Omen feiern 40 Jahre „Warning Of Danger“ in Nikosia, Zypern

Zwei Abende voller Stahl, Nostalgie und einer Szene, die den Geist der Achtziger bis heute lebt

Eventname: Omen – 40 Jahre „Warning Of Danger“

Headliner: Omen

Vorbands: Hardraw, Receiver, Dragonbreath, Solitary Sabred

Ort: Downtown Nicosia, Nicosia, Zypern

Datum: 16.05. und 17.05.2026

Genre: Heavy Metal, Power Metal, True Metal

Besucher: ca. 100

Veranstalter: NSM Productions

Link: https://www.facebook.com/Sprits616/

Downtown Live in Nikosia – ein Musikclub mit rund 500 Besuchern Fassungsvermögen. Für zyprische Verhältnisse bereits eine recht große Locationvenue, für deutsche Maßstäbe eher die Größenordnung eines gut gefüllten kleineren Clubs. Genau der richtige Rahmen also für ein Wochenende, das ganz im Zeichen einer Band steht, die hier Kultstatus genießt. Omen, die US-Power-Metal-Veteranen der Achtzigerjahre, feiern aktuell das 40-jährige Jubiläum ihres zweiten Albums Warning Of Danger. Und gerade in Griechenland und auf Zypern wird das entsprechend zelebriert. Zwei Shows in Thessaloniki, zwei in Athen und nun zwei Abende auf Zypern. An jedem Abend wird eines der frühen Alben komplett gespielt, ergänzt durch weitere Klassiker aus dem Repertoire.

Dass Griechenland und Zypern bis heute eine außergewöhnlich loyale Old-School-Metal-Fanbase besitzen, merkt man sofort. Vieles fühlt sich hier ohnehin manchmal wie eine kleine Zeitreise an – in der Metalszene ganz besonders. Anfangs wirkt es fast surreal, Shirts von Bands zu sehen, die man selbst zuletzt vor dreißig Jahren auf Festivals oder in verrauchten Clubs gesehen hat. Während sich die Szene andernorts immer weiter aufgespalten hat, scheint der Geist des klassischen Heavy- und Power-Metals hier vielerorts noch erstaunlich lebendig.

Abend eins – Hardraw, Receiver und ein Heimspiel für Omen

Hardraw – 2026 – Zypern

Den Auftakt machen Hardraw. Die Band liefert klassischen Heavy und Power Metal mit deutlicher Achtziger-Schlagseite. Ehrlich, direkt und ohne große Spielereien. Besonders Sänger Jimmy Mavromatis erinnert mit seiner Stimme stark an die alte US-Power-Metal-Schule. An der Gitarre steht Nikolas „Sprits“ Moutafis, der mit seiner Firma NSM Productions nicht nur dieses Konzert, sondern zahlreiche weitere Metal-Veranstaltungen auf der Insel organisiert. Wer sich länger in der zyprischen Szene bewegt, wird seinem Namen zwangsläufig häufiger begegnen.

Zu Beginn ist das Downtown noch nicht ganz gefüllt, doch das ändert sich bei Receiver schnell. Nicht geändert hat sich allerdings der Gitarrist – derselbe wie zuvor bei Hardraw. Ein typisches Phänomen der zyprischen Metalszene. Wie andere lokale Musiker schon zuvor lachend erklärten: „Auf einer Insel muss man die Musiker eben recyceln.“ Entsprechend gibt es zahlreiche personelle Überschneidungen zwischen den Bands. Receiver setzen auf hymnischen Heavy Metal mit weiblichem Frontgesang. Sängerin Nikoletta Kyprianou führt charismatisch durch das Set und ist in der lokalen Szene auch als Illustratorin zahlreicher Albumcover und Shirtmotive bekannt. Besonders Bassist Loizos Koukoumas spielt sich mit beeindruckender Präsenz in den Vordergrund, während eine überraschend starke Lightshow dem Auftritt zusätzliche Wucht verleiht. Auch der Schlagzeuger Yiannis Xanthou überzeugt und trägt die großen Refrains und Mitsingpassagen souverän durch den Raum. Was nicht heißen soll, dass die zwei Gitarristen schwächeln, aber links und rechts der Bühne sind sie meist auf ihre Gitarrenarbeit fokussiert und verleihen der allgemeinen Bandpräsenz einen würdigen Rahmen.

