Event: Rockharz 2026
Bands: Agnostic Front, Airbourne, Alice Cooper, Annisokay, Avatar, Betontod, Biohazard, Black Label Society, Crypta, Danko Jones, Dogma, Die Apokalyptischen Reiter, Dominum, Doro, Drone, Emperor, Ensiferum, Feuerschwanz, Fiddler’s Green, Final Cry, Finntroll, Gothminister, Die Habenichtse, Haggefugg, Harakiri For The Sky, Hämatom, Heavysaurus, Helloween, Hiraes, Knorkator, Kreator, Majestica, Mittel Alta, Motorjesus, Necrotted, Paradise Lost, P.O.D., Rauhbein, Rodeo 5000, Sagenbringer Anger, Soen, Soulbound, Stahlmann, Steve N Seagulls, Subway To Sally, Tailgunner, The Haunted, Tungsten, Walls Of Jericho, Warmen, Hagane, Decapitated, Cypercore, Saint City Orchestra, Pinhead, Artillery
Datum: 01.07. – 04.07.2026
Genres: Power Metal, Symphonic Metal, Progressive Metal, Heavy Metal, True Metal, Metalcore, Dark Metal, Dark Rock, Black Metal, Death Metal, Thrash Metal, Speed Metal
Besucher: ca. 25.000 Sold Out
Kosten: Dreitagesticket ab 190 €, Tagetickets 90 €
Ort: Verkehrslandeplatz Asmusstedt Ballenstedt
Veranstalter: Veruga GmbH

Der heutige Tag beginnt um einiges früher, sodass uns ein langer Tag bevorsteht. Final Cry mit Kai Wilhelm am Mikro eröffnen die 15 Bands umfassende Sause. Kai macht übrigens nicht nur den Sänger, er ist auch zuständig für die Fotografen beim Festival. So bekommt er natürlich den verdienten Beifall, aber der ist nicht nur wegen seiner Arbeit, sondern auch wegen der Melodic-Thrash-/Death-Metal-Mucke, die den morgigen Kater oder das Unausgeschlafene vertreibt. In der halben Stunde gibt es dann Songs aus dem Album The Ever Rest und einige ältere Sachen. Guter Opener zur frühen Stunde. Der Weg zurück zum Pressebereich kann sich dann gespart werden, denn es geht schnell weiter. Die ersten Bands spielen nur etwa 30 Minuten, und so ist man eigentlich gefühlt kaum aus dem Graben raus.
Kontrastreicher kann es kaum zugehen, denn Die Habenichtse sind auf der Rock Stage dran. Mittelalterrock trifft auf Folk und Bettlertum. Mit dem Roman von Katharina Hacker hat die Band nichts zu tun, dafür aber mit dem Lebensmotto: „Feiere das Leben, nimm mit, was du kannst, und vagabundier dich durchs Leben.“
Das trifft zur Mittagszeit den Nerv der Gemeinde, und so geht es bereits jetzt zur Sache. Wettertechnisch ist es nicht so warm wie gestern, also herrscht gutes Festivalwetter, und das merkt man allen an.

Mittelalter trifft Rap. Ein Genremix ist heutzutage nichts Ungewöhnliches, weshalb also nicht auch diese beiden miteinander verquicken? Sir Schwanzelot und Sir Gernhardt Reinlunzen haben dieses Projekt aus der Taufe gehoben und liefern dem Pöbel (nach deren eigener Aussage) feinsten Sprechgesang aus dem Mittelalter. Standesgemäß verkleidet liefern sie ihre Songs ab. Ob es das wirklich braucht, kann nur jeder für sich entscheiden, aber es scheint doch ganz gut anzukommen und zeigt, wie verschieden die Bandauswahl ist. Somit erreicht der Veranstalter eben auch viele unterschiedliche Geschmäcker. Meins ist es nicht wirklich, und so verlasse ich die Stätte, um mich dann auf Hagane vorzubereiten.
Nun wird es fernöstlich. Aus Japan sind die vier Damen von Hagane angereist und zeigen, dass Frauenpower dort großgeschrieben wird. Sakura, Sayaka, Nagi und Junna zelebrieren Power Metal und zeigen, wo der japanische Hammer beziehungsweise das Samuraischwert hängt. Kraftvoll, fast ausschließlich im Stil von Helloween, DragonForce oder Freedom Call, gehen die Mädels ans Werk. Start Our Journey, passend als erster Song, eröffnet, und nicht wenige, vor allem auch männliche Fans, feiern die Band ab. Lautstark wird der Name der Band gerufen, was allerdings im stampfenden Rhythmus untergeht. Wie diese doch zierlichen Damen das Infield zum Feiern bekommen, ist schon beeindruckend. Nach 35 Minuten endet der Auftritt mit Life Goes On! und hinterlässt doch ziemlich beeindruckte Gäste, und auch die Band ist angesichts des großen Zuspruchs dankbar.

