Heavy Psych Sounds Fest am 24.10. und 25.10.2025 in Dresden – Tag 2

Das Stoner Label-Kultfestival zum fünften Mal in Deutschland

Eventname: Heavy Psych Sounds Fest

Bands: Rotor, Mephistofeles, Giöbia, Ananda Mida, Litania, Weedpecker, Tons, Wyatt E., Fvzz Popvli, Komatsu

Ort: Chemiefabrik, Petrikirchstr. 5, 01097 Dreden

Datum: 24.10. – 25.10.2025

Kosten: 2-Tages-Ticket 60,50 €, Tagestickets jeweils 35,20 € (zzgl. Gebühr)

Genres: Stoner Rock, Acid Rock, Psychedelic, Doom, Heavy Rock, Rock

Link: https://www.facebook.com/events

Hier kommt ihr zum Bericht des ersten Tages mit Rotor (D), Mephistofeles (ARG), Giöbia (ITA), Ananda Mida (ITA) und Litania (ITA).

Heute werden Weedpecker (POL), Tons (ITA), Wyatt E. (BEL), Fvzz Popvli (ITA) und Komatsu (NL) die Wände der Chemiefabrik endgültig zum Einsturz bringen.

Den Tag haben wir dafür genutzt, um uns ein paar Sehenswürdigkeiten in Dresden anzuschauen. Am späten Nachmittag dann wieder rüber in die Chemiefabrik!

Komatsu stehen heute als Opener des zweiten Abends des Heavy Psych Sound Festes in der Chemiefabrik Dresden auf der Bühne. Die niederländische Band aus Eindhoven – Mo Truijens (Gesang, Gitarre), Martijn Mansvelders (Bass) und Jos Roosen (Schlagzeug) – war bis zum Album Rose Of Jericho sogar als Quartett unterwegs. Allerdings wurde das brandheiße Album Breakfast For Champions aus diesem Jahr bereits als Trio eingespielt. Komatsu zeigen sich heute Abend sehr spielfreudig und voller Energie. Seit ihrer Gründung 2010 hat die Band eine beachtliche Entwicklung durchlaufen: vom noch groovigen, fast punkigen Stoner-Rock der frühen Jahre hin zu einem schwereren, atmosphärischeren Sound, der heute deutlich wuchtiger klingt.

Die Geschichte von Komatsu ist eng mit ihrer stetigen Wandlung verbunden. Ihr Debüt Manu Armata (2013) brachte sie erstmals auf die europäische Heavy-Rock-Landkarte – roh, laut, direkt. Mit Recipe For Murder One (2016) folgte dann der internationale Durchbruch: eine Tour mit den Truckfighters und John Garcia, und ein Sound, der sich zwischen Desert-Riffs und Sludge-Groove festsetzte. Nach einer Umbesetzung und der Entscheidung, als Trio weiterzumachen, erschien 2025 schließlich A Breakfast For Champions – ihr bislang konzentriertestes Werk, geprägt von wuchtigem Minimalismus und feiner Produktion. Nicht vergessen sollte man Rose Of Jericho, eines meiner Top-Alben aus dem Jahr 2021. Live spürt man all diese Stationen. Die drei Musiker spielen nicht nur Songs, sie verkörpern ihre Entwicklung: von der rohen Energie der Anfangsjahre bis zur kontrollierten Wucht der Gegenwart. Der Sound ist dicht, aber nicht überladen. Das ist doch eine Menge Kraft, die das Trio erzeugt. Komatsu wirken heute wie eine Band, die sich gefunden hat. Sie wirken geerdet, kompromisslos und in bestechender Form.

Komatsu, HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Nun sind die Italiener Fvzz Popvli dran, die bereits bei meinen Freunden von Vinyl4Charity e.V. in der Vergangenheit in Trier gespielt haben. Das Trio betritt die Bühne in der Chemiefabrik entspannt, sympathisch und mit spürbarer Spielfreude. Schon beim Soundcheck zeigen die drei Italiener, dass sie mehr können als nur Fuzz und Groove: Zwischen dröhnenden Riffs und Bassläufen lassen sie ein paar jazzige Töne erklingen, locker improvisiert, fast scherzhaft, und wirken dabei unglaublich cool. Pootchie (Gitarre, Gesang), Alex (Bass) und George (Schlagzeug) sind ein perfekt eingespieltes Trio – lässig, souverän und sichtbar mit Spaß bei der Sache.

Fvzz Popvli, HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Sobald das Set beginnt, füllt sich der Raum mit warmem, verzerrtem Sound und hypnotischem Groove. Pootchie grinst, Alex nickt im Takt, George treibt die Band mit präzisem, aber spielerischem Schlagzeugspiel an. Es ist kein Showgehabe, sondern pure Energie und Freude am Musizieren. Das Publikum spürt das sofort – man sieht überall wippende Köpfe und zufriedene Gesichter. Seit ihrer Gründung 2016 haben sich Fvzz Popvli von rohem Garage-Rock über psychedelische Klangexperimente bis hin zum vielseitigen Album Melting Pop (2025) entwickelt. In Dresden zeigen sie, warum sie sich in der europäischen Heavy-Psych-Szene fest etabliert haben: laut, tight, charmant – und mit einer Coolness, die ganz ohne Pose auskommt.

In den Pausen, wie gestern auch, immer mal wieder an die Merchstände der Bands und die Vinyls einsammeln. Mit Komatsu-Schlagzeuger Joos Rosen unterhalte ich mich über dessen Zeit bei Pendejo (er hat die ersten beiden Alben eingespielt).

