Event: Rock Das Ding Festival 2026
Bands: The New Roses, Victory, Skyline, Rockbolle, Fireborn, Vansind, Dekadenza, Give Me A Remedy, Head Gear, Hesken, Moonday6, Continuum
Ort: Zum Flugplatz, 31609 Balge / Holzbalge
Datum: 17.07. + 18.07.2026
Kosten: VVK circa 72 € plus Gebühren, AK ?
Zuschauer: ca. 700 Menschen (grobe Schätzung)
Genre: Punk Rock, Alternative Rock, Rock ’n’ Roll, Heavy Metal, Hard Rock, Folk Metal, Melodic Rock, Classic Rock, Modern Metal, Alternative Metal
Link: https://www.rock-das-ding.de/
Es gibt Veranstaltungen, die stehen vor dem eigentlichen Beginn bereits unter keinem guten Stern. Jäst, die neue Band des ehemaligen Grave-Digger-Gitarristen Axel Ritt, sagten einige Tage vor dem Rock Das Ding Festival ab. Der eine Grund für die Reise in die ländliche Umgebung von Nienburg entfiel damit für mich. Nun gut, mit Vandenberg ist aber noch eine interessante Band auf dem Plakat. Nach dem Erreichen des Geländes meldete der Buschfunk, dass der Namensgeber Adrian Vandenberg im Krankenhaus liegt. Vandenberg ohne Adrian Vandenberg wäre wie Alice Cooper ohne Alice – das geht einfach nicht.
Es wird tatsächlich die Quadratur des Kreises durchbrochen. Eigentlich ist es nahezu unmöglich, einen neuen Headliner innerhalb von 24 Stunden für ein kleines Festival auszubuddeln. Das gelingt dem Veranstaltungsteam – The New Roses übernehmen den Slot am Samstagabend. Problem bei der Sache: The New Roses sind gerade sehr aktiv und spielten vor vier Wochen in Schneverdingen und in circa vier Wochen in Fuhrberg zwischen Celle und Hannover. Dieser Sachverhalt wirkt sich entsprechend auf kurzfristige Tagesgäste etc. aus – der Besucherzuspruch ist klar unter den Erwartungen.

Kommen wir zum Gelände. Das ist ein Feld unweit eines Sportflughafens in Balge, Kreis Nienburg. Das klingt nach – genau – Acker. So ist das Gelände auch – Wacken-Acker in Kleinformat, der aber größer sein könnte. Bezüglich des Wetters gibt es keine Beanstandungen, es ist trocken und am Samstag mit um die 20 Grad die perfekte Temperatur, sodass der Wacken-Wetter-Test entfällt. Bei einem kräftigen Gewitterguss dürfte es hier aber ähnlich in Richtung Schlammbad gehen, wie auf dem Dorf in Schleswig-Holstein.
Das Areal ist für die anreisende Besucherschaft überdimensioniert, genauso wie das Infield. Selbst bei den Headlinern verlieren sich zwischen FOH und Bühne kaum mehr als 300 oder 400 Leute. Der Rest nutzt die Sitzplätze unter dem Sonnensegel oder an den Umrandungen. Klar, das Publikum wird nicht jünger und möchte möglichst komfortabel das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Am Ende ist es ein zweischneidiges Schwert. Die Leute fehlen halt vor der Bühne. Dafür können Soundanlage und die Menschen an den Mischpulten vollkommen überzeugen. Für ein kleines Festival nahezu perfekt.
Kommen wir zur Musik. Auch hier gibt es eine Besonderheit. Rock Das Ding startet erst am Freitag um 18:30 Uhr. Give Me A Remedy aus Gießen in Hessen ist eine von der Besucherschaft ins Billing gevotete Band, die über die Wacken-Foundation kommt. Auf die Ohren gibt es typischen Modern Metal bzw. Modern Rock, mit einer starken Stimme am Mikrofon. Was um 18:30 Uhr nahezu komplett fehlt, ist Publikum. Kaum mehr als 100 Nasen verfolgen den Auftakt. 45 Minuten sind die Mindestspielzeit, dann erfolgt der erste Change Over. Dieser Change ist nicht nur ein Umbau auf der Bühne, das ist auch ein Umbau für die Ohren. Dafür überzeugt die Soundanlage und auch die Menschen an den Knöpfen drehen im richtigen Moment.

