Bands: Mudfinger, Organic Destruction, Black Charger
Ort: Infernal Audio, 56412 Boden
Datum: 14.01.2026
Genre: Stoner Rock, Desert Rock, Psychedelic Doom
Kosten: privat
Veranstalter: Oli / Infernal Audio
Ein Geburtstag, drei Bands, eine außergewöhnliche Location: Mudfinger-Drummer Oli hat zu seinem Ehrentag geladen – und das stilecht in seinem eigenen Tonstudio, das zugleich der Proberaum seiner Band ist. Rund 30 bis 40 geladene Gäste haben sich hier eingefunden – Freunde, Weggefährten, Musiker. Schon beim Eintreffen spürt man die Vertrautheit: Man kennt sich, begrüßt sich herzlich, lacht, fachsimpelt über Musik und Technik. Die Stimmung ist locker, familiär und voller Vorfreude auf den heutigen Abend. Heute steht nicht nur das Feiern im Mittelpunkt, sondern auch die Musik. Drei Bands – Mudfinger, Organic Destruction und Black Charger – wollen an diesem besonderen Abend die kleine Bühne zum Beben bringen. Es ist alles angerichtet für ein intimes, aber energiegeladenes Live-Erlebnis, das mehr nach Festival als nach Geburtstagsrunde klingt.

Dreckig, schwer, ehrlich – Mudfinger lassen den Proberaum beben
Jetzt wird es roh, laut und verdammt heavy: Mudfinger lassen als erste Band ihren Proberaum erbeben und zeigen eindrucksvoll, warum sie sich im Westerwald und darüber hinaus einen Namen gemacht haben. Der Sound ist dreckig, wuchtig und tief in der Stoner-Ecke verankert, mit genau der richtigen Portion Sludge, die alles noch schwerer und schleppender wirken lässt. Mudfinger stehen hier als eingespieltes Quartett auf der Bühne – Oli treibt die Songs mit seinem kraftvollen Schlagzeug gnadenlos nach vorne, während Marcus am Bass und Mikrofon das Geschehen kontrolliert. Zwischen den Songs greift er wie gewohnt zum Bier, tauscht ein paar Worte mit den Anwesenden und sorgt so für eine angenehm lockere, familiäre Atmosphäre. An den Gitarren liefern Jeff und Timo das massive Riff-Fundament. Jeff trägt heute seine Haare mal nicht offen (wie so oft bei Konzerten), sondern er hat seine Haare zu einem Zopf gebunden, der fast bis zum Boden reicht – Rapunzel lässt grüßen. Optisch wie musikalisch ist das ein markanter Auftritt, der perfekt zum schweren Sound der Band passt.

Die Setlist bietet eine starke Mischung aus neuem und älterem Material. Songs vom aktuellen Album kommen genauso zum Einsatz wie bewährte Stücke aus früheren Jahren. Titel wie Trinity und TBABTO zeigen, wie ausgereift und druckvoll Mudfinger inzwischen klingen, während ältere Nummern für Wiedererkennungswert und kollektives Kopfnicken sorgen. Seit 2014 sind Mudfinger unterwegs, und diese Erfahrung ist jederzeit spürbar. Die Band wirkt routiniert, aber keineswegs abgeklärt oder lustlos – im Gegenteil: Jeder Song sitzt, jede Pause fühlt sich natürlich an, und der direkte Kontakt zum Publikum macht den Gig zu etwas Besonderem. Der Kontakt zum Publikum ist heute Abend natürlich auf dieser Geburtstagsfeier ganz besonders eng und alle Beteiligten sind im Freudentaumel. Mudfingers-Sound ist roh, ungefiltert und ehrlich: schwere Riffs, groovende Rhythmen und eine Atmosphäre, die unter die Haut geht. Auch bei diesem intensiven Proberaum-Gig zeigen Mudfinger, dass sie live eine echte Macht sind – laut, dreckig und kompromisslos.
Zäh, schwer, unerbittlich – Organic Destruction entfesseln ihren Sound
Nach der ersten Abrissbirne des Abends folgt nun der Auftritt von Organic Destruction – einer Band, die längst mehr ist als nur ein Geheimtipp aus der näheren Umgebung. Vom ersten Ton an ist klar: Hier steht ein Trio auf der Bühne, das genau weiß, was es tut, und den Freunden hier im Proberaum den Wunsch nach geiler Mucke mühelos erfüllt. Gegründet in einer Zeit (Corona), in der vielerorts Stillstand herrschte, wirkt diese Band wie ein bewusstes Gegenstatement zur Lähmung. Was einst als kreativer Ausbruch in dunklen Tagen begann, hat sich zu einem ernstzunehmenden Projekt innerhalb der Doom- und Stoner-Underground-Szene entwickelt. Trotz ihrer noch überschaubaren Bandhistorie treten die drei Musiker mit einer Souveränität auf, die man sonst eher von deutlich älteren Acts kennt. An der Gitarre erschafft Marius Brenner massive Klangwände, die zugleich schwer und detailreich sind. Seine Riffs walzen nicht einfach alles nieder, sondern entfalten Tiefe, Struktur und Atmosphäre. Sie bilden das tonale Fundament, auf dem sich der Sound der Band langsam, aber unaufhaltsam aufbaut. Benjamin Ringer übernimmt den Bass und das Mikrofon und sorgt nicht nur für ein wuchtiges Tieftonbett, sondern auch für markante Vocals. Sein Gesang verleiht den Songs zusätzliche Schwere und zieht das Publikum immer tiefer in diese dunkle, hypnotische Klangwelt hinein. Im Hintergrund sitzt Patrick Erasmus am Schlagzeug – ruhig, fokussiert und beinahe stoisch. Mit präzisem Spiel und einem ausgeprägten Gespür für Dynamik hält er den doomigen Groove konstant am Laufen. Jeder Schlag sitzt, alles wirkt schwer, dicht und unerbittlich.

