Heavy Psych Sounds Fest am 24.10. und 25.10.2025 in Dresden – Tag 1

Das Stoner-Label-Kultfestival zum fünften Mal in Deutschland

Eventname: Heavy Psych Sounds Fest

Bands: Rotor, Mephistofeles, Giöbia, Ananda Mida, Litania, Weepecker, Tons, Wyatt E., Fvzz Popvli, Komatsu

Ort: Chemiefabrik, Petrikirchstr. 5, 01097 Dreden

Datum: 24.10. – 25.10.2025

Kosten: 2-Tages-Ticket 60,50 €, Tagestickets jeweils 35,20 € (zzgl. Gebühr)

Genres: Stoner Rock, Acid Rock, Psychedelic, Doom, Heavy Rock, Rock

Link: https://www.facebook.com/events

Das Heavy Psych Sounds Fest des italienischen Labels Heavy Psych Sounds findet in diesem Jahr zum fünften Mal in Deutschland statt. Erst 2007 gegründet, gilt das Label Heavy Psych Sounds heute als eines der führenden in diesem Genre, mit unzähligen namhaften Bands und Solokünstlern unter Vertrag. Die Veranstaltungsreihe der Heavy Psych Sounds Feste fand zunächst in Italien statt. Mittlerweile gibt es Ausgaben in den USA, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden.

Wie gewohnt findet es in Deutschland in Dresden und Berlin statt. Die Bands des Freitags in Dresden spielen am Samstag in Berlin und umgekehrt. Wir von Time For Metal waren beim ersten Heavy Psych Sound Fest 2019 in Berlin dabei, 2023 dann das erste Mal in Dresden. Auch in diesem Jahr sind wir wieder beim Heavy Psych Sounds Fest in Dresden in der Chemiefabrik (dort, wo die Biere kalt, die Riffs mächtig und die Lunten prächtig sind) dabei. An dieser Stelle ein großes Danke an den Veranstalter Sven Müller und Elbsludgebooking, dass wir wieder dabei sein durften. Heute, am Freitag, dem 24.10.2025, werden Rotor (D), Mephistofeles (ARG), Giöbia (ITA), Ananda Mida (ITA) und Litania (ITA) an den Mauern der Chemiefabrik kratzen.

Der Abend in der Chemiefabrik beginnt mit einer besonderen Stimmung: gedämpftes Licht, ein erwartungsvolles Publikum, das sich auf neue Klangwelten einlässt. Litania eröffnen den Tag – und vom ersten Ton an ist klar, dass hier etwas Außergewöhnliches passiert. Die Band, bestehend aus Elisa De Munari (Gesang, Harmonium, Sitar, Dilruba), Marco Degli Esposti (Gitarre), Enrico Baraldi (Bass) und Vladimir Marikoski (Schlagzeug, Percussion), beschwört eine Atmosphäre, die zwischen meditativer Ruhe und massiver Wucht pendelt. Der Sound wurzelt tief im Doom und Drone, lässt sich aber stark von der indischen Musiktradition inspirieren – getragen von Drones, schweren Riffs und althindustanischem Gesang. Elisa De Munari steht im Zentrum des Geschehens. Vor ihr liegt das Harmonium auf einem Ständer, das sie mit einer fast rituellen Ruhe bedient. Ihre Stimme erhebt sich klar und geheimnisvoll, schwebt über die tiefen Gitarrenwände und zieht das Publikum in eine andere Sphäre. Wenn sie zur Sitar greift, verändert sich die Energie im Raum: Der metallische Nachhall der Saiten verschmilzt mit dem dröhnenden Bass, und plötzlich entsteht ein hypnotischer Fluss, in dem Zeit kaum noch eine Rolle spielt.

Litanias Songs wachsen langsam, organisch. Tiefe Gitarrenriffs wogen über dichten, tranceartigen Rhythmen, während der Gesang zwischen Zeremonie und Erzählung schwebt. Die Spannung im Raum steigt mit jedem Stück. Die Zuhörer bewegen sich kaum – nicht aus Zurückhaltung, sondern weil die Musik sie regelrecht fesselt. Zwischen langen, dronigen Klangflächen und eruptiven Doom-Passagen baut sich eine innere Dynamik auf, die fast körperlich spürbar ist. Litania haben an diesem Abend gezeigt, dass Doom weit mehr sein kann als Schwere und Dunkelheit: Er kann zu einem spirituellen Ritual werden.

