Our Mirage – Fractured Minds

30.01.2026 - Metalcore, Post-Hardcore - Arising Empire - 35:03 Minuten

The Empire Strikes Back! Das Hamburger Label Arising Empire versorgt Freunde des modernen Metalcore seit Jahren mit starken neuen Bands. Zu diesen zählen auch Our Mirage, die mit ihrem vierten Album Fractured Minds in den Startlöchern stehen. In meinem persönlichen Ranking mussten sich Our Mirage diesen Status erst erarbeiten. Ähnlich wie ihre Label-Buddys von Venues waren mir die ersten Releases schlicht nicht fesselnd genug, um am Ball zu bleiben. Doch vor ziemlich genau zwei Jahren änderte sich meine Sichtweise. Härter als gewohnt zerstörten Our Mirage mein bisheriges Bild ihres Sounds mit der Single Farewell. Untermauert wurde meine aufkommende Begeisterung durch ein Konzert, auf dem ich mehr Schweiß vergossen habe als erwartet. Die Jungs sind auf der Bühne eine Macht! Darüber hinaus ist Frontmann Timo für mich so etwas wie der Tobias Sammet des Metalcore. Er singt wie ein junger Gott, produziert in seinem eigenen Studio und hat mit Alleviate ein weiteres heißes Eisen im Feuer.

Our Mirage – Quelle: Arising Empire

Der Tag mag kommen, an dem ich mich daran gewöhne, dass bei Release eines Albums bereits mehr als die Hälfte des Materials als Stream verfügbar ist. Doch dieser Tag ist noch fern! Der Vorteil besteht natürlich darin, dass einige Nummern bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind. Ich bin gespannt, ob diese „gebrochenen Seelen“ auch als Gesamtkunstwerk funktionieren.

Querverweise ohne Kopierfunktion

Noch etwas verhalten startet Fractured Minds mit dem eingängigen Schmachtfetzen Bury Me. Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden: Der Opener schafft es auch nach unzähligen Durchläufen nicht, mich zum Abzappeln anzustacheln. Deshalb direkt weiter zu Violent Spin. Die Melodien und verzerrten Spoken-Word-Passagen lassen mich ein bisschen an Sleep Token denken, die Our-Mirage-Sänger Timo bereits gekonnt auf seinen Social-Media-Kanälen coverte. Timos Cleangesang ist seit dem letzten Album Eclipse (2022) gewachsen. Zudem steuert Bassist Manuel immer wieder Gesangs-Parts zum Gesamtsound bei. Der abgrundtief böse Breakdown verstärkt mein „Sleep-Token-Gefühl“ noch weiter, ohne dass ich hier auch nur im Entferntesten von einem Rip-off sprechen möchte.

Zielstrebige Hooks treffen auf ehrliche Emotionen

Hit-Alarm! Right Now liefert die bekannte Hook-Garantie der Jungs und ein Gitarrensolo zum Niederknien. Wer meint, dass Soli im modernen Metalcore keinen Platz hätten, wird hier eines Besseren belehrt. Einer dieser Momente, in denen ich vergesse, dass ich gerade im Auto sitze, und trotzdem wird die Luftgitarre ausgepackt. ColdHearted ist eines der wenigen brandneuen Stücke auf Fractured Minds. Dieses Wiegenlied geht unter die Haut. Die Verzweiflung in den Vocals ist spürbar und der proggig angehauchte Breakdown trifft mich mitten ins Herz. Geiler Scheiß!

Schmeißt die Hände in die Luft und singt: „Wohohohoho“. Fractured liefert Sprechgesang und erneut Hooks en masse. Das machen die Jungs eben so gut wie ihre Label-Kollegen von From Fall To Spring. Immer wieder wird Öl ins Feuer gegossen, was den tiefgründigen Texten – die sich oft mit persönlichen Dämonen wie Depressionen auseinandersetzen – zusätzlichen Tiefgang verleiht. Wie bereits erwähnt, hat die erste Single Farewell bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch zwei Jahre später hat der Song nichts von seiner Durchschlagskraft eingebüßt. Metalcore wie aus dem Lehrbuch. Bei Timos verzweifelten Schreien am Ende des Songs ist Gänsehaut vorprogrammiert.

Vorzügliche Gästeliste

Es schlägt die Stunde der Features: Den Auftakt machen Elwood Stray, die in den letzten Jahren die eine oder andere Duftmarke in der Szene hinterlassen haben. Meine Damen und Herren, eskalieren Sie jetzt. Derbe-Rap-Parts treffen in The Chase auf runtergestimmte Gitarren. Zwischendurch wird noch ein schweißtreibender Hardcore-Moshpit in die hungrige Meute gefeuert. Nu Metal ist noch lange nicht tot. Eigentlich haben Our Mirage bis hierhin schon genügend Überzeugungsarbeit geleistet, haben aber mit Don’t Talk noch ein Ass im Ärmel. Als Verstärkung dient hier Christopher Kristensen, Sänger der schwedischen Post-Hardcore-Institution Dead By April. Der intensive Refrain –mit den bittersüßen Zeilen „In the eye of the storm, will I rise or will I fall? ’Cause whenever I hear someone call my name, feels like they’re pouring acid rain“ – geht mir nicht mehr aus dem Kopf und sorgt nach unzähligen Durchläufen noch immer für Gänsehaut bis unter die Schädeldecke. Der beste Refrain der Band bis hierhin und einer meiner meistgehörten Songs des vergangenen Jahres. Ein eingängiger Refrain wäre jedoch nichts ohne mitreißende Strophen. Don’t Talk kann einfach alles.

God Behind Your Eyes schaltet zwei Gänge zurück. Diese herzzerreißende Liebeserklärung schrieb Sänger Timo, um seiner Partnerin einen Heiratsantrag zu machen. „Emotional overload“ ist somit garantiert und das nahezu ohne Kitsch. Our Mirage haben sich ihre zahlreichen Follower hart erarbeitet. Sie liefern immer wieder unterhaltsamen Content, der den Nerv der Fans trifft. So auch geschehen mit dem Gastauftritt im abschließenden Timeloss. Harsh-Vocal-Coach Dave aka Screamistry sprang beim Vainstream scheinbar „zufällig“ auf die Bühne und verdiente sich somit seinen Guestspot auf Fractured Minds. Die Vocal-Produktion gebührt hier ein extra großes Lob. Mal kommen Cleans und Screams im Einklang daher, mal werden sie geschickt überblendet oder liefern sich ein Duell. Ein Abschluss, der dem Album mehr als gerecht wird.

HIER! geht es für weitere Informationen zu Our Mirage – Fractured Minds in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Our Mirage – Fractured Minds
Fazit zu Fractured Minds
Ihr wolltet bereits Ende Januar einen Gradmesser für das gesamte Jahr des modernen Metalcore? Hier habt ihr ihn! Our Mirage verbessern auf Fractured Minds sowohl ihre individuellen Fähigkeiten an den Instrumenten als auch ihr Songwriting und haben darüber hinaus ein unnachahmliches Gespür für Hooklines. Zehn Songs, die als Stimme für all die Kämpferinnen und Kämpfer in unserer Gesellschaft dienen. Singt, schreit und mosht euch eure „gebrochene Seele“ aus dem Leib – right now!

Anspieltipps: Violent Spin, ColdHearted, Farewell und Don’t Talk
Flo W.
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