Dann endlich Omen

Omen – 2026 – Zypern

Gitarrist und Bandgründer Kenny Powell wirkt zwar etwas gezeichnet, ist gleichzeitig aber voller Energie und Leidenschaft. Betrachtet man die bewegte Geschichte der Band, ist es ohnehin bemerkenswert, dass Omen heute noch existieren. Powell ist das einzige verbliebene Gründungsmitglied, hält die Fahne der Band aber seit Jahrzehnten hoch. Man muss bedenken: Der Mann ist 71 Jahre alt! Ein riesiger Pluspunkt für die Konzerte hier ist Sänger Nikos Migus Antonogiannakis. Der Grieche schafft es mühelos, das Publikum auch in dessen Muttersprache anzufeuern und die ohnehin enthusiastischen Fans noch weiter mitzureißen. An diesem ersten Abend steht das komplette Battle-Cry-Album auf dem Programm. Im Hintergrund prangt das legendäre Cover als riesige Projektion über der Bühne, während die Band einen Klassiker nach dem anderen abfeuert. Nach dem Opener Battle Cry folgt The Axeman, bei dem es zu zusätzlicher Unterhaltung kommt. Mehrere Plastikäxte tauchen vor der Bühne auf, die offenbar von Fans eigens für diesen Moment mitgebracht wurden. Natürlich landen die Äxte wenig später auch auf der Bühne und eine davon wird von den Nikos kurzerhand in die Show eingebaut. Nach dem Song wandern die Plastikspielzeuge zurück ins Publikum, wo ihre Besitzer die nun von Omen benutzten Trophäen mit sichtbar stolz geschwellter Brust wieder entgegennehmen. Bereits während des Konzerts kommt es zu einer Szene, die viel über den Stellenwert von Omen auf Zypern aussagt. Während eines Songs wird Kenny Powell mitsamt seiner Gitarre von den Fans auf Händen durch die Halle getragen. Dabei geht es erstaunlich vorsichtig zu. Fast ehrfürchtig wird der 71-Jährige über die Köpfe des Publikums bewegt und anschließend sanft wieder auf der Bühne abgesetzt. Man hat das Gefühl, als wolle das Publikum einen seiner wertvollsten Schätze beschützen. Nicht nur die Band wird hier gefeiert – Kenny selbst ist für viele längst eine lebende Legende. Als Zugabe wird die Bühne noch einmal zum Treffpunkt der zyprischen Metalszene. Für eine erneute Runde Battle Cry stehen mit Nikolas „Sprits“ Moutafis und Petros „Asgardlord“ Leptos von Solitary Sabred zwei weitere Szenegrößen gemeinsam mit Omen im Rampenlicht und sorgen für einen würdigen Abschluss eines besonderen Abends. Was folgt, ist kein gewöhnlicher Gastauftritt, sondern eine gemeinsame Feier dieser Musik, dieser Szene und dieses Wochenendes. Spätestens jetzt gibt es kein Halten mehr. Fäuste fliegen durch die Luft, ganze Refrains werden lauter vom Publikum gesungen als von der Band selbst. Man spürt förmlich, wie viele der Anwesenden für einen Abend wieder in ihre Jugend zurückversetzt werden – zurück zu dem Moment, als sie Battle Cry zum ersten Mal gehört haben. Doch selbst nach dem offiziellen Ende ist die Begeisterung noch längst nicht abgeebbt. Kenny Powell wird erneut, diesmal ohne Gitarre, von den Fans wieder auf Händen durch den Saal getragen – diesmal länger und fast bis zum Merchstand. Ein Bild, das eindrucksvoll zeigt, wie tief die Verbindung zwischen Omen und ihrem zyprischen Publikum auch nach vier Jahrzehnten noch ist.

Abend zwei – noch mehr Leidenschaft

Nach dem ersten Abend scheint eine Steigerung kaum möglich. Doch genau das passiert. Den Auftakt machen Dragonbreath. Die junge Band präsentiert melodischen Fantasy Power Metal mit deutlichen Maiden-Einflüssen und überzeugt über die gesamte Spielzeit hinweg. Wieder sorgen die Projektionen im Hintergrund gemeinsam mit der Lichtshow dafür, dass alles deutlich größer und professioneller wirkt, als man es von einer lokalen Vorband erwarten würde.

Solitary Sabred – 2026 – Zypern

Nach dem Ende des Dragonbreath-Sets übernehmen Solitary Sabred das Kommando. Einige ihrer Musiker hatten am Vorabend bereits einen Gastauftritt absolviert, nun präsentieren sie ihr eigenes Material in voller Länge. Auch hier steht wieder Nikolas „Sprits“ Moutafis an der Gitarre. Die Band präsentiert epischen Heavy und Power Metal mit deutlichen Manowar-Einflüssen, besonders in der visuellen Präsentation. Vor der Bühne thront ein großes Schwert auf einem Stein, während sich die Texte um sumerische Mythologie, Magie und okkulte Themen drehen. Vor allem Sänger Petros „Asgardlord“ Leptos lebt dieses Universum mit jeder Faser seines Körpers. Keine Sekunde wirkt gespielt. Jede Zeile, jede Geste und jede Ansage scheinen direkt aus dieser Welt zu stammen. Auch musikalisch präsentiert sich die Band enorm druckvoll und sorgt für zahlreiche Mitsingmomente.

Interessant dabei: Bereits während des Soundchecks werden Aufnahmen für ein kommendes Solitary-Sabred-Video gemacht. Kameras sind den ganzen Abend über immer wieder präsent. Beim späteren Bridge Burners kommt schließlich Omen-Sänger Nikos auf die Bühne und verleiht dem Song zusätzliche Wucht. Wieder einer jener Momente, die zeigen, wie eng die lokale Szene mit den Gästen aus den USA inzwischen verbunden ist.

