Deep Purple am 24.07.2020 auf der 73. Foire Aux Vins d`Alsace in Colmar (Vorbericht)

Britische Rocklegenden spielen auf der Weinmesse im Elsass

Eventname: 73. Foire Aux Vins d`Alsace 2020

Band: Deep Purple

Ort: „Parc des Expositions“ (Messegelände) Colmar, Avenue de la Foire aux Vins, 68000 Colmar, Frankreich

Datum: 24.07.2020

Tickets unter: http://www.aparteweb.com/awprod/cofv/awcatalog.aspx?ins=cofv

Genre: Hardrock, Rock, Classic Rock

Veranstalter: Foire aux Vins d`Alsace https://www.foire-colmar.com/de/

Links: https://www.facebook.com/events/2712450322111494/


Vom 24.07. bis 02.08.2020 findet auf dem Parc des Expositions (Messegelände) wieder die beliebte und weit über die Grenzen des Elsass hinaus bekannte, Wein- und Verbrauchermesse Foire aux Vins d`Alsace statt. Die Weinmesse findet bereits seit 1947 statt und lockt jährlich weit über 250.000 Besucher nach Colmar. Längst ist die Messe viel mehr als ein Treffen von einheimischen Winzern und Weinliebhabern, sondern eine interessante Mischung aus Volksfest, Weinmesse, Verbraucherausstellung (mit über 350 Ausstellern) und Pop & Rock Festival. Anfangs fand die Messe in der Innenstadt von Colmar statt, musste dann aber aufgrund des Erfolges bald auf das Messegelände verlegt werden. Das Musikfestival gibt es in dem Zusammenhang seit 1958 und findet heutzutage in der Muschel, dem überdachten Festival-Freilichttheater statt. So spielten in den letzten Jahren z.B. Sabaton, Ensiferum, Accept, W.A.S.P., Robert Plant, Iggy Pop, Tarja, Motörhead, Slayer, Arch Enemy, Limp Bizkit, Airbourne, Gamma Ray, Helloween, Anthrax, Epica, Nightwish, Within` Temptation, Saxon, Alice Cooper, Europe, Placebo … und viele, viele mehr in Colmar. Insgesamt fanden hier über 700 verschiedene Konzerte statt.

Ob es 2020 die beliebte Hard Rock Session im Rahmen der 73. Ausgabe der Foire Aux Vins d`Alsace wieder geben wird, ist noch nicht bekannt. Rock und Hard Rock Fans werden dennoch auf ihre Kosten kommen, denn die britischen Hard Rock Pioniere Deep Purple werden auf der Bühne des 10.000 Zuschauer fassenden Freilichttheaters spielen. Nach 2013 wird es 2020 bereits der 2. Auftritt der Hard Rock Dinosaurier Deep Purple auf der Weinmesse sein. Schon zu Anfang ihrer internationalen Karriere hatten die Briten in Frankreich eine große Fangemeinde und auch heute noch rockt die mittlerweile gestandene Altherren-Riege dort immer noch in stets ausverkauften Hallen. Die Konzerte in Colmar sind bekannt für viel Spektakel, gute Stimmung und nicht zuletzt für richtig guten Sound.

Deep Purple sind die letzten verbliebenen und immer noch quicklebendigen Rockgiganten, die in den 1970er-Jahren zusammen mit Led Zeppelin und Black Sabbath den Hardrock definierten und damit unzählige Bands beeinflussten. Doch im Gegensatz zu ihren früheren Mitstreitern sind Deep Purple auch nach zahlreichen Besetzungswechseln so aktiv und aufregend wie eh und je – und vor allem live ein bleibendes Erlebnis.

