zeigt sich einmal mehr, warum Speak In Whispers derzeit zu den wichtigsten und spannendsten Metalbands Zyperns zählen. Für mich gehören Speak In Whispers weiterhin zu den spannendsten Bands Zyperns. Wer die Gelegenheit hat, sie beim Wacken Open Air zu erleben, sollte unbedingt vorbeischauen.

Eine Verlosung mit Herz

Bevor es musikalisch weitergeht, bittet Moderator Cypriot Smurf das Publikum noch einmal vor die Bühne. Das G-Fest nutzt die Pause für eine Verlosung, welche im Vorfeld des Festivals auf IG stattfand. Gemeinsam mit Guiltera-Gitarrist Alex und Frontfrau Vikki wird eine Manson-Gitarre samt Tasche an eine glückliche Gewinnerin übergeben. (Gesponsert von Manson Guitar Works und Ahead Music.) Solche Momente mögen auf den ersten Blick klein wirken, unterstreichen aber den familiären Charakter des Festivals und den engen Kontakt zwischen Bands und Publikum.

Saisei lassen die Garden Stage beben

Mit Saisei aus Athen, Griechenland, wird es anschließend wieder deutlich härter. Zwei Sänger teilen sich die Bühne und wechseln sich mit unterschiedlichen Gesangsstilen ab, wodurch der ohnehin druckvolle Sound zusätzliche Dynamik gewinnt. Die Band versteht es hervorragend, das Publikum einzubinden. Circle Pits entstehen beinahe von selbst, immer mehr Fans springen, feiern und singen mit. Unterstützt wird das Ganze von humorvollen und kreativ gestalteten Visuals, die immer wieder für Schmunzler sorgen und den Auftritt angenehm auflockern. Saisei verlassen die Bühne mit spürbar mehr Fans, als sie sie betreten haben – ein klares Zeichen dafür, dass ihr Auftritt Eindruck hinterlassen hat.

Textures demonstrieren Weltklasse

Textures – G-Fest – 2026

Den Abschluss des Festivals übernehmen Textures aus den Niederlanden – eine Band, auf die viele Besucher das gesamte Wochenende gewartet haben. Die Niederländer gehören seit Jahren zu den wichtigsten Vertretern des Progressive Metal und zeigen eindrucksvoll, warum sie diesen Ruf genießen. Technisch bewegt sich die Band auf höchstem Niveau. Komplexe Rhythmen, präzises Zusammenspiel und ein beeindruckender Wechsel zwischen filigranen Melodien und massiven Klangwänden prägen den Auftritt. Persönlich liegt mir der moderne Progressive Metal stellenweise etwas weniger als die melodischeren Bands des Wochenendes. Dennoch wäre es vermessen, die Qualität dieser Musiker nicht anzuerkennen. Textures liefern eine Performance ab, die sowohl technisch als auch klanglich kaum Wünsche offenlässt und einen würdigen Schlusspunkt unter zwei intensive Festivaltage setzt.

Fazit – Ein Festival mit eigener Identität

Man kann über Besucherzahlen diskutieren oder darüber, ob das Line-Up genügend große Namen bietet. Doch genau darin liegt vielleicht gar nicht die Stärke des G-Fests. Dieses Festival versucht nicht, Wacken oder Graspop zu kopieren. Stattdessen hat es den Mut, seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Moderne Metal-Spielarten stehen bewusst im Mittelpunkt, internationale Gäste treffen auf die spannendsten Bands der zyprischen Szene, und all das geschieht in einer Atmosphäre, die eher an ein großes Familientreffen erinnert als an ein anonymes Massenfestival. Die Wahl der EKTO-Location erweist sich dabei als Glücksgriff. Das urbane Ambiente, die kurzen Wege, die beiden Bühnen ohne lange Umbaupausen und die entspannte Organisation sorgen dafür, dass sich das gesamte Wochenende angenehm entschleunigt anfühlt. Selbst der klimatisierte VIP-Bereich ist bei sommerlichen Temperaturen mehr als nur ein nettes Extra. Vor allem aber transportiert das G-Fest eine Botschaft, die man nicht oft genug hören kann: Metal darf Spaß machen. Zwischen harten Breakdowns, emotionalen Momenten, einer spektakulären Drohnenshow, humorvollen Moderationen und einem augenzwinkernden „Greek Tavern Metal“-Finale entsteht ein Festival, das sich selbst nicht zu ernst nimmt – seine Musik dagegen umso mehr. Wer seinen Sommerurlaub einmal mit einem Metalfestival verbinden möchte, sollte das G-Fest definitiv im Blick behalten. Zypern bietet Sonne, Meer und Gastfreundschaft – und mit dem G-Fest inzwischen auch ein Festival, das seinen ganz eigenen Platz in der europäischen Metalszene gefunden hat.