Bands: Beth Hart, Andreas Kümmert
Ort: Zitadelle Mainz, Windmühlenstraße, 55131 Mainz
Datum: 28.07.2023
Kosten: 65 Euro VVK, 69 AK
Genre: Rock, Blues, Soul
Besucher: ca. 6000
Veranstalter: mainzplus CITYMARKETING GmbH / Frankfurter Hof
Link: https://www.frankfurter-hof-mainz.de
Setliste Beth Hart:
- For My Friends
- Can‘t Let Go
- I Love You More Than You’ll Ever Know
- With You Everyday
- One Eyed Chicken
- Chocolate Jesus
- Bad Woman Blues
- Good As It Gets
- Spirit Of God
- Rub Me For Luck
- I’ll Take Care Of You
- Mechanical Heart
- War In My Mind
- I Need A Hero
- Without Words In The Way
- Sugar Shack
- Whole Lotta Love
Heute Abend steht ein Konzert mit einer außergewöhnlichen Musikerin an. Beth Hart lädt beim Mainzer Sommerfest in die Zitadelle nach Mainz ein. Damit geht für mich ein lang ersehnter Traum in Erfüllung, die wohl momentan beste Blues- und Soulsängerin endlich live zu sehen. Also auf nach Mainz. Dort recht gut durchgekommen, wobei es vor dem Parkhaus der Zitadelle etwas staut. Das macht allerdings nichts, da wir etwas Stauzeit eingeplant haben.
Das Wetter hält, trotz anderslautender Vorhersagen. Viele der Besucher haben Schirme dabei, die allerdings an einem Container vor dem Einlass (gegen Marke) abgegeben werden müssen. Die freundliche junge Dame am Einlass meint, dass es heute sowieso nicht regnet. Beinahe hat sie damit recht, nur ein kurzer leichter Schauer gegen Ende des Konzertes sorgt für ein wenig Nass.
Als Support der Konzerte auf der aktuellen Tour von Beth Hart mit insgesamt sieben Terminen fungiert das Andreas Kümmert Trio. Andreas Kümmert betritt unspektakulär mit seinem Schlagzeuger und Bassisten die Bühne. Glamour ist nicht die Welt eines Andreas Kümmert. Der Mann ist ein Working Class Hero. Ja, er ist einer von denen, für die er Musik macht. Einem großen Publikum bekannt ist er seit seinem Auftritt vor zehn Jahren beim Format Voice Of Germany und vor allem seinem Auftritt zwei Jahre später beim ESC-Vorentscheid, den er haushoch gewinnt, dann allerdings auf die Teilnahme in Wien verzichtet. Der Rest ist Geschichte. Andreas Kümmert gehört zweifellos zu den gefragtesten deutschen Künstlern im Bereich Soul/Rock/Blues. Im März dieses Jahres war ich bereits zu einem Konzert von ihm eingeladen, musste damals jedoch aus terminlichen Gründen passen. Umso mehr freue ich mich, ihn heute hier sehen und hören zu können.

Pic by Big Simonski
So unspektakulär wie er mit seinen beiden Mitstreitern auf die Bühne gekommen ist, so unspektakulär verläuft auch die visuelle Performance. Musikalisch allerdings zieht das Trio hier heute Abend alle Register im Blues, Rock und Soul. Vom harten Rocksong bis zur soften Ballade beherrschen die Musiker das Metier. Der Auftritt wird beim Publikum richtig gefeiert. Andreas Kümmert zeigt sich sichtlich ergriffen. Der Mann hat kein Heart Of Stone, wie es ein Song von ihm vielleicht vermuten lässt. Ob es nun eine Interpretation eines Songs einer Blues-Größe oder eine eigene Nummer ist, Andreas Kümmert ist mit großer Seele dabei. Ein großartiges Ausnahmetalent. Die knapp vierzig Minuten laufen wie ein Boogie schnell an uns vorbei. Das hätte man sich getrost noch länger geben können, aber es steht ja noch eine ganz besondere Lady an.

