Dragonforce + Support am 23.10.2017 in der Essigfabrik, Köln

“May The Force Be With You

Eventname: „Reaching Into Infinity-Tour 2017“

Künstler: Dragonforce (Großbritannien)

Vorband: Twilight Force (Schweden)

Ort: Essigfabrik, Köln

Datum: 23.10.2017

Kosten: 20,00 € zzgl. Gebühren

Genre: Powermetal, Fantasy Metal, Adventure Metal, Symphonic Metal

Veranstalter: Prime Entertainment

Linkhttps://www.facebook.com/events/942898822479559

Setlists:

01. Battle of Arcane Might
02. To the Stars
03. Riders of the Dawn
04. Flight of the Sapphire Dragon
05. There and Back Again
06. Gates of Glory
07. The Power of the Ancient Force

01. Reaching Into Infinity (Intro)
02. Ashes of the Dawn
03. Operation Ground and Pound
04. Judgement Day
05. Seasons
06. Curse of Darkness
07. Fury of the Storm
08. Guitar Solo / Drum Solo (Fred und Marc: Street Fighter/Super Mario Bros. 2/Sonic the Hedgehog Green Hill)
09. Heart of a Dragon
10. The Edge of the World
11. Cry Thunder
12. Valley of the Damned

Zugabe:

13. Three Hammers
14. Through The Fire And Flames

Photos im Auftrag für Time For Metal: www.quintenquist.com

Am heutigen Montag erfährt die sonst eher Hard- und Metalcore-lastige Essigfabrik ein ganz besonderes Highlight. Das volle Pfund Powermetal dröhnt heute durch die geweißten Hallen, vertreten durch Dragonforce und – man kann nie genug Force haben – Twilight Force. Bereits 45 Minuten vor Einlass bildet sich eine Schlange vor dem Eingang des Gebäudes, die am Ende ca. 40 Meter lang sein wird. Pünktlich um 19:00 Uhr geht’s dann aber auch rein und die ersten steuern die Bar oder den Merch-Stand an. Auf der Bühne sind bereits beide Drumkits aufgebaut, das größere des Headliners unter einem schwarzen Tuch versteckt, und später wird sich auch zeigen, wieso das ganz klar Sinn macht.

Gegen 20:00 Uhr geht’s dann auch zeitig los und sechs märchenähnlich gekleidete Gestalten mit Umhängen, Kapuzen und Stiefeln entern die Bühne – und ein wenig aus dem Rahmen fallen die Tattooärmel des Drummers. Passend dazu finden sich auch im Publikum Gäste mit aufblasbaren Schwertern. Aus dem schwedischen Falun bzw. Borlänge stammen die Adventure Metal-Überflieger Twilight Force, die heute die Menge für den Headliner anheizen dürfen. Die Musiker der Band hören auf so phantasievolle Namen wie Chrileon (Gesang), Lynd (Gitarre, Laute), Born (Bass), Blackwald (Keyboards, Piano, Violine, Cembalo), De’Azsh (Schlagzeug) oder Aerendir (Gitarre). Eine kleine Besonderheit gibt es am heutigen Abend auch, denn erst kürzlich hat Sänger Chrileon die Band verlassen und wird heute von Tommy Johansson, seines Zeichens Gitarrist bei Sabaton ersetzt.

Twilight Force @ Essigfabrik Köln, 23.10.2017, Photo: www.quintenquist.com

Die Sechs machen auch keine Gefangenen und zaubern auf ihren Griffbrettern, Keyboardtasten und Schlagzeugfellen auch ab Sekunde 1 was das Zeug hält. Fantasy, Geschwindigkeit, Entschlossenheit…das sind die offensichtlichen Zutaten des Bandkonzepts, musikalisch und showtechnisch. Der arme Bassist wird auch noch als Yoga-Utensil missbraucht und darf auf seinen Schultern jeweils ein Bein bzw. einen Fuß der beiden Gitarristen ertragen, die gymnastische Höchstleistungen beweisen. Neben den kontaktfreudigen, wenn auch vermummten Gitarristen (teilweise mit Elfenohren) scheut auch Tommy routiniert keinen Publikumskontakt. Kleinere Spielchen wie ein kollektiver Lautstärketest im Publikum aufgeteilt nach linker und rechter Seite kommen gut an und die Halle, die doch ganz schön voll ist gröhlt kämpferisch im Duett. Zwischenzeitliche heiser-erzählerische Ansagen des Keyboarders, der neben seinem Instrument einen Stab mit leuchtendem „Stein“ an dessen Spitze aufgestellt hat, geben der Show noch einen zusätzlichen Abenteuereffekt.

Twilight Force @ Essigfabrik Köln, 23.10.2017, Photo: www.quintenquist.com

Zum Ende holt Tommy noch ein Schwert hervor und stolziert damit über die Bühne, wobei er irgendwie nicht genau zu wissen scheint, was er damit anstellen soll. Es gibt also keine Fabelgestalten-Hinrichtung, ritterliche Duelle oder ähnliches für’s Auge. Runde Sache, überzeugender Auftritt technisch versierter Musiker.

