Fleshcrawl – Epitome Of Carnage

Die letzte Veröffentlichung der Bayern war im Jahre 2019 und irgendwie hat man gehofft, dass es, nach dem traurigen Tod des Sängers Sven doch irgendwie weitergeht. Nicht nur Drummer Bastian hatte damit zu kämpfen, aber es muss ja irgendwie weitergehen. Das hätte der von uns allen geschätzte Svenson auch so gewollt. So suchte man sich einen neuen Sänger und hat in Borisz, der in Ungarn lebt, einen passenden gefunden. Aber auch ansonsten ist so einiges passiert. Beide Gitarristen wurden gewechselt und so machte man sich dran, neues Material zu kredenzen. Am 12.06.2026 erblickte dann Epitome Of Carnage, das zehnte Album der Band, das Licht der Welt.

Nach sieben Jahren nun ein neues Lebenszeichen tonträgerischer Natur von Fleshcrawl, und natürlich achtet oder hört die ganze Death-Metal-Gemeinde darauf, wie Borisz, der neue Frontmann, die Sache so gestaltet. Ich habe sie natürlich jetzt auch schon das eine oder andere Mal ohne Sven gesehen und wusste also, was auf mich zukommt, aber aufgenommen klingt das dann ja doch noch einmal anders. Aber man muss sich natürlich keine Sorgen machen. Es geht zwar ein wenig anders zu Werke, aber er macht seine Sache wirklich gut. Die Growls sind etwas tiefer und die Screams oder höheren Passagen nicht so akzentuiert wie bei Svenson, aber jeder hat ja seine eigene Phrasierung und die von Borisz passt auf jeden Fall zu Fleshcrawl. Einen Sven kann und will er natürlich auch nie ersetzen und ja, es ist für mich als Zuhörer noch schwierig, die Band ohne den geschätzten Genossen zu hören. Die Fußstapfen sind groß, aber er macht es echt gut. Und das reicht auch zum Thema Gesang, denn schließlich gibt es auch 12 neue Stücke instrumental zu hören.

Die beiden neuen Gitarristen bringen noch einmal frischen Wind in die müden Knochen der beiden Übergebliebenen, aber ansonsten hat sich nicht viel verändert und das ist natürlich gut so, schließlich erwