Protector – Summon The Hordes

Polternder, sägender, böse klingender und keifender Thrash Metal. Sehr simpel, aber effektiv.

Artist: Protector

Herkunft: Deutschland, Schweden

Album: Summon The Hordes

Spiellänge: 37:44 Minuten

Genre: Thrash Metal, Death Metal

Release: 26.04.2019

Label: High Roller Records

Link: www.facebook.com/Protector.666not777

Produktion: Berlin, Stockholm durch Harris Johns

Bandmitglieder:

Gesang – Martin Missy
Gitarre – Michael „Micke“ Carlsson
Bassgitarre – Mathias Johansson
Schlagzeug – Carl-Gustav Karlsson

Tracklist:

01. Stillwell Avenue
02. Steel Caravan
03. Realm Of Crime
04. The Celtic Hammer
05. Two Ton Behemoth
06. Summon The Hordes
07. Three Legions
08. Meaningless Eradication
09. Unity, Anthems And Pandemonium
10. Glove Of Love

Bonus LP:

11. Holy Inquisition (Live Rostock 2017)
12. A Shedding of Skin (Live Rostock 2017)
13. Urm The Mad (Live Rostock 2017)
14. Holocaust (Live Stockholm 2017)
15. Apocalyptic Revelations (Live Stockholm 2017)
16. Spacecake (Live Stockholm 2017)

Die Death-Thrasher Protector gibt es schon seit 1986, haben jedoch eine sehr wechselhafte Historie mit zahlreichen Umbesetzungen und sogar eine Verlegung des Stammsitzes von Wolfsburg nach Schweden hinter sich. Wer es genauer wissen will, dem sei der Artikel auf Wikipedia empfohlen. Die unstete Entwicklung hat der Band nicht gut getan: Trotz einiger starker Alben, gelang nie so etwas wie ein Durchbruch, wenn man sich die Erfolge anderer vergleichbaren Bands wie Sodom, Kreator oder Destruction anschaut. Das mag in erster Linie auch an der Veränderung am Mikro liegen. Es gibt einige, die bevorzugen noch immer den ehemaligen Sänger Oliver Wiebel, der die grandiosen Scheiben A Shedding Of Skin (1991) und The Heritage (1993) eingebrüllt hat. Erstmitglied und -Sänger Martin Missy klingt mit seinem heiseren Organ nicht unbedingt schlechter, aber halt anders. Letztlich kommt es aber auch in erster Linie auf die Songs an.

Für das dritte Album nach der Wiederbelebung von Protector in 2011 haben sich Missy und seine schwedischen Bandmitglieder Produzentenlegende Harris Johns an Bord geholt. Das hat sich gelohnt: Der Sound ist im Vergleich zu den Vorgängern Reanimated Homunculus (2013) und Cursed And Coronated (2016) besser, nur die Bass Drums klingen etwas pappig.

Jetzt aber zu den zehn Songs auf Summon The Hordes: Voll auf die Zwölf gibt’s gleich zu Beginn mit Stillwell Avenue nach einem kleinen schaurigen Intro. Kraftvoll-polternde Drums, sägende Gitarrenriffs, Tempowechsel, bös-aggressive Shouts. Ja, so kann man in ein Album starten! Bei Steel Caravan gibt’s die gleichen Zutaten erneut. Wer auf old-schooligen Death-Thrash steht, der wird seinen Spaß haben. Auch wenn hier nichts, aber auch überhaupt nix neu erfunden wird. Realm Of Crime führt die eingeschlagene Linie fort, allerdings keift Missy hier noch eine Ecke bösartiger (was dem Song überaus hilft) und es ein recht langes Solo zu hören gibt, das eins zu eins aus dem 80er-Jahre-Teutonen-Thrash-Metal entnommen sein könnte.

Bei The Celtic Hammer wird erstmals das Gaspedal nicht durchgedrückt. Das 80er-Feeling müsste jetzt auch der letzte Hörer mitbekommen haben. Ein klarer Tribut an Celtic Frost, das mit einer etwas anderen, bratenden Klangfarbe für Abwechslung nach den eher schnellen drei ersten Songs sorgt. Und den Hörer gespannt werden lässt, ob es jetzt gleich wieder abgeht. Und yep, so isses: Bei Two Ton Behemoth kreiselt wieder die Abbruchbirne. Up-Tempo at it´s best! Geiler Song! Vor allem auch, weil Missy ein paar teuflische Growls auspackt, die jeden Death-Metal-Fan packen sollten. Absoluter Höhepunkt soweit. Tja, und es folgt mit dem Titeltrack (der ganz offensichtlich den eigenen Fans gewidmet ist) zum Glück ein weiterer, ein echter Thrash-Metal-Tornado! Sehr simple High-Speed-Nummer, aber auch sehr effektiv. Zumindest, wenn man es old-schoolig mag.

Three Legions ist im Vergleich etwas „langsamer“, hat einen einprägsamen, hingekeiften Refrain. Nicht ganz so stark wie die beiden Abrissbirnen zuvor. Bei Meaningless Eradication beginnt dann erst mal mit Mid-Tempo mit Double-Bass, bevor der Wüterich kommt und durchdreht. Um dann wieder Luft zu holen. Und wieder durchzudrehen. Wäre der fiese Refrain nicht, wäre der Track aber ziemlich austauschbar. Na gut, weiter mit Unity, Anthems And Pandemonium: Tempo-Gebolze und ganz kurz krass-böse Backing-Vocals beim Refrain. Die Nummer wird viel vom Double-Bass getragen. Sehr klassisch strukturiert. Gegen Ende hört sich Missy an, als kotze er gleich ins Mikro. Und schon sind wir beim kurzen und zumindest für diesen Musikstil kurios-betitelten Abschlusssong Glove Of Love, der erneut auf mächtig-polternde Drums setzt und sich wohl als Rausschmeißer bei Liveauftritten eignet.

Fazit
Die reformierten Protector machen auf ihrem dritten (gerechnet ab 2011) Langspieler keine Experimente, sondern ziehen gnadenlos konsequent eine Linie durch: Wer auf polternden, sägenden, böse klingenden und keifenden Thrash Metal (wobei die Grenze zum Death Metal oft überschritten wird) steht, muss bei Summon The Hordes reinhören. Erinnerungen an Großtaten deutscher Thrash-Teutonen wie Sodom (ganz frühe und jetzt aktuelle Ausrichtung), Destruction oder frühe Kreator schwingen jederzeit mit, ohne dass es abgekupfert klingt. Das ist schon eine Leistung für sich, da alle verwendeten Zutaten altbekannt sind und es wirklich überhaupt nix Neues zu hören gibt. Dennoch sind die Songs nicht abgeschmackt, sondern versprühen Frische. Bis man das verstanden hat, kann es durchaus ein paar Durchläufe benötigen. Denn zunächst klingt das Album wenig aufregend, so oder ähnlich schon mal gehört. Wenn man es aber schafft, sein Vorwissen auszublenden und keine Vergleiche zu ziehen, merkt man: Das sind einfach gute Abrissbirnen, die simpel und effektiv eins auf die Zwölf geben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Anspieltipps: Two Ton Behemoth, Summon The Hordes und Stillwell Avenue
Tobias K.7.5
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7.5
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