Coltaine – Brandung

Eine Reise durch düstere Klangwelten, zwischen Gischt und Geisterstimmen

Artist: Coltaine

Herkunft: Karlsruhe, Deutschland

Album: Brandung

Genre: Psychedelic Doom, Post Metal

Spiellänge: 36:24 Minuten

Release: 05.09.2025

Label: Lay Bare Recordings

Link: https://coltaine-band.com

Bandmitglieder:

Bass – Benedikt „Bene“ Berg
Gitarre – Moritz „Moe“ Berg
Schlagzeug – Amin Bouzeghaia
Gesang – Julia Frasch

Tracklist:

  1. Tiefe Wasser
  2. Memories Of Ice
  3. Keep Me Down In The Deep
  4. Black Coral
  5. Wirbelwind
  6. Above The Burning Sand
  7. Maelstrom
  8. Brandung
  9. Solar Veil

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass Coltaine aus Karlsruhe mit ihrem Debütalbum Forgotten Ways über das Label Lay Bare Recordings ein beachtliches Ausrufezeichen in der Szene gesetzt haben. Damals hatte mein Berliner Promo-Pitbull nicht nur mit dem Zaunpfahl gewunken – er hat mich damit regelrecht niedergestreckt. Und das völlig zu Recht: Das Debüt hat mich schlichtweg umgehauen.

Letzten Monat durfte ich die Band dann live auf dem Hoflärm Festival im Westerwald erleben – und was soll ich sagen? Ein Auftritt wie ein Orkan. Coltaine haben das Publikum im Sturm erobert und gehörten zu den absoluten Highlights des Wochenendes. Dort traf ich auch Bassist Benedikt, der mir verriet, dass ein neues Album unmittelbar bevorsteht. Ein glücklicher Zufall, denn auf das zweite Werk der Band wollte ich keinesfalls verzichten. Ebenfalls auf dem Festival war Jan Oberg, der gemeinsam mit seiner Frau Bine als Grin einen Überraschungsgig spielte. Der Kreis schließt sich: Jan Oberg zeichnet sich nämlich auch für das Mixing und Mastering des neuen Coltaine-Albums verantwortlich. Und wenn er seine Finger im Spiel hat, kann man sich fast sicher sein, dass klanglich nichts schiefgeht.

Coltaine, Hoflärm 2025, Pic by Big Simonski

Am 05.09.2025 ist es nun so weit: Brandung, das zweite Album von Coltaine, erscheint erneut bei Lay Bare Recordings.

Ein kurzer Blick zurück: Ursprünglich unter dem Namen Witchfucker aktiv, veröffentlichte die Band ab 2014 mehrere Releases, darunter eine Split 2016 und das Album Afterhour In Walhalla (2022). Im selben Jahr jedoch legte man die Hexe auf den Scheiterhaufen und trat unter neuem Namen an – Coltaine war geboren. Angeführt von den Brüdern Benedikt und Moe Berg sowie der eindrucksvollen Sängerin Julia Frasch, entwickelte sich die Band musikalisch weiter – weg vom Rohformat, hin zu atmosphärischer Tiefe.

Über die „vergessenen Wege“ nun also zum Meer! Brandung birgt neun dunkle Perlen, die zwischen träumerischem Drift und bedrohlicher Tiefe oszillieren. Der Einstieg ist ein sanftes Abtauchen: Nur der Klang von Glöckchen im Wind und Julias Stimme, die sich wie salzige Gischt über die Ohren legt. Kein klassisches Intro, sondern ein fast schon meditativer Auftakt.

Mit Memories Of Ice hebt das Album dann richtig ab. Ein dynamischer Song, der nach knapp zwei Minuten durch Julias Stimme eine neue Dimension bekommt – kraftvoll, aber gleichzeitig wie von dunklen Schleiern umgeben. Keep Me Down In The Deep überrascht danach mit einem Indie-/Shoegaze-Einschlag, den man an dieser Stelle kaum erwartet hätte. Eine melancholische Schönheit, die sich tief ins Gehör schleicht. Die anschließende Ode To The Black Coral verzichtet gänzlich auf Gesang, begleitet nur von Akustikgitarre – ein stilles Zwischenspiel, das mehr sagt, als viele Worte könnten. Auch in Wirbelwind bleibt es instrumental, ehe sich Julias Stimme in Above The Burning Sand nach etwa drei Minuten wie eine Fata Morgana über das glühende Klangbild legt.

Mit Maelstrom wird es düster und beklemmend – eine sparsame Instrumentierung, die einen in die Tiefe saugt, bevor man von der Brandung regelrecht wieder ausgespuckt wird. Auch Julia kehrt hier eindrucksvoll zurück, nachdem ihr zuvor in Maelstrom scheinbar die Stimme genommen wurde. Der Titelsong Brandung fängt perfekt das Gefühl tobender See ein: aufgewühlte Wellen, stürmische Energie, Gischt und schließlich wieder das langsame Zurückweichen des Wassers – eine Vertonung wilder Naturkräfte, die sich am Ende in vollkommener Ruhe auflösen. Mit Solar Veil schließt sich der Vorhang. Ein letzter musikalischer Schleier aus Licht und Wärme – ein zarter Hoffnungsschimmer nach einer intensiven Reise durch dunkle Wasser.

Coltaine – Brandung
Fazit
Brandung ist – wie schon das Debüt – ein zutiefst atmosphärisches Werk. Dunkel, mystisch, teilweise bedrohlich – und dennoch mit Momenten voller Schönheit und leiser Hoffnung. Coltaine schaffen es erneut, Post-Rock auf ihre ganz eigene Weise weiterzudenken und mit Elementen aus Doom, Shoegaze und Ambient zu verweben.

Ein Album zum Eintauchen, Versinken, sich Verlieren – und Wiederauftauchen. Ein Album zwischen Mythos und Melancholie.

Anspieltipps: Memories Of Ice, Keep Me Down In The Deep und Brandung
Juergen S.
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