Pic by Big Simonski
Beth Hart kommt mit ihren drei Musikern pünktlich auf die Bühne. Mit dem ersten Takt knistert es hier gewaltig. Die Dame aus den USA zieht hier alle Register ihres Könnens. Blues, Rock, Soul, mit Band, im Duo oder auch solo, es ist der absolute Wahnsinn, was Beth Hart hier vor den 6000 Fans bringt. Jede Menge Power bereits zu Beginn mit den beiden Songs, die sie auch schon mit dem Blues Ausnahmegitarristen Joe Bonamassa performt und aufgenommen hat, geschrieben wurden die Songs allerdings von Bill Withers und Randy Weeks. Die Versionen von Beth Hart haben es allerdings in sich. Und schnell wird klar, dass die Musiker, die sie begleiten, Meister ihres Fachs sind.
Während des Songs Can’t Let Go stellt sie doch tatsächlich mit einem Augenzwinkern fest, dass ihre Brüste durch das Netzoberteil wohl allzu freizügige Blicke erlauben. Das Netzoberteil zieht sie auch kurz nach oben, um zu schauen, ob noch alles an Ort und Stelle ist. Das sorgt natürlich für (gewollte) Lacher. Sie muss selbst lachen und stellt fest: „Woman do have Tits“. Oh wäre nun Frank Zappa (RIP) hier, der würde wohl mit seinem Song Titties And Beers einstimmen. Vor Ort ist allerdings ihr Ehemann (und Tourmanager), der der etwas widerwilligen Beth Hart ein Shirt überstreift. Der arme Kerl hat sich dafür Beth Harts Stinkefinger verdient. Allzu ernst ist das aber nicht gedacht, wobei Beth Hart das Shirt bis zum Ende des Konzertes anbehält.

Pic by Big Simonski
Dass die Dame Cover kann, ist spätestens seit ihrer letzten Platte A Tribute To Led Zeppelin bekannt. Auch I Love You More Than You’ll Ever Know ist ein Cover, im Original von Blood, Sweat & Tears und hier natürlich außergewöhnlich von Beth Hart interpretiert.
Die visuelle Performance von Beth Hart ist (nicht nur wegen des Netzoberteils) sehenswert. Sie performt im Stehen, im Sitzen, kniend, liegend. Das wird dann noch auf eine große Leinwand hinter ihr projektiert. Rock, Blues, Soul und auch mal eine Ballade wie With You Everyday am Piano. Dann wird es wieder wild mit dem Song One Eyed Chicken. Ihre Energie geht aufs Publikum über, das zu den Songs wippt und tanzt.
Ich persönlich liebe Chocolate Jesus, im Original vom Ausnahmekünstler Tom Waits. Bei Beth Hart ist der Song dann gleich Chocolate Jesus mit Sahnehäubchen. Nun hat sie die Fans komplett in ihren Händen. Zwischendurch ist Beth Hart selbst einmal total aus dem Häuschen, aufgrund der tollen Resonanz des Publikums und bedankt sich bei ihren Fans sehr gerührt.
Mit zu den Höhepunkten zählt Rub Me For Luck, der in seiner Dramatik einem Filmsong gleicht. Gitarrist Jon Nichols darf gemeinsam mit Drummer Bill Ramson sein Können mit dem Song I’ll Take Care Of You ausgiebig unter Beweis stellen. Danach stehen Soloparts der Lady an, die sich bei Mechanical Heart und War In My Mind (Titelsong des vorletzten Albums) selbst am Piano begleitet. Obwohl Beth Hart I Need A Hero singt, bin ich mir sicher, dass sie keinen braucht, sie ist selbst ein Hero.

Pic by Big Simonski
Bei Without Words In The Way ist sie mit ihrem Bassisten in einem akustischen Zusammenspielt, der sich dazu den, bereits die ganze Show auf ihn wartenden, Kontrabass greift. Wie eine immer mehr ausufernde Session entwickelt sich Sugar Shack, bei der Bill Ransom seine Percussion-Fähigkeiten zeigen darf. Dann endlich das Led Zeppelin Cover Whole Lotta Love am Ende des Konzertes. Da haben die Leute hier drauf gewartet, alle hüpfen, wippen und singen mit. Nicht nur die Lady ist in ihrem Element, auch Jon Nichols zeigt abermals, zu welcher Klasse von Gitarristen er gehört.
Knappe zwei Stunden Sex und Rock pur mit Beth Hart sind nun gespielt. Es fängt ein wenig an zu tröpfeln. Langanhaltender Applaus und die Menge fängt an, sich aufzulösen, um einem möglichen längeren Schauer auszuweichen. Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Beth, das war hart!


















