An der Kieler Bucht ist es ja nicht nur optisch schön und es findet dort die jährliche Kieler Woche statt. Nein, auch die Störche schlagen sich mehr schlecht als recht in der zweiten Bundesliga herum. Und außerdem rumort es dort ganz schön, denn aus irgendwelchen Winkeln der Stadt kann man immer wieder ambitionierten Lärm hören. Wenn dieses eintritt, scheinen die Burschen von Extinct wieder am Proben zu sein. Seit 2003 sind die Burschen nun auch schon dabei und haben immer noch ordentlich Spaß an der Sache, auch wenn man ihnen nicht gerade unterstellen kann, dem Veröffentlichungswahn verfallen zu sein. Erst 2013 kam das Debüt, 2021 folgte eine EP und 2024 Album Nummer zwei namens Incitement Of Violence. Und jetzt schon Album Nummer drei namens In Conspiraces We Trust. Was ist da denn los?
Natürlich der dreschende Hammer. Thrash Metal stand von Anfang an auf ihrer Agenda und davon weichen sie natürlich auch kein Stück ab, und das ist auch gut so. Los geht es mit The Conservative Reactionary Wokeness Strikes Back. Und los geht es mit ruhigen und melodischen Klängen. Es wird atmosphärisch im Hintergrund, während die Gitarre im Vordergrund weiterläuft. Aber nach kurzer Zeit ist es auch vorbei mit der vorweihnachtlichen Gemütlichkeit und es wird eben der Dreschhammer herausgeholt. Man knüppelt drauflos, als gäbe es keinen Morgen mehr. So geht es eigentlich immer weiter und weiter. Allerdings baut man immer wieder Verschleppungen mit ein, auch ein Solo darf nicht fehlen. Das Riffing ist absolut amtlich. Nach ca. 150 Sekunden lässt man dann den moshigen Groove für sich sprechen und auch dieser macht Laune. Diesen zieht man ziemlich in die Länge, variiert aber dabei. Dann die Gitarre vorweg, Drums dazu. Break und ab nach vorne. Beim Thrash Metal wird gedroschen. Allerdings nur ganz kurz, denn dann ist der Spaß auch vorbei. Macht Laune, auch wenn man natürlich nicht wirklich etwas Neues geboten bekommt. Aber will man das im Thrash Metal eigentlich?
Auch bei Wladon In Wonderland holt man gleich zur Attacke aus. Kurze Einleitung und dann Gummi. Kurze Zeit später startet man aber schon einen Angriff auf die Beine und lädt zum Tanzen ein. Schöner Moshpart. Okay, nicht wirklich originell, aber effektiv. Den ganzen Spaß wiederholt man dann und liefert dann einen rifforientierten Midtempopart, um kurze Zeit später wieder den Knüppel sprechen zu lassen. Der nachfolgende, mit Mehrfachgesang ausgestattete Part hat es absolut in sich. Nun lassen sie es mit einem Solo und einem langsamen, groovenden Part etwas ruhiger angehen. Gerade der langsame Part lädt zum Mitschreien ein, sofern man den Text kann. Das Teil wird sicherlich live sehr gut funktionieren. Ist aber ziemlich ausgereizt. Cooler Basseinsatz und dann baut man den Part auf, wird schneller, holt am Ende noch einmal den Teufel aus den Drums und ballert schön herum.
March Of The Extinct Squad geht bestimmt heraus an die Extinct-Meute, die gerne mal das Tanzbein schwingt, denn der Song ist moshig und groovig. Auch wieder so ein Ding, welches live gut funktionieren wird, da bin ich mir sicher. Mit den Gangshouts im Gepäck kann man ja immer die Meute mitnehmen. Gut so. Das Tempo wird auch noch verändert.
Mit Bullshit Priorities schlägt man dann einen anderen Weg ein bzw. erweitert seinen Input. Atmosphärische Cleanklänge mit cleanem, aber choralischem Gesang. Danach entwickelt sich das Ding aber zu einer typischen Extinct-Nummer, bis man dann ein Break einbaut. Die Drums spielen Einzelschläge und auch die Gitarre schreddert mit Pausen. Dazwischen erklingt immer wieder ein aggressiver Schreigesang. Der ganze Song ist etwas anders, wie ein kleines Experiment, welches aber gut funktioniert und die Trademarks der Band nicht vergessen lässt. Melodisches Lead, ein fettes Solo und am Ende noch einmal eine cleane Passage und ein interessantes Songwriting. Da haben sie sich was einfallen lassen.
Das moshige Egoplasma führt uns dann wieder auf normale Kieler Wege. Das groovt, zwickt und drückt an allen Ecken. Zieht sich aber auch wie ein Kaugummi hin. Immer wieder kann man aber Egoplasma mitschreien. Das Tempo wird nur kurzfristig erhöht, aber auch nur im Drummingbereich. Nach 150 Sekunden dann doch eine Explosion im Midtempobereich. Jo, das schockt. Ein wildes Solo muss hinterher und nun wird auch der Drummer von der Leine gelassen, aber kurze Zeit wieder eingeholt. Im aggressiven Midtempo wird das Ding fach- und sachgerecht in den Hafen geschleppt.
In Conspiraces We Trust, der Namensgeber, ist dann eine sehr straighte und geile Nummer. Hier hört man den Einfluss der Achtziger sehr deutlich. Eigene Ideen sind auch dabei. Ansonsten mischt man halt Teutonen und Bay Area ganz geschickt zu einem guten Songwriting.
Den melodischen Anteil haben sie ein wenig erhöht, besonders bei Seizure Of Power.
Hier geht es für weitere Informationen zu Extinct – In Conspiraces We Trust in unserem Time For Metal Release-Kalender.