Die britische Band gründete sich bereits 1968 aus der Band Roundabout in dem Line-Up Rod Evans (Vocals), Ritchie Blackmore (Guitar), Nick Simper (Bass), Jon Lord (R.I.P.) (Hammondorgel, Keyboards) und Ian Paice (Drums). Mit ihrem Stil, der vom Klang der Hammondorgel, markanten Gitarrenriffs, treibender Rhythmusarbeit und markantem Gesang geprägt ist, zählen sie zu den ersten und einflussreichsten Vertretern der aufkeimenden Hard Rock Szene. Deep Purple sollten kein Vehikel für gesellschaftliche Rebellion sein, sondern für musikalische Perfektion. Während andere Bands auf der Stelle traten, erfanden sich die Briten immer wieder neu. In der sogenannten Mark-I-Phase spielte man mit Shades Of Deep Purple, The Book Of Taliesyn und Deep Purple drei Alben ein, die aber mit der typischen Deep Purple Musik der 70er noch wenig gemeinsam hatten. Mit dem Joe South Titel Hush gelang in den USA und Kanada der Durchbruch. Im Verlauf der von zahlreichen Besetzungswechseln geprägten Bandgeschichte erfolgten diverse musikalische Neuausrichtungen. Im Frühwerk der Band stehen somit Hard Rock, Psychedelic Rock, Progressive Rock und Blues Rock neben ersten Annäherungsversuchen zur Klassik mit Concerto For Group And Orchester.

Auf Betreiben von Ritchie Blackmore wurden Evans und Simper gegen den Sänger Ian Gillan und den Bassisten Roger Glover ersetzt. Stilprägenden Einfluss hinterließ dann aber vor allem die klassische Mark-II-Besetzung der 1970er Jahre, deren Schaffen solch stilbildende Alben wie Deep Purple In Rock, Fireball, Machine Head und Made In Japan, aber auch Songklassiker wie Smoke On The Water, Black Night oder Highway Star hervorbrachte. Die besondere Improvisationsfreude äußerte sich in ungewöhnlich langen Songs, wie z.B. Child In Time, oder auch Space Truckin`, welches entgegen der Studioversion bei Livedarbietungen extrem in die Länge ausgedehnt wurde. Speed King ist der perfekte Clinch zwischen einer wilden Rockgitarre und einer sanften Orgel. Selbst vor weiteren Einflüssen aus Jazz, Funk und Soul schreckte man nicht zurück. Die Single Smoke On The Water verkaufte sich alleine über 12 Millionen mal und ist laut einer US-Umfrage das bekannteste Lied nach deren Nationalhymne. Deep Purple zählten von Anfang an zu den am meisten tourenden Bands der Rockgeschichte und dank ihrer 10.000 Watt starken Marshall-PA Anlage konnten sie 1975 sogar einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde als lauteste Popgruppe der Welt verzeichnen. Who Do We Think We Are, das letzte Album der Mark-II-Besetzung, fällt bluesiger aus und trotz des Hits Woman From Tokyo gehen die Verkaufszahlen zurück.

Die Verpflichtung des Bad Company Sängers Paul Rodgers scheiterte und Deep Purple verpflichteten den damals unbekannten David Coverdale. Zudem wurde Bassist Glenn Hughes ins Boot geholt, der Coverdale auch in hohen Lagen unterstützen sollte. Die Mark-III-Besetzung war geboren. Das folgende Album Burn fällt noch blues-orientierter aus als seine Vorgänger, bis auf den Titeltrack Burn, der als einer der Wegbereiter für den Speed- und Power Metal gilt. Durch die Einflüsse von Blackmore zählt die Nummer auch zu den Begründern des neoklassischen Metals. Bei einem Konzert in Birmingham 1974 bekam die Band 29 Goldene Schallplatten im Paket überreicht. In die Geschichte ging ihr Auftritt beim California Jam ein, wo Deep Purple vor 400.000 Besuchern als Headliner spielten, bevor Blackmore am Ende mehrere seiner Gitarren auf der Bühne zerstörte, eine TV-Kamera demolierte und seine Monitorboxen mit Benzin abfackelte. Nachdem Stormbringer noch mehr in Richtung Blues, Soul und Funk ging, verlässt Blackmore nach diversen musikalischen Querelen die Band und gründet Rainbow.