Wie hätte Chuck Schuldiner mit Death geklungen, wenn er auf Mikael Åkerfeldt von Opeth und Joseph “Joe” Duplantier von Gojira getroffen wäre? Ungefähr so wie Hesken aus Zwolle? Vom Modern Metal zum gefrickelten Death Metal ist ein ordentlicher Stilbruch. Was die junge Truppe aus den Niederlanden hier abliefert, dürfte Fans von technischem Death Metal abholen, ohne dass das Gebräu zu verkopft ist. Melodie ist auch dabei, aber eben auch lange Gitarrenritte und ausufernde Instrumentalpassagen. Bisher gibt es mit dem 2022er-Release Architect Of Chaos einen Longplayer, den die junge Truppe in Eigenregie auf den Markt brachte. Es ist aber Nachschub in der Pipe (wir nutzten die Möglichkeit für ein Interview auf dem Festival). Haltet die Augen und Ohren offen, es gibt bald Nachschub von den holländischen Youngstern, wo Sänger Harmen Verheij sich das Stage-Acting von Alexi Laiho abgelunzt hat. Eine fette Überraschung am frühen Abend. Eine niederländische No-Name-Combo empfiehlt sich für höhere Aufgaben.
Ein Trio aus der Region ist sowas wie die Haus- und Hofband von Rock Das Ding. Bei Jaded sitzt der Sohn vom Veranstalter an den Drums und es gibt eine ordentliche Prise Rock & Roll auf die Ohren. Die Lokalmatadoren sorgen dafür, dass der Andrang vor der Bühne zunimmt. Technisch können die drei Herren mit den Death Metallern nicht mithalten, stimmungstechnisch ziehen Jaded aber locker vorbei. Als Vorband für den Headliner des Tages eine passende Wahl. Alle Fans des klassischen Rock sind nun auf Temperatur.

Als Herman Frank vor Covid die Bandbesetzung von Victory reformierte, holte er mit Gianni Pontillo ein Goldkehlchen, das den alten Schinken aus den 80ern Leben einhauchte und seine diversen Vorgänger glatt an die Wand sang. Das Problem nennt sich „Money Rulez the Music“ und Pontillo wanderte vergangenes Jahr weiter zu Nazareth. Sein Nachfolger ist kein offizielles Bandmitglied. Dyan Mair, vermutlich bekannt aus seiner Zeit bei Bonfire, ist mehr ein metallischer Sänger und traf bereits bei den Hard-Rockern aus Ingolstadt nicht immer den richtigen Ton. So ähnlich sieht das Fazit auch für Victory aus. Sachen wie Feel The Fire oder Speak Up fehlt das gewisse Etwas, das Pontillo in seiner Stimme hat. Das ist nicht schlecht, aber halt nicht so, dass es die Fans mitreißt. Das betrifft ebenfalls die Show. Auch hier hat sein Vorgänger die Nase vorne. Die Klassiker funktionieren auch hier und mit Mair. Dazu ist die instrumentale Besetzung, allen voran mit Altmeister Herman Frank, viel zu routiniert. So erschallen Take The Pace oder zum Abschluss Checks In The Mail zwar nicht mit dem ganz großen Glanz wie auf dem Keep It True Rising 2024, aber Spaß machen die Klassiker auch mit der neuen Victory-Stimme. 60 Minuten hat das Quintett, das morgen einige Kilometer weiter in Bremervörde spielt.

Den Schlusspunkt unter Tag eins setzen HeadGear aus Bremen, die den Tag ausklingen lassen, wie er angefangen hat. Es geht von den traditionellen Rockklängen zu modernen Breakdowns und einem 90er-Jahre-Cover von Ricky Martin und Livin‘ la Vida Loca, das im Modern-Metal-Gewand genießbarer ist, als im Original. Dazu sind irgendwann der Bassist und der Gitarrist im Moshpit und die Party für das eher junge Volk neigt sich deutlich nach Mitternacht ihrem Ende zu.
Das Publikum hat sich bereits deutlich ausgedünnt. Anreise und die noch hohen Temperaturen hinterlassen ihre Spuren und der zweite Tag startet bereits gegen Mittag.
Um die 20 Grad, die Sonne blinzelt auch mal durch die Wolken, und eigentlich ist es ein hervorragender Tag für Open Air. Allerdings sehen das die Menschen im Großraum Nienburg anders. Auch heute ist der Zuspruch enttäuschend.

Am Samstag geht es bereits um 13:30 Uhr weiter. Eigentlich hätte auch noch eine weitere Band eine Stunde früher spielen können. Die meisten Fans sind vor Ort und vertreiben sich die Zeit auf dem Campground. Der Auftakt heißt Continuum aus der Region Lüneburg, die als Trio zwischen Blues Rock und Classic Rock den Tag eröffnen. Solide Musik zum Warmmachen, wobei sich so langsam die ersten Menschen auf dem großen Infield verlieren und den Klängen des Trios lauschen.
Wenn wir schon in den rockigen Gewässern schwimmen, dann legen Moonday6 aus dem nahen Hannover gleich nach. Mehr Show als bei dem vorherigen Trio, dazu kommt eine ordentliche Prise Glamour, sodass sich der Vergleich mit den Hamburgern Night Laser nahezu aufdrängt. Bei bisher einer Veröffentlichung erklärt sich das Set mit Titeln wie All Night Long, You oder Bad Luck im Prinzip von selbst. 45 Minuten beackert die junge Truppe die Bühne und zeigt, dass Rockmusik noch lange nicht tot ist. Knackpunkt könnte die Stimme von Tobias Kiel sein, die mit „gewöhnungsbedürftig“ gut beschrieben ist.

