Paragon - Headbangers Open Air 2025

Interview mit Paragon auf dem Headbangers Open Air 2025

Mit dem Trekker zur Bühne

Artist: Paragon

Herkunft: Hamburg

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Speed Metal

Label: Massacre Records

Link: http://www.facebook.com/paragonmetal

Bandmitglieder:

Gesang – Andreas Babuschkin
Schlagzeug – Jason Wöbcke
Gitarre – Martin Christian
Gitarre – Jan Bertram
Bass – Jan Bünning

Paragon – Headbangers Open Air 2025

Am Rande des Headbangers Open Air 2025 sprachen wir dem Bassisten Jan Bünning und dem Sänger Andreas „Buschi“ Babuschkin von Paragon über ihre 35-Jahre-Show und die gemeinsame Geschichte mit dem Festival.

Time For Metal / Jürgen F.:
Aktuell ist der Name Ozzy Osbourne bei jedem Konzert präsent. Welche Bedeutung haben für euch Ozzy und Black Sabbath?

Paragon / Jan:
Black Sabbath haben irgendwo den Heavy Metal erfunden. Ende der 70er habe ich selbst mit den ersten metallischen Sachen angefangen und habe mir natürlich auch gleich die ersten Ozzy-Scheiben gekauft. Die finde die nach wie vor großartig. Ozzy ist schon ein herber Verlust, aber der Abgang ist ihm glorreich gelungen. Ich glaube, er hat seine letzten Kräfte noch mal gesammelt, um auf Wiedersehen zu sagen. Er hat alles abgestoßen und gesagt okay, das war es. Tschüss, böse Welt. Ist traurig, aber irgendwann stirbt jeder Mensch.

Paragon / Buschi:
Der Tod von Ozzy ist keine riesengroße Überraschung. Wenn du seine Biografie kennst, dann ist es eigentlich ein Wunder, dass er überhaupt noch so lange gelebt hat. Natürlich sehr, sehr traurig, gerade wenn du jetzt direkt an seine Musik zurückdenkt. Das ist jemand, der mich durch das ganze Leben begleitet hat, seitdem wir mit Heavy Metal angefangen haben. Ozzy war immer da, jetzt ist er nicht mehr da. Das ist so wie bei Lemmy.

Time For Metal / Jürgen F.:
Und rein musikalisch? Hatten Black Sabbath Einfluss auf eure Musikerlaufbahn?

Paragon – Headbangers Open Air 2025

Paragon / Jan:
Black Sabbath witzigerweise würde ich für mich persönlich sagen eher nicht. Bei Martin (Martin Christian, Gitarrist von Paragon, Anmerkung der Redaktion) bezüglich des Riffings schon. Eher dann Sharon und die Osbournes, die so ein bisschen die Guitar Heroes erfunden haben. Ozzy hatte auf seinen ersten Werken den Randy Rhoads dabei. Das war schon eher mein Ding, was mich musikalisch auf jeden Fall begleitet hat. Ozzy fand ich bis zur No More Tears absolut großartig. Dann wurde es ein bisschen durchwachsener. Es ist mit dem Zeitgeist gegangen. Die Scheiben wurden moderner.

Ich habe Ozzy 1992 im Hamburger Docks live gesehen. Die Veranstaltung war noch nicht mal ausverkauft, weil es als eine Showcase-Veranstaltung genutzt wurde, sodass der Zugang beschränkt war. Der Abend war sehr lustig. Auf Wunsch von Ozzy gab es keinen harten Alkohol. Die Fans bekamen ausschließlich Bier und irgendwann stand Ozzy selbst am Tresen.

Paragon / Buschi:
Bei mir ist es genauso. Musikalisch haben mich mehr die Ozzy-Veröffentlichungen angesprochen als die Black-Sabbath-LPs. Wie Jan schon sagte, gerade von der Gitarrenarbeit kamen die Scheiben bei mir besser an. Black Sabbath waren mir immer zu düster. Die Sachen haben kräftig gedröhnt und waren für mich eher was für Kiffer und nicht so mein Ding.

