Bush am 11.06.2026 in der Großen Freiheit 36, Hamburg

Gavin Rossdale und eine Zeitreise in die 90er

Event: Bush – Germany / UK Summer 2026

Bands: Bush, Nikra

Ort: Große Freiheit 36, Große Freiheit 36, 22767 Hamburg

Datum: 11.06.2026

Kosten: VVK circa 65,50 € plus Gebühren, sold out

Zuschauer: ca. 1500 Leute

Genre: Grunge, Post Grunge, Indie Rock, Alternative Rock, Punk Rock

Link: https://grossefreiheit36.de/

Setlist Bush:

  1. Machinehead
  2. Prizefighter
  3. The Land Of Milk And Honey
  4. Quicksand
  5. 60 Ways To Forget People
  6. Everything Zen
  7. Greedy Fly
  8. Identity
  9. We’re All The Same On The Inside
  10. Blood River
  11. The Chemicals Between Us
  12. Human Sand
  13. Letting The Cables Sleep
  14. Little Things
  15. I Beat Loneliness
  16. Flowers On A Grave
  17. Glycerine
  18. More Than Machines
  19. Comedown

Bush – Große Freiheit 36, Hamburg – 2026

Bush, die gibt es noch? Zwischen dem Rock Am Ring und dem Download Festival beglücken Gavin Rossdale und seine Mitstreiter vier deutsche Städte und Clubs, die allesamt sold out melden. So oft ist der Herr nicht mehr auf Tour. Neben den Aktivitäten als Sänger und Gitarrist ist Rossdale Schauspieler und unter anderem bei den TV-Serien Hawaii Five-0 und Criminal Minds zu erleben. Auch Glamour-Storys lieferte der Herr. Rossdale war mit Gwen Stefani (No Doubt) verheiratet und mit Sophia Thomalla liiert.

Musikalisch geht es um das Erbe von Nirvana, mit denen Bush immer gerne verglichen wurden. Vom Debüt Sixteen Stone (1994) gingen circa sieben Millionen und von Razorblade Suitcase (1996) circa dreieinhalb Millionen Exemplare über die Ladentheke. Trotz des Erfolges standen Rossdale und seine Band immer im Schatten der Grunge-Größen und wurden von Kritikern als Nachahmer angesehen und nicht ernst genommen. Ende der 90er veränderten Bush ihren Sound zu mehr Elektronik. Interne Streitigkeiten sorgten schließlich für die Auflösung der Band 2002.

Sind Bush Nachahmer?

Seit 2010 sind Bush wieder aktiv und lieferten auch neues Material, zuletzt 2025 I Beat Loneliness. An die frühen Erfolge in der Post-Grunge-Ära konnten Rossdale und Co. aber nicht mehr anknüpfen.

Zurück zum Hier und Jetzt. Bereits deutlich vor 19 Uhr bildet sich eine lange Menschenreihe vor der Großen Freiheit 36. Wer 1994 zwanzig Jahre jung war, der ist jetzt 52. Rossdale selbst ist mittlerweile 60. Entsprechend setzt sich das Publikum zusammen. Ganze Familien, wobei die Kinder sich ebenfalls für die Musik der 90er interessieren, sind genauso im Publikum wie Menschen um die 50, die nochmals in Erinnerungen schwelgen wollen. Aber zunächst gibt es eine Vorband, die vermutlich kaum jemand kennt.

Nikra – Große Freiheit 36, Hamburg – 2026

Nikra sind ein blutjunger Haufen aus Mannheim und spielen einen angepunkten Alternative Rock. Der Truppe fehlt die Erfahrung, wie ich auf der Bühne agiere, wenn ich ein Publikum vor mir habe, das mich gar nicht kennt. 30 Minuten sind wenig Zeit. Nikra setzen auf ihre Musik und reihen Stück an Stück. Das aber insgesamt sehr hektisch und ohne Luft zum Atmen, allen voran nicht für das Publikum. Klar, technisch gibt es bei punkigen Klängen nicht das Riffgewitter der Marke Savatage oder Dream Theater. Aber den Zugang zum Publikum finden Nikra überhaupt nicht. Vielleicht wäre eine Nummer weniger, dafür eine frühe Vorstellung und generelle Ansprache an das Publikum eine bessere Idee gewesen. So rauschen die Nummern im Eiltempo an den Leuten vorbei. Im Endeffekt spielt die Band vor einer völlig anderen Generation, die Nikra heute nicht schaffen abzuholen.

Rossdale und eine Runde durch das Publikum

Bush – Große Freiheit 36, Hamburg – 2026

Umbaupause und nahezu pünktlich um 21 Uhr geht das Licht aus und Bush betreten die Bühne. Wie holt man ein Publikum ab, das eher in Erinnerung schwelgen mag? Genau, mit einer Nummer aus dem Jahr 1994. Machinehead hat nichts mit Deep Purple oder der gleichnamigen Band zu tun. Die Nummer liefert genau die Trademarks, für die Bush in den 90ern standen. Grunge in einer Kombination mit Rock, geerdeter als Nirvana. Die Reise geht über das Jahr 1999 (Prizefighter) zum Jahr 2025 (The Land Of Milk And Honey). Rossdale wendet sich früh ans Publikum und erzählt, dass Bush sowohl ganz alte Stücke als auch das neue Material spielen wollen. Dass die alten Schinken wie Everything Zen und Greedy Fly dabei deutlich besser fliegen als 60 Ways To Forget People oder We’re All The Same On The Inside, versteht sich von selbst. Die Stimmung geht entsprechend hoch, wenn Little Things erklingt, und ist bei Blood River eher zurückhaltend. Aber eine Besonderheit hat Rossdale auf Lager. Zu Flowers On A Grave kommt er von der Bühne und begrüßt ein Geburtstagskind, welches er vorher im Publikum entdeckte. Anschließend dreht er eine Runde. Die geht aber sowohl durch den Unterrang als auch durch den Oberrang. Damit geht vor der Zugabe die Stimmung nochmals nach oben.

Wo ist Swallowed?

Bush – Große Freiheit 36, Hamburg – 2026

Der direkte Übergang nach dem Break geht wegen technischer Probleme schief. Nichts kommt aus dem Mikrofon, auch die Gitarre ist nicht zu hören. Irgendwann ist das Problem behoben und Glycerine in der ursprünglichen Version kredenzt Rossdale seinen Fans, die sich ausgesprochen textsicher bei dem 32 Jahre alten Klassiker zeigen. Zwei Nummern gehen noch: Etwas überraschend sind das More Than Machines (2022) und Comedown (1994). Der Smasher Swallowed hat es nicht ins Set geschafft. Bush variieren jeden Abend ihr Programm, was für eine Produktion dieser Größenordnung eher selten zu erleben ist.

Nach rund 100 Minuten enden Bush gegen 22:45 Uhr, und die Fans strömen Richtung Ausgang. Musikalisch war es ein starker Gig mit einem Gavin Rossdale in Topform. Das Set wirkte stellenweise etwas eigenwillig, insgesamt bot die Band jedoch eine überzeugende Performance, die viele Fans in ihre Jugend zurückversetzte. Was fehlte, wird nun nachgereicht: So klingt Swallowed.