Stilbruch gibt es auch heute. Nach dem rockigen Einstieg tritt eine Band auf die Bühne, die bereits von den Instrumenten völlig anders unterwegs ist. Dakadenza kommen mit E-Cello, Saxofon, Gitarre, Bass und Drums. Was beim Lesen eher Kopfschmerzen hinterlässt, entpuppt sich als die härtere Antwort auf J.B.O., wozu auch das pinke Outfit passt. Die Berliner Truppe bezeichnet ihre Musik als Epic Groove Metal. Wenn wir Fun dazuaddieren, dann mag das fast stimmen. Der harsche Gesang setzt der Mixtur die Krone auf, trotzdem geht das Gebräu gut ins Bein. Am Ende selbstverständlich reine Geschmackssache – wer auf einen eher ungewöhnlichen instrumentalen Cocktail mit groovenden Rhythmen steht, sollte das Debütalbum, welches im September offiziell auf den Markt kommt, antesten. Beim Rock Das Ding gab es die in Eigenregie hergestellte Hardware bereits zu kaufen.

Musikalisch muss sich die Ausrichtung jetzt ändern. Dakadenza sind sehr speziell, da kommt der Wikinger-Folk-Metal des Septetts Vansind aus Dänemark nahezu gradlinig rüber. Das ist die Truppe ganz und gar nicht. Diverse Flöten inklusive eines Dudelsacks kommen zum Einsatz, dazu wechselnder gutturaler und klarer Gesang. Mit dem aktuellen zweiten Werk mit Namen Hævnen macht die Truppe einen kräftigen Schritt nach vorne, wozu auch einige Justierungen in der Bandbesetzung gehören. Die Titel werden in einheimischer Sprache dargeboten und nennen sich Det Sidste Nådeskys oder Alvild. Der nordische Sound der Lyrics gibt der Musik von Vansind einen speziellen Touch. Dazu ist das Agieren auf der Bühne und an den Instrumenten deutlich souveräner als noch vor vier Jahren auf dem Hörnerfest. Es gibt nicht so viele Bands im Genre Folk Metal. Eventuell schleicht sich hier eine Truppe aus Dänemark still und leise nach vorne. Insgesamt ein starker Gig der Sieben, die auf der dänischen Hauptinsel Seeland beheimatet sind, und ein deutliches metallisches Ausrufezeichen.

Nachrücker, Part one. Fireborn aus Lörrach, unweit der Schweizer Grenze, sind für Jäst im Billing des Rock Das Ding Festivals. Dreh- und Angelpunkt der Band ist die Sängerin Jenny Gruber, die nicht nur bezüglich ihres Outfits an die Queen des Heavy Metal erinnert. Die Stimme ist stark, das Songwriting ausbaufähig. So wäre die kurze Zusammenfassung zu dem Auftritt des Quintetts. Musikalisch gibt es – nach dem Motto des Festivals – Hard Rock in einem modernen Gewand auf die Ohren. Um in einem seit mehr als 50 Jahren übersättigten Genre wirklich Akzente setzen zu können, bedarf es außergewöhnlicher und mitreißender Stücke. Die haben Fireborn noch nicht bzw. bekommen die noch nicht so auf die Bühne. Dafür aber als erste Band funkensprühende Fontänen auf der Bühne. Sonst gibt es Feuerzeichen auf dem Dach der Bühne, das bei Tageslicht seine Wirkung verliert. Potenzial hat die Truppe allein durch die starken Vocals, und mit jedem weiteren Auftritt werden sich Fireborn entwickeln. Vielleicht rückt die Band irgendwann den aktuellen Platzhirschen des Landes auf die Pelle. Ein Duett mit The New Roses-Sänger Timmy Rough wäre eine interessante Variante.

Von modernem, frischem und jungem Rock zu den Wurzeln. Skyline gelten als Wacken-Band und covern sich seit vielen Jahrzehnten durch das rockige Material der 80er und 90er. Seit geraumer Zeit haben Skyline auch eigene Nummern geschrieben und veröffentlicht. Primär dürfte die Truppe aber als Coverband und Wacken-Haus-und-Hof-Band bekannt sein. Erstmals gibt es eine kleine Verzögerung im Zeitablauf. Der erfahrene Haufen holt diesen Rückstand wieder auf und covert sich mit Hold On oder auch Last Resort durch die Musikgeschichte. Wirklich gelungen sind die eher AOR-lastigen Stücke wie Separate Ways von Journey, das die Band ihrem verstorbenen Keyboarder Dietmar Wulfgramm widmet. Dagegen klingt Detroit Rock City so, als würden Kiss ihre 35. Farewell-Tour absolvieren. Auch Heroes ist in der Skyline-Variante speziell. An Coverbands scheiden sich schon immer die Geister, das ist bei Skyline nicht anders. Als Unterhaltungsband oder Opener für einen Abend sorgt das Programm in der Regel für tanzende und singende Menschen vor der Bühne.

Nachrücker Teil zwei. Unverhofft kommt oft. Keine 24 Stunden liegen zwischen Zusage und Abreise für The New Roses. Vorbereitung auf das Festival oder ein spezielles Set, wo eventuell ein Whitesnake-Song mit dabei ist, das ist bei dieser Ausgangslage unmöglich. Dafür gibt es das immer wieder gut hörbare Rockin‘ In the Free World, im Original von Neil Young, das Timmy und seine Mitstreiter auf ihre eigene Art und Weise interpretieren. Am Freitagabend spielten The New Roses noch in England auf dem Maid Of Stone Festival.
The New Roses gehören mittlerweile zu den größeren Bands und haben ein festes Set, bei dem der Fokus auf dem noch aktuellen Werk Attracted To Danger liegt. Aber auch die Klassiker, die gerade als Hardware eine Neuauflage erhalten haben, wie Without A Trace (It’s A Long Way) oder One More For The Road (Every Will Heart) gehören auf die Setlist. Sänger Timmy zeigt einmal mehr seine Entertainer-Qualitäten und schafft es, auch das Publikum auf dem Rock Das Ding Festival zu begeistern. Fast schon traditionell endet der Auftritt des Fünfers mit Down By The River von dem Erfolgsalbum Nothing But Wild, wobei Rough im Publikum unterwegs ist. Nothing But Wild ist eine Platte, die vom Songwriting außergewöhnliches Material liefert und quasi nur Hits beinhaltet, sodass The New Roses Slots als Opener von Kiss und den Scorpions erhielten. Einige Minuten nach 23 Uhr endet der Auftritt des Headliners. Der finale Act Rockbolle musste aus logistischen Gründen entfallen.
Das Fazit nach zwei Tagen Musik ist mehr als zweischneidig. Wie sagte ein bekannter Fußballer: Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Das lässt sich bezüglich der Ausfälle im Billing und der geringen Publikumsgunst auch für das Rock Das Ding Festival subsumieren. Logistisch ist alles im grünen Bereich. Verpflegung in allen Varianten und preislich im Rahmen, Trinkwasserstellen, Bier und Co. natürlich ebenfalls. Bezüglich der Kommunikation ist aber noch Luft nach oben. Nur über Social Media den Ausfall von Vandenberg zu vermelden, hinterlässt Fragezeichen. Wer checkt schon ständig das Billing eines Festivals, wo du gerade rumläufst? Aushänge oder eine Ansage = Fehlanzeige. Dazu kommt die Location an sich. Der Regentest ist ausgefallen, dürfte in der Realität ähnlich unangenehm sein wie auf dem Wacken-Acker.
Preislich liegt das Festival mit 12 Bands und 72 Euro für ein Underground-Event eher im oberen Segment. Im Vergleich: Drei Tage Hörnerfest mit Gigs von Die Apokalyptischen Reiter oder Knorkator gab es für 85 Euro mit mehr als 20 Bands. Dazu ist die musikalische Bandbreite bei Rock Das Ding derart hoch, dass am Ende kaum mehr als zwei oder drei Favoriten bzw. Must-see-Gigs auf der Liste stehen. Dafür gibt es aber Überraschungen, wie den Auftritt der Tech-Death-Metaller Hesken. Ist Rock Das Ding eine Reise wert? Das hängt vom Billing ab und davon, ob das Festivalgelände von Unwettern verschont bleibt.
Das finale Schlusswort kommt von Jaded, der Haus- und Hofband von Rock Das Ding. Wie hat die Künstlerschaft das Festival erlebt?

Moin, wir sind hier im Backstage-Bereich vom Rock Das Ding 2026, Luke von Jaded und hier ist immer eine super Stimmung, ein Zusammenhalt zwischen den Künstlern, völlig egal, wer an welchem Tisch sitzt. Man kommt einfach super ins Gespräch mit den verschiedensten Kollegen und Namen und kann neue Verbindungen knüpfen. Die Bewirtung ist top, da brauchen wir nicht drüber reden, das ist jedes Mal einmalig. Wir genießen es, immer mal neue Leute kennenzulernen und auch alte Freunde zu treffen. Crew und Team und alle, die dazugehören, spielen perfekt zusammen.















































