Nach japanischer Zierlichkeit geht es mit Neuer Deutscher Härte weiter. Deutscher Stahl trifft auf stampfenden Rhythmus. Eigentlich nichts Neues, aber das geht immer. Die Band tritt zunächst teilweise maskiert auf. Darunter verbergen sich dann stark geschminkte Gesichter und das dazu düstere Outfit passt zu den harten Tönen. Dazu gesellen sich einige Elektroelemente und fertig ist der Sound. Apropos Sound: Der doch recht starke Wind lässt oftmals die Töne verwehen, dafür wummert der Bass aber mächtig. Je nachdem, wo man steht, geht es oder es klingt etwas wischiwaschi. Im Graben merkt man davon nichts, denn da hämmert es direkt rein. Zu der Endzeitstimmung passen dann auch die Flammen, die jetzt bereits gezündet werden. Liest man sich ein wenig in die Vita der Band ein, dann taucht der Name Niklas Kahl auf, der hier ganz in der Nähe aufgewachsen ist, mit Dani vom Rockharz gut befreundet ist und mit Lord Of The Lost bereits hier gespielt hat. Irgendwo Backstage habe ich ihn auch gesehen, aber auftreten tut er mit der Band nicht mehr. Deutsche Texte zu harten Rhythmen, das geht, auch wenn ich es bereits sagte: Das Rad wird nicht neu erfunden. Macht nichts. Geht.
Heute und morgen finden auf dem Vorplatz wieder einige Metal-Hochzeiten statt. Das gibt immer Gelegenheit für ein paar gute Pics, und von Jahr zu Jahr werden es auch mehr.
Da bis zu den Sagenbringern etwas Zeit ist, gönne ich mir ein Pils, was hier noch einen moderaten Preis hat. Das Hasseröder ist seit jeher die Hausmarke vom Rockharz und man kann es gut schnabulieren. Nun aber zu den Sagenbringern von der Nordseeinsel Sylt. Ich komme bereits zum zweiten Mal in den Genuss, denn im letzten Jahr waren sie Gäste beim Fuck Cancer Festival im Juki Ahrensburg. Nach dem üblichen Intro mit Nebel aus einem Räuchergefäß und dem Ablegen des Umhangs stehen die vier geschminkten Insulaner im Rampenlicht. Und wieder schaffen sie es, von der ersten Minute an zu überzeugen. Eigentlich ist Mittelalterrock nicht so meins, aber die Sagenbringer bringen da mehr Härte rein und das macht es spannend und gut. Die Band gibt es erst seit knapp fünf Jahren, aber eine große Fangemeinde ist bereits vorhanden und auch hier haben sie das Publikum auf ihrer Seite. Labelkollege Carl Fornia ist auch vor Ort (wie eigentlich jedes Jahr), der sich die vier von der Insel mit ansieht. Wenn Sagenbringer so weitermachen, und davon gehe ich aus, dann werden sie eine große, erfolgreiche Band. Der Grundstein ist gelegt.

