Moshroom Metal Benefiz Festival 2017 am 21.10.2017 in der Kulturfabrik, Krefeld

“Moshroom Metal Benefiz Festival 2017 am 21.10.2017 in der Kulturfabrik, Krefeld“

Festivalname: Moshroom Metal Benefiz Festival 2017

Bands (alphabetisch): Divine:Zero, Mediøkrist, newdamage, Norded, Sunchair, Thalamus, Vitja

Ort:
Kulturfabrik, Krefeld

Datum: 21.10.2017

Kosten: 9,90€ VK

Genres: Melodic Death Metal, Metalcore, Progressive Metal, Alternative Metal, Modern Metal, Modern Thrash Metal, Progressive Grunge

Besucher: ca. 300 Besucher (ausverkauft)

Veranstalter: Oli Beiers Moshroom (https://www.facebook.com/moshroomfestival/)

Link: https://www.facebook.com/events/1919116154999841/

 

Der Wetterbericht behält am heutigen Samstag erfreulicherweise mal recht. Als ich mich auf den Weg nach Krefeld mache, hängen zwar noch viele dunkle Wolken am Himmel, aber es bleibt trocken, und die Temperaturen sind auch im erträglichen Bereich. Das motiviert dann wohl noch andere Metalheads, denn als mit leichter Verspätung der Einlass beginnt, sind tatsächlich schon verhältnismäßig viele Besucher vor Ort. Es ist noch etwas Zeit, bis die erste Band auf die Bühne geht, so kann man schon mal die ersten netten Gespräche führen. Bevor dann aber das Festival endgültig startet, legen wir alle erst einmal eine Schweigeminute ein, um Oli zu gedenken, der das Festival bislang mit seinem Team immer hervorragend organisiert hatte, leider aber im Januar dieses Jahres seinem Krebsleiden erlegen ist (R.I.P.).

Von den heute auftretenden Bands kenne ich zwei überhaupt nicht, Mediøkrist aus Krefeld gehört dazu. Welch‘ ein Versäumnis! Was die mit zwei Sängern, nämlich Phil für die Shouts und Patrick für die Shouts und Clean Vocals, ausgestattete Band da an sehr geilem Metalcore von der Bühne ballert, sorgt schon mal für das erste Beben in der KuFa. Für Weicheier ist das nix, die Vorbilder dürften im Hardcore-Bereich, zumindest aber bei Metalcore-Bands wie Bury Tomorrow oder Betraying The Martyrs liegen, und das funktioniert auch mit deutschen Texten hervorragend. Da sich Bassist Julian als ausgesprochen bewegungsfreudig erweist, bleiben die restlichen Jungs vorn am Bühnenrand in weiser Voraussicht mehr oder weniger auf ihren angestammten Plätzen und machen eifrig von den aufgebauten Egorisern Gebrauch. So vergeht dann die Spielzeit von einer halben Stunde unfallfrei und mit Songs wie #Danke Menschheit, Katharsis oder Hypokrisie – zu dem die Jungs auch ein Video veröffentlicht haben, zieht es Euch rein! – wie im Flug. Wieder mal eine tolle Band aus dem Underground entdeckt!

Mediokrist @ Moshroom Festival 2017 10 21

Auf eine sehr viel längere Karriere kann die folgende Band newdamage zurückblicken, die ebenfalls aus Krefeld stammt. Seit siebzehn Jahren gibt es die Truppe schon, wobei, bis auf Sänger Ingo, heute tatsächlich noch die Urbesetzung auf der Bühne steht. Ende April dieses Jahres erschien mit Cosmodrome das fünfte Album von newdamage, das bei mir nur knapp an der Höchstnote vorbeigeschrammt ist. Jetzt bin ich gespannt, was die Männer live so drauf haben, wobei meine relativ hohen Erwartungen von newdamage natürlich problemlos erfüllt werden können. Das entwickelt schon eine ziemliche Sogwirkung, was da an Progressive bzw. Alternative Metal aufgefahren wird, und vor der Bühne wird es voller. Auch newdamage haben laut Plan eine Spielzeit von einer halben Stunde, aber wenn ich mir die Setliste so anschaue, die mit Songs vom Album Cosmodrome bestückt ist, so z. B. Cross Your Fingers oder A Small Light, hat man da wohl ziemlich großzügig gerechnet, denn allein der letzte Songs Imperial Downfall kommt ja schon auf ungefähr acht Minuten. Aber wer guckt denn heute schon auf die Uhr? newdamage können mit dieser Show sicherlich noch Fans dazugewinnen. Mich hatten sie ja vorher schon gekriegt 😀

