Europe Tour May 2016 – Port Noir & Support am 17.05.2016 im Underground, Köln

“Ein Abend mit drei wunderbaren Bands“

Eventname: Port Noir – Europe – May 2016

Headliner: Port Noir

Vorbands: Isaac Vacuum, Drawing Circles

Ort:
Underground 2, Köln

Datum: 17.05.2016

Kosten: 10,00€ VK, 14,00€ AK

Genre: Progressive Rock, Post Rock

Veranstalter: Mindless Bookings (http://www.mindlessbookings.com/) und Go Down Believing Mgmt (http://www.godownbelieving.com/)

Link: https://www.facebook.com/events/1000493710044589/

Setlisten:

  1. Karōshi
  2. Golem
  3. Double Helix
  4. Nemo

  1. Sinister Shores
  2. Sleepless
  3. Isolated
  4. Little Lies
  5. Similar Skins

  1. Exile
  2. Puls
  3. Onyx
  4. In This Void
  5. Earth
  6. Black From The Ink
  7. Neon
  8. Tide
  9. Thorns

 

Port Noir Europe Tour Konzertplakat 2016
Da ich an diesem doch mal wieder frühlingshaften Abend wie üblich viel zu früh am Underground eintreffe, habe ich eigentlich noch genügend Zeit, mich auf die Parkplatzsuche zu begeben. Diese bleibt allerdings mal wieder vergeblich, so dass ich nur hoffen kann, dass an dem Abend keine Verkehrsüberwachung stattgefunden hat, denn ansonsten wird es teuer. Das ist aber wirklich das einzige Manko, was ich mit dieser ansonsten tollen Veranstaltungsstätte in Verbindung bringe. Im vor dem Underground befindlichen Biergarten kann man sehr gemütlich sitzen, hier findet später auch das kurze Interview mit den drei Jungs von Port Noir statt. Aber zunächst mal lausche ich dem Soundcheck der Band, die heute Abend im nebenan gelegenen Underground 1 auftritt. Aus Frankreich kommen Carpenter Brut, die laut ihrer Facebook-Seite Electro Musik spielen. Für mich klingt es ein wenig wie eine Mischung aus Celldweller und Rammstein, und diese Mischung kommt anscheinend nicht nur bei mir gut an, denn Gitarrist und Sänger Andreas Hollstrand trägt später bei der Show von Port Noir ein Shirt von Carpenter Brut. Wie mir der Besitzer des Underground erzählt, hat er Carpenter Brut in Moskau erlebt und sie vom Fleck weg für sein Haus gebucht. Wegen denen bin ich heute zwar nicht hier, aber es entwickelt sich fast zu einer Art Quizshow, bei jedem eintrudelnden Besucher zu überlegen, ob er wohl wegen Port Noir oder wegen Carpenter Brut hier ist. Äußerlich nehmen sich alle nämlich gar nichts. So geht die Zeit bis zum Einlass dann auch sehr unterhaltsam vorüber.

Um 19:30 Uhr geht es dann rein ins Underground 2, die Band Isaac Vacuum hat aufgebaut und ist bereit. Die vier Jungs erlebe ich in diesem Jahr bereits zum vierten Mal, und endlich darf ich auch mal über ihren Auftritt berichten. Sowohl beim Wettbewerb Best of Unsigned, dessen Jurysieger sie bereits sind, als auch beim SPH Bandcontest überzeugen sie regelmäßig die Jurys mit ihrer wirklich schon als professionell zu bezeichnenden Performance, und auch mich hat es gleich beim ersten Mal fast umgehauen. Bislang hat man eine EP veröffentlicht, die Arbeiten am Debütalbum laufen. Kenner der Materie dürften allein schon wegen der vor den Jungs aufgebauten Boards in Verzückung geraten, bei Sänger Dan kommen dann neben den vielen Knöpfen, Schaltern und Pedalen auch noch zwei Mikrofone hinzu, die seinen Gesang noch variabler machen, als er mit einem Mikrofon wohl auch schon wäre. Ebenfalls sehr auffällig, weil auch nicht allzu häufig zu sehen, sind die Touch Guitars, die von Stefan mit einer Nonchalance gespielt werden, als ob er dieses Instrument bereits in die Wiege gelegt bekommen hat. Hier gibt es definitiv keine leichte Kost, das ist Progressive Rock à la Transatlantic oder Porcupine Tree, der sich nicht mal so eben leicht durch die Gehörgänge windet,  sondern dem Hörer immer die uneingeschränkte Aufmerksamkeit abverlangt. Bei Liveshows habe ich immer den Eindruck, dass die Jungs vollkommen mit dieser Musik verschmelzen und in andere Sphären abtauchen. Dabei vergisst Dan aber trotzdem nie, das Publikum direkt anzusprechen, das heute allerdings leider wenig kontaktfreudig ist, was sich auch bei den beiden folgenden Bands nicht ändert. Nach einer halben Stunde ist die Show dann vorbei und die vier Lieder der Setliste sind gespielt. Wer gut im Kopfrechnen ist, kann ansatzweise erahnen, auf welche Länge die einzelnen Songs kommen 😉