Time For Metal / Jürgen F.:
Lasst uns zu Paragon und der gemeinsamen Geschichte mit dem Headbangers Open Air kommen. Wo kommt diese langjährige Beziehung her und wie ist das Ganze mal entstanden?

Paragon – Headbangers Open Air 2025

Paragon / Buschi:
Thomas
(Thomas Tegelhütter, Veranstalter Headbangers Open Air, Anmerkung der Redaktion) hatte in Hamburg eine bekannte Kneipe betrieben. Eines Tages sagte er, ich habe Bock, ein kleines Gartenfest zu machen. Habt ihr Lust, da live zu spielen? Das Ergebnis war, dass wir hier auf einem Traktoranhänger standen, die Mikros nicht geerdet waren und Martin gleich einen gewischt bekam. Der Trecker war aus Metall und wir haben beim Singen aufpassen müssen, dass wir nicht zu nah ans Mikro gehen und auch nicht zu sehr auf dem Anhänger rumhüpfen, weil dann das Schlagzeug fast zusammengebrochen wäre. Das war lustig, aber mit dem Bau der kleinen Bühne in den nachfolgenden Jahren, die jetzt zum Backstagebereich gehört, wurde es deutlich besser. Und jetzt ist es richtig geil mit der größeren Bühne nach vorne raus. Hinten wird nur noch aufgebaut. Es ist immer wieder schön, herzukommen.

Paragon / Jan:
Ich hatte eigentlich mit Thomas die Idee, dass wir mit dem Trecker zur heutigen Show fahren. Das alte Ding gibt es noch. Wir packen uns alle auf das Teil drauf und Thomas fährt uns vor die Bühne. Ich habe da nicht mehr dran gedacht. Dazu spielen wir bis auf unseren Gitarristen Jan Bertram alle mit Kabel. Wir haben keine kabellosen Geräte. Buschi hätten wir höchstens mit dem Hänger reinfahren können. Aber durch den Fotograben und die Absperrung ist das nicht ganz so einfach. Am Mischpult könnten wir den Hänger hinstellen und Buschi dort festschnallen 😊.

Wir sind einfach auch Fans. Bis auf ein oder zwei Jahre waren wir immer hier, zumindest als Gast.

Paragon / Buschi:
Wenn du hier auf die Bühne gehst, dann ist das schon Kult. Wenn du teilweise bei den großen Festivals ansiehst, was da abgeht bezüglich Kommerzialisierungen, dann ist das einfach super angenehm, hier zu sein. Du kannst die Szene unterteilen. Es gibt heutzutage den Underground, der sehr stark ist, was ich genial finde. Dazu sind noch die alten Helden wie Saxon, Judas Priest und Iron Maden da, die aber nicht mehr lange da sein werden. Dann folgt diese kommerzielle Ecke, die halt riesengroß geworden ist. Powerwolf, Sabaton und ähnliche Vertreter. Das ist aber überhaupt nicht meins und hat für mich nicht so viel mit Metal zu tun. Außer vielleicht die leicht verzerrten Gitarren und das Image. Was die Bands liefern, ist mir zu albern und auch zu sehr auf Image gemünzt. Das ist bei den größeren Festivals oft genauso. Hier beim Headbangers Open Air ist halt alles noch kultig und klein, und das ist schön.

Time For Metal / Jürgen F.:
Dann lass uns mal zu Paragon und eurer musikalischen Geschichte kommen. Rund um die Jahrtausendwende waren Paragon unter anderem mit Iron Savior und Gamma Ray unterwegs. Es gab Ideen, dass Paragon zu Höhenflügen ansetzen. Wie blickt ihr heute auf die Anfangszeit zurück?

