EMP Persistence Tour 2017 am 23.01.2017 in der Große Freiheit 36 in Hamburg

Eventname: EMP Persistence Tour 2017

Headliner: Suicidal Tendencies

Bands: Agnostic Front, Walls Of Jericho, Municipal Waste, Down To Nothing, Burn, Mizery

Ort: Große Freiheit 36, Hamburg

Datum: 23.01.2017

Kosten: 23,- Euro

Genre: Hardcore, Thrash Metal

Besucher: 1200

Es ist eine gute Tradition geworden, dass im Frühjahr eines neuen Jahres ein großer Merchandise Laden aus Lingen eine tolle Kombination von Hardcore und ähnlichen Bands auf die Reise schickt. Das Ganze zu einem erschwinglichen Preis, und die Zusammenstellung der Bands kann eigentlich jedes Jahr überzeugen. Auch heute gibt es eine bunte Mischung aus Veteranen und angesagten Newcomern. Die erste Band, Mizery, verpasse ich aber leider auf Grund des frühen Beginns und der Tatsache, dass ich Hauptberuflich noch in Aktion war.

Steigen wir also mit Burn ein. Die Band aus New York existiert bereits seit 1989, hat es aber erst in der ganze Zeit auf insgesamt vier Alben gebracht. Das mag daran liegen, dass man die Musik am ehesten als progressiven Hardcore bezeichnen kann. Immer wieder unerwartete Breaks und Tempo Variationen, obendrauf hat man mit Chaka Malik einen sehr eigenwilligen Frontmann, der sich auch gerne mal auf dem Boden wälzt, während er ins Mikro singt. Durchaus unterhaltsam die gut dreißig Minuten, wenn auch nur wenige Menschen im Publikum etwas mit der Band anfangen können. Dazu ist der Sound zu sperrig, und die Band vielleicht auch etwas zu unbekannt. Nichtsdestotrotz ein guter und interessanter Auftritt.

Im Anschluss geben sich Down To Nothing die Ehre. Die Straight Edge Band aus Richmond hat sich in ihrer eher jungen Karriere (seit dem Jahre 2000 gibt es die Band) ganz auf den schnörkelosen Hardcore eingeschossen. Und so geht der gut 30minütige Set auch gleich mit Vollgas los. Sänger David Wood, der auch bei der Band Terror den Bass zupft, animiert erst einmal das Publikum, damit ein wenig Bewegung in die bisher noch eher träge Masse kommt. Das gelingt ihm auch ganz gut, die Leute vor der Bühne gehen endlich mal weiter nach vorne, und die ersten kleineren Bewegungsanfälle sind zu sehen. Der Auftritt vergeht ziemlich schnell, wobei man aber auch festhalten muss, dass ein klein wenig mehr Abwechslung den Songs gut tun würde. Ein solider Auftritt, der ohne nennenswerte Vorfälle vorübergeht.

Ebenfalls aus Richmond, Virginia, kommen Municipal Waste. Aber das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Mit Straight Edge hat die Band nichts am Hut, der Song Beer Pressure im späteren Verlauf des Sets spricht da wohl eine eindeutige Sprache. Auch die musikalische Ausrichtung ist anders. Municipal Waste spielen traditionellen Crossover, also die Mischung aus Hardcore und Thrash Metal, die Ende der 80er, Anfang der 90er populär wurde. Das Quintett hat mächtig Spielfreude in den Backen und starten mit Mind Eraser gleich mal komplett durch. Der Set ist energiegeladen und gerade Frontmann Tony Foresta ständig in Bewegung. Ungewöhnlicherweise ist die Band auch die Einzige an diesem Abend, die auch mal politisch Stellung nimmt. Zwei große Banner, auf denen sich Donald Trump selbst erschießt, stehen auf der Bühne. Des weiteren kommt Sänger Tony nicht um die Ansage herum, dass Nazis sich doch bitte verpieseln sollen. Schöne Sache, und ein starker Auftritt, der selbstverständlich mit Born To Party beendet wird.

