Event: S.O.S.-Tour 2025
Headliner: Mr. Hurley & Die Pulveraffen
Vorband: Vroudenspil
Nachband: MacPiet
Ort: Markthalle Hamburg
Datum: 06.12.2025
Genre: Piraten Rock / Grog ’n‘ Roll
Besucher: Um die 1.000

Eins der letzten – und besten – Konzerte 2025 waren für mich Mr. Hurley & Die Pulveraffen: “Eure liebste Piratenband aus dem karibischen Osnabrück”, wie sie sich gerne vorstellen. Die Fans – Freibeuter, Piraten und Einhörner – warten kurz vor Beginn noch in einer über hundert Meter langen Schlange vor der Hamburger Markthalle noch bis auf die Altmannbrücke. Es ist schon wieder ausverkauft. Am Abend zuvor waren die Pulveraffen bereits hier, heute ist die Zusatzshow und zugleich Tour-Semifinale.
Semifinale, weil es im März und Anfang April noch ein paar S.O.S.-Tourtermine geben wird – dann mit Redwood als Vorband, der Band von Pulveraffen-Fotografin Jimmy. Unverschämterweise soll es 2026 nicht einen Termin in Hamburg geben, sodass die Termine in Kiel und Osnabrück sehr verlockend klingen. Stichwort Vorband: Das sind heute Vroudenspil, die sich während der Tour mit den Hamburgern von Vogelfrey abgewechselt haben.
Und Vroudenspil machen ihrem Namen alle Ehre: Es ist einfach ein Fest. Mit allerlei Blas- und Quetsch-Instrumenten reißen sie die bereits jetzt fast prallvolle Markthalle ab, während zwei Kerle in Rettungsringen über die Wellen surfen. Und als die Band dazu auffordert, beim Plankentango alle NAZIs über Bord gehen zu lassen, springt das Publikum so sehr mit, dass jedes Schiff dadurch kentern würde. Es ist ein Top-Auftritt, der direkt Bock ihre eigene Mini-Tour mit den Habenichtsen im April und Mai macht.


Zwischendurch kommen die Pulveraffen auf die Bühne und schenken den Spielleuten von Vroudenspil einen der Surf-Rettungsringe mit all ihren Unterschriften – der andere Rettungsring geht an MacPiet, der nach jedem Konzert noch eine kleine Aftershow liefert. Nebenbei erfährt man, dass die Pulveraffen vor vielen, vielen Jahren mal die Vorband der Spielleute von Vroudenspil waren – wenn das nicht nach einer Konter-Meuterei schreit …
Davor machen die Pulveraffen aber erst mal klar, dass es noch bombastischer geht. Von der Achterbahn Am Achterdeck an herrscht einfach durchgehend eine energiegeladene Party. Recht früh singt Pegleg Peggy über die Hassbeziehung ihres Holzbeins zu Sägefischen und lässt so einige Männer über Bord gehen. Währenddessen wird um eine Flagge gemosht – aber nur von Frauen. In Peggys Moshpit sollen keine vier-Meter-Wikinger ihre Ellenbogen auf Kopfhöhe präsentieren – trotz allen Pfefferminzlikörs sind die Pulveraffen doch sehr achtsam.
Dem Pfefferminzlikör, der zwischendurch immer wieder von der Crew serviert wird, wurde inzwischen sogar ein eigener Jingle gewidmet. Der wird auch immer wieder stolz präsentiert, um neben Pfefferminzlikör GEMA-Gebühren abzuräumen. Und auch wenn Mr. Hurley noch immer mit Pfefferminzlikör von der Bühne gelockt werden kann – seine Schnauze kann er hier in Hamburg nicht halten.

Als dann Blackbeard vom neuen Album gespielt wird, fallen haufenweise Piraten auf die Knie und rudern mit – obwohl die Band noch gar nicht dazu aufgerufen hat. Als sie dann beim nächsten Song darum bittet, steht in der vorderen Hallenhälfte fast niemand mehr. Kurz danach taucht MacPiet mit seiner Gitarre in self-branded Sportkleidung auf der Bühne auf. Währenddessen erklimmt Mr. Hurley, nur mit seinem Mikrofon bewaffnet, die Balustraden am Mischpult und singt mit dem Publikum – und trinkt natürlich auch mit, als ihm ein Flachmann gereicht wird: “Sehr sympathisch, auch wenn die Markthalle das bestimmt nicht mag”, hatte er das schon früh beim Anstoßen kommentiert.
Darauf folgt ein schöner Moment: Ein ganz klares Statement gegen Rechts, das nicht allen schmeckt. Der Haifisch und “Hamburg gegen NAZIs” schallen laut durch die Halle, während auch Crew und Vorband Flagge zeigen. In Hamburg ist das Signal vielleicht weniger stark als im Osten der Republik, aber zweifelsfrei wichtig – und auch hier vergrault es mal wieder ein oder zwei Leute.

Kurz darauf folgt eine weitere Tradition: Ein Medley aus allerlei alten Songs. Und gerade, als Mr. Hurley davon singen will, wie die Frau des Kapitäns nackt in seiner Koje liegt, unterbricht ihn Der Einäugige Morgan eiskalt – neben den Trommeln ist er Herr des Pfeffi-Jingles. Da ist einfach jeder Widerstand zwecklos: Das gilt übrigens auch, als Vroudenspil und MacPiet auf die Bühne kommen – und meutern.

Statt die einzelnen Pulveraffen nur vorzustellen, wie es ihre Aufgabe wäre, ziehen die anderen Bands einfach eine Pistole und schicken die Affen über die Planke. Währenddessen wird ein Disney-Chorus gesungen, damit sie auch ja springen. Vroudenspils Sänger bleibt dann auch direkt auf der Bühne, um noch einen mitzusingen. Als Entschädigung für all den Trubel gibt es immerhin noch ein Geschenk für Mr. Hurley: Eine drei-Liter-Pfeffiflasche. Die wird während der Backstage-Party dann auch schon vollständig geleert …
Den Pulveraffen gelingt es in Hamburg immer wieder, nicht nur pure Ekstase, sondern auch ein familiäres Gefühl zu verbreiten. Das fängt mit all den Shoutouts an: Für ihre Crew. Für den Piratencaptain, der das LARP organisiert hat, auf dem sie erstmals spielten und der heute im Publikum mittanzt … Und es geht weiter mit dem Publikum, den Piraten und tanzenden Einhörnern und allen anderen, die dieses Tourfinale so besonders machen.

Irgendwann ist dann auch das größte Spektakel zu Ende und es bleiben nur noch Bierpfützen und Konfettireste – und etwa ein-, zweihundert Leute für MacPiet. Der Liedermacher spielt als Aftershow-Act noch einige bekannte Stücke, etwa Bella Ciao, Loosing My Religion und Heute Hier, Morgen Dort. Währenddessen mischen sich die Pulveraffen noch in Zivil unters restliche Publikum und es wird noch etwas gefeiert, während die Crew hinter MacPiet’s Bühnen-Backdrop aufzieht, um mit ihm zu füßeln und in Socken seine Hände zu schütteln. Man kann sich der Magie eines Tourabschlusses nicht wirklich entziehen. Erst recht nicht, wenn die Bands nicht nur für Fans, sondern auch für Freunde und Familie spielen.
































