Scythe Beast – Anthems Of The Rotten

Aggressiver und melodischer Angriff auf die Nackenmuskulatur

Artist: Scythe Beast

Herkunft: Deutschland

Album: Anthems Of The Rotten

Spiellänge: 48:49 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 25.10.2025

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/ScytheBeast

Bandmitglieder:

Gesang – Gregor Pfau
Gitarre – Sven Stoppelberg
Gitarre – Frank Schwenker
Bassgitarre – Hendrik Schelenz
Schlagzeug – Andreas Tegeler

Tracklist:

1. Ravenous
2. Beast
3. Anthem Of The Rotten
4. The Seance
5. Spawn Of The Stillborn Lord
6. Heirloom
7. Purify By Flame
8. The Carrion Marshes
9. Warp

Scythe Beast aus Sulingen geistern nun schon seit einiger Zeit im Underground herum und gerade im norddeutschen Raum ist man live auch sehr viel unterwegs. Seit 2012 ist man am Start, aber von einem Veröffentlichungswahn kann man nicht wirklich sprechen. 2016 erschien das Debütwerk namens Breeding Devastation und 2021 der Nachfolger Indicted For Misconception. 2022 kamen ein neuer Sänger und ein neuer Basser hinzu und man machte sich daran, neue Songs zu schreiben. Dieses Ergebnis können wir jetzt in dieser Form hören, denn das dritte Full-Length macht seine Runde.

Ravenous nimmt uns gleich mit auf die Reise, der Kompass wird ausgerichtet und führt uns sicher durch unruhige Gewässer. Ein Sturm kommt auf, aber anstatt abzuhauen, bleibt man gechillt stehen und genießt den Wind in den Haaren und die Auswirkungen, die so ein Sturm mit sich bringt. Langsam und schleppend leitet man das Geschehen ein. Ein paar Sekunden Ruhe und dann ab in den viel gepriesenen Sturm. Gleich eine volle Ballerattacke zu Beginn mit thrashigem und melodischem Gitarrenspiel. Fett und ab in einen schnellen Midtempopart. Die Drums wirbeln herum und bauen unheimlich viel Druck auf. Die aggressiven Vocals erinnern mich ein wenig an Carcass zu Heartwork-Zeiten und auch das melodische Grundgerüst geht ein wenig in die Richtung. Ein sehr starker Einstieg. Rhythmus- und Tempowechsel stehen auf der Agenda. Dieses melodische Riffing ist ziemlich geil und bleibt sofort hängen. Ein verspieltes und treibendes Solo, welches dann noch langsam vorgetragen wird, erklingt und gibt dem Ganzen noch eine ganz gewisse Würze. Break, kurzes Basssolo und wieder Vollgas. Schockt und macht Laune. Wow, richtig geil. Auch von der Produktion gibt es nichts zu meckern. Bin vom Riffing vollends begeistert. Krasses Ding. Auch das melodische Spiel am Ende hat etwas. Brett!

Der nachfolgende Song Beast mit den einzelnen Anschlägen und den groovigen Passagen kann meines Erachtens da nicht mithalten und zieht irgendwie spurlos an mir vorbei. Der Uftatapart ist ganz geil und das Ganze ist auch nicht schlecht, aber nimmt mich irgendwie nicht mit. Vielleicht war auch einfach der Opener zu geil.

Anthems Of The Rotten folgt und nun bin ich wieder voll im Rennen. Die Melodie zu Beginn nimmt einen gleich mit und die thrashige Attacke trifft genau ins Schwarze. Dazu die geilen Vocals und die deathige Drumarbeit und schon ist die Stimmung da. Dann der schleppende Midtempopart, der als Refrainpart verwendet wird und gesanglich sehr geil dargeboten wird. Feines melodisches Riffing. Danach nimmt man schön wieder Fahrt auf und geht erneut in den Refrainpart. Fein. Ein druckvoller Midtempopart folgt und man treibt es dann wieder bunt. Kurzes Geballerintermezzo, man wird langsamer, ballert wieder und zaubert wieder im Refrainpart. Auch hier finde ich die Vocals wieder richtig fett und danach wird man wieder melodisch und ballert dabei. Tempo raus, eine kurze, harmonische und atmosphärische Einheit, und langsam geht es weiter. Man baut den Song noch einmal auf, allerdings nur kurz, und dann ist Feierabend.