Jedes Mal, wenn ich Walls Of Jericho sehe, bin ich gespannt, wie Frontfrau Candace mittlerweile aussieht. Das Training für ihr Powerlifting hinterlässt Spuren, und so hat die Dame mittlerweile ein Kreuz und Oberarme, auf die manch Sportler neidisch ist. Aber eigentlich auch egal, denn was zählt ist die Musik, und da ist das Quintett aus Detroit einfach nur eine Bank. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich die Band schon gesehen habe, sie haben mich nie enttäuscht. Auch heute gibt es zur Begrüßung den Stampfer Playing Soldier Again und im Anschluss A Trigger Full Of Promises. In der mittlerweile sehr gut gefüllten (aber nicht ausverkauften) Große Freiheit 36 geht es das erste Mal richtig rund, und Circle beziehungsweise Mosh Pits wechseln sich fröhlich ab. Die Band ist ebenfalls begeistert, was Sängerin Candace zu der Bemerkung hinreißt: „Are you really starting a wall of death? Guys, I love you!“. Mit Relentless, Forever Militant und The American Dream sind weitere Gassenhauer im Programm. Am Ende gibt es wie immer Revival Never Goes Out Of Style, wobei es sich Bassist Aaron Ruby nicht nehmen lässt, eine wenig Crowdsurfing zu betreiben. Auch Frontfrau Candace springt an das Absperrgitter, um den Song mit den Fans in der ersten Reihen zusammen zu singen. Ein toller Auftritt, und gerne hätte ich mehr von Walls Of Jericho gesehen. Aber der enge Zeitplan lässt das leider nicht zu.

Noch viel Grundsätzliches über Agnostic Front kann man nicht schreiben. Wer nicht wirklich erst seit fünf Minuten im Hardcore Bereich unterwegs ist, dem ist diese Band aus New York bekannt. Trotz der Hassliebe zwischen Gitarrist Vinne Stigma und Sänger Roger Miret, trotz einiger kontroversen Texte und Aussagen aus früheren Zeiten, Agnostic Front sind einer der Gründungsväter des Genres Hardcore. Und es auch völlig egal, welche Songs da von der Bühne gerumpelt werden (ob Vinnies Gitarre diesmal eingestöpselt war?). Die Leute im Publikum lieben es und gehen komplett steil. Police Violence, Friend Or Foe, Old New York, das Iron Cross Cover Crucified, selbstverständlich Gotta Go oder zum Ende Blitzkrieg Bop, alles wird mitgesungen, Mohspits in Bewegung gebracht oder einfach nur freudig gestrahlt mit erhobenen Armen. Die Mitglieder der Band sind in Bewegung, und Roger Miret singt in seiner unnachahmlichen Art einfach alles in Grund und Boden. Ein starker Co-Headliner!

Die bisherigen Bands haben die Stimmung sehr gut nach oben geschraubt und das Publikum schon recht gut gefordert. Stellt sich nun die Frage, ob die Suicidal Tendencies das noch toppen können. Allerdings bin ich, was die Band aus Kalifornien in letzter Zeit angeht, etwas negativ vorbelastet. Früher war ich ein großer Fan, und auch heute noch höre ich Scheiben wie Lights…Camera… Revolution! oder auch Join The Army immer wieder gerne. In den letzten Jahren wurde ich aber immer mehr enttäuscht. Egal ob Live oder auf CD, auf keinem Weg konnte mich die Band wieder einfangen. Aber okay, ich lasse mich immer gerne positiv überraschen, also gehe ich auch heute dem Auftritt von Mike Muir und seinen Kumpanen ohne Vorurteile entgegen.

Das Intro zu You Can’t Bring Me Down kommt aus den Boxen und die Band betritt nach und nach die Bühne. Darunter auch Dave Lombardo, der lange Zeit bei Slayer die Felle verdroschen hat. Pünktlich zu den ersten Worten kommt dann auch Cyco Miko auf die Bühne, und der Spaß beginnt. Allerdings kommt auch gleich der erste große Dämpfer. Vom Text zu einem der großen Hits der Suicidal Tendencies singt Frontmann Mike nur die Hälfte, ansonsten rennt er hin und her und schwingt seine Arme. Auch der nächste Klassiker War Inside My Head wird irgendwie nur halbherzig von ihm intoniert. Der Rest der Band ist ständig unterwegs und animiert das Publikum, das unbeirrt einfach weiter feiert. Leider verflacht der Auftritt danach zusehends. Den Rest der Suicidal Tendencies will ich die Spielfreude nicht absprechen, aber Mike Muir wirkt irgendwie komisch. Er singt hier und da mal, seine vernuschelten Ansagen sind kaum zu verstehen, und ansonsten lebt er einfach von seiner Präsenz. Der Set plätschert so dahin, und beim letzten Song darf dann die Bühne vom Publikum gestürmt werden. Und das war es dann auch schon. Suicidal sind keine schlechte Band, aber am heutigen Abend hätte ich mir Agnostic Front oder auch Walls Of Jericho besser als Headliner gewünscht.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass auch dieses Jahr die Persistence Tour ein voller Erfolg ist. Für einen erschwinglichen Eintritt bekommt man zahlreiche Top Bands zu sehen, die auf Grund der knappen Spielzeit mehr oder minder dazu gezwungen sind, ein Best Of Set zu spielen. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr!

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