Der ewige Kampf der kleinen Bands und das große Clubsterben

Schon immer haben Musiker davon geträumt, einmal von ihrer Musik leben zu können. Früher war das möglich, wenn man einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hatte. Auch damals war es nicht leicht, sich als Band einen Ruf zu erspielen, als Band bekannt zu werden. Auch damals war nicht alles Gold, was glänzte, aber die Szene war nicht so groß wie heute, war übersichtlicher. Heute jedoch leben wir in einer Zeit, in der wir, dank Internet, immer mehr mit neuen Bands, neuen Genres, neuen Alben überflutet werden. Der hart – rockende Fan wird regelrecht überfordert. Immer mehr Bands sprießen wie Pilze aus dem Boden und jede will etwas vom großen Kuchen abhaben. Nicht jede Band ist der Beachtung durch Publikum wert, aber der Underground hat natürlich auch sehr viele gute Bands zu bieten. Gerade im Rock- und Metalbereich gibt es viele interessante Bands zu entdecken. Trotzdem sterben die kleinen Clubkonzerte immer mehr aus. Immer mehr Clubs und Musikkneipen schließen für immer ihre Tore, oder ändern rigoros ihre Ausrichtung und organisieren einfach keine Konzerte mehr. Die großen Headliner haben damit natürlich kein Problem, sie spielen in den größten Hallen, den größten Stadien, auf den größten Festivals. Sie sind ständig und überall präsent. Doch für die kleineren Bands, die Underground- und Regiobands, für die werden die Zeiten immer schwerer. Sie finden kaum noch Auftrittsmöglichkeiten, um sich und ihre Qualitäten zu präsentieren. Natürlich, es gibt das Internet, es gibt Facebook, Instagram, Twitter und unzählige Möglichkeiten mehr im Netz, um sich zu präsentieren, doch auch im Netz gibt es eben dieses Überangebot. Außerdem ist das nicht annähernd mit den Eindrücken eines Livekonzertes zu vergleichen. Ausweichmöglichkeiten bieten mittlerweile zwar immer mehr Jugendzentren, die kleine Konzerte organisieren, doch auch hier wird es immer schwerer, wenn weiterhin die Gäste ausbleiben. Hinzu kommt, in den Jugendzentren sind die kleinen Bands meist gezwungen, umsonst zu spielen, was letztendlich auch die Szene kaputtmacht. Klar, die Bands nutzen die Möglichkeit und spielen an jeder sich bietenden Steckdose, doch wer kann allein von Luft und Liebe leben? Die Konzertbranche steckt in einer Sackgasse, doch woran liegt es?

Früher war alles besser, hört man immer und immer wieder. Klar, früher gab es kein Internet, es gab nicht so viele Bands, es gab nicht solch ein Überangebot. Es gab im Jahr ein paar große Rock- und Metalfestivals, auf denen man seine Lieblingsbands sehen konnte. Die großen Bands gingen auch immer wieder mal auf Hallentour, aber es gab nicht so viele große Bands wie heutzutage und man hatte die bevorzugte Szene besser im Blick. Die großen Bands wurden früher gebucht und sie werden auch heute gebucht, für sie hat sich nicht wirklich etwas verändert. Die ganz großen Bands wie z.B. The Rolling Stones, AC/DC, Iron Maiden, Rammstein, Scorpions, Judas Priest… sterben jedoch langsam aus, oder gehen in absehbarer Zeit in Rockerrente. Wie sollen in Zukunft kleine Bands wachsen und eventuell in die Fußstapfen der großen Bands treten, wenn es immer weniger Auftrittsmöglichkeiten gibt? Stirbt die Szene irgendwann zwangsläufig aus, wenn immer mehr Clubs schließen? Ist der Fan letztendlich selber schuld, weil er immer weniger die kleinen Clubkonzerte besucht?

Ich lebe im Raum Freiburg im Breisgau und in den letzten Jahren, die ich nun hier lebe, haben eine ganze Reihe von Clubs und Kneipen, die zuvor regelmäßig Konzerte veranstaltet haben, geschlossen. Einige Weitere stehen kurz vor der Schließung und niemand weiß, ob und wie es weitergeht. Der Grund dafür ist relativ einfach: Mit Konzerten von großen, bekannten Bands lässt sich Geld verdienen. Große Bands will nahezu jeder sehen und man ist bereit, dafür fast jeden utopischen Preis zu zahlen. Kleine Clubkonzerte von kleinen Bands will dagegen kaum jemand sehen, die zahlenden Gäste bleiben mehr und mehr aus. Mit Konzerten von kleinen Bands kann man heutzutage nicht mehr das Geld verdienen, das man zum Leben braucht. Früher war das etwas anders, weil auch kleine Konzerte besser besucht waren, dadurch, dass es eben nicht solch ein Überangebot gab. Eine kleine Metalkneipe, die jedes Wochenende ein paar durchschnittliche Bands am Start hatte, konnte gewiss sein, dass der Schuppen jedes Wochenende voll ist.

