Event: Dortmund Deathfest 2026
Bands: Deicide, Asphyx, Immolation, Benediction, Misery Index, Sanguisugabogg, Cryptopsy, Jungle Rot, 200 Stab Wounds, Beheaded, Blood Red Throne, Stillbirth, BRAT, Pighead, Carnal Tomb, Mutagenic Host, Embrace Your Punishment, Rise Of Kronos, Messticator, Fleshworks, Celestial Scourge, Omnivortex, Voorhees, Unhallowed Deliverance
Ort: JunkYard, Schlägelstraße 57, 44145 Dortmund
Datum: 31.07. – 01.08.2026
Kosten: 120,00 Euro VVK beide Tage
Genre: Death Metal, Technical Death Metal, Old School Death Metal
Veranstalter: Dortmund Deathfest
Link: https://www.facebook.com/DortmundDeathfest
Nach einem bereits starken ersten Festivaltag machen wir uns pünktlich von unserem Hotel in der Dortmunder Nordstadt auf den Weg zum Junkyard. Viel Zeit zum Ankommen bleibt allerdings nicht, denn mit den US-Amerikanern BRAT startet das Programm direkt mit einem echten Paukenschlag. Am heutigen Tag machen sich bei der großen Hitze die Sprinkleranlagen auf dem Junkyard bezahlt. Die sind über einige Zeit quasi in Dauerbetrieb und erleichtern den Fans das Stehen in der prallen Hitze doch etwas.

BRAT – Barbiegrind trifft auf brutale Abrissbirne
Dass BRAT den zweiten Festivaltag eröffnen, entpuppt sich als echter Glücksgriff. Die Band aus New Orleans legt vom ersten Ton an ein Tempo vor, das keine Zeit zum Durchatmen lässt. Mit ihrer explosiven Mischung aus Death Grind, Hardcore und Old School Death Metal walzt das Quartett kompromisslos durch das Junkyard und sorgt bereits am frühen Nachmittag für die ersten Moshpits. Frontfrau Liz Selfish dominiert die Bühne mit einer beeindruckenden Präsenz und wechselt mühelos zwischen brachialen Growls und einer provokanten Attitüde, während die Band hinter ihr eine Wand aus Blastbeats, wuchtigen Breakdowns und messerscharfen Riffs entfesselt.

Dabei bildet der auffällige Y2K-Look mit knalligem Pink und Barbie-Ästhetik einen herrlich schrägen Kontrast zur musikalischen Brutalität. Was auf den ersten Blick wie ein Gimmick wirkt, entwickelt sich schnell zu einem stimmigen Gesamtkonzept, mit dem BRAT ihre selbst ausgerufene Vision von „Bimboviolence“ und „Barbiegrind“ konsequent auf die Bühne bringen. Das Publikum nimmt die energiegeladene Performance begeistert auf und feiert die US-Amerikaner lautstark.
Für einen zusätzlichen Überraschungsmoment sorgt Liz, als sie sich während des Sets kurzerhand umzieht und wenig später in einem auffälligen Lack- und Leder-Outfit auf die Bühne zurückkehrt. Unter dem Jubel des Publikums nutzt sie die Gelegenheit, um das in Kürze erscheinende neue Album Manslayer anzukündigen. Eine Nachricht, die von den Fans entsprechend lautstark gefeiert wird. Ein furioser Auftakt, der das ohnehin hohe Niveau des Vortages nicht nur bestätigt, sondern mühelos übertrifft.
Unhallowed Deliverance – druckvoller Auftakt in der Halle
Den Auftakt auf der Hallenbühne übernehmen heute die aus Nordrhein-Westfalen stammen Unhallowed Deliverance und knüpfen nahtlos an die energiegeladene Stimmung im Außenbereich an. Die Fans strömen bestens gelaunt von BRAT in die Halle und sorgen bereits am frühen Nachmittag für eine Atmosphäre, die eher an einen Festivalhöhepunkt als an einen Opener erinnert. Mit ihrer kompromisslosen Mischung aus Brutal Death Metal und Deathcore trifft die Band genau den Nerv des Publikums. Präzise Riffs, druckvolle Breakdowns und eine enorme Bühnenenergie lassen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass hier echte Könner am Werk sind. Dazu tragen auch einige bekannte Gesichter bei – allen voran Gitarrist Szymon Skiba, den viele bereits von Stillbirth kennen.