Da Blackmore den Stil der Band als Gründungsmitglied entscheidend mitgeprägt hatte, tat man sich schwer, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Der Fusion-Gitarrist Tommy Bolin ist dann eher eine Notlösung, der Beginn der Mark-IV-Ära. Bei Come Taste The Band setzt man, entsprechend Hughes Bassspiel und Bolins Rhythmusgitarre, verstärkt auf Soul- und Funk-Elemente, doch trotz des Querschnitts aus harten und melodischen Rocksongs gilt das Album als kommerzieller Flop. Schwere Drogenprobleme von Hughes und Bolin und unterschiedliche musikalische Vorstellungen der einzelnen Musiker lassen die Band zerbrechen und so ziehen Coverdale, Lord und Paice die Notbremse und lösen die Erfolgsband nach einem letzten Auftritt in Liverpool 1976 auf. Tommy Bolin (R.I.P.) stirbt nur wenige Monate später an einer Überdosis Heroin in Verbindung mit Alkohol. Die einzelnen Musiker widmen sich in den folgenden Jahren diversen Nachfolgebands wie Rainbow, Whitesnake und Gillan.

Aufgrund der Nachfolgebands gab es wenig Anlass für eine Reunion, denn alle Mitglieder waren gut und erfolgreich beschäftigt. Bereits 1981/82 gab es erste ernsthafte Reunionversuche, die jedoch an den Verpflichtungen von Ritchie Blackmore bei Rainbow scheiterten. Frühsänger Rod Evans versuchte stattdessen, mit unbekannten Musikern unter Deep Purple weiterzumachen, was ihm per gerichtlicher Verfügung untersagt wurde. Er nannte die Band daraufhin New Deep Purple, doch nach wenigen Konzerten wurde auch das Projekt ad acta gelegt, da er bei den Deep Purple Fans nur einen Shitstorm erntete. 1984 ließ sich dann das klassische Mark-II-Line-Up aber doch von den Schecks der Plattenfirma (angeblich wurden jedem Musiker zwei Millionen Dollar geboten) locken, ging auf ausverkaufte Welttournee und nahm auch erfolgreich mit Perfect Strangers und The House Of The Blue Lights neue Alben auf. Besonders Perfect Strangers klang herrlich frisch und enthielt die typischen Deep Purple Zutaten in leicht modernisiertem Sound. Es regnete wieder Gold und Platin. Bei The House Of The Blue Lights ging man dann musikalisch risikofreudiger zur Sache. 1989 hatten sich sich Gillan und Blackmore allerdings aufs neue zerstritten, und diesmal war es der Sänger, der gehen musste, um ausgerechnet von Ex-Rainbow / Ingwie Malmsteen Vokalist Joe Lynn Turner ersetzt zu werden. Nach Ende der Tour wurde Turner wieder gefeuert, und sowohl Plattenfirma als auch Lord, Paice und Glover wollten Gillan wieder in der Band haben, was Blackmore grummelnd, und gegen eine Viertelmillion Dollar Entschädigung, akzeptierte. 1993 allerdings verließ der Gitarrist just während einer weiteren Welttournee wieder und diesmal endgültig Deep Purple. Blackmore kommentierte das folgendermaßen: Ich kann bei Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und ließen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal mit. Saitenhexer Joe Satriani füllte für die restlichen Livedates den Gitarristenposten aus und hätte nach Meinung der übrigen Tiefvioletten ruhig auch noch länger bleiben können, war jedoch vertraglich anderweitig gebunden, sodass Ex-Kansas / Dixie Dregs Gitarrist Steve Morse seit 1994 mit an Bord ist.

Seitdem war der einzige größere seismische Schock in der Deep Purple Geschichte der Ausstieg von Jon Lord im Jahr 2001, welcher allerdings freundlich vonstatten ging und dem der langjährige Bandfreund Don Airy (Ozzy Osbourne, Jethro Tull, Gary Moore, Rainbow) an der Klaviatur folgte. Deutlich mehr Trauer erzeugte hingegen Jon Lords Tod am 16. Juli 2012, als der an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidende Ex-Keyboarder im Alter von 71 Jahren einer Embolie erlag.

Deep Purple haben die Rockmusik mehr als 50 Jahre geprägt und haben in dieser Zeit etliche Nachahmer kommen und auch wieder gehen sehen. Insgesamt verkaufte man weit mehr als 150 Millionen Tonträger. Das aktuelle Line-Up besteht aus Ian Gillan, Steve Morse, Roger Glover, Don Airy und Ian Paice. 2017 erschien das 20. Studioalbum Infinite. Die Band ist quicklebendig wie eh und je und wird mit den Hits ihrer beispiellosen Karriere die Muschel in Colmar unter Strom setzen.

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