Natürlich, die deutsche Mittelschicht hat immer weniger Geld in der Tasche, doch das alleine kann es nicht sein. Laut einer Studie wird in Deutschland immer noch jeder zehnte Euro für kulturelle Veranstaltungen ausgegeben. Durchschnittlich werden in Deutschland immer noch 258 € pro Haushalt im Monat für Konzerte und ähnliche kulturelle Veranstaltungen ausgegeben. Und trotzdem haben es gerade kleinere Bands immer schwerer Konzerte zu absolvieren. Wir sind jederzeit bereit, 80 € für Bands wie z.B. Iron Maiden oder Judas Priest auszugeben, Rammstein, AC/DC und die Onkelz dürfen auch gerne 100 oder 120 € kosten und die Stones oder Pink Floyd sogar noch viel mehr. Bei einem kleinen Clubkonzert mit zwei / drei eher unbekannteren Bands sind wir aber nicht einmal gewillt, dafür 20 € auf den Tisch zu legen. Nicht einmal in den Jugendzentren, die oft sogar vier Regiobands für schlappe 5 € anbieten, sind wir bereit, den Bands eine Chance zu geben, indem wir ihnen zuhören.

Wer kennt das nicht, es ist Samstagabend und wir kommen in den Club unseres Vertrauens, in dem zwei kleinere Bands und eine Regioband als Opener für 20 € spielen und es hängen nur ein paar Leute an der Theke herum? Oft sind es sogar nur Leute, die aus dem direkten Bandumfeld stammen, die Freundin des Bassisten, der Bruder des Drummers, der beste Kumpel des Sängers. Zahlende Kundschaft…, Fehlanzeige! Trotz ausreichender Werbung in den sozialen Medien, trotz Plakaten und Flyern in der Stadt, gelingt es vielen Clubbetreibern nicht, den Laden vollzukriegen. Es ist nachvollziehbar, wenn diese dann keine Lust mehr haben Zeit, Geld und Arbeit in weitere ähnliche Abende zu investieren. Ebenso nachvollziehbar ist aber auch, wenn die kleinen Bands irgendwann keinen Bock mehr darauf haben, oftmals Hunderte Kilometer Anreise und die damit verbundenen Kosten in Kauf zu nehmen, um dann in einem fast leeren Laden zu spielen, oftmals noch dazu ohne Gage. Rockmusik ist ehrliche Arbeit und die sollte fair bezahlt und gewürdigt werden. Die großen Bands wie AC/DC, Slayer, Black Sabbath und Co, denen wir unser Geld ohne Bedenken in den Rachen werfen, die sind schon lange nicht mehr darauf angewiesen. Die kleinen Bands dagegen, die oftmals genauso geile Mucke abliefern und sich bei jedem Gig den Arsch abspielen, die sind auf jeden Euro angewiesen, um leben und weiter für uns Musik machen zu können.

Spricht man Leute an, hör mal zu, da spielen heute Abend drei Bands für `nen Zehner, kommst du mit? Ständig hört man die gleichen Sprüche und Ausreden. Warum, die kenne ich doch nicht. Warum soll ich für unbekannte Bands Geld ausgeben? Nee, lieber nicht, die gefallen mir ja vielleicht gar nicht. Ist bestimmt nicht mein Geschmack. In Deutschland gilt leider immer mehr: Kenne ich nicht …, fresse ich nicht! Bei solchen Aussagen könnte ich kotzen, denn wie sollen kleine Bands bekannter und größer werden, wenn wir nicht ihre Konzerte besuchen und ihnen zuhören? Ich sag mal so, hätten wir in den 70er und 80er Jahren Bands wie Metallica, Iron Maiden, Manowar … keine Chance gegeben und hätten nicht ihre Konzerte besucht, so wären sie nie groß geworden und es würde sie heute schon längst nicht mehr geben. Damals hat das funktioniert und wir haben jedes nur mögliche und erreichbare Konzert besucht, heute sind wir einfach nur noch übersättigt vom Überangebot und wir sitzen uns lieber zu Hause den Arsch vor dem Fernseher oder dem PC platt, anstatt einer jungen, hungrigen Band zuzuhören und Spaß zu haben.