Impressionen, HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Der nun kommende Act ist wirklich ganz anders, als alles andere zuvor, denn das sind nun Wyatt E.! Beim Soundcheck stehen die Belgier noch „unmaskiert“ auf der Bühne, ruhig und konzentriert, doch als sie wenige Minuten später in ihren langen, mystischen Roben erscheinen, bricht tosender Applaus aus. Wyatt E. sind einzigartig, weil sie das Konzept von Doom-, Drone- und Psychedelic-Rock völlig neu denken. Statt klassischer Songstrukturen entfalten sie Klanglandschaften, die an alte Mythologien, Wüstenrituale und meditative Trance erinnern. Die Band vereint den tonnenschweren Druck des Doom mit den mystischen Klangfarben des Nahen Ostens – langsame Rhythmen, endlose Wiederholungen, archaische Harmonien. Die Stücke sind wie Gebete: hypnotisch, zeremoniell und zugleich intensiv körperlich.

Auf der Bühne in Dresden entfalten Gitarren, Bass und Percussion eine wuchtige Klangwelle, die das Publikum still werden lässt – und bei den wenigen Songpausen mit frenetischem Applaus beantwortet wird. Wyatt E. spielen nicht einfach Songs, sie zelebrieren Klangrituale. Inmitten eines energiegeladenen Festivalprogramms schaffen sie einen Moment der Entschleunigung, der die Zuschauer in eine andere Welt zieht. Ihr Auftritt ist intensiv, geheimnisvoll und unvergesslich – ein Erlebnis, das in Dresden deutlich macht, warum diese Band so außergewöhnlich ist. Nach dem Gig der Belgier ist es nicht einfach, wieder „runterzukommen.“

Wyatt E., HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Wer die nun aufspielende Band Weedpecker nicht kennt, könnte beim Lesen des Namens andere musikalische Assoziationen haben. Tatsächlich stammen Weedpecker aus Warschau (Polen) und wurden 2012 von den Brüdern Piotr und Bartek Dobry gegründet. Trotz des augenscheinlich humorvollen Namens liefern sie einen dichten, atmosphärischen Psychedelic-Stoner, der auch doomige Passagen enthält und von fließenden Gitarrenlinien, Bass und Schlagzeug geprägt ist. Über die Jahre haben sie ihren Sound kontinuierlich weiterentwickelt, besonders deutlich auf Alben wie II (2015), III (2018) und IV: The Stream Of Forgotten Thoughts (2021), in denen sich ihr Stil von rohem Stoner-Rock zu einer komplexeren, hypnotischen Klanglandschaft wandelt. Live zeigt sich diese Musik dicht und intensiv, bleibt dabei aber immer kontrolliert und klar strukturiert. Der Auftritt von Weedpecker folgt direkt auf den von Wyatt E., was natürlich kein leichtes Los ist – eine echt hohe Messlatte für die Band. Doch Weedpecker lassen die Musik für sich sprechen. Ich muss gestehen, dass ich selbst während ihres Sets noch von Wyatt E.s Gig zehre und leicht benebelt bin – der dichte Bühnennebel verstärkt diesen Eindruck noch zusätzlich.

Weedpecker, HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Den heutigen Headliner habe ich erstmals beim ersten deutschen Heavy Psych Sounds Fest 2019 in Berlin als Opener gesehen – jetzt wird es hier in der Chemiefabrik Dresden tonnenschwer. Die Italiener Tons aus Turin gehen gleich in die Vollen. Das Quartett eröffnet mit riffgewaltigem Sludge/Doom, druckvoll, dicht und kompromisslos. Der Sound ist heute Abend richtig gut abgemischt, jeder Ton(s) sitzt, und die Musik der vier Italiener bildet einen würdevollen Abschluss dieses zweitägigen Festivals. Tons überzeugen auf ganzer Linie: Ihr Sludge/Doom ist kraftvoll, hypnotisch und unaufhaltsam – ein Erlebnis, dem man sich kaum entziehen kann. Die vier Musiker zeigen deutlich ihre jahrelange Bühnenerfahrung.

Tons, HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Es sind diese Filthy Flowers Of Doom (Albumtitel von 2018), die den Sound der Band auf den Punkt bringen: wuchtige Riffs, dröhnender Bass, treibendes Schlagzeug und eine Mischung aus hypnotischen Passagen und brachialer Härte. Live entfalten ihre Songs eine noch größere Wucht, als es die Platte ohnehin schon andeutet. Dass Tons mittlerweile eine feste Größe in der Szene sind, merkt man sofort. Wer schon mit Bands wie Bongzilla, Weedeater, Church Of Misery, Unsane, Napalm Death, Karma To Burn, Big Business, Kylesa, Lesbian, Pentagram, Naam, Fatso Jetson oder Yawning Man die Bühne geteilt hat, kann sich ohne Zweifel sehen und hören lassen – und genau das beweisen sie heute Abend. Am Ende des heutigen Abends steht ein grandioses Riff-Inferno, ein würdiger Abschluss für das Heavy Psych Sounds Fest in Dresden, der die beiden Festivaltage noch einmal in purer Klanggewalt zusammenfasst.

Impressionen, HPSF Dresden 2025, Pic by Big Simonski

Nach dem letzten Riff geht es dann ab ins Hotel – quasi nur noch hinfallen und die Beine hochlegen. Die letzten musikalischen Absacker in Dresden müssen schließlich gebührend gefeiert werden!

Ein herzliches Dankeschön an Sven und Elbsludgebooking, dass wir wieder dabei sein durften. Es war uns eine echte Ehre, und wir kommen gerne wieder. Für ein so tolles Festival nehmen wir die 500 km Anreise jederzeit gerne in Kauf.

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