Miscreance – Reminiscence

28.08.2026 - Death Metal, Thrash Metal - Season of Mist - 37:35 Minuten

Die Italiener von Miscreance sind seit dem Jahre 2013 aktiv, agierten aber damals noch unter dem Banner Atomic Massacre. Nach einem Demo und einer EP war aber im Jahre 2018 Schluss bzw. man nannte sich eben in Miscreance um. 3/5 der Member sind aber noch dabei. Es folgte gleich wieder ein Demo und im Jahre 2021 erschien eine Split mit Vile Apparition. 2022 kam dann endlich das Debüt namens Convergence auf den Markt. Nun, vier Jahre später, macht man sich mit einem Deal mit Season Of Mist auf den Weg, ein zweites Album zu veröffentlichen, welches auf den Namen Reminiscence hört.

Los geht es mit Trait D‘Union, logischerweise dem Opener. Mit etwas fremden Klängen in Form einer progressiven Art und clean startet man in das Album und man wird sofort an Cynic und an alte Death erinnert. Dann steigt man in das normale Metalgeschehen ein, behält sich aber diese progressive Art bei. Es wird etwas schneller, bis man dann eine Art tiefen Sprechgesang auf die Menschheit loslässt. Gefühlt fängt der Song jetzt erst so richtig an. Technischer und eben verspielter Death Metal. Auch aufgrund der Stimme erinnert dies an Chuck Schuldiner und seine Gang. Im druckvollen Midtempo präsentiert man sich und baut thrashige Attacken mit ein. Teilweise ist das ein grooviger Faktor, der hier agiert, aber man holt auch gerne den Knüppel heraus. Dabei bleibt man sich und der technischen Auslegung treu, aber so, dass man alles noch nachvollziehen kann. Tempo wieder runter und ab in ein Solo, das dann im Vergleich zu dem vorherigen Part eingängig und eindringlich ist. Am Ende nimmt man dann wieder die progressive Schiene an, wird kurz clean und liefert im langsamen Sektor eine Art choralen Gesang ab. Ja, hier wird ganz schön herumexperimentiert. Man geht wieder ins Midtempo, dieser Sprechgesang vom Anfang kommt noch einmal und so geht man weiter. Am Ende wird der Sprechgesang noch bösartig verzerrt und mit einem Scream beendet man das Ganze. Schon gleich starker Tobak zu Beginn.

Weiter geht der progressive Weg mit dem Song Vision. Nun geht man etwas straighter und direkter zur Sache, zumindest zu Beginn. Aggressiver Uptempo-Death-Metal der alten Schule. Der Bass spielt zwischendurch immer mal wieder vor und hier hört und spürt man die Fähigkeiten der Musiker. Und yes, man bleibt schnell und heftig. Fein, das gefällt mir. Das Gitarrenspiel ist zwar etwas technisch, aber man ist doch direkter. Auch der nachfolgende Midtempo-Part geht direkt in die Magengrube. Feiner Boxschlag. Nach einem Break erfolgt wieder dieser etwas komisch klingende Sprechgesang und langsam schreitet man vorwärts, um dann im gefrickelten Stakkato-Rhythmus zu agieren. Ein wildes Solo folgt, aber dann nehmen sie wieder Fahrt auf. Klar, das ist immer noch sehr verspielt, geht aber absolut gut ins Ohr. Dissonante Momente sind natürlich auch vorhanden. Dann groovt man versetzt, aber man bleibt immer im Rahmen der Möglichkeiten.

Scalp Ceremony folgt. Auch hier bleibt man sich treu. Zum Glück, bei der ganzen Technik, vergisst man nicht, dass man eine Death-Metal-Band ist, und so baut man auch aggressive Parts mit ein und füttert diese immer wieder eben mit diesen Spielereien, wie ich es mal nennen würde. Auch Pestilence sollte hier genannt werden. Wenn man im Midtempo groovt und dabei eben die progressiven Ergüsse herausholt, hat das schon was. Dafür sorgt das gelungene Drumming, wie ich finde. Dieses sorgt dafür, dass man am Ball bleiben kann. Natürlich sind schon hektische Wechsel vorhanden. Man muss schon aufpassen, was passiert, aber alles hält sich noch im Rahmen, wie ich finde. Kann man so machen, definitiv. Hier kommen komische Schlagzeugparts zum Einsatz, die aber absolut interessant klingen. Auch der Bass kommt hier gut zur Geltung und darf auch einmal wieder alleine ran.

Die Produktion ist erstklassig. Alles kann man klar heraushören, aber man ist trotzdem druckvoll und zerstörerisch. Ja, das hat absolut etwas.

Hier und da haben sie immer wieder Parts dabei, die dann direkt drücken, so wie bei Synaptic Cortex Dissection zum Beispiel. Der Song entwickelt sich natürlich weiter zu einer progressiven und dissonanten Maschine, deren Bedienungsanleitung nicht so einfach zu verstehen ist, aber bei genauer Betrachtung durchaus gelungen ist.

Man muss sagen, dass die Burschen auf diesem Album schon wissen, wo der Hammer hängt und wie man diesen am besten schwingt. Natürlich gefällt mir als Old-School-Death-Metal-Fan und Brutalo-Heinz nicht alles, aber das Album kann man sich absolut gut geben. Manchmal sind mir die Wechsel zu krass, so wie bei Oracle’s Rift, aber das ist natürlich ein persönliches Empfinden. Der Song an sich ist richtig geil. Das Niveau bleibt hoch, auch wenn so ein bis zwei richtige Überflieger fehlen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Miscreance – Reminiscence in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Miscreance – Reminiscence
Fazit zu Reminiscence
Miscreance stammen aus Florenz und Venedig und das kulturelle Erbe der Vorfahren setzen diese Musiker auch metallisch um. Dabei verwenden sie eine Mischung aus Death Metal und Thrash Metal. Das Ganze wird in eine technische, progressive, teilweise auch jazzige, dissonante, aber auch aggressive und druckvolle Version gepackt, welche absolut interessant klingt. Klaro ist das hier keine Musik für nebenbei, aber trotz des hohen Spielfaktors kommt man immer wieder auf den Punkt, auch wenn einige Wechsel hier und da mir persönlich zu viel sind. Tempowechsel, Breaks und Soli stehen auf der Agenda und machen es dem Hörer nicht immer einfach, aber trotz dieser hohen Komplexität kann man das Songwriting verstehen. Hinzu kommt noch eine fantastische Produktion, die wirklich alles killt. Technischer Old School Death Metal, Thrash, progressive Hooks und viele Ideen führen dazu, dass sich Fans von Death, Atheist, Cynic, Gorguts oder Pestilence das Teil zulegen sollten.

Anspieltipps: Vision und Oracle’s Rift
Michael E.
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