Lieber gibt man 130 – 150 € für ein Festival aus, wo es für das Geld ein paar hochkarätige Bands und viele durchschnittliche Bands gibt. Doch mal ehrlich, wie viele von den Bands schaut ihr euch wirklich an? Meist doch nur eine Handvoll und ein paar Weitere so nebenbei, die restliche Zeit stehen Party und Sauforgie im Mittelpunkt des Interesses. Spaß haben mit den Kumpels. Das alles ist ja okay und legitim, auch wir waren in den 80ern auf den Monsters Of Rock Festivals und haben es ordentlich krachen lassen. Auf Festivals dürfen ruhig auch mal unbekanntere Bands spielen und man hört ihnen zu. Doch warum funktioniert das auf Festivals und nicht im Club, denn da könnt ihr doch auch saufen und Spaß mit den Kumpels haben?

Fast noch schlimmer finde ich die Konzertbesucher, die für ein Clubbonzert mit einem etwas bekannteren Headliner und zwei Regiobands 30 € ausgeben, dann aber den ganzen Abend draußen stehen, mit Kumpels quatschen, rauchen, saufen…, und dann wirklich nur für den Headliner reinkommen und sich hinterher noch beschweren, dass heutzutage kaum noch große Bands hinterherkommen. Lieber ein / zwei Stunden gutgemachte, ehrliche Musik von unbekannten Bands ignorieren, anstatt das komplette Paket zu nutzen, für das man sowieso bezahlt hat. Macht Sinn! Ähnliches habe ich erst kürzlich auf dem Black Nose Day, einem Benefizfestival in der Ortenau erlebt. Der Veranstalter hat viel Zeit, Geld und Arbeit investiert, um den Metalfans in der Ortenau ein geiles Festival mit einem bekannteren Headliner und fünf weiteren Undergroundbands zu bieten. Das gesamte Package gab es für schlappe 20 €, von denen noch 5 € für einen guten Zweck gespendet wurden. Was gibt es Besseres? Anstatt das Ganze aber begeistert aufzunehmen, haben es gerade einmal etwa 100 Leute dorthin geschafft, von denen aber gut 80 % den ganzen Abend nur draußen vor der Tür gestanden haben und dann nur für den Headliner Mystic Prophecy hereinkamen. Fakt ist, mit Sweeping Death und Syrence haben zuvor zwei erstklassige Metalbands gespielt, die aber kaum jemand gesehen hat. Scheiße Leute – dann beschwert euch auch nicht, wenn es heutzutage kaum noch neue große Bands gibt, denen ihr dann eure Kohle in den Rachen schmeißen könnt.

Vor einer ganzen Weile spielten Gonoreas, Nervosa und Destruction in einem Freiburger Club. Das ganze Package gab es für sage und schreibe 25 € Abendkasse. Früher hätten wir uns da schon Wochen vorher alle zehn Finger geleckt und der Laden wäre brechend voll gewesen, heutzutage kann ein Clubbetreiber mit solch einem Konzert kaum noch jemand aus den eigenen vier Wänden locken. Das traurige Ergebnis: Bei Gonoreas war draußen vor der Tür mehr los als drinnen vor der Bühne, bei Nervosa kamen ein paar mehr hinein, weil halt Mädels auf der Bühne standen, und bei Destruction standen nicht einmal 200 People vor der Bühne. Hallo, ich rede von Destruction!!! Für den Veranstalter definitiv ein Minusgeschäft und von daher braucht sich auch niemand darüber beschweren, dass seitdem in dem Freiburger Club in Sachen Metalkonzerte nicht mehr viel läuft.

Am letzten Wochenende war ich im Sommercasino, einem Jugendzentrum in Basel auf der Rohes Fest Metal Night. Auf der Bühne standen Askara aus Basel, Proke aus Freiburg und Black Bomb A aus Paris. Das ganze Package gab es für 25 CHF, was will man mehr? Letztendlich waren aber nicht einmal 20 zahlende Gäste da, für die die Bands sich dann den Arsch abgespielt haben. Schämt euch!

Also Leute, wenn ihr auch in Zukunft noch Konzerte bei euch in der Stadt genießen wollt, dann bewegt euch und besucht auch die kleinen Konzerte, denn sonst hat bald auch der letzte Veranstalter seinen Laden dichtgemacht und ihr müsst im schlimmsten Fall für die Konzerte sehr weit fahren. Aber nicht nur die Veranstalter geben irgendwann auf, sondern auch die Bands merken sich, dass bei euch in der Gegend eh tote Hose ist, und kommen nicht wieder. Zeigt Präsenz, denn sonst habt ihr irgendwann keine Möglichkeiten mehr, außer vor der Glotze zu verblöden. Ich bin natürlich kein Musiker, der weiterhin von seiner Musik leben möchte, aber ein begeisterter Konzertgänger, der das auch in Zukunft problemlos tun möchte. Rock on …

Kommentare

Kommentare

Weitere Beiträge
Black Star Riders: zeigen das Video zu ihrer zweiten Single ‚Ain’t The End Of The World‘