Der Meister himself lädt man wieder zum Tanze. Rogga Johansson, der schwedische Tausendsassa, ist ja im Death Metal nicht wegzudenken. Aber er hat eben auch eine andere Seite. Diese ist eher melodisch. Melancholisch und düster. Aus diesem Grunde hat er 1996 bereits das Projekt Dead Sun gegründet. Dabei erledigt er alles selber, zumindest auf den ersten Band-Demos (1997 und 1999). 2013 kam dann der Paganizer-Drummer Matthias Fiebig dazu und dann erschien das Debüt. Schon ungewöhnlich. Danach wurde Herr Fiebig durch John Rudin ersetzt. Zusammen hauten sie noch sieben Alben raus. Das aktuelle Album namens This Life Is A Grave, welches via Emanzipation Productions Ende 2025 erschienen ist, wurde von Thomas Ohlsson eingehämmert. Here we go!
Melodisch, melancholisch und düster
Wie schon in der Beschreibung der Band erwähnt, wurde das Projekt von Rogga ins Leben gerufen, um seine melodischen Ergüsse auf Papier zu bringen bzw. auf das Griffbrett. Dieses hört man sofort beim Opener Primordial Knowledge (Where Ubbo-Sathla Reign). Langsam geht es los, es erklingt sofort eine Melodie und man wird zwar ein wenig schneller, aber wird nicht fix. Im Midtempo kommt ein drückender Part, der dann die Melodie wieder zum Vorschein bringt. Eine weitere folgt und man verfolgt schon einen gewissen atmosphärischen Ansatz, ehe man dann doch einen Zahn zulegt. Gutes Riffing und gute Abwechslung. Das nachfolgende Riff bleibt auch sofort hängen und ist klar im Death Metal verhaftet. Der Death-Metal-Anteil ist natürlich auch klar durch die Growls, die tiefen Screams und den zwar betonenden, aber auch aggressiven Drumstil manifestiert. Die Melodie darf noch einmal ran und dann ist Feierabend.
Während bei dem gerade beschriebenen Song die Melodien klar im Vordergrund stehen, werden beim nachfolgenden Stück Embraced By The Succubus die Melodien gekonnt ins Songwriting mit eingebaut. Klar sind auch diese hier vorhanden, drängen sich aber eben nicht ganz in den Vordergrund. Im Mittelpunkt steht hier Death Metal im Midtempo, der eben einen melodischen Touch innehat. Macht Spaß, denn das treibende Tempo und die passenden Breaks bleiben im Ohr hängen.
Auch A Midnight Serenade geht ähnlich in die Gehörgänge und zeigt die Protagonisten von ihrer Sonnenseite und eben die Fähigkeiten, die Rogga als Songwriter besitzt. Die Riffs sitzen und machen eben Laune. Der Song lebt von der Dynamik und vom Rhythmus und hat teilweise etwas Hypnotisches. Man bewegt sich im Death Metal, wird aber nie wirklich schnell.
Langsam, schleppend, aber melodisch geht man bei Sin Collector zu Werke. Das klingt alles sehr schwermütig. Man erhöht ein wenig das Tempo, nimmt es dann wieder raus und liefert einen Part mit einer Art Sprechgesang, der schön evil klingt. Man steigert sich wieder, bleibt aber im unteren Midtempo und wiederholt den vorherigen Part. Genauso wie beim nachfolgenden Song Nighttime Butterfly klingt man richtig düster und hat für mich irgendwas von den mittleren Amorphis, wie ich es mal nennen möchte. Der Rhythmus steht hier im Vordergrund, aber bei Nighttime Butterfly fügt sich wieder eine Melodie mit ein, die schön schaurig ist. Klingt alles zwar ein wenig melancholisch, aber nicht depressiv. Der Einsatz der melodischen Elemente hat auch etwas von Edge Of Sanity.
Ein Album, auf welches man sich als Death-Metal-Fan erst einmal einlassen muss. Ich gebe zu, dass ich erst beim dritten Anlauf so richtig das Material auf mich wirken lassen konnte, aber dann fruchtete es umso mehr. Sie schaffen es, schleppende und melancholische Midtempo-Death-Metal-Nummern zu fabrizieren, die einfach sitzen, wie z. B. She Drank My Soul. Hier bedient man eher die Death-Metal-Gemeinden, verarbeitet aber natürlich wieder die melodische Grundidee und bringt diese gekonnt im Gesamtbild unter,
Album-Namensgeber ein absolutes Brett
Will man sich ein Bild von der Idee bzw. von der Grundrichtung der Band Dead Sun machen, muss man sich den Song Your Life Is A Grave anhören. Dieser ist für ihr Dasein essenziell und für die Existenz dieses Albums. Der Beginn ist absolut lecker. Ein schön treibender Midtempo-Death-Metal-Moment, der dann mit einer langsamen Passage kombiniert wird. Mit druckvollem Riffing und fetten Growls setzt man die Reise fort und fügt ein melodisches Gitarrenspiel hinzu. Ja, das hat was. Wie gesagt, man muss sich drauf einlassen. Dann wird man etwas aggressiver und holt wieder die langsame Passage, die so schön melancholisch klingt, heraus. Langsam, aber drückend und mit Growls geht es weiter, bis man dann wieder das melodische System anwendet. Sehr schön.
Hier geht es für weitere Informationen zu Dead Sun – This Life Is A Grave in unserem Time For Metal Release-Kalender.