Litania, HPSF 2025 Dresden, Pic by Big Simonski

Als zweiter Act liefern Ananda Mida heute in der Chemiefabrik einen konzentrierten, druckvollen Auftritt. Der Mix aus Stoner-, Psychedelic- und Bluesrock funktioniert auf Anhieb: satt, groovend, ohne überflüssige Spielereien. Die Band wirkt routiniert, aber nie mechanisch – jede Passage sitzt, jeder Übergang fließt natürlich. Typisch für Ananda Mida sind ihre langen, rhythmisch dichten Jam-Momente. Auch heute lassen sie den Songs Raum, entwickeln Spannung, statt sie mit Effekten zu überladen. Die Instrumente greifen sauber ineinander, das Zusammenspiel ist präzise und gleichzeitig offen genug, um spontan zu wirken.

Wie schon auf ihrem Live-Album Live At Duna Jam, auf dem sie die besondere Atmosphäre eines Strand- und Wüstenfestivals eingefangen haben, gelingt es der Band auch in Dresden, dieses Gefühl von Weite und Gelassenheit auf die Bühne zu bringen. Am Ende bleibt ein klarer Eindruck: Ananda Mida brauchen keine großen Gesten, um zu überzeugen – ihr Sound spricht für sich. Ein starker, aber auch unaufgeregter Auftritt.

Ananda Mida, HPSF 2025 Dresden, Pic by Big Simonski

Nun stehen Giöbia (mit den Bandmitgliedern habe ich mich vorhin noch unterhalten) auf der Bühne der Chemiefabrik, und vom ersten Ton an ist klar, warum sie zu den festen Größen im Heavy-Psych-Kosmos gehören. Das Quartett aus Italien bringt sein neues Album X-Æon mit – und genau so klingt auch der Auftritt: frisch, intensiv und voller Energie. Die Band ist komplett in einem starken (Weltraum-) Nebel eingehüllt. Frontmann Bazu treibt mit seiner Gitarre und markanten Stimme die Songs nach vorne, während Melissa Crema an den Keyboards dichte, sphärische Flächen legt. Drummer Pietro D’Ambrosio (im Nebel kaum zu erkennen) hält den Sound präzise zusammen, und Detrji am Bass sorgt für das nötige Fundament – wuchtig, aber kontrolliert.

Giöbia spielen keinen gefälligen Retro-Rock, sondern massiven Acid- und Psychedelic-Rock, der kompromisslos nach vorne geht. Die Stücke entfalten sich langsam, schrauben sich in lange, hypnotische Passagen hinein und wirken dabei gleichzeitig strukturiert und frei. Bazu experimentiert mit seinen Saiteninstrumenten, jagt verzerrte Melodien durch den Raum, während sich die restliche Band wie ein Uhrwerk um ihn herumdreht. Der Sound wabert, pulsiert, schichtet sich – und trägt die Zuhörer mit auf eine Reise durch Klanglandschaften, die zwischen Trance und Explosion schwanken. Auch wenn man Giöbia schon kennt, verlieren sie live nichts von ihrer großartigen Wirkung. Im Gegenteil: Die neuen Songs bringen frische Dynamik, und die Band wirkt eingespielter denn je. Am Ende bleibt das Gefühl, einmal kurz abgehoben zu sein – ein Set, das nicht nur laut, sondern auch packend und präzise ist. Giöbia beweisen in Dresden, dass sie ihr Publikum immer noch in neue Soundgalaxien schicken können – ganz ohne Tricks, nur mit purer, elektrischer Energie.

Giöbia, HPSF 2025 Dresden, Pic by Big Simonski

Schon bevor Mephistofeles die Bühne betreten, liegt spürbare Spannung in der Luft. Viele sind genau ihretwegen gekommen – und als das argentinische Trio endlich loslegt, wird klar, warum. Innerhalb weniger Sekunden verwandelt sich die Chemiefabrik in ein loderndes Doom-Inferno. Gabriel Ravera (Gesang, Gitarre), Ismael Dimenza (Bass, Effekte) und Luca Frizza (Schlagzeug) liefern einen Sound, der alles überrollt: schwer, verzerrt, kompromisslos. Von der ersten Note an lodert das „Höllenfeuer“ ihrer Musik – ein massiver Mix aus finsteren Riffs, zäh fließenden Grooves und Lyrics, die von Drogen, Dunkelheit und Versuchung erzählen. Der Stil erinnert an Black Sabbath, Sleep und Electric Wizard, doch Mephistofeles klingen noch roher, unmittelbarer, gefährlicher. Die Songs ziehen sich wie Rauch durch den Raum, basslastig, dicht, fast körperlich spürbar.

