Onslaught am 11.06.2025 im Colos-Saal Aschaffenburg

Amtlicher Abriss trotz Ersatz

Event: Onslaught – 40th Anniversary Of Power From Hell Europe 2025 Tour

Bands: Onslaught, Cryptosis

Ort: Colos-Saal, Roßmarkt 21, 63739 Aschaffenburg

Datum: 11.06.2025

Zuschauer: ca. 50

Genre: Thrash Metal, Heavy Metal, Technical Thrash Metal, Progressive Metal

Links: https://colos-saal.de/startseite.html

Setlist Onslaught:

  1. Onslaught (Power From Hell)
  2. Thermonuclear Devastation Of The Planet Earth
  3. Lord Of Evil
  4. Death Metal
  5. Angels Of Death
  6. The Devil’s Legion
  7. Steel Meets Steel
  8. Witch Hunt
  9. Destroyer Of Worlds
  10. Let There Be Death
  11. Killing Peace
  12. Iron Fist
  13. Metal Forces
Onslaught - 40 Years Power From Hell Tour 2025
Onslaught – 40 Years Power From Hell Tour 2025

Keine guten Voraussetzungen für eine Tour. Onslaught ist kurzfristig der Sänger abhandengekommen. Über die Konzertagentur Dragon Production wurde zeitnah ein Ersatz für David Garnett organisiert. Da Garnett auch noch Gitarre spielt, muss auch noch ein neuer Gitarrist her. Das sind Lewis Berl an der Leadgitarre und Oscar Rilo von der spanischen Combo Dark Embrace. Doppelter Ersatz, geht das gut? Rilo hatte kaum mehr als drei Tage, um sich die Lyrics einzuverleiben. Klar, da sind unterstützende Utensilien auf der Bühne unabdingbar. Es geht aber um einen Klassiker. Im Februar 1985 veröffentlichten Onslaught Power From Hell. Zum Geburtstag gibt es das gesamte Album auf der Bühne, auch wenn ersatzgeschwächt.

Zunächst ein paar Worte zur Location. Der Colos-Saal ist in der Fußgängerzone von Aschaffenburg beheimatet und eine sehr zu empfehlende Location. Sound hervorragend, dazu auch der Raum nicht verbaut, ganz im Gegenteil. Hier dürften auch Prog-Fans und Prog-Bands auf ihre Kosten kommen, was sich bei den Flower Kings am Vortag zeigte. Eine beachtliche Lightshow ist genauso möglich wie ausreichend Nebel, was Menschen mit einer Kamera in der Hand im Regelfall die Zornesröte ins Gesicht treibt. Niemand muss nach Frankfurt reinfahren, um gute Konzerte zu erleben. In den kommenden Wochen sind in Aschaffenburg Größen wie Cradle Of Filth oder Tarja im Colos-Saal zu erleben. Bezüglich Clubkultur ist die Location eine Top-Adresse des Landes.

Cryptosis – Colos-Saal, Aschaffenburg – 2025

Zurück zur Musik am heutigen Abend. Pünktlich um 20 Uhr startet das Trio Cryptosis, das eine ordentliche Soundwand mit Gekeife aufs Parkett legt. Technisch ist das anspruchsvoll, was das Trio hier auf die Bretter zaubert. Vielleicht hätte die Truppe die Nebelmaschine nicht durchgehend auf Anschlag stellen sollen. Der Drummer ist nicht zu erkennen, die Saitenfraktion versinkt ebenfalls teilweise im Nebel. Zwei Longplayer hat das Trio bisher veröffentlicht. Bionic Swarm 2021 und Celestial Death im März 2025. Das Set teilt sich auf die beiden Werke auf und kann rein technisch beeindrucken. Die Soundwand passt aber nur bedingt zum Thrash der nachfolgenden Altmeister aus Bristol. Trotzdem: Wer auf Sachen wie Vektor, Coroner oder Revocation steht, kann durchaus mal ein Ohr riskieren.

Umbaupause, dann ist es Zeit für 40 Jahre jungen Thrash Metal. Onslaught hatten einige Sänger in ihrer langen Karriere. Viel entscheidender sind die knarzenden Saiten von Nige Rocket, Jeff Williams und dem Ersatz Lewis Berl. Genau das bekommt die Truppe auf die Kette, sodass bereits Onslaught (Power From Hell) mächtig aus den Boxen scheppert und die Headbanger auf den Plan ruft. Sänger Rilo keift dazu ordentlich und macht insgesamt einen guten Job. Haben wir hier den neuen Sänger von Onslaught auf der Bühne?

Onslaught – Colos-Saal, Aschaffenburg – 2025

Die kurzfristigen Veränderungen in der Band führen zu einem verkürzten Set und es gibt nur acht Nummern von der Power From Hell. Die instrumentalen Stücke überspringen die Herren leider. Schade, gerade die eher ungewöhnlichen Nummern machen einen Teil des Spirits von Power From Hell aus. So endet der Power From Hell-Part mit Witch Hunt, gefolgt von vier weiteren Onslaught-Tracks. Die teilen sich auf die 80er-Jahre und der LP The Force mit Let There Be Death und Metal Forces, sowie Killing Peace (2007) mit dem Titeltrack und Destroyer Of Words auf. Dazu gesellt sich Iron Fist von Lemmy, das im Onslaught-Gewand ganz andere Flügel bekommt. Der Schlusspunkt ist das bereits angesprochene Metal Forces, das die Manics vor der Bühne nochmals in Wallung bringt. Gegen 22:30 Uhr ist die Live-Musik zu Ende und die arbeitende Bevölkerung kommt früh nach Hause.

Trotz des mehrfachen Ersatzes ein spaßiger Gig mit einem Klassiker aus den 80ern in einer großartigen Location, die einen weiteren Besuch wert ist. Für Menschen in der Region ein klarer Tipp. Checkt das Angebot, der Laden ist nicht umsonst bei Fans und Bands sehr beliebt.