Zwischen Tradition und Post-Metal-Moderne
Mit Georgia legen The Light Below ein Album vor, das auf den ersten Blick irritiert und sich mit jedem weiteren Durchlauf mehr entfaltet. Es ist eine Veröffentlichung, die nicht nur Aufmerksamkeit verlangt, sondern sie auch verdient – weil sie konsequent Grenzen verschiebt und dabei etwas Eigenständiges schafft. Am 23.01.2026 erscheint das Album über das Label My Proud Mountain und markiert für mich persönlich bereits jetzt eines der ersten großen Highlights des noch jungen neuen Musikjahres. Physisch wird Georgia sowohl als CD als auch auf Vinyl erhältlich sein – letzteres in den Varianten Black und Purple.
Bemerkenswert ist zudem, dass Georgia noch von Steve Albini (RIP 2024) aufgenommen wurde, der u. a. mit Nirvana, PJ Harvey und den Pixies gearbeitet hat. Steve Albini verleiht dem Album damit einen rohen, unverfälschten Sound, der die Energie der Band optimal einfängt. Die Band hat das Album ihm gewidmet.
Eine mutige Zusammenarbeit
Das zentrale Konzept von Georgia ist eine Zusammenarbeit, die mutiger kaum sein könnte: The Light Below treffen auf den Frauenchor Akhla, der sich der traditionellen georgischen Folklore verschrieben hat. Hinter The Light Below steht eine vielschichtige Besetzung: Frank Binke am Bass, Patrick Christensen an der Gitarre, Eric J. Breitenbach am Schlagzeug sowie Dominique Braun an der Gitarre und Niklas Fischer an der Steel Guitar. Die musikalischen Hintergründe der Beteiligten reichen von Kingdom Come und The String Theory über New Age Doom und Pussy Riot bis hin zu Warren Suicide – ein Umstand, der sich deutlich im offenen Klangverständnis der Band widerspiegelt. Darüber hinaus bringen mehrere Musiker umfangreiche Erfahrungen im Bereich Filmmusik mit ein: Frank Binke wurde für eine seiner Arbeiten für einen Grammy-nominiert, Patrick Christensen komponierte unter anderem für Wim Wenders sowie internationale Serien wie Dark oder Breaking Bad.
Zwei musikalische Welten, die scheinbar kaum weiter auseinanderliegen könnten, finden hier zu einer gemeinsamen Sprache. Während die Band mit schweren, rauen und druckvollen Klangflächen arbeitet, setzen die mehrstimmigen Chöre archaische Kontrapunkte. Keine Seite dominiert dauerhaft, vielmehr entstehen Spannungen, die der Musik Tiefe und Dynamik verleihen. Die Unterschiede werden nicht kaschiert, sondern bewusst genutzt, sodass die Musik größer wirkt als die Summe ihrer Einzelteile.
Highlights und Referenzen
Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese Symbiose bereits im zweiten Stück Tsinkharo. Das traditionelle Lied ist vielen aus Werner Herzogs legendärer Nosferatu-Verfilmung bekannt, in der Klaus Kinski jene ikonische Rolle spielte, für die er wie geschaffen schien. Der atmosphärisch prägende Soundtrack des Films stammt von der deutschen Kultband Popol Vuh, deren spirituelle Klangwelt hier indirekt mitschwingt. Gleichzeitig spiegeln die Musiker auch ihre eigene Filmmusikerfahrung in der Interpretation wider, was dem Stück eine zusätzliche Dimension verleiht. Die Kombination aus Chor, Band und filmischer Sensibilität steigert sich zu einem düsteren Höhepunkt, der mit jeder Wendung an Intensität gewinnt und eine beinahe hypnotische Sogwirkung entfaltet.
Der Übergang zu Kirialesa verändert die Stimmung spürbar: kühler, weniger lärmend, mit stärkerem rituellem Charakter und dezenten industriellen Anklängen. Die verwendeten georgischen Gesänge basieren auf jahrhundertealten Liedern, deren ursprüngliche Bedeutung teils im Nebel der Geschichte verloren gegangen ist. Gerade diese zeitliche Entkopplung prägt den Gesamtklang von Georgia: archaisch und modern zugleich, tief verwurzelt und dennoch zukunftsoffen. Georgia ist ein Album, welches man eigentlich kaum beschreiben kann, muss es hören, erleben und fühlen. Wunderbare Songs wie Bicho, Batonebo oder Deli Deli werden sich den geneigneten Hörer*innen erschließen!
Hier! geht es für weitere Informationen zu The Light Below – Georgia in unserem Time For Metal Release-Kalender.



