Event: HöpenAir Festival 2026
Bands: Raketen Erna, The Feelgood McLouds, Mandowar, Rogers, The New Roses, Le Fly
Ort: Veranstaltungsgelände Freilichtbühne Höpen, 29640 Schneverdingen
Datum: 06.06.2026
Kosten: VVK circa 38 € plus Gebühren, AK 45 €
Zuschauer: ca. 1500 Leute (grobe Schätzung)
Genre: Comedy, Celtic Folk Rock, Punk Rock, Hard Rock, Blues Rock, Classic Rock, Elektro, Rap Ska
Link: https://hoepenair.de/
HöpenAir 2026? Was soll das für ein Festival sein? Der Stadtjugendring Schneverdingen e. V. veranstaltet bereits seit 1985 ein kleines, buntes Festival auf dem Veranstaltungsgelände Freilichtbühne Höpen, einem Ortsteil von Schneverdingen. Der Ort befindet sich im Hamburger Speckgürtel, unweit der B3 in der Lüneburger Heide. Wer von Süden auf der A7 Richtung Hamburg fährt, wird sich über die Skisportanlage bei Bispingen wundern. Genau dort liegt grob Schneverdingen. Bands wie Torfrock, Illegal 2001, Spider Murphy Gang oder Mr. Hurley & Die Pulveraffen waren bereits bei dem Festival.

Bunt und nicht braun – das HöpenAir 2026
Das HöpenAir 2026 ist bunt und nicht braun. Das bezieht sich sowohl auf das Veranstaltungsteam als auch auf die Künstlerschaft. Klare Statements sind am Eingang platziert. Eigentlich sollte ein respektvoller Umgang mit jedem Menschen eine Selbstverständlichkeit sein. Am Nachmittag geht es bereits mit einem Kinderprogramm los. Wir verzichten bewusst auf Raketen Erna und Co. Der Nachmittag gehört Kindern und Familien, nicht der schreibenden und fotografierenden Zunft. Um 18 Uhr geht es für uns los mit einer bekannten Größe des Hörnerfests.

The Feelgood McLouds spielen einen Celtic-Folk-Rock- und Punk-Mix. Nach dem Kinderprogramm sind viele Familien auf dem Gelände, aber nicht unbedingt die Anhängerschaft von Punk und Rock. Mit den in der Regel englischsprachigen Titeln kommt das bunt gemischte Publikum nicht zurecht. Da hilft auch das von den Broilers bekannte Cigarettes & Whisky nicht. Erst mit Marmor Stein Und Eisen Bricht und deutschem Schlager schaffen The Feelgood McLouds es, das Publikum zu animieren. Schade, eigentlich ist die Musik auf Festivals fast ein Selbstläufer, zwischen 18 Uhr und 19 Uhr in Schneverdingen funktioniert das aber nicht.

Umbaupause. Diese Pausen überbrückt Mandowar, ein Trio, das sich mit Ukulele und Akustikgitarre durch metallisches und rockiges Liedgut covert. Das geht von Rammstein über Deep Purple bis zu Iron Maiden. Die Interpretationen sind witzig und unterhaltsam und für die circa 20 Minuten während der Umbaupausen eine gute Idee. Aber auch hier kommen Rammstein oder anderes deutschsprachiges Liedgut besser an als Aces High von Iron Maiden.
Gegen einige Minuten vor 20 Uhr stehen die Rogers auf der Bühne und müssen aufgrund eines medizinischen Notfalls direkt vor der Bühne ihr Set nach wenigen Minuten unterbrechen. Hier läuft nahezu alles vorbildlich ab. Keine Gaffer, es wird ruhig abgewartet, bis die medizinische Erstversorgung durchgeführt wurde und der Mensch sich in der Obhut der Rettungskräfte befindet. Dann geht es weiter und auch die Rogers bedanken sich für das vorbildliche Verhalten des Publikums.
Mit Punkrock kommt Festivalstimmung auf