Jungle Rot – Old School Death Metal in Bestform
Mit Jungle Rot übernimmt anschließend eine echte Institution des US-Death-Metal die Außenbühne. Die Amerikaner verzichten auf große Spielereien und setzen stattdessen auf das, was sie seit Jahrzehnten auszeichnet: schnörkellosen, groovenden Death Metal mit mächtigen Riffs und einer gehörigen Portion Old-School-Flair. Vom ersten Song an hat die Band das Publikum im Griff. Vor der Bühne wird unablässig gemosht und gebangt, während die markanten Gitarrenläufe und der druckvolle Sound für mächtig Bewegung sorgen. Jungle Rot liefern eine routinierte, aber keineswegs heruntergespielte Performance ab. Ein weiterer starker Auftritt, der die fantastische Stimmung auf dem Dortmund Deathfest mühelos hochhält.

Messticator – Death-Thrash-Gewitter mit bekannten Gesichtern
Zurück in der Halle übernehmen Messticator das Kommando und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit ihrer explosiven Mischung aus Death und Thrash Metal lassen die Norddeutschen kaum einen Stein auf dem anderen. Rasende Riffs, treibende Drums und jede Menge Groove sorgen dafür, dass vor der Bühne sofort wieder Bewegung aufkommt. Die Songs entfalten live eine enorme Wucht und reißen das Publikum mühelos mit.

Besonders freut es uns, auch an diesem Nachmittag (nach dem gestrigen Gig mit Pighead) unseren guten Freund und Kollegen wiederzusehen: Bassist Christian Wiesener, alias Lommer Lommah Mc Wiesener, ist erst vor Kurzem zu Messticator gestoßen und fügt sich nahtlos in das druckvolle Gesamtbild der Band ein. Mit viel Spielfreude und sichtbarer Energie liefert die Truppe einen überzeugenden Auftritt ab und zerlegt die Halle gehörig.
Cryptopsy – technische Perfektion trotz Soundprobleme
Mit Cryptopsy betritt anschließend eine der technisch versiertesten Death-Metal-Bands überhaupt die Außenbühne. Sänger Matt McGachy begegnet uns bereits vor dem Auftritt in entspannter Atmosphäre – umso größer ist die Vorfreude auf das, was folgen wird. Meine letzte Begegnung mit den Kanadiern liegt bereits einige Jahre zurück: 2017 waren sie Headliner beim Deathfeast in Andernach und spielten das legendäre Album None So Vile in voller Länge.

Und Cryptopsy liefern. Mit irrwitziger Geschwindigkeit, atemberaubender Präzision und einer beeindruckenden technischen Finesse fegt die Band durch ihr Set und begeistert die zahlreichen Fans vor der Bühne. Matt McGachy überzeugt dabei einmal mehr als charismatischer Frontmann und treibt das Publikum immer wieder an. Lediglich der Sound trübt den ansonsten hervorragenden Eindruck etwas, denn die Gitarren sind zeitweise zu schwach abgemischt und verlieren dadurch etwas von ihrer eigentlichen Durchschlagskraft. Das ändert jedoch nichts daran, dass Cryptopsy eindrucksvoll unter Beweis stellen, warum sie seit Jahrzehnten zur Speerspitze des technischen Death Metal zählen. Witzig auch, als er Matt, einen der Fans, bittet, ihm sein Handy zu geben, um dann von sich selbst auf der Bühne Selfies zu machen.
Fleshworks – Old School Death Metal mit voller Wucht
Zurück in der Halle steht mit Fleshworks endlich einmal eine Band auf dem Programm, die ich bislang jedes Mal verpasst habe. Umso größer ist die Freude, die Osnabrücker nun endlich live erleben zu können. Mit ihrem kompromisslosen Old School Death Metal liefern Fleshworks genau das ab, was man von ihnen erwartet. Fette Riffs, groovende Midtempo-Passagen und immer wieder explosive Tempowechsel sorgen für reichlich Bewegung vor der Bühne. Ehrlicher, handgemachter Death Metal, der seine Wurzeln im Underground nicht verleugnet. Genau diese Authentizität kommt beim Publikum hervorragend an.