Nachdem dann die Utensilien der Schweden nach und nach von der Bühne geräumt wurden, wird auch das Drumkit von Schlagzeuger Gee Anzalone enthüllt. Hier haben Dixon Drums dem Musiker ein feines Gebilde ersonnen, das auf den Namen „Dragon’s Cage“ hört und wie eine Art Brustkorb, bestehend aus einzelnen Stangen, an denen Becken und Toms montiert sind verstanden werden kann.

Dragonforce @ Essigfabrik Köln, 23.10.2017, Photo: www.quintenquist.com

Die Herren lassen jedoch ein wenig auf sich warten und starten das Intro ihrer Show erst nach guten 30 Minuten. Dragonforce stehen hufescharrend neben der Bühne und als erster betritt Bassist Frédéric Leclercq, der nebenbei auch noch Gitarrist und Songwriter der Death Metal-Supergroup Sinsaenum ist mit seinem subtil glitzernden ESP Bass die Bühne. Ihm nachfolgend stürmen dann auch Sänger Marc Hudson und die Gitarristen Herman Li und Sam Totman die Bühne, während Anzalone hinter seinem Set Platz nimmt. Aufgrund familiärer Präferenzen ist Keyboarder Vadim Pruzhanov auf der Tour nicht mit vertreten. Was nun folgt ist Instrumentensport erster Güte. Und man soll nicht meinen, nur, weil die Herren schneller als der Wind spielen, wären sie konzentriert auf der Stelle festgewachsen. Nein. Man rennt wild durch die Gegend, interagiert mit dem Publikum und spielt auch liebend gerne mal Riffs mit der linken Hand von oben über’s Griffbrett gegriffen anstatt von unten, knabbert an der Gitarre oder stößt sie heftig von sich weg.

Dragonforce @ Essigfabrik Köln, 23.10.2017, Photo: www.quintenquist.com

Auch Anzalone zaubert mit den Drumsticks immer wieder, wenn es die Patterns zulassen (es ist nur hinter der massiven Schießbude, die teilweise auch von Nebelkanonen eingeräuchert wird nicht immer so leicht zu erkennen). Vor Seasons wird noch kurz die Frauenquote in der Halle abgefragt und als Einschätzung eine „15“ zurückgeworfen, nachdem eher verhaltene Meldungen kommen. Dennoch widmet man dem weiblichen Teil der Gäste dann mit den Worten „This one’s for all the ladies!“ eben jene Nummer. Und auch die letzten müden Gäste werden durch „Jump, jump, jump“-Verlautbarungen zum Mitmachen animiert. Das Publikum selbst bekundet seine Leidenschaft für die Band mehrfach an diesem Abend mit lautstarken „Dragonforce!“-Rufen.

Dragonforce @ Essigfabrik Köln, 23.10.2017, Photo: www.quintenquist.com

Der Solo-Teil der Show wird durch ein lustiges Call & Response-Spielchen von Li mit dem Publikum, bestehend aus Tönen, Geräuschen und Melodien, die nachgesungen werden aufgelockert. Anschließend jazzen sich Leclercq, Li und Anzalone durch Videospiel-Themes. Und weil das musikalische Wechselspiel mit dem Publikum den Jungs noch nicht genug Interaktion ist, erzählt Leclercq auf Deutsch, dass er mal in Krefeld gewohnt hat, zählt ein paar umliegende Städte auf und erwähnt das Eros Center, das Einheimischen ein wohlbekannter Begriff ist…

Dragonforce @ Essigfabrik Köln, 23.10.2017, Photo: www.quintenquist.com

Li spielt zeitweise Gitarre und dengelt gleichzeitig auf den Becken des Drumkits herum, während Totman sich mit seiner Bierflasche, die in greifbarer Nähe am Mikroständer platziert ist verlustiert. Zu Cry Thunder wird ein glücklicher Gast auf die Bühne geholt, der erst einmal das angebotene Bier dankend abgelehnt, mit einer Geste, er müsse noch Auto fahren und der dann nach kurzer Abstimmung mit Hudson die „Punchline“ des Songs mit angeschlossenen Zeilen wagemutig und selbstbewusst zum Besten gibt. Hut ab vor soviel Selbstbewusstsein.

Durch allerlei Dialoge und Füllelemente strecken Dragonforce ihr 14 Songs langes Set sage und schreibe über beinahe zwei Stunden. Zum krönenden Abschluss gibt’s noch Through The Fire And Flames, die Endgegner-Nummer aus dem Guitar Hero Spiel in der dritten Ausgabe und damit sind dann an diesem Abend auch vmtl. die 50.000 Anschläge an den Gitarren erreicht. Uff. Während das Trommelfell der Gäste in Fetzen hängt, dürften die Finger und Stimmbänder der Musiker ähnlich aussehen. Ein runder Abend für alle Powermetal-Fans, die sich auch vor phantasiereichen Konzepten nicht scheuen findet hiermit ein ebenbürtiges Ende.

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