Septicflesh, Krisiun, When Reasons Collapse, Incite am 24.04.2019 im Mini-Z7 in Pratteln

Griechisches Geschwisterpaar lässt Mini-Z7 erbeben ...

Event: Codex Omega European Tour 2019

Headliner: Septicflesh

Vorbands: Krisiun, When Reasons Collapse, Incite

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 24.04.2019

Kosten: 38,80 CHF – VVK

Genre: Symphonic Death Metal, Death Metal, Metalcore, Deathcore, Thrash Metal

Besucher: ca. 350

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/203874647062229/

Setlisten:

When Reasons Collapse:
01. Escape
02. Lies Of God
03. Sirens
04. Anesidora (Intro)
05. Omen Of The Banshee
06. This Life A Curse
07. Another Beginning
08. Delirium Of Negation
09. Orpheus

Incite:
01. Built To Destroy
02. Ruthless Ways
03. Restistance
04. Up In Hell
05. False Flag
06. Stagnant
07. Human Cancer
08. Backbone
09. Savior Self

Krisiun:
01. (Unknown)
02. Ravager
03. Ways Of Barbarism
04. Scourge Of The Enthroned
05. Slaying Steel
06. Hatred Inherit
07. Ace Of Spades (Motörhead Cover)
08. Bloodcraft
09. Vengeance`s Revelation

SepticFlesh:
01. Portrait Of A Headless Man
02. Pyramid God
03. Martyr
04. Prototype
05. Enemy Of Truth
06. Communion
07. The Vampire From Nazareth
08. Prometheus
09. Lovecraft´s Death
10. Anubis
11. Dark Art

Die unbestrittenen Meister des symphonischen Death Metal beehren heute die Konzertfabrik Z7, was für mich bedeutet, das ich mich auch auf einem Mittwochabend auf die Autobahn in Richtung Schweiz begebe. Schon an der Grenze herrscht das totale Chaos. Das liegt aber wohl eher nicht an den griechischen Visionären Septicflesh, sondern eher an dem üblichen Feierabendverkehr, der Grenzgänger und natürlich auch daran, dass Schweizer im Ausland billig einkaufen können. Die holen sich nun hier gerade an der Grenze die Mehrwertsteuer zurück. Nach zwanzig Minuten kann ich die Grenze passieren, doch für die restliche Fahrt durch die Innenstadt Basels bis nach Pratteln benötige ich heute noch einmal fünfundzwanzig Minuten … Ich sollte mir nun doch endlich mal eine Vignette für die Schweiz zulegen, um auf der Autobahn bleiben zu können. Die Show heute Abend findet nur im Mini-Z7 statt, was wohl mit einem eher schleppenden Vorverkauf zu tun hat. Bisher hatte ich das noch nie, aber für mich ändert sich dadurch nicht wirklich was. Die Abendkasse steht nun dadurch im direkten Eingangsbereich zur alten Lagerhalle und die Theke auf der linken Seite ist geschlossen und abgesperrt. Auch das Podest auf der rechten Seite fällt heute weg, indem einfach ein 7,5 t LKW davor gefahren wurde.