2016 05 17 - Isaac Vacuum
2016 05 17 – Isaac Vacuum

Noch nicht live erlebt habe ich die drei Jungs von Drawing Circles aus Bonn, die ganz ohne Schlagzeuger auskommen. Die Interviews und Videos, die ich zur Vorbereitung gesehen habe, haben mich mit mächtig vielen Vorbehalten beladen auf diesen Auftritt eingestimmt, aber ich habe es nach der Show schon zum Bandmanager Robert gesagt, live ist immer anders. Mit welcher Leichtigkeit insbesondere Sänger Vincent, der eine unbeschreiblich ausdrucksstarke Stimme hat und jeden Song sichtbar durchlebt, das Publikum und auch mich sofort in seinen Bann zieht, ist nicht in Worte zu fassen. Wenn ich schon gar nicht auf den Auslöser drücken mag, weil ich Angst habe, mit dem Klacken diese aufmerksame Stille und diese besondere Atmosphäre, die im Underground 2 herrscht, zu zerstören, dann will das definitiv was heißen. Das hat in letzter Zeit nur eine andere Band geschafft. Die Texte, die überwiegend auch von Sänger Vincent geschrieben wurden, sind immer sehr persönlich und handeln von den Erlebnissen und Erfahrungen, die das Leben so bereithält. Und sehr viel Positives haben die Jungs anscheinend nicht zu erzählen oder wollen es gar nicht zum Thema machen, denn die Geschichten in den Songs sind oft sehr melancholisch und erinnern mich manchmal an einen Sumpf, in dem jeder falsche Schritt der letzte sein kann. Wenn man Glück hat, gibt es dann eine helfende Hand, die einem noch raushilft, aber wenn es ganz böse kommt, ist man allein mit sich und seiner Hilflosigkeit. Obwohl „nur“ mit zwei Saiteninstrumenten ausgestattet, dafür aber auch mit beeindruckenden Pedalboards, schaffen es Drawing Circles, einen ergreifenden Breitwandsound zu erschaffen, dem man auch auf dem im März diesen Jahres veröffentlichten Debütalbum Sinister Shores lauschen kann. Auch die Länge der Songs von Drawing Circles ist eher weniger radiotauglich, nach 45 Minuten, die mit fünf Songs gefüllt werden, ist der Auftritt schon wieder vorbei, und ich brauche danach zugegebenermaßen doch eine gewisse Zeit, um wieder in die Realität zurückzufinden.

2016 05 17 - Drawing Circles
2016 05 17 – Drawing Circles

Gegen 22 Uhr kommen dann aber endlich die drei Männer von Port Noir auf die ganz in rotes Licht getauchte Bühne. Sänger Love Andersson erzählt zwar nach der Show, dass er heute leicht angeschlagen sei, davon habe ich allerdings während der Show nichts gemerkt. Wie schon im Interview, das vorher stattgefunden hat, machen die Männer auch auf der Bühne nicht viele Worte sondern legen mit Exile vom aktuellen Album Any Way The Wind Carries los. Die Setliste der Band ist dann ausgeglichen wie nur was, denn von den insgesamt neun Songs sind vier vom aktuellen Album, vier vom Debütalbum Puls und ein Song von der EP Neon. Dabei leben die Songs auch live zum großen Teil vom Gesang von Love Andersson, den ich in meinem Review mit Arnór Dan Arnarson von Agent Fresco verglichen habe, zu dem in einem Gespräch aber heute Abend auch der Name Biffy Clyro fällt. Tja, so unterschiedlich können Meinungen und Ansichten sein 🙂 Auf dem aktuellen Album Any Way The Wind Carries haben Port Noir ja auch Keyboards und Synthesizer eingesetzt, die es heute natürlich aus dem Off gibt. Ich denke aber mal, auch ohne diese Einspieler würden die drei Männer aus Schweden eindrucksvoll beweisen, dass man auch mit nur zwei Saiteninstrumenten, einem Schlagzeug und zwei Sängern spannende Soundwelten und unterschiedlichste Stimmungen erschaffen kann. Auch die absolute Bühnenpräsenz von Love Andersson und Andreas Hollstrand, die sich beide auch immer wieder zu Andreas AW Wiberg hinter dem Schlagzeug wenden, ist beeindruckend.

2016 05 17 - Port Noir
2016 05 17 – Port Noir

Vor der Show eher leise und zurückhaltend auftretend, merkt man von der ersten Sekunde des Auftritts an, dass sie das, was sie tun, zum einen natürlich beherrschen, zum anderen aber auch aus tiefster Überzeugung und mit ganzem Herzen dabei sind. Damit sind sie die dritte Band des Abends, die dieses Gefühl uneingeschränkt vermittelt und diesen Auftritt, aber auch den gesamten Abend zu etwas ganz Besonderem macht. Leider ist nach etwas mehr als 50 Minuten der letzte Ton gesungen, es gab wohl eine behördliche Auflage bis 23 Uhr mit der Show durch zu sein. So klettert dann auch Andreas Hollstrand noch einmal auf die Bühne und teilt uns mit, dass man leider trotz unseres ausgeprägten Beifalls nicht in der Lage sei, eine Zugabe zu spielen.

2016 05 17 - Port Noir
2016 05 17 – Port Noir

Nach der Show kann sich der Kollege am Merchandise-Stand über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen, es kommen doch einige Fans, die sich mit den Alben oder auch mit Shirts eindecken. Auch ein Set mit zwei Drumsticks kann man käuflich erwerben, und meine lasse ich mir natürlich von Andreas AW Wiberg signieren, nachdem alle drei Männer auch schon ihre Unterschriften auf das Booklet des Debütalbums gesetzt haben. Auch für die anderen Fans nehmen sich Port Noir nach ihrem Auftritt noch sehr viel Zeit, während viele fleißige Hände das Equipment abbauen, verpacken und abtransportieren. Beim Rausgehen sehe ich dann, dass der vor dem Underground gelegene Biergarten noch gut besucht ist, aber da mir noch drei Arbeitstage bevorstehen, widerstehe ich der Versuchung und mache mich dann doch auf den Weg nach Hause.

Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast

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