Die Truppe aus Düsseldorf liefert Punkrock der leicht verdaulichen Art, bei dem es nicht nur auf die Zwölf gibt, sondern auch mitgetanzt und mitgesungen werden kann. Textlich sind die Rogers nicht weit entfernt von den großen Punk-Pop-Bands aus Düsseldorf. Gesellschaftskritik, der Rechtsruck oder der eigene Weg werden mit Nummern wie Einen Scheiß Muss Ich, Mittelfinger Für Immer, Nie Euer Land, Geh Mir Nicht Mehr Auf Die Eier oder Die Nachbarn Von Oben besungen. Die Stimmung hebt wieder ein Cover. Kreuzberger Nächte, im Original von den Gebrüdern Blattschuss, kommt als Punk-Variante durchaus rüber.
Rambazamba & Randale und Einen Letzten Abend setzen den Schlusspunkt, wobei sich mittlerweile einiges an Verspätung durch den medizinischen Notfall angesammelt hat. So langsam kommt Festival- und Konzertfeeling auf und der Bereich vor der Bühne füllt sich mehr und mehr. Es gibt sogar einen kleinen Moshpit und die Polonaise schlängelt sich über das Gelände.
Der Regen kommt mit The New Roses

Während der Umbaupause und dem zweiten Auftritt von Mandowar fängt es an zu regnen. Der Regen wird von Minute zu Minute stärker, sodass Teile vom Equipment abgedeckt werden müssen und der nahfolgende Act The New Roses unter technischen Problemen beim Line-Check leidet. Irgendwann läuft alles und die bekannten Classic-Rocker starten mit dem Titeltrack des aktuellen Albums Attracted To Danger. Mit der neuen Platte sind The New Roses zum Quintett angewachsen. Der langjährige Gitarrist Norman Bites ist wieder zurückgekehrt und Timmy Rough konzentriert sich ausschließlich auf den Gesang.

Leider wird das Wetter nicht unbedingt besser, sodass die erste Hälfte des Sets vom Regen geschluckt wird. Irgendwann hat der Wettergott ein Einsehen. Rockin In The Free World funktioniert immer und überall und die Interpretation von The New Roses ist sehr stark umgesetzt. Selbst in die Anfangszeit springen die Herren mit It’s A Long Way und bekommen das eher auf deutschsprachige Musik anspringende Publikum trotz des regnerischen Wetters in Bewegung. Zum Finale geht es zum fast schon Klassiker-Werk Nothing But Wild, das The New Roses gemeinsame Slots mit Bands wie Kiss oder Scorpions einbrachte. Über Glory Road geht es zu Down By The River, bei dem sich Sänger Timmy Rough in Richtung Publikum begibt, abklatscht, Selfies liefert und zum Abschluss mitten im Publikum rockt.
Wer auf klassische Rockmusik steht, macht mit The New Roses nie etwas verkehrt. Live legen die Herren ebenfalls immer weiter zu und haben bereits eine Headliner-Tour im Herbst angekündigt.
Die finale Umbaupause bedienen erneut Mandowar, dann kommen Klänge, die für Rock- und Metalfans mehr als ungewöhnlich sind. Le Fly aus Hamburg spielen nach eigenen Aussagen St. Pauli-Tanzmusik. Das ist ein Mix aus Elektro, Rap, Rock, Ska und Punk. Für uns ist der musikalische Ansatz ebenfalls nicht der Grund, warum wir hier sind, und die Location leert sich doch mehr als deutlich. Es ist aber bereits gegen Mitternacht und der Regen hat seine Spuren hinterlassen.

Noch einige Worte zur Location. Die norddeutsche Tiefebene hat nicht viele Täler und Berge. Ein Tal ist das Höpental, in dem sich die Eventlocation befindet. Das Gelände ist abschüssig und bietet einige Sitzplätze. Aber auch ausreichend Platz für Familien, die mit Decken und Spielzeug mit Kind und Kegel vor Ort sind. Das HöpenAir Festival 2026 ist kein klassisches Rock- und Metalfestival. Es spricht die Menschen vor Ort an und der eine oder andere Headliner zieht Fans aus der Umgebung. Wer aus dem Großraum Hamburg kommt und gerne einen Tag im Grünen bei bunt gemischter Musik verbringen möchte, kann ohne Bedenken auf das Festival in Schneverdingen pilgern. Der beinharte Metalhead dürfte nur bedingt auf seine Kosten kommen.






