Und nun wird es biblisch, na ja, eher teuflisch. Mit weiß geschminkten Gesichtern in nonnenähnlichen Kleidern, die allerdings bis gefühlt zum Bauchnabel geschlitzt sind und einen üppigen Ausschnitt zeigen, betreten fünf Damen die Bühne. Tatsächlich haben sie auch Instrumente dabei, die aber für die knipsende Zunft zunächst zweitrangig sind. Es ist schwierig, sich auf eine der unbekannten Damen zu konzentrieren, denn da gibt es ständig Bewegung, mal lasziv, mal erotisch, aber immer züchtig bedeckt. Dogma heißt die Band und macht hauptsächlich durch das Outfit von sich reden und durch eine nicht so schöne Geschichte im letzten Jahr. Da haben gleich drei der Musikerinnen Kritik an ihrem Management geäußert und sind ausgestiegen. Ersatz wurde allerdings schnell gefunden, aber trotzdem bleiben die Identitäten eher verschleiert. Blasphemie, Chaos und Horror sind genau das Gegenteil von der Nonnenanmut, und so wird der Power Metal zelebriert. Dass sie spielen können, beweisen sie schnell, und so knallen Forbidden Zone, My First Peak und Made Her Mine als erste Songs aus den Boxen. Die männliche Anhängerschar, was für ein Wunder, starrt gebannt auf die Damen, die mehr erahnen lassen, als tatsächlich zu sehen ist. Die Identität beziehungsweise das Aussehen der fünf ist nebensächlich und auch gewollt unbekannt. Eine Autogrammstunde entfällt somit, damit dies so bleibt. Mittendrin gibt es mit Like A Prayer ein Madonna-Cover, ansonsten sind es eigene Songs. Auf jeden Fall ein Hingucker, musikalisch auch nicht schlecht.

Es geht nach einer kurzen Pause mit Warmen weiter. Die kannte ich bis dato nicht, und spielen sollen sie einen progressiven Melodic Metal, was angesichts der Keyboards passend ist. Benannt nach dem Children-Of-Bodom-Keyboarder Janne „Warmen“ Wirman, lässt sich das gut an. Sänger Petri Lindroos hat heute seinen zweiten Auftritt, denn gestern stand er bereits mit Ensiferum auf der Bühne. Ansonsten keine schlechte Kost.
Kurz vor dem Abendbrot dann noch Decapitated, die mit Technical Death Metal aus Polen auftrumpfen. Mit dem sperrigen Titel The Blasphemous Psalm To The Dummy God Creation legen die los. Das muss man mögen, aber es gibt Tausende, wie der Platz vor der Bühne zeigt. Wie ein Gewitter legen die Polen los. Das ist Geknüppel vom Feinsten, für den Death-Metal-Liebhaber genau das Richtige. Ich bin da nicht so ganz für zu haben, aber hierher passt es. Trotzdem überlasse ich nach den drei obligatorischen Songs die Band ihren Fans und widme mich der Speisenaufnahme, während mein Kollege Heina sich um Betontod kümmert.

Der frühe Abend beginnt mit Punkrock: Betontod sind zum wiederholten Mal auf dem Rockharz. Dass sie ein Garant für eine gute Zeit sind, ist auch dem Publikum bewusst. Ruckzuck füllt sich das Infield. Ohne Kompromisse legen sie direkt los und ballern einen Song nach dem anderen raus. Auch der kurzfristig aufgezogene Regen kann hier heute niemanden bremsen. Ob Nie Mehr St. Pauli Ohne Dich, Totenkopf oder Küss Mich: Die Menge feiert und die Crowdsurfer treiben den Grabenschlampen die Schweißperlen auf die Stirn. Mit Glück Auf und Hömmasammawommanomma haben sie sicher nicht nur uns noch schnell einen Ohrwurm eingepflanzt, bevor dieser starke Auftritt endet.
Ein weiteres Genre, mit dem ich einfach nicht warm werde, ist Hardcore. Wenn der dann auch noch mit Punk versetzt ist, ist fast alles zu spät. Somit ist Agnostic Front auch eher ein Pflichtprogramm. Die Männer um Sänger Roger Miret sind immerhin auf der Bühne viel unterwegs. Auch der eine oder andere Sprung ist dabei, mal sehen, ob ich einen erwische. Aber wer es mag, wird hier mit voller Breitseite bedient. Circle Pits gibt es auch, also ist für die Fans alles dabei.
Wer heute um 20:35 Uhr vor der Bühne steht, um Hämatom zu sehen, wird überrascht, als plötzlich Zombies die Stage betreten. Die Franken haben aus Termingründen mit Dominum die Plätze getauscht. Das Rockharz hatte dies zwar kommuniziert, aber einige verwirrte Blicke sehe ich um mich herum trotzdem. Die Power-Metal-Band aus Nürnberg, die 2024 erst in der Nacht spielte, erreicht hier heute verdient ein großes Publikum, wird ordentlich bejubelt und liefert einen rasanten Auftritt. Deutscher Power Metal von in Zombie-Kostümen verkleideten Musikern. Sänger Dr. Dead hat seine Patienten im Griff und so wird munter gerockt. Nicht ganz ernst, aber voller Power, à la Sabaton trifft Ghost, kommen Tracks wie Danger Danger, The Circus Is In Town oder Doctor Doctor vom aktuellen Album gut an. Als sie dann auch noch Hey Living People zum Besten geben, sind wir rundum zufrieden.