Paragon – Headbangers Open Air 2025

Paragon / Jan:
Bis Martin 2004 bei den Kneipenterroristen eingestiegen ist, haben wir eine Zeit sehr viele Konzerte gespielt. Wir mussten aber damals bereits erkennen, dass du mit eigener Musik kein Geld verdienen kannst. Es geht uns nicht um das Geld, aber es muss sich natürlich auch ein wenig rechnen und so jung waren wir nicht mehr, dass wir an jeder Steckdose hätten spielen können. Wenn du 20 Shows spielst und bei der Hälfte von den Konzerten stehen 25 Nasen vor der Bühne, dann legst du bei dem Hobby kräftig zu. Wir sind mittlerweile sowieso zu alt, aber damals waren wir ebenfalls bereits gesetzter als die Youngster-Combos. Wir alle haben Kinder, Beruf und Familie. Im Endeffekt gehen Leute zum Fußball und feuern ihren Verein an. Wir machen halt Heavy-Metal-Musik als Hobby.

Time For Metal / Jürgen F.:
Vergangenes Jahr gab es mit Metalation eine neue Scheibe von Paragon. Ist die Band mit dem Feedback zufrieden?

Paragon / Jan:
Insgesamt schon, wobei immer der Kritikpunkt des sich Wiederholens kommt. Die meisten Bands aus dem Heavy-Metal-Bereich haben ihren eigenen Stil irgendwann gefunden. Bei uns hat das vielleicht ein bisschen gedauert. Spätestens ab Law Of The Blade hatten wir unseren Sound, den wir haben wollen, entwickelt. Warum sollen wir das ändern? Wenn ich eine Platte von Judas Priest kaufe, dann erwarte ich, dass Priest auch erkennbar ist. Oder anders ausgedrückt: wenn du dir ein Bier kaufst, dann erwartest du, dass der Inhalt nach Bier schmeckt. So ist es am Ende auch mit der Musik. Wir spielen und schreiben die Musik, die wir gerne mögen und die wir gerne spielen. Großartige Veränderungen gibt es bei den wenigsten Metalbands. Natürlich kommen kleine Einflüsse bei den neuen Outputs immer zum Vorschein, aber eine großartige Veränderung zu zum Beispiel Hard Rock oder AOR ergibt wenig Sinn. Wir waren eine Zeit etwas härter unterwegs und haben uns vergangenes Jahr wieder zum eher klassischen Ansatz zurückbegeben.

Time For Metal / Jürgen F.:
Wer schreibt die Songs bei Paragon?

Paragon / Jan:
Das macht größtenteils Martin mit mir zusammen. Buschi gibt den Babys die Lyrics und die Gesangslinien

Paragon – Headbangers Open Air 2025

Paragon / Buschi:
Wenn die Masse die neuen Netflix-Serien guckt, dann sitze ich da und versuche, zu einer schönen Melodie einen guten Text zu finden.

Time For Metal / Jürgen F.:
Sind die Gitarren zuerst fertig?

Paragon / Jan:
Erst ist die Musik normalerweise fertig. Jan Bertram schreibt auch ab und zu mal Riffs, aber er ist nicht ganz so produktiv wie Martin. Der ist echt eine Riffmaschine und ich bin dann so derjenige, der arrangiert und alles zusammenfügt.

Time For Metal / Jürgen F.:
Mit der neuen Scheibe gab es eine Minitour. Ist es bei den drei Shows bisher geblieben?

Paragon / Jan:
Ja, leider. Es waren leider nur drei Shows bisher. Wir hätten noch die eine oder andere Show mehr spielen können. Wenn die Termine aber sehr kurzfristig kommen, dann haben wir das Problem mit Urlaub etc. Das ist 2024 nicht so gut gelaufen.

Time For Metal / Jürgen F.:
War der Zuschauerzuspruch bei den wenigen Shows wenigstens gut?

Paragon – Knust, Hamburg – 2024

Paragon / Jan:
Ja, das war so weit in Ordnung. Das war insgesamt relativ einfach zu wuppen. Wir sind nach Berlin gefahren und nach der Show direkt nachts zurück. Dann waren wir in Hamburg, da konnten wir ja alle in Hamburg problemlos pennen. Münster war dann ein bisschen anstrengender, da haben wir uns ein Hotel genommen.

