Erbarmen, zu spät, die Hessen kommen. Diese Aussage kann wahrscheinlich überhaupt kein Frankfurter mehr hören, ist aber ein hervorragender Einstieg und eine Steilvorlage für ein Review einer hessischen Formation. 2014 startete man als Devil Wrath und nannte sich 2015 dann in Magefa um. Ein Jahr später erschien ein Demo und es folgten bis 2021 noch zwei EPs. Der Veröffentlichungswahn hat also Grenzen. Jedes Jahr brachte man eine Single raus, und nun hat man es endlich geschafft, ein Full Length fertigzustellen. Dieses hört auf den Namen Legion und wurde in Eigenregie rausgehauen.
Wer sich ein bisschen im deutschen Underground oder allgemein mit Death Metal beschäftigt, dem sollte aufgefallen sein, dass die Burschen recht agil sind und sich ranmachen, die Unterwelt aufzuwühlen. U. a. Konzerte mit Obituary können da nicht schaden.
Und der Opener Legion macht gleich klar, wohin die Reise geht. Ein kleines hypnotisches Riff zu Beginn und dann startet die old schoolige Seelenwanderung. Langsam und drückend. Groovig geht man zur Sache und wechselt dann ins schnelle Midtempo. Den Drive und den Groove behält man bei, erhöht aber eben das Tempo und liefert hervorragende Gitarrenarbeit ab. Die Vocals sind schön tief, so, wie sie sein sollen. Ein abgehackter Refrainpart mit Gesangpart hebt die Stimmung. Ein schönes Solo darf nicht fehlen und dieser Refrainpart folgt wieder. Diesen kann man schön mitschreien und er endet auf Kill. Der hypnotische Anfang wird wieder eingebaut und man groovt sich noch kurz einen, bevor man dann noch einmal diesen geilen Refrainpart, so nenne ich ihn mal, wiederholt. Der Song wird noch einmal midtempolastig und groovig und endet dann im old schooligen Uptempo. Guter Einstieg, gelungene Mischung aus Rhythmus- und Geschwindigkeitsveränderungen. Auch der Gesang wechselt zwischen Growls und aggressiven Screams hin und her.
Und auch der nachfolgende Song Death Waltz schwimmt in diesem Fahrwasser weiter, ist aber noch einen Ticken schneller als der Opener. Auch hier mischt man wieder sach- und fachgerecht. Sehr geil. Das Tempo wird dann sogar ganz herausgenommen, die Gitarre spielt kryptisch vor und man startet das Rennen von vorne. Fetter Midtempogesang mit doppeltem Gesang und dann geht es ab ins Geballer. So mag ich das. Dabei klingt man zu keiner Zeit stumpf, sondern zeigt sich absolut fit an der Instrumentenfraktion. Hier geht es hin und her und man spielt schön mit dem Tempo. Das hat alles Hand und Fuß und man kann durchaus von einem gelungenen Songwriting sprechen. Mit fast fünf Minuten vielleicht schon fast zu lang. Den letzten Durchgang hätte man sich vielleicht sparen können, aber das ist natürlich Geschmackssache und Jammern auf hohem Niveau. Ansonsten ist Death Waltz eine reine Todeswalze.
Nicht nur Pathology Calls zeigt auf, warum sie bei Obituary mitzocken konnten, denn irgendwie haben sie diesen groovigen Grundgedanken in sich, entwickeln diesen aber anders als die Amerikaner. Sicherlich hat man dieses Gespür dafür in deren Death-Metal-DNA, aber eben nur bedingt. Sie hauen eine Schippe Gewalt mit drauf und kombinieren dann eben diese Eigenschaften.
Auch wenn man das Tempo erhöht und verschärft, bleibt man aber immer in old schooligen Gewässern, wie z. B. bei Rotting Away. Hier kombiniert man eben diese groovigen Attacken mit Uptempo und technischen Spielereien. Dieses wilde Solo, welches dann in einem kleinen Prügeldrama endet, hat absolut was, und man hört heraus, dass die Frankfurter Jungs auch eine gute Nase haben, wenn es darum geht, gute und geile Parts geschickt miteinander zu verbinden. Ja, das macht Laune.
Diese groovige Grundeinstellung, auch wenn ich mich jetzt wiederhole, hat es echt in sich, wie zum Beispiel bei Back From The Front. Gerade am Ende kann man wieder schön mitbölken. Ich glaube, man hört da Front heraus. Bei tiefem Gesang ist es ja immer so ein Problem, hehe, auch wenn ich mich da als Halbprofi bezeichnen würde, um dieses herauszuhören.
Beim nachfolgenden Bombs Over Europe zeigt man sich dann wieder von der aggressiven Seite und man hört hier durchaus heraus, dass eine weitere amerikanische Band durchaus das eine oder andere Mal in deren Proberaum gelaufen ist. Cannibal Corpse dürften die Vinylrotation wahrscheinlich auch ein wenig angekurbelt haben. Feiner, rasanter Song mit fettem Soloteil, welcher zudem noch richtig düster klingt.
Hinzu kommt eine wirklich fette Produktion. Ich weiß gar nicht, warum sie keinen Deal haben, aber ich könnte mir vorstellen, dass sich dieses jetzt ändern wird. Wenn ich raten und tippen würde, wäre Testimony Records dafür absolut geeignet. Man wird abwarten. Bis dahin, kann man ja noch öfter die Legion hören. Es lohnt sich.
Hier geht es für weitere Informationen zu Magefa – Legion in unserem Time For Metal Release-Kalender.