Pünktlich um 19:00 Uhr startet das Showprogramm mit der ersten Band. Mit When Reasons Collapse aus der französischen Hauptstadt gibt es melodischen Deathcore auf die Ohren. Die Female-Fronted Band startet mit Escape, einer unerheblichen Intro-Stimmungsmache von ihrem noch aktuellen Album Omen Of The Banshee, in den frühen Abend. Den richtigen Einstieg versucht man dann mit Lies Of God, dem eigentlichen Opener von Omen Of The Banshee, doch der holpernde Groove geht irgendwie ungehört unter. Das Quintett um Ex-Bullcharge Fronterin Christina Alves hat heute als Opener einen undankbaren Job, denn aufgrund der frühen Spielzeit ist noch nicht allzu viel los. An einem Mittwochabend zieht es nicht jedermann ins Z7 und viele sind bestimmt noch arbeiten, doch man versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Rein von der Optik her fühlt man sich gleich an Bands wie z. B. In This Moment erinnert und auch soundtechnisch hinkt dieser Vergleich nicht wirklich. Mit Sirens gibt es dann ordentlich auf die Glocke und auch vor der Bühne finden sich nun ein paar mehr Interessierte ein, die in Abstimmung zur Band, wild ihr Haupthaar schwingen. Die Band explodiert förmlich auf der Bühne, es herrscht ordentlich Bewegung und außer fliegenden Haaren ist von den Musikern oft nichts zu sehen. Anesidora dient als Intro für Omen Of The Banshee, das Augenmerk liegt eben doch auf den aktuellen Songs, denn auch This Life A Curse reiht sich lückenlos ein. Fans dieses Genres kommen bei dem Auftritt bestimmt auf ihre Kosten, doch meiner Meinung nach, gibt sich die Band selbst viel zu wenig Spielraum. Mit der Eigenständigkeit ist es nicht weit her und ein paar stimmungsvolle Zwischenspiele würden den Songs gut zu Gesicht stehen. Letztlich geht es hier aber nur um Auf-Die-Glocke-Riffs und das animalische Brüllen und Grunzen von der stimmgewaltigen Christina Alves. Mit Another Beginning schleicht sich dann aber doch noch ein alter Song ein, nämlich von der 2011er EP Full Of Lies, doch ein Neuanfang sieht anders aus. Hier verläuft alles in geordneten Genre-Bahnen, unspektakulär und voraussehbar. Das hat man alles von den großen Vorbildern der Szene schon besser gehört. Es folgen mit Delirium Of Negation und Orpheus noch zwei abschließende Songs vom aktuellen Output, doch nach der halben Stunde ist für mich die Luft auch raus.

Incite als nachfolgende Band stehen vor einem ganz ähnlichen Problem, zwar haben sich zwischenzeitlich etwa zweihundert Besucher in der Location eingefunden, stehen doch viele zum Rauchen draußen, oder eher desinteressiert in der Gegend herum. Die amerikanischen Modern Thrash Metaller aus Phoenix, Arizona starten natürlich mit einem Triple bestehend aus Built To Destroy, Ruthless Ways und Resistance von ihrem brandneuen Built To Destroy Album. Mit dieser Mischung aus Thrash und Core können sie zunächst auch punkten, denn das Publikum in den ersten Reihen steigt gut ein und bangt begeistert drauf los. Jedoch besticht Frontmann Richie Cavalera, der Stiefsohn von Cavalera-Conspiracy / Soulfly-Sänger Max Cavalera, heute eher durch ausdrucksschwachen und flachbrüstig herausgepressten Gesang. Als ich die Band vor zwei Jahren im Freiburger Crash Musikkeller gesehen habe, konnten die Jungs durchaus begeistern, was aber zuerst an der Atmosphäre lag – doch heute will der Funke irgendwie nicht überspringen. Auch die älteren Kracher Up In Hell und False Flag bringen nicht wirklich Leben ins Z7. Vielleicht sind die Erwartungen an einen Cavalera-Sprößling einfach zu hoch und die eher durchschnittlich groovigen Thrashsongs können deshalb nicht ganz überzeugen. Sänger Richie springt und rennt zwar wie ein Verrückter über die Bühne, der Rest der Band agiert aber eher statisch steif auf der Bühne und viel mehr wie ein Nackenzucken kommt nicht. Bei den Songs blicken natürlich immer mal die großen Sepultura, oder Cavalera-Consiracy, durch und sie variieren geschickt zwischen schnellen Doublebass-Attacken und schweren Groove-Monstern. Einige Riffs erinnern auch an die Könige des Genres, Lamb Of God. Die Stimme von Cavalera-Junior erinnert manchmal durchaus an seinen Vater, aber über weite Strecken ist der Gesang zu eindimensional und kann keine Akzente setzen. Melodietechnisch bewegt man sich zudem auf sehr dünnem Eis. Das Publikum sieht das aber offenbar nicht so eng, zumindest im vorderen Bereich wird gegrölt und wohlwollend applaudiert. Stagnant bietet dann kurzfristig ein wenig Abwechslung, dröhnt hart und gleichzeitig eingängig aus den Boxen und sorgt für Bewegung im Publikum. Cool ist natürlich der ironische Songtitel, des ersten wirklich frisch klingenden Songs. Aber schon mit dem aktuellen Human Cancer erlischt das kurzzeitige Feuer, trotz dynamischem Tempos wieder und man verliert sich wieder im Einheitsbrei der großen Vorbilder. Richies Stimme ist als Schwachpunkt anzusehen. Auch Backbone und Savior Self ändern daran nicht mehr viel, auch wenn man der Combo guten Willen attestieren muss. Letztendlich reichte der Gig nicht aus, um einen feinen Moshpit oder Circle Pit in Gang zu bringen.