Als schließlich Omen die Bühne betreten, sind die ersten Reihen sofort wieder gefüllt

Omen – 2026 – Zypern

Zunächst sorgt allerdings ein ungewohnter Anblick für Verwunderung: Kenny Powell trägt tatsächlich ein T-Shirt. Wer Omen kennt, weiß, dass dies eher die Ausnahme als die Regel ist, da Kenny meist oberkörperfrei zu sehen ist. Lange hält dieser Zustand allerdings nicht an. Bereits nach wenigen Songs landet das Shirt im Publikum – zur sichtbaren Freude der Fans und unter lautem Jubel. Doch nicht nur Powell setzt optische Akzente. Frontmann Nikos betritt die Bühne zunächst in einer dunklen, beinahe kriegerisch anmutenden Gewandung und mit einer auffälligen halbseitigen Ledermaske, in der Art von Phantom Der Oper, die seinem Auftritt etwas Mystisches und Theatralisches verleiht. Für die ersten Songs bleibt sein Gesicht verborgen, bevor die Maske schließlich fällt und der Fokus ganz auf seine starke Bühnenpräsenz und seine kraftvolle Stimme gerichtet wird. Ein gelungener Auftakt, der der ohnehin epischen Atmosphäre der frühen Omen-Klassiker zusätzlich Nachdruck verleiht. Die Stimmung erreicht schnell wieder das Niveau des Vorabends. Weitere Shirts fliegen ins Publikum, die ersten Reihen singen jede Zeile mit und immer wieder werden Gäste auf die Bühne geholt. Auch Reece Stanley hinter dem Schlagzeug trägt seinen Teil dazu bei, dass die Songs mit unverminderter Energie nach vorne gehen. Technisch versiert, druckvoll und mit sichtbarer Freude am Spiel treibt er die Band durch das gesamte Set. Bassmann Justin Riddler bildet mit seinem kunstvoll verzierten Custom-Rickenbacker den perfekten Gegenpol dazu. Mit seinen langen Haaren, seiner lockeren Ausstrahlung und seiner ständigen Nähe zum Publikum gelingt es ihm mühelos, die Fans immer wieder mitzureißen. Dabei wirkt nichts aufgesetzt – seine sympathische Art macht ihn schnell zu einem der Publikumslieblinge des Abends. Besonders das Zusammenspiel mit Kenny Powell fällt immer wieder auf. Die beiden harmonieren auf der Bühne hervorragend und strahlen jene Selbstverständlichkeit aus, die nur entsteht, wenn Musiker nicht nur gemeinsam spielen, sondern sich auch gegenseitig Raum geben. Überhaupt wirkt die aktuelle Besetzung wie eine außergewöhnlich gut funktionierende Einheit aus sehr unterschiedlichen Charakteren und musikalischen Persönlichkeiten. Im Gespräch verriet Kenny Powell sogar, dass dies die Formation sei, die seiner ursprünglichen Vorstellung von Omen am nächsten komme. Betrachtet man die Chemie auf der Bühne, fällt es schwer, ihm zu widersprechen. Omen präsentieren sich an diesem Wochenende so geschlossen, spielfreudig und lebendig wie vermutlich schon lange nicht mehr. Und auch an diesem Abend entert zu den letzten Songs und Zugaben Nikolas „Sprits“ wieder die Bühne, um Omen an der Gitarre zu unterstützen. Spätestens nach dieser Omen-Tour ist Nikolas sowieso ein großer Teil der Omen-Family geworden und konnte sich nach eigenen Worten, einen Punkt der Bucketlist streichen: „Play live on stage with one of your guitar heroes !“

Beim großen Finale versammeln sich schließlich unzählige Musiker der Vorbands gemeinsam mit Omen auf der Bühne. Fans werden nach vorne geholt, alle singen mit, bangen und feiern gemeinsam. Und als wäre die Szene vom Vorabend nicht schon genug gewesen, wird Kenny Powell auch an diesem Abend erneut auf Händen durch den Saal getragen. Wieder ohne Gitarre, aber mit derselben Begeisterung und derselben spürbaren Wertschätzung. Wer gedacht hatte, der erste Abend wäre nicht mehr zu übertreffen, wurde mit dem zweiten Tag eines Besseren belehrt.

Dieses Wochenende zeigte eindrucksvoll, warum Omen auf Zypern bis heute einen beinahe legendären Status genießen. Es ging nicht nur um Nostalgie. Es ging um eine Szene, die den klassischen Heavy Metal bis heute mit derselben Leidenschaft lebt wie vor vierzig Jahren. Um Musiker, die gleichzeitig Veranstalter, Bandmitglieder und Fans sind. Und um einen 71-jährigen Kenny Powell, der trotz gesundheitlicher Probleme noch immer auf der Bühne steht und seine Musik mit derselben Überzeugung spielt wie vor Jahrzehnten, wahrscheinlich leidenschaftlicher denn je. Zwei Abende voller Metal, Freundschaft, Erinnerungen und Leidenschaft. Genau so sollte Heavy Metal sein.