Misery Index – Hochgeschwindigkeits-Gewitter aus Baltimore
Auf der Außenbühne übernehmen anschließend Misery Index das Kommando und setzen dem bisherigen Festivalnachmittag eindrucksvoll die Krone auf. Mit ihrer gnadenlosen Mischung aus Technical Death Metal und Grindcore feuern sie ein Hochgeschwindigkeitsgewitter nach dem nächsten ins Publikum.

Dabei wechseln sich brutale Blastbeats, messerscharfe Riffs und kompromisslose Grooves in beeindruckender Perfektion ab. Trotz der enormen technischen Klasse wirkt der Auftritt niemals verkopft, sondern lebt von einer unbändigen Energie, die sich unmittelbar auf die Fans überträgt. Vor der Bühne tobt das Chaos, während Misery Index routiniert und scheinbar mühelos ihr Set runterspielen. Ein überragender Auftritt, der eindrucksvoll zeigt, warum die US-Amerikaner seit 25 Jahren zur absoluten Spitze des extremen Death Metal zählen.
Wie schon am Vortag bleibt neben der Musik, trotz strammen Programms, genügend Zeit für Gespräche mit Freunden, Bekannten und den auftretenden Musikern. Besonders freut mich dabei auch der längere Austausch mit den sympathischen Mitgliedern von BRAT.
Carnal Tomb – morbider Death Metal aus Berlin
Zurück in der Halle übernehmen Carnal Tomb das Zepter. Die Berliner entfesseln ein wuchtiges Set, das rasende Blastbeats, düstere Doom-Passagen und gnadenlose Riffs zu einer mitreißenden Einheit verbindet. Dabei gelingt es der Band, den klassischen Death-Metal-Spirit authentisch einzufangen, ohne dabei altbacken zu wirken.
Die von Horrorfilmen und den düsteren Welten H. P. Lovecrafts inspirierte Atmosphäre ist während des gesamten Auftritts förmlich greifbar. Carnal Tomb zelebrieren ihre morbiden Klanglandschaften mit beeindruckender Präzision und Spielfreude.

Immolation – eine Legende liefert eindrucksvoll ab
Mit Immolation betritt anschließend eine echte Legende des Death Metal die Außenbühne. Wer die New Yorker nicht kennt, hat in diesem Genre definitiv etwas verpasst. Seit ihrem Debüt Dawn Of Possession aus dem Jahr 1991 zählt die Band zu den absoluten Größen der Szene und hat es wie kaum eine andere geschafft, sich über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterzuentwickeln, ohne ihre musikalische Identität zu verlieren. Das Herzstück bilden dabei bis heute Ross Dolan und Gitarrist Robert Vigna, die bereits seit 1988 gemeinsam den unverwechselbaren Sound von Immolation prägen.

Mit ihrer düsteren, technisch anspruchsvollen und dennoch unglaublich druckvollen Interpretation des Death Metal ziehen die Amerikaner das Publikum sofort in ihren Bann. Robert Vignas markante Gitarrenarbeit und Ross Dolans kraftvolle Stimme sorgen für Gänsehautmomente, während die Rhythmusfraktion das Fundament für ein gnadenlos präzises Set legt. Immolation liefern sie eine Performance ab, die keine Wünsche offenlässt.
Embrace Your Punishment – Brutalität mit Groove und Sludge-Flair
Zurück in der Halle übernehmen Embrace Your Punishment das Kommando. Die 2019 gegründete Band ist für mich längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, denn sie konnte bereits beim Deathfeast in Andernach nachhaltig Eindruck bei mir hinterlassen. Angeführt von Fronter Vivien entfesseln die Franzosen eine brachiale Mischung aus Brutal Death Metal und Hardcore, die durch mächtige Grooves sofort für Bewegung vor der Bühne sorgt. Zwischen den kompromisslosen Riffs schwingt aus meiner Sicht sogar immer wieder ein Hauch Sludge mit, was dem Sound zusätzliche Schwere verleiht. Die Band agiert eingespielt, selbstbewusst und mit enormer Bühnenpräsenz. Gleichzeitig wirkt der Auftritt keineswegs routiniert oder abgeklärt – vielmehr strahlen die Musiker eine Spielfreude und Hunger aus, die sich unmittelbar auf das Publikum übertragen. Ein weiterer starker Gig, der die Halle fest im Griff hat.