Eine feine Blastbeatattacke mit melodischem Riffing gibt es dann bei The Seance und das ist mal richtig lecker. Der ganze Song hat unheimlich viel Druck und Energie, und ich mag das, wenn zu einem melodischen Riff geblastet wird. Dies machen sie ordentlich, aber auch das shreddige Riffing im Midtempo klingt ziemlich fett. Kurz denkt man mal, dass Schluss ist, aber dann wird noch einmal geballert und ein melodischer Part hervorgeholt. Dieser rhythmische Gesang hat es in sich. Er betont die Geschichte besonders. Kommt gut.

Neben dem Opener ist, glaube ich, Spawn Of The Stillborn Lord mein Lieblingssong. Welch ein Hassbratzen. Das Ding ist durch und durch brutal und aggressiv. Trotz melodischer Spieltechnik geht das Teil nur nach vorne weg und treibt den Zuhörer in den Wahnsinn, im positiven Sinne natürlich. Hier und da werden kleine, groovende Momente mit eingebaut, aber ansonsten wird das Teil nur durchgeballert. Ja, so etwas mag ich ja. Ab auf die Zwölf und ab dafür. So muss das.

Die Uftata und der rhythmische Gesang bestimmen das Geschehen beim Song Heirloom, der für Scythe-Beast-Verhältnisse eher ein wenig ruhiger um die Ecke kommt, aber definitiv nicht weniger interessant ist.

Ich komme immer wieder zu dem Ergebnis, dass die Burschen doch gerne mal die Heartwork gehört haben. Dieses Geschrabbere am Anfang, der Gesang und dann diese Blastbeatattacke bei Purify By Flame. Ein weiteres Highlight dieses Albums. Sehr fett, sehr aggressiv. Herrlich, und dann dieser groovige Midtempopart, der sicherlich nicht neu ist, aber absolut überzeugt und von einem absolut geilen melodischen Part abgelöst wird, um dann wieder den Knüppel anzusetzen. Die Geschwindigkeit steigert man noch einmal und bremst nur am Ende. Sehr geil. Ich glaube, das ist doch der Gewinner des Albums.

Das mit einem Slayer-haften Riff ausgestattete Stück The Carrion Marshes lebt von einer langsamen Melodie und hat eine gewisse Melancholie in sich und eine doomige Komponente. Auch sehr geil.

Mit Warp ist dann der Spaß vorbei. Hier gibt man noch einmal alles. Ein guter Song am Ende des Albums, der noch einmal die Trademarks der Band widerspiegelt, kann ja nicht schaden.

Scythe Beast – Anthems Of The Rotten
Fazit
Die Sulinger Zeitgenossen von Scythe Beast haben die Zeit in ihrem Proberaum absolut genutzt und präsentieren uns auf ihrem Drittwerk eine recht eigenständige Mischung aus druckvollem Death Metal und melodischem Thrash Metal. Das Drumming kann man eher dem Death Metal zuordnen und das Riffing dem Thrash, wobei die Übergänge dabei natürlich nahtlos sind. Von Geblaste bis zum Gegroove ist alles dabei und man hat echt ein gutes Händchen für Melodien. Das Songwriting und die Produktion haben es in sich, und was soll ich sagen, das Album macht einfach nur Laune. Wer auf aggressiven, melodischen Death Metal der Marke Heartwork (Carcass) steht, sollte unbedingt zugreifen.

Anspieltipps: Ravenous und Purify By Flame
Michael E.
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