Eventname: UK/EU Tour 2026
Headliner: Black Label Society
Vorbands: Sacred Reich, Thrown Into Exile
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 01.08.2026
Kosten: ca. 50,40 € VVK
Genre: Heavy Metal, Thrash Metal
Besucher: ausverkauft, ca. 2400 Besucher
Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden (https://schlachthof-wiesbaden.de)
Link: https://schlachthof-wiesbaden.de/events/black-label-society-2026
Setlist Black Label Society:
1. Funeral Bell
2. Name in Blood
3. Destroy & Conquer
4. Heart of Darkness
5. No More Tears (Ozzy Osbourne cover)
6. In This River
7. The Blessed Hellride
8. Set You Free
9. Fire It Up
10. Suicide Messiah
11. Ozzy’s Song
12. Stillborn

Einlass ist um 18:30 Uhr und schon eine Stunde vor Beginn zieht sich die Schlange bis weit auf den Vorplatz des Schlachthofs. Kein Wunder, das Ticket für den heutigen Abend gibt es schon seit Wochen nicht mehr zu kaufen und die rund 2.400 Plätze der Halle sind restlos ausverkauft. Die UK/EU-Tour 2026 von Black Label Society macht Halt in Wiesbaden, im Gepäck: das frische, zwölfte Studioalbum Engines Of Demolition, erschienen im März, und zwei Support-Acts, die dem Abend zusätzlich Wucht verleihen. Wer heute in der Halle steht, bekommt drei Kapitel amerikanischer Metal-Geschichte serviert: junge Wut, gereiften Thrash und eine Riff-Institution, die seit fast drei Jahrzehnten den Bulls-Eye auf ihrer Les Paul trägt.

Los Angeles eröffnet den Abend
Pünktlich um 19:00 Uhr betreten Thrown Into Exile die Bühne. Die Fünf aus Los Angeles haben sich in den letzten Jahren kaum eine Pause gegönnt und quer durch Nord- und Mittelamerika sowie Großbritannien gespielt – das hört man ihrem Set an. Songs von der aktuellen EP Passageways treffen auf eine Produktion, die deutlich stärker nach Göteborg als nach Kalifornien klingt: melodische Death-Metal-Riffs, doppelte Bassdrum-Attacken und ein Frontmann, der sich sichtlich freut, vor einer bereits gut gefüllten Halle zu spielen. Für eine Opening-Band, die viele im Publikum vermutlich zum ersten Mal live erleben, holen sie erstaunlich viele Fäuste nach oben. Kein Anheizer im klassischen Sinn, eher ein kompaktes Statement: Wir sind hier, um zu bleiben.

Sacred Reich: Thrash mit Haltung und Handwerk
Es folgt eine Band, die 1985 in Phoenix gegründet wird und mit Awakening gerade eines der überzeugendsten Comeback-Alben ihrer Karriere abliefert – 23 Jahre nach dem letzten Longplayer. Sacred Reich brauchen keine große Inszenierung, um zu überzeugen. Phil Rind, Bassist und Stimme der Band seit Tag eins, positioniert sich zwischen zwei Songs kurz und pointiert zu Zuständen, die ihn schon in den Achtzigern beschäftigt haben. Gesellschaftskritischer Thrash war bei Sacred Reich nie nur Attitüde, sondern Programm. Musikalisch liefert die Band genau das ab, was man von einer der Speerspitzen des amerikanischen Thrash erwartet: rasende Riffs, erdrückende Grooves und Soli, die trotz aller Geschwindigkeit nie ihren Groove verlieren. Die Halle antwortet mit dem ersten großen Circlepit des Abends. Wer glaubt, eine Band mit über 40 Jahren Bandgeschichte könne nur noch nostalgisch touren, wird hier eines Besseren belehrt.
Der Zakk-Wylde-Express rollt in Wiesbaden ein

