Die italienische Band Tenebro feiert 25-jähriges Bandjubiläum und da muss natürlich ein neues Album her. So etwas muss ja gebührend gefeiert werden. Allerdings ist die gefühlte Bandzeit wahrscheinlich eine andere, denn die ersten Jahre waren sehr holprig und ohne nennenswerte Aktionen. Es wurde eine Pause eingelegt und nach der Reunion brachte man im Jahre 2019 ein Demo heraus – seitdem sind sie eigentlich recht fleißig. Fünf EPs, eine Split und zwei Full Length pflastern nun ihren Weg. 2025 erschien die letzte EP und es erfolgte ein Deal mit Time To Kill Records. Diese brachten dann auch gleich eine Kompilation heraus und am 12.12.2025 das dritte Album namens Una Lama D’Argento.
Hommage an Dario Argenta
Italian Horror Glorifying Death Metal – so die selbst bezeichnete Musikrichtung der Band – und auch dieses Album ist eine Hommage an Dario Argento, den unbestrittenen Meister des Horror-, Giallo- und Thriller-Kinos. Eine Tournee durch die obsessiven Atmosphären der Filme Deep Red (1975), Suspiria (1977), Inferno (1980), Tenebre (1982), Phenomena (1985) und Opera (1987). Ein entsprechendes Cover-Artwork von Julian Ibanez (Critical Defiance, Funeral Vomit, Last Retch) darf da nicht fehlen und die Alptraumreise kann beginnen.
Inferno legt dann natürlich mit einem horrlastigen Klavierintro los und nach einigen Sekunden fegt ein aggressiver Death-Metal-Teppich über die Szenerie. Im altbackenen Format und mit Uptempo der alten Schule. Die Vocals sind natürlich tief und unkenntlich ohne Ende, so wie man es von ihnen kennt und so, wie es sein sollte. Das Riffing am Anfang baut eine kleine melodische Note mit ein und klingt schon einmal richtig fett. Man hält die aggressive Fahne hoch, treibt ohne Ende und wiederholt den ersten Part, bis man dann ein Break einbaut. Die Gitarre spielt vorweg, ein Growl erklingt irgendwie aus der Tiefe und man groovt ziemlich geil. Dieser Part wird ein wenig ausgebaut und variiert, um dann wieder den Anfangspart zu verwenden, der aber nur kurz eingebaut wird. Ein drückender Midtempopart, der ordentlich den Kopf spaltet, poltert aus der Anlage, und am Ende gibt es noch einmal ein cooles Riffing.
Horror steht bei den Italienern natürlich ganz oben auf der Speisekarte, und so beginnt auch L‘ Angelo Caduto Tra Le Luci Del Teatro mit einer kleinen Horrorinszenierung. Aber nur kurz, und dann holt man einen richtig geilen, schon beinahe atmosphärischen Part heraus. Lang gezogene Riffs, die von melodischen Klängen begleitet werden, klingen so was von schaurig. Herrlich. Dann Vorspieler und ab in einen aggressiven Old-School-Death-Metal-Part, der im Midtempo angesiedelt wurde. Nun darf der Bass vorweg spielen und danach wird geballert. Feinstes Uptempo. Geiler Songaufbau. Das Tempo wird dann einmal kurz verschleppt, wobei man nie langsam klingt, und man holt wieder eine traurige Melodie ans Tageslicht, ohne das Tempo zu verringern. Ach, danach treiben sie weiter die Zombies vor sich her und bleiben absolut aggressiv. Selbst der Midtempopart am Ende ist treibend und druckvoll.
Italian Horror Glorifying Death Metal – das passt
Ja, diese Mischung macht es eben auch. Die Musikrichtung, die sie sich ja selber gegeben haben, passt schon ganz gut, und wenn man eventuell etwas bemeckern möchte, dann ist es eben der Sound. Die Gitarren schwimmen hier und da, aber das ist eben so, wenn man die alte Schule abfeiert. Ich mag diesen rohen und dreckigen Produktionsstatus, denn ich bin in den Achtzigern metalisiert worden. Wir hatten ja nichts, hehe. Dagegen ist der Sound absolut Gold wert.
Bah, das Album mit Songs wie Impiccata oder Sangue Sui Muri macht mal so richtig Spaß. Gerade wegen dieses alten Sounds. Logischerweise sind die Songs auch der alten Schule angesiedelt und sind auf der einen Seite brutal und aggressiv und auf der anderen Seite eben auch ein wenig atmosphärisch. Über dem Ganzen schwebt eben diese Horrortheatralik und diese verarbeitet man teilweise auch in den Songs, so eben wie bei Sangue Sui Muri. Da nimmt man das Tempo raus, baut eine Horrorszene mit ein und schleppt sich dann düster und deftig zum Ziel. Das hat alles Hand und Fuß, und irgendwie bin ich total überrascht, aber ich frage mich, warum.
Die letzte EP kenne ich gar nicht, aber das letzte Album namens Ultime Grida Della Guingla habe ich zwar als gut empfunden, mehr aber eben auch nicht. Auch hier gibt es die eine oder andere Stelle, die mir nicht so gut ins Ohr geht, so wie beim Song Lo Specchio… Omicida. Das klingt irgendwie durcheinander und aneinandergereiht, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die meisten Songs sind richtig appetitlich.
Am Ende hauen sie dann mit dem Song Jennifer noch mal einen raus. Der Song geht knappe fünf Minuten, wird erst einmal kurz eingeleitet, bevor dann eine Gitarre dazukommt und durch den Raum flirrt. Sehr geil. Stakkatoähnliches Riffing gesellt sich dazu, und so startet man langsam ins Geschehen. Die unheimlichen Growls erzeugen ein weiteres Unbehagen und so bleibt man düster. Qualvolle Screams gesellen sich dazu, während eine Melodie den Song trägt, um dann in einen schönen Prügelpart überzugehen, der bestens variiert wird, mit Rhythmus- und Tempowechsel. Dann groovt man ein wenig im Midtempo. Und wieder ab ins Uptempo. So geht es hin und her und man bleibt interessant und recht abwechslungsreich. Horrorlastige Screams werden wieder eingebaut, die durchaus aus einem Film stammen könnten, und mit einer gediegenen Melodie schleppt man sich ins Ziel. Fein – kann man nicht anders sagen.
Hier geht es für weitere Informationen zu Tenebro – Una Lama D’Argento in unserem Time For Metal Release-Kalender.