newdamage @ Moshroom Festival 2017 10 21

Die zweite Band, von der ich vorher noch nie gehört hatte, ist jetzt an der Reihe. Aus Hamburg sind die Jungs von Norded angereist, das hört man dann auch gleich bei der Begrüßung. Sänger Stefan freut sich natürlich, mal wieder in Krefeld auf der Bühne stehen zu können. Ist er doch der ehemalige Shouter von Hasteblood, die Band, bei der Oli am Schlagzeug saß. Jetzt hat Stefan bei Norded das Mikrofon übernommen. Gesungen wird mal deutsch und mal englisch, und genau heute erscheint auch die Surrender EP, die natürlich mit ihren drei Songs Surrender, Tektonik und Faith, auf der Setliste vertreten ist. Die Tags, die sich Norded auf ihrer Bandcamp-Seite verpasst haben – unter anderem steht da Alternative Rock, Metalcore, Metal oder Post Hardcore –, kann ich bestätigen. Das ist ein sehr krasser und sehr geiler Crossover, den die Jungs da zum Besten geben, und so hatte ich es auch schon in Kurzform direkt während der Show auf unserem Time for MetalInstagram Account gepostet. Aber die Surrender EP ist natürlich nicht das einzige, was die in 2014 gegründeten Norded am Start haben, auch Songs wie Randale, Virus oder Carved können für einiges an Bewegung im Publikum sorgen.

Norded @ Moshroom Festival 2017 10 21

Gerade vor vierzehn Tagen durfte ich Divine:Zero zum ersten Mal live erleben, als sie beim Cologne Metal Festival mit ihrem Modern Melodic Death Metal das Publikum begeistern und nicht nur zu fleißigem Kopfkreiseln animieren konnten. Bei den vier Männern bräuchte man im Grunde vier Fotografen, denn die Show, die jeder Einzelne jetzt liefert, ist definitiv eine ganze Fotostrecke wert. So wechsele ich dann also ständig meinen Standort, um fotografisch festzuhalten, wie unter anderem Gitarrist Ben wieder seine ellenlangen Haare fliegen lässt oder Bassist Markus mit seinem Instrument mosht und pogt, wie ein Wilder 😀 Dass diese Einzelaktionen aber niemals reiner Selbstverliebtheit oder dem Wunsch, sich speziell zur Schau stellen zu wollen, kommen, sondern eher der unbändigen Spielfreude entspringen, kann man von Anfang bis Ende merken, und so stehen Divine:Zero wieder einmal als kompakte Einheit auf der Bühne. Zwei Alben hat man bislang veröffentlicht, das letzte, The Cold Asylum aus dem Jahr 2014, wird unter anderem mit Bloodpounding, Scardust und Awake bedacht. Auch vom 2008er Album The Day God Left gibt es mit Headshot Messiah was auf die Ohren. Aber die Jungs sind neben ihren Live-Aktivitäten – das nächste Mal stehen sie am 31.10. bei der Halloween-Party in Viersen auf der Bühne – auch fleißig dabei, neue Songs zu schreiben. The Fatal One ist so einer davon, und der macht definitiv schon mal Lust auf mehr, soll sagen, auf das dritte Album.

Divine Zero @ Moshroom Festival 2017 10 21

Wie oft ich Sunchair jetzt schon live erleben durfte, kann ich an einer Hand schon gar nicht mehr abzählen. Das letzte Mal war es jedenfalls jetzt gerade im September beim Krefelder Metalwalk, wo mich Sunchair netterweise auf ihrem Truck haben mitfahren lassen. Langweilig wird es mit den Jungs nicht, dafür sorgen allein schon die Besetzungswechsel. So verließ zum einen Gogo nach der Veröffentlichung des letzten Albums Malum seinen Posten an der Gitarre und wurde durch Sven ersetzt. Außerdem gab Dave das Mikrofon ab, unter anderem, weil er sich doch mehr auf sein Engagement bei Thalamus – die ja heute noch nach Sunchair auftreten werden – konzentrieren wollte. Mit Manuel, den ich schon als Sänger der Band Hakuna kannte, haben Sunchair aber definitiv einen mehr als würdigen Ersatz gefunden. Auf ihr letztes Album Malum, das im September 2016 erschien, sind die Jungs – vollkommen zu Recht – sehr stolz, von den neun Liedern auf der Setliste stammen sieben, so unter anderem 8, The End oder The Purge eben genau von diesem Album. Mit Pile Of Shards und War wird aber auch der Vorgänger, das Album Beauty aus dem Jahr 2014, bedacht. Für einen Song vom Album Malum, nämlich Gluttony, haben sich Sunchair auch noch etwas Besonderes einfallen lassen. Jetzt kommt nämlich Dave mit auf die Bühne, um diesen Song gemeinsam mit Manuel zu singen. Das ist schon ein seltsames Bild, jetzt plötzlich zwei Sänger da stehen zu sehen, aber die beiden ergänzen sich super gut und hätten meinetwegen auch gern noch das folgende The Closet zusammen singen können. Aber Dave verlässt nach Gluttony die Bühne wieder, und Sunchair zocken sich hochmotiviert wie immer durch die restliche Setliste.

