Event: Dämonentänze
Bands: Fernando Express, Dymytry Paradox, Hämatom
Ort: TraumGmbH, Kiel, Schleswig-Holstein
Datum: 28.12.2025
Kosten: VVK 59,90 EUR
Zuschauer: etwa 1.000
Genre: Schlager, Alternative Metal, Neue Deutsche Härte (NDH), Groove Metal, Deutschrock
Link: https://haematom.de/
Setlist:
- We Wish You A Metal Christmas
- Ich Hasse Dich Zu Lieben
- Gaga
- Ein‘ Auf Den Tod – Zwei Auf Das Leben
- Lachend In Den Untergang
- Gott Muss Ein Arschloch Sein
- Erzähl Es Meinem Mittelfinger & Reprise
- Scheiße Kommt – Scheiße Geht
- Children Of The Sun
- Ficken Unsren Kopf
- Diego Maradona
- Kids (2 Finger An Den Kopf)
- Alte Liebe Rostet Nicht
- Lichterloh
- Tanz Auf Dem Vulkan
- Bleibst Du Heute Mit Mir wach?
- Wir Sind Keine Band
- Behind The Mask
Zugabe: - Wir Sind Gott
- Bleib In Der Schule
- Es Regnet Bier

Was einst 2004 als kleines maskiertes Kunstprojekt aus Speichersdorf begann, hat sich für Hämatom zu einem der eindrucksvollsten Live-Phänomene der deutschsprachigen Metal-Szene entwickelt. Unter den Pseudonymen Nord (Gesang), Ost (Gitarre), Süd (Schlagzeug) und lange Zeit West (Bass) prägen sie seit über zwei Jahrzehnten einen eigenen Stil zwischen Groove-, Thrash-Metal und Neuer Deutscher Härte. Immer mit der Verbindung von visuellem Konzept und musikalischer Wucht im Zentrum.
Der diesjährige Dämonentanz sollte neben Trockau, Dresden und Köln auch im Max Nachttheater in Kiel stattfinden. Am Vorabend des Konzerts bekommen die Ticketkäufer plötzlich die Nachricht, dass das Konzert verlegt werden musste. Es findet jetzt 200 Meter weiter in der TraumGmbH statt. Während im MAX 1.100 Personen Platz finden, fasst der große Saal der Trauma, wie sie hier genannt wird, nur 900 Gäste. Wie soll das funktionieren? Ich bekomme leider von niemandem ein Statement, aber wie befürchtet mussten wohl die letzten ankommenden Fans unverrichteter Dinge wieder umdrehen.

Da ich erst vor einer Woche in dieser Location war, kenne ich die Tücken des großen Saals. Wir sind früh vor Ort, um uns einen guten Platz zu sichern, denn heute habe ich schließlich keinen AAA-Zugang wie vor ein paar Tagen. Die Bühne ist rund zwei Meter hoch und lässt Fotos aus dem Fotograben kaum zu. Die Plätze auf den Balkonen sind begehrt und schnell besetzt.
Punkt 19 Uhr kommt dann der überraschende Stimmungskick: Fernando Express, die „Könige der Tanzpaläste“, sorgen mitten im Metal-Line-Up für eine Portion Party- und Show-Vibe. Das Schlagertrio produziert eine ausgelassene Stimmung und tanzende Köpfe. Aber auch viel Kopfschütteln und Unverständnis sind bei den Gästen zu beobachten. Wir gehören auch zu dieser Fraktion und quälen uns durch die angesagten 30 Minuten Settime.
Als zweite Support-Band heizten Dymytry Paradox aus Tschechien das Publikum mit ihrer modernen Metal- und Industrial-Fusion ein. Sie produzieren einen Sound, der mit eindringlichen Riffs, präziser Lichtshow und unbändiger Bühnenpräsenz sofort Bewegung in die Menge bringt. Die tschechischen Musiker harmonieren überraschend gut mit Hämatoms eigener Intensität und stimmen die Menge auf den Headliner richtig gut ein.

Nach dem tragischen Verlust ihres Bassisten West 2023 und dem Einstieg von Annika „Rose“ Jaschke scheint der Abend wie ein Befreiungsschlag. Kraftvoll, leidenschaftlich und voller Hingabe brechen dann Hämatom los. Mit dröhnenden Gitarren, tiefen Grooves und Nords markanter Stimme sorgen Klassiker und neuere Stücke gleichermaßen für ekstatische Reaktionen. Die Performance ist emotional und leidenschaftlich. Es ist ein Wechselspiel aus wütender Härte und nachdenklichen Momenten, das die Fans bis zum letzten Ton mitreißt. Die Band schafft es, sowohl ihre Geschichte als feste Größe als auch ihre aktuelle Entwicklung als kraftvolle Einheit zu zeigen. Der Moshpit kreist von Beginn an. Nach ein paar Songs stellt Nord die Tourmanagerin vor. Ihr ist es zu verdanken, dass das Konzert überhaupt stattfinden kann. Nach „massiven technischen Problemen“ im Max Nachttheater, wie er sagt, hat sie die TraumGmbH als Ersatz gewinnen können. Danach geht die Party richtig los. Nach dem Ukraine-Bezug steigt Süd auf sein Mini-Drumkit und lässt sich quer durch den Saal tragen. Anschließend bei Alte Liebe Rostet Nicht steigen Nord und Ost von der Bühne herab. Eine Akustikversion des Songs bringen sie auf einem kleinen Podest inmitten des Publikums. Auch die üblichen Showeinlagen kommen zum Einsatz. Ob schwenkende Fahne bei Wir Sind Keine Band, Shirtkanone oder Konfetti bis hin zu den riesigen Ballons beim letzten Song der Zugabe: Es gibt alles außer Feuerwerk.

Das ist in der Trauma aus Brandschutzgründen nicht erlaubt. Natürlich werden zu Behind The Mask Dymytry Paradox auf die Bühne geholt. Dieser Song wurde von beiden Bands gemeinsam geschrieben.
Der dritte Teil der 2025er-Dämonentänze, war mehr als ein Konzert. Es war ein Ritual voller Energie, Emotion und Gemeinschaft. Die ungewöhnliche Mischung aus Party-Kult und Metal-Ritual machte den Dämonentanz zu einem unvergesslichen Abend, der weit mehr bot als reine Härte. Es ist ein Statement für Vielfalt, Gemeinschaft und die pure Freude am Live-Erlebnis. Hämatom präsentierten sich nicht nur als routinierte Metal-Veteranen, sondern als Künstler mit Herz, Humor und unverkennbarer Bühnenpräsenz. Sie wurden unterstützt von Gästen, die den Abend zu einem Erlebnis für alle Sinne machten, auch wenn die Schlager nicht überall ankommen. Hut ab vor der Band, sich nach über 20 Bandjahren vor tausend Metalfans zu stellen und ihr Programm durchzuziehen.


