Insgesamt alles nicht so weit weg, sodass wir viele alte Fans mal wiedergesehen haben, gerade in Hamburg. Da war auch Markus Großkopf anwesend. Aber die große Hamburger Prominenz war nicht da, aber einige Damen und Herren schon. Wobei Uwe Lulis vor Ort war und bei Iron Savior mitspielte. Uwe hat auch eine Scheibe von uns produziert, sodass er auch ein Freund der Band ist.

Time For Metal / Jürgen F.:
Paragon spielen nachher eine 35-Jahre-Show. Was dürfen die Fans erwarten?

Paragon / Jan:
Wir haben tatsächlich nur Songs bis zur Revenge auf der Setlist. Von jeder Scheibe davor mindestens ein Stück, also von der World Of Sin, The Final Command und der Chalice Of Steel. Steelbound, Law Of The Blade und The Dark Legacy. Von jeder LP mindestens ein Stück, die wir zum Teil seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt haben. Mit Jason am Schlagzeug ist das schon eine starke Nummer.

Paragon – Knust, Hamburg – 2024

Paragon / Buschi:
Wir machen aber auch noch eine ausführlichere Jubiläumsshow. Am 12. September spielen wir mit Black Hawk eine 35-Jahre-Paragon-und-40-Jahre-Black Hawk-Jubiläumsshow im Pauli Bahnhof in Hamburg. Da werden wir einige Songs von den neueren Platten spielen. Black Hawk gibt’s auch schon ewig, sodass wir und Black Hawk eine mehr als passende Kombination für einen Freitagabend sind.

Time For Metal / Jürgen F.:
Wenn Paragon zurückblicken: von Hardware in den 90ern bis zu Spotify. Das Konstrukt bezüglich der Konzerte. Waren oder sind Paragon von den Veränderungen eher genervt oder geht ihr damit entspannt um?

Paragon / Jan:
Es wird schwieriger. Wir überlegen schon, ob wir noch Platten machen. Oder ob wir nicht einfach nur noch Shows spielen. Wer weiß, ob die kommende Scheibe, die wir bestimmt aufnehmen werden, die letzte LP sein wird? Wir schauen von Jahr zu Jahr und 2026 haben wir tatsächlich ein paar Festivalauftritte, auch bei größeren Festivals, und spielen dazu mal wieder in Frankreich, da sind wir immer sehr beliebt.

Aber bezüglich Platten müssen wir echt mal gucken, ob sich das noch lohnt. Wenn es sich irgendwann nicht mehr rechnet, dann ergeben Platten keinen Sinn mehr. Von Spotify kriegst du nicht mehr die Kosten raus, die du quasi reinsteckst, das kannst du vergessen. Ich kann die Sachen mittlerweile selbst alle aufnehmen, wir benötigen aber jemanden, der die Sachen mischt. Da kannst du keinen Amateur nehmen. Wir haben das mal gemacht, das ging gar nicht. Wenn wir Shows spielen, dann packen wir die Kohle zur Seite, um dann irgendwann eine Platte aufzunehmen. Aber auch mit den Shows ist das schwierig. Du hast in Deutschland wahnsinnig viele Booking Agenturen und die bombardieren die Festivals. Längere Touren sind schwierig zu machen, wegen Job. Insofern ist auch das ein kompliziertes Unterfangen. Die üblichen Agenturen bieten den Festivals zehn Bands an. Dann kommt die Auswahl und wenn das Festival drei Bands haben will, dann müssen die noch drei weitere Bands nehmen, sonst kommt der Deal nicht zustande. Wir sind dann raus, weil wir keine Booking Agentur haben wollen. Wir machen alles selbst. Aber gut, solange es noch Spaß bringt, werden wir das wohl noch machen und ab und zu mal ein paar Shows spielen.

Time For Metal / Jürgen F.:
Danke für eure Zeit. Ich wünsche euch eine super Show nachher.

Paragon / Jan und Buschi:
Danke, wir freuen uns, auf dem Headbangers Open Air 2025 spielen zu dürfen.