Gabriel Ravera steht vorn im Nebel, die Gitarre tief gestimmt, die Stimme kratzig und beschwörend. Neben ihm schiebt Ismael Dimenza mit schwerem Bassdruck, während Luca Frizza, im Nebel kaum sichtbar, das Ganze mit einem präzisen, fast stoischen Schlagzeugspiel zusammenhält. Das Publikum lässt sich willig mitziehen. Zwischen Doom-Trance und unheilvollem Groove entsteht eine dichte Atmosphäre – düster, hypnotisch, elektrisierend. Nach rund einer Stunde endet das Set ohne viel Ansage, aber mit Nachhall. Mephistofeles beweisen, dass sie zu Recht als eine der stärksten Stoner-Doom-Bands gelten. Ihre Musik ist tatsächlich „Poison“ – giftig, verführerisch und verdammt wirkungsvoll.

Mephistofeles, HPSF 2025 Dresden, Pic by Big Simonski

Zum Abschluss des ersten Festivaltages übernehmen Rotor aus Berlin die Bühne. Rotor drehen hier und jetzt ihre Instrumente auf volle Kraft. In Berlin gibt es für Rotor allerdings morgen keinen Landeplatz, daher ist die Show hier heute in Dresden exklusiv. Von der ersten Sekunde an wird klar: Gesang braucht es hier nicht. Gitarren, Bass und Schlagzeug liefern alles, was man für ein intensives Stoner-Erlebnis braucht. Die vier Musiker bringen ihre Songs mit Präzision, Spielfreude und einem unbändigen Drive auf die Bühne. Jeder Ton sitzt, jeder Übergang wirkt organisch, und trotzdem spürt man die rohe Energie, die in jedem Riff steckt.

Rotor erzählen mit reiner Instrumentalmusik packende Geschichten: Mal rollt ein schwerer Doom-Groove durch den Raum, dann schweben die Gitarren in hypnotischen, fast psychedelischen Mustern. Die Dynamik zwischen getragenen Passagen und eruptiven Ausbrüchen hält die Spannung konstant hoch. Das Publikum reagiert begeistert: Köpfe nicken, Körper wippen, man lässt sich einfach von den rotierenden Soundwellen mitziehen. Aktuell sind Rotor als Quartett unterwegs. Ob drei oder vier Rotoren, abheben tun sie auf jeden Fall. Die Band ist mittlerweile bei Album Nummer Sieben angekommen – ja, Rotor nummerieren ihre Alben tatsächlich schlicht und beweisen damit ihre Konstanz. Die Stücke wirken abgerundet, das Zusammenspiel sitzt, und dennoch bleibt alles frisch und lebendig – ein Beweis dafür, dass Rotor trotz langer Bandgeschichte nichts von ihrer Energie eingebüßt haben. Als die letzten Töne verklingen, bleibt ein intensives Nachhallen. Rotor schaffen es, ohne Worte, nur durch Klang, das Publikum in andere Sphären zu katapultieren. Ein würdiger Abschluss für einen ersten Festivaltag voller abwechslungsreicher, starker Bands – und ein Set, das noch lange nachklingt.

Rotor, HPSF 2025 Dresden, Pic by Big Simonski

So endet ein rundum gelungener, spannender Abend voller abwechslungsreicher Bands, die den ersten Tag des Festivals zu einem echten Erlebnis machen. Die Sets waren energiegeladen, überraschend und haben die Chemiefabrik in verschiedene Klangwelten entführt. Wir blicken schon gespannt auf den kommenden Tag – doch bevor es morgen weitergeht, müssen wir diesen ersten Festivaltag noch einmal musikalisch nachklingen lassen. Vielleicht mit einem Absacker … oder waren es doch zwei?

Heavy Psych Sounds Fest – Tag 2

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