Die südamerikanische Metal-Legende Krisiun lockt dann im Anschluss viele der anwesenden Headbanger vor die Bühne. Ich denke, dass mittlerweile so etwa 300 – 350 Leute anwesend sind und erwartungsvoll auf das Death Metal-Trio aus Brasilien warten. Diese kommen dann zu einem mir gänzlich unbekannten Song auf die Bühne und bolzen eifrig drauf los. Mit Songs wie Ravager, Ways Of Barbarism oder auch dem folgenden Scourge Of The Enthroned wird die Konzertfabrik dann endlich aus ihrer Bewegungslegasthenie gerissen. Obwohl das Trio auf der großen Z7-Bühne natürlich etwas untergeht, so können die kantigen und mitunter vertrackten Death Hymnen begeistern. Der Sound ist top und dröhnt druckvoll aus den Boxen und animiert nicht wenige zum Headbangen. Allerdings ist es zu laut, denn selbst an der Theke muss man bei seinen Bestellungen noch brüllen und versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Die Fans sehen das natürlich anders, keine Frage. Mit Ansagen hält Sänger und Bassist Alex Camargò sich heute eher zurück und überzeugt stattdessen eher mit exzellenter Brutalität und halsbrecherischer Geschwindigkeit. Auch technisch kann man natürlich voll und ganz überzeugen und will offenbar den Beweis antreten, dass man sich schon lange nicht mehr hinter den Ikonen des Genres wie Morbid Angel verstecken muss. Die Band konnte sich auch in Deutschland eine loyale Fanbase erspielen und so sind nicht wenige Shirts der Brasilianer im Publikum auszumachen. Auch stehen nun einige wild die Mähne schwingend vor der Bühne, wobei auffallend viele Mädels darunter sind, die hier ordentlich abgehen. Der ganze Gig wird dominiert von üppigen Doublebasses, mächtigen Riffs, abgefahrenen Leads, frickeligen Solis, kräftigen Breaks und düsteren Gowls. In dieses kompromisslose Brachialfutter fügt sich natürlich auch Slaying Steel perfekt ein. Auf Dauer ist das Highspeedgeballer aber dann aber doch etwas zu gleichförmig und wenig abwechslungsreich und ich nutze Hatred Inherit für die längst überfällige Nikotinnotversorgung. Mit dem Anfangsriff des nächsten Songs zieht es mich dann aber schnell wieder hinein, denn das brasilianische Todesgeschwader zockt Lemmys Ace Of Spades und verwandelt das Z7 damit endgültig in einen Hexenkessel. Nun wird mitgebrüllt und gebangt auf Teufel komm raus und das Trio mutiert zum heimlichen Headliner. Sieg auf ganzer Linie! Danach folgen mit Bloodcraft und Vengeance´s Revelation, zugegeben, noch geile Nackenbrecher, doch mit der Motörhead-Nummer hat man sein Pulver weitestgehend verschossen und den Stimmungshöhepunkt überschritten. So treten nun relativ viele den Rückweg Richtung Theke und Raucherbereich an.