Mit Avatar kommt eine schwedische Band zum Zuge, bei der sich Sänger Johannes Eckerström als Alice-Cooper-Fan outet. Sein Outfit ist passend gewählt und man sieht ihm das auch an. Das weiß geschminkte Gesicht erinnert an die Bemalung von Alice Cooper. Musikalisch steht die Band irgendwo zwischen Melodic Death, Groove und Alternative Metal. Das macht Spaß, und gerade Sänger Johannes ist das Aushängeschild dieser Truppe. Aber auch seine Mitstreiter fallen durch intensives Headbanging auf. Die Truppe sollte man sich merken. Auch dem Publikum gefällt es und nicht wenige lassen sich nach vorn tragen. Das ist ein richtiger Support für den gleich auftretenden Alice Cooper.
Tja, und nun ist der Altmeister des Schock Rocks da. Sichtlich in die Jahre gekommen, aber noch voller Tatendrang und Agilität, steht Alice Cooper, inzwischen 78 Jahre jung, auf der Bühne. Begleitet wird er von einer auf ihn abgestimmten Band, wobei Gitarristin Nita Strauss von Anna Cara ersetzt wird. Mit Hello Hooray beginnt er. Zunächst mit schwarzem Frack, Degen und Zylinder, weiß geschminktem Gesicht, präsentiert er sich der jubelnden Menge. Seine hervorragende Begleitband steht nicht im Hintergrund, sondern wird in Szene gesetzt. Selbst die Jüngeren sind vom Auftritt angetan, und schnell wird klar: Das ist ein würdiger Headliner. Alice Cooper weiß sich zu präsentieren und macht das geschickt. Auf der Setlist steht alles, was gebraucht wird: I’m Eighteen, No More Mr. Nice Guy, Poison, natürlich School’s Out mit einigen Takten Another Brick In The Wall und als Abschluss Smells Like Teen Spirit von Nirvana. Der Auftritt ist sicherlich einer der besten hier und wird noch lange in Erinnerung bleiben. Bemerkenswert natürlich auch die Licht- und Feuershow, die das ganze Spektakel noch verstärkt.

Den Abschluss des Abends liefern dann Hämatom. Wie bereits gesagt, ist es nicht ganz klar, weshalb getauscht wurde, aber es ist so. Trotz der späten Stunde ist es rappelvoll, als Nord, Süd, Ost und Rose auf die Bühne kommen. Mit Gaga und einem in einer Zwangsjacke gesteckten Nord geht es los. Textsicher macht das Publikum mit. Bleibst Du Heute Mit Mir Wach? Das dürfte für viele mit Ja! beantwortet werden, denn ein Abwandern ist nicht feststellbar. Annika „Rose“ Jaschke an der Gitarre macht ihre Sache gut, und so wird West am Bass zwar vermisst, aber er hat eine würdige Nachfolgerin, auch wenn die Bassgitarre unbesetzt bleibt. Die Setlist ist gut gefüllt und natürlich fehlt ein surfendes Schlagzeug mit Süd nicht, und auch ein paar wütende Zwerge in Pflegerklamotten, mit Elektroschockern bewaffnet, ergänzen das Set.
Wir bleiben nicht bis zum Schluss, denn es ist empfindlich kalt geworden, und in Anbetracht der Ermangelung einer warmen Jacke sowie der Uhrzeit geht es in die Unterkunft mit den Klängen von Ich Hasse Dich Zu Lieben und Wir Haben Dorf zurück.
Highlights des Tages sind sicherlich Alice Cooper, Hämatom, Dogma und Avatar.
Für Time For Metal vor Ort: Alex D., Heina N., Kay L., Maren J.








































