Sunchair @ Moshroom Festival 2017 10 21

Gerade stand Dave noch für einen Song mit Sunchair auf der Bühne, jetzt ist er mit Thalamus dran, wo er aber nicht nur singt sondern auch noch Gitarre spielt. Ist es tatsächlich schon fünf Jahre her, dass ich Thalamus live erleben durfte?!?! Bei ihrem Auftritt im Jahr 2012 anlässlich der Albumreleaseshow von Synasthasia – die es leider nicht mehr gibt – im Grammatikoff in Duisburg konnten mich die Jungs sofort überzeugen. Der Begriff „Progressive Grunge“, ohne den der Bandname eigentlich selten steht, verwirrt mich nach wie vor ein wenig, weil ich dabei eigentlich immer nur sofort an Kurt Cobain denken muss, und Nirvana waren zugegebenermaßen noch nie mein Ding. Aber damals wie heute können Dave und seine drei Mitstreiter nicht nur mich wieder packen, ich habe fast den Eindruck, jetzt ist es mit am vollsten vor der Bühne. Im April dieses Jahres wurde die EP One veröffentlicht, die hier versammelten drei Tracks Bastion, Chester und One werden in der Setliste natürlich berücksichtigt. Aber damit allein kann man die Spielzeit von 45 Minuten nicht bestreiten. So dürfen wir uns also auch mit Songs wie All I Need To Breathe, The Rising oder dem Titeltrack von der 2012er EP Taste Of Black in die Vergangenheit zurückbeamen. Mit Pray sowie dem Titeltrack vom 2011er Album Mr. Avenson geht es noch ein Jahr weiter zurück, aber Staub angesetzt haben auch diese Songs definitiv nicht. Eine hochenergetische Show, die nicht nur den Jungs von Thalamus einiges abverlangt, auch vor der Bühne ist mächtig Bewegung. Selbst, wenn man Thalamus noch nicht kennen sollte, kann man sich dem, was hier jetzt abgeht, nicht entziehen, und so steht eigentlich niemand wirklich still.

Thalamus @ Moshroom Festival 2017 10 21

Nachdem einige der Bands heute schon mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen hatten, erlebe ich bei dem Headliner des heutigen Tages, Vitja, dann eine Premiere. Drummer Daniel braucht nämlich für ein Becken einen neuen Ständer, ansonsten kann er wohl nicht weiterspielen. So kommt es also gleich nach dem ersten Song zu einer Zwangspause, die Fronter David aber gern noch einmal dazu nutzt, sich für die Einladung zu bedanken und auch darauf hinzuweisen, dass man bald mit Emil Bulls auf Tour geht. Auf die Frage, wer denn schon bei einem der vorangegangenen Moshroom Festivals dabei war, werden doch ziemlich viele Hände gehoben. Die Anzahl der Hände, die dann auf die Frage, wer heute zum ersten Mal dabei ist, in die Luft gereckt werden, verwirrt David dann aber doch, „die Rechnung geht nicht auf“ meint er und beweist damit zumindest, dass er gut im Kopfrechnen ist 😀 Welche Rechnung auf jeden Fall aufgeht, ist die Setliste, die, bis auf zwei Tracks vom 2015er Album Your KingdomFollow The Shadows und Your Kingdom –, nur mit Songs des neuen Albums Digital Love aufwartet. Insbesondere die Mädels direkt vor der Bühne fressen David aus der Hand und singen eifrig mit, bei einigen anderen zeigen sich mittlerweile aber doch einige Ermüdungserscheinungen. Die gibt es bei den Jungs von Vitja natürlich nicht, und so liefern sie zu später Stunde noch eine tolle Show. Die ersten „Zugabe“-Rufe lassen dann auch nicht lange auf sich warten, und werden mit Heavy Rain und New Breed – beide vom neuen Album Digital Love – prompt erfüllt. Danach ist dann aber wirklich der letzte Live-Ton gespielt, bei der nachfolgenden Party kommt die Musik von der (Fest-)Platte.

Vitja @ Moshroom Festival 2017 10 21

So ist dann auch das erste Moshroom Festival ohne Oli gelaufen, und das Organisationsteam hat hier wirklich eine tolle Arbeit geleistet. Das wird auch immer wieder von allen Bands in ihren Ansagen entsprechend gewürdigt, und auch die Besucher sind nur voll des Lobes. Gewürdigt wird die Leistung des Organisationsteams auch durch die Tatsache, dass tatsächlich das gesamte Ticketkontingent verkauft wird, d. h. 300 Tickets sind weggegangen, und das Moshroom Festival kann „ausverkauft“ melden. Jetzt bin ich nur mal gespannt, wie viele Spendengelder für den Deutscher Kinderschutzbund Krefeld e. V. eingesammelt wurden. Abgesehen davon hoffe ich, dass es nächstes Jahr eine Fortsetzung geben und auch dann wieder so viel Zuspruch herrschen wird.

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