Stilistisch bewegen sich Organic Destruction irgendwo zwischen zähem Doom, treibendem Stoner Rock und psychedelischer Versenkung. Die Songs entwickeln sich langsam, schichten sich übereinander, steigern sich stetig und entladen sich schließlich in wuchtigen, eruptiven Momenten. Das ist keine Musik für den schnellen Konsum, das ist Sound, den man hier fühlt, der einen umschließt und nicht mehr loslässt. Die Setlist ist entsprechend stark zusammengestellt. Neben ausgewählten Stücken vom Debütalbum Return Of The Roo liegt der Fokus klar auf dem aktuellen Werk Prophets Of Cthulhu. Songs wie Bite Of The T, Dark Water oder das treibende Supergroup entfalten live eine enorme Wirkung. Jeder Titel wirkt zugleich durchdacht und roh, kontrolliert und doch ungeschliffen – genau diese Spannung macht den Reiz der Band aus. Ein Gig, der kompromisslos, intensiv und voller Atmosphäre ist.
Nicht nur ich bin von dem bisher Gehörten und Gesehenen begeistert, sondern auch alle Anwesenden im Proberaum. Das hier ist alles so ungeschminkt und authentisch. Es gibt viel Applaus für Organic Destruction, wie eben auch für Mudfinger. Ich stehe am Tisch, gemeinsam mit den drei Jungs von Black Charger, die mir gegenüber anmerken, dass es bei ihnen allerdings etwas anders, schneller, werden wird. Klar, das weiß ich natürlich, da ich zu ihrem Album Small Town auch ein Review gemacht habe.
Schwerer Groove im Proberaum: Black Charger als starker Abschluss
Zum Abschluss dieses intensiven Abends betreten Black Charger die Bühne. Das Trio ist aktuell unterwegs, um sein Debütalbum Small Town live auf die Straße zu bringen. Heute führt sie dieser Tourstopp in einen Proberaum, fernab von Clubs oder Festivalbühnen. Ein echter Härtetest und gleichzeitig die perfekte Umgebung für ihren erdigen Sound.
Black Charger treten in klassischer Drei-Mann-Besetzung auf: Christian übernimmt Gitarre und Gesang, Stephan sorgt am Bass für das nötige Fundament, während Uli hinter dem Schlagzeug den Groove fest im Griff hat. Was einst als unverbindliches Jammen begann, steht heute als Band mit klarer Haltung und eigener Handschrift auf der Bühne. Der Sound ist warm, organisch und tief im Stoner- und Desert Rock verwurzelt. Tiefgestimmte, fuzzige Gitarren legen sich schwer über den Raum, getragen von einem massiven Bass und einem stoisch groovenden Schlagzeug (Uli scheint nichts aus der Ruhe zu bringen). Trotz offensichtlicher Genre-Wurzeln wirkt hier nichts angestaubt oder rückwärtsgewandt. Black Charger klingen bodenständig, ehrlich und vor allem lebendig.

Die Band verbindet klassische Stoner-Rock-Elemente mit einer spürbaren Sehnsucht nach Authentizität. Alles wirkt direkt, ungefiltert und genau richtig für diesen tollen Abend. Keine große Show, keine Effekthascherei, Black Charger lassen ihre Songs sprechen. Entsprechend dominiert Material vom Debütalbum Small Town die Setlist. Gleich zu Beginn setzen sie mit Liquor Store, Gimme A Gun, dem titelgebenden Small Town und Grey deutliche Akzente. Die Songs greifen sofort, entwickeln live zusätzlichen Druck und entfalten ihren Charakter besonders und passen richtig in diese Proberaum-Umgebung. Black Charger liefern einen Auftritt ab, der perfekt als Abschluss dieses Abends funktioniert: erdig, schnörkellos und voller Groove. Eine Band, die zeigt, dass Stoner Rock auch heute noch ehrlich, handgemacht und absolut zeitlos sein kann – und die diesen Day-Out im Proberaum souverän für sich nutzt.
Gegen Mitternacht löst sich die Gesellschaft langsam auf, denn es ist ein Mittwoch und viele müssen morgen noch arbeiten. Auch ich verabschiede mich bei den Anwesenden und bedanke mich bei Oli für die Einladung und den sehr schönen Abend.
Zum Abschluss bleibt festzuhalten: Dieser Abend zeigt eindrucksvoll, wie lebendig, vielfältig und qualitativ stark die Szene jenseits der großen Bühnen ist. Mudfinger, Organic Destruction und Black Charger liefern drei unterschiedliche, aber perfekt ineinandergreifende Facetten von schwerem Rock – von dreckigem Stoner über doomige Klanglandschaften bis hin zu erdigem Desert Rock. Der Proberaum wird für ein paar Stunden zum Mittelpunkt ehrlicher, handgemachter Musik, getragen von Spielfreude, Nähe zum Publikum und kompromisslosem Sound. Ein Abend, der zeigt, warum man genau für solche Konzerte loszieht und mit einem breiten Grinsen nach Hause geht.
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