In der Zwischenzeit warnt der Wetterdienst vor einer musikalischen Schlechtwetterfront, die sich in Griechenland langsam aufgebaut hat, um heute das gesamte Z7 und den Rest von Pratteln mit Düsternis zu umhüllen. Die Umbauzeit für den Headliner des Abends nimmt nun etwas mehr Zeit in Anspruch, doch dann ist die Bühne, die mit Bannern zum aktuellen Album Codex Omega bestückt ist, bereit für die Griechen von Septicflesh, die sich zuvor Septic Flesh nannten. Auch jetzt ist der Bereich vor der Bühne wieder gut gefüllt und die Symphonic Death Metaller um das Geschwisterpaar Christos und Sotiris Antoniou entern die Bretter zu dem aktuellen Portrait Of A Headless Man. Gleich mit dem ersten Song, übrigens einem der Albumhighlights, baut man eine monumentale Klangwand auf, die sofort an große Film-Soundtracks wie Alien oder Terminator denken lässt. „Hello my frieeeeends“, dröhnt es von der Bühne, bevor das anschließende Pyramid God wie ein gewaltiges Gewitter über das Z7 einbricht, wobei Frontmann Spiros „Seth“ Antoniou Blitz und Donner auf einmal ist. Die Fans sind sichtlich begeistert und die Stimmung könnte kaum besser sein. Das Publikum steht mitten im Zentrum des Unwetters, das nun in Form von Martyr mit voller Wucht über sie wegzieht. Das musikalische Donnerwetter ist bombastisch! Nur zu sehen gibt es, außer dem gewaltigen Backdrop und der Banner, nicht viel. Showmäßig wird hier eher auf Sparflamme gekocht, was schade ist, denn zu dem pompösen Symphonic Death hätte ich mir da mehr gewünscht und erhofft. Dafür hat es das mit Hits bestückte Set umso mehr in sich. Mit Prototype haut man als Nächstes einen Song raus, der mit vielen musikalischen Raffinessen besticht und wohl zu den besten Songs gehört, den die Hellenen um Sänger Seth je komponiert haben. Septicflesh demonstrieren heute eindrucksvoll, das man auch ohne großes Liveorchester ein wahrer Höchstgenuss sein kann. Der Orkan macht sich natürlich auch im Publikum bemerkbar, das sich mit wildem Kopfschütteln und fliegenden Haaren bedankt. Auch die Single Enemy Of Truth wird frenetisch aufgenommen und sorgt für weitere Begeisterungsstürme. Musikalisch haben die Nightwish des Death Metal auf Codex Omega wieder einmal tief in die Trickkiste gegriffen und so wartet der Gig mit vielen Überraschungen und einem kolossalen Aufgebot an Instrumentalparts auf. Die Band war schon immer schwer, in eine bestimmte Schublade zu packe. So finden auch heute Abend wieder die bekannten Elemente aus Dark Metal, Black und Death Metal, in Verbindung mit symphonischen und orchestralen Elementen ihren Weg auf die Bühne. Man kann sich der Atmosphäre kaum entziehen, so zum Beispiel auch in Communion, dem titelgebenden Track des Reunionwerkes aus 2008. Aber es ist schwer, hier einzelne Titel herauszugreifen, denn es reiht sich Hit an Hit aus dieser wohl einzigartigen Bandgeschichte. The Vampire From Nazareth kommt bei den Fans besonders gut an und es wird wieder frenetisch bejubelt, aber auch Songs wie Prometheus, Lovecraft´s Death und Anubis beglücken die Besucher gleichermaßen. Mit Dark Art geht dann der Abend endgültig zu Ende, doch letztendlich ist hier jeder auf seine Kosten gekommen und kann zufrieden nach Hause gehen.

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