Deicide – kompromisslos bis zum letzten Ton
Den Abschluss auf der Außenbühne übernehmen mit Deicide wahre Legenden des Death Metal. Die 1989 von Glen Benton (Bass, Gesang) und Steve Asheim (Schlagzeug) gegründete Band zählt seit Jahrzehnten zu den prägendsten Vertretern des US-Death-Metal und macht auch auf dem Dortmund Deathfest keine Gefangenen. Ohne große Ansagen konzentriert sich das Quartett ganz auf das Wesentliche: kompromisslosen, gnadenlosen Death Metal mit messerscharfen Riffs, pfeilschnellen Blastbeats und Glen Bentons unverwechselbarem Gesang.

Von der ersten Minute an herrscht vor der Bühne Ausnahmezustand. Klassiker und neueres Material fügen sich nahtlos zu einem druckvollen Set zusammen, das die Fans lautstark feiern. Deicide wirken auch nach Jahrzehnten auf der Bühne erstaunlich hungrig und liefern mit beeindruckender Präzision ab. Ein würdiger Schlusspunkt auf der Außenbühne, der einmal mehr verdeutlicht, warum die Band bis heute zu den ganz Großen des Genres gehört. Nach dem Gig habe ich noch die Möglichkeit, mich mit Steve Asheim zu unterhalten.
Stillbirth – der perfekte Festivalabschluss
Den krönenden Abschluss des Dortmund Deathfest übernehmen Stillbirth in der Halle. Veranstalter Lukas Swiaczny steht mit seiner Band selbst auf der Bühne und setzt hinter zwei herausragende Festivaltage ein gewaltiges Ausrufezeichen. Noch kurz vor dem Auftritt beobachte ich die Musiker bei ihren obligatorischen Liegestützen neben der Halle, als würden sie sich auf einen sportlichen Wettkampf vorbereiten.
Seit 1999 stehen die Hagener für eine einzigartige Mischung aus Slam, Brutal Death Metal und Hardcore, gewürzt mit mächtigen Grooves, rasenden Blastbeats und einer ordentlichen Portion Selbstironie. Kaum betreten sie die Bühne, verwandelt sich die Halle in ein einziges Tollhaus. Circlepits, Crowdsurfer und ausgelassene Partystimmung bestimmen das Bild, während Lukas mit seiner unbändigen Energie das Publikum immer weiter antreibt.

Vor einiger Zeit sagte Lukas in einem Interview zu mir: „Auch wenn es brotlose Kunst ist, die Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen sind mehr wert als ein fettes Gehalt.“ Was Stillbirth hier auf die Bühne bringen, ist alles andere als brotlose Kunst. Es ist pure Leidenschaft, mitreißende Unterhaltung und ein beeindruckender Beweis dafür, warum die Band seit Jahren zu den absoluten Live-Garanten der Szene zählt. Eine Stillbirth-Show ist eben kein gewöhnliches Konzert, sie ist ein Survival Protocol mit Partygarantie und der perfekte Schlusspunkt für ein rundum überragendes Dortmund Deathfest.
Fazit
Mit Stillbirth endet ein zweiter Festivaltag, der dem ohnehin schon starken Freitag in nichts nachsteht, sondern ihn stellenweise sogar noch übertrifft. Vom furiosen Auftakt mit BRAT bis zum finalen Abriss mit Stillbirth in der Halle reiht sich ein Highlight an das nächste. Dabei überzeugt nicht nur die musikalische Qualität der Bands, sondern auch die familiäre Atmosphäre, die das Dortmund Deathfest einmal mehr auszeichnet. Zwischen großartigen Konzerten, interessanten Gesprächen mit Freunden, Bekannten und Musikern sowie einer perfekt funktionierenden Organisation vergehen die Stunden wie im Flug. Das Dortmund Deathfest beweist eindrucksvoll, dass es längst zu den wichtigsten Death-Metal-Festivals Deutschlands gehört. Wer auf kompromisslosen Death Metal in all seinen Facetten steht, sollte sich den Termin für die nächste Ausgabe schon jetzt im Kalender vormerken.

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