Dann geht das Licht komplett aus. Ohne Intro, ohne Vorwarnung fällt der Vorhang – und Black Label Society stehen auf der Bühne, direkt hineingeworfen in Funeral Bell. Kein sanftes Ankommen, sondern der volle Wylde-Sound ab der ersten Sekunde. Angeführt von Zakk Wylde, langjährigem Gitarristen an der Seite von Ozzy Osbourne und seit 1997 unangefochtenem Kopf, Songwriter und Gesicht von BLS, arbeitet sich die Band im Anschluss auch durch Material vom neuen Album. Engines Of Demolition ist die erste vollständige BLS-Platte seit Doom Crew Inc. (2021) und trägt hörbar die Handschrift eines Musikers, der die vergangenen Jahre zwischen Trauer, Brüderlichkeit und der Bühne mit Pantera verbringt. Songs wie Name In Blood, Broken And Blind und The Gallows fügen sich nahtlos zwischen die Klassiker, ohne dass der Abend auch nur eine Sekunde nach Best-of-Pflichtprogramm klingt.
Die Setlist zieht routiniert, aber mit spürbarer Spielfreude durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte: von wuchtigen Newcomern des aktuellen Albums über Stücke wie A Love Unreal bis zu doomschweren Ausflügen wie Suicide Messiah und Stillborn. Ein optisches wie musikalisches Highlight liefert Fire It Up: Während Wylde und Rhythmusgitarrist Dario Lorina sich gegenseitig mit ihrem Gitarrenspiel überbieten, fliegen große orange Bälle quer durch die Halle, springen über die Köpfe der Menge hinweg und sorgen für zusätzliches Chaos vor der Bühne. Den Schlusspunkt setzen die beiden, indem sie das Songende jeweils mit der Gitarre hinter dem Kopf herunterreißen. Ein kleines Schaulaufen unter Gitarristen, das die Halle mit Gebrüll quittiert. Zwischen den Songs bleibt Wylde, wie gewohnt, wortkarg. Seine Kommunikation läuft über die Gitarre, nicht über das Mikrofon. Die Soli sind lang, bluesgetränkt und dabei nie Selbstzweck, sondern immer im Dienst des Songs. Bassist John DeServio und Drummer Jeff Fabb halten das Gerüst zusammen wie ein eingespieltes Uhrwerk, während Wylde vorne die Bühne für sich beansprucht, mal mit geschlossenen Augen, mal mit einem Grinsen, das keinen Zweifel daran lässt, wie viel Spaß er noch immer an dem Job hat.

Ein Tribut, der unter die Haut geht
Der emotionale Kern des Abends liegt dort, wo Black Label Society am ehesten die Maske fallen lassen: bei den Songs, die um Ozzy Osbourne kreisen. Erst ein knapper Moment der Stille, dann ein Cover von No More Tears, jenem Song, den Wylde in den Neunzigern selbst mitschreibt. In der Halle wird es für einen Moment fast andächtig, bevor der letzte Refrain die gesamte Menge zurück in Feierlaune katapultiert. Wer an diesem Abend noch einen Beweis dafür braucht, warum Zakk Wylde weit über die eigene Band hinaus zur lebenden Metal-Legende zählt, bekommt ihn spätestens jetzt.
Fazit
Drei Bands, drei Generationen, ein gemeinsamer Nenner: Riffs, die man nicht nur hört, sondern körperlich spürt. Thrown Into Exile bringen frischen Wind, Sacred Reich beweisen, dass Thrash Metal mit über vier Jahrzehnten Bandgeschichte nichts von seiner Dringlichkeit verliert, und Black Label Society liefern den Beweis, dass Zakk Wylde auch mit neuem Album keinen Deut leiser wird. Die ausverkaufte Halle des Schlachthofs verlässt niemand enttäuscht, sondern mit klingelnden Ohren und dem dringenden Wunsch, die nächste BLS-Show schon fest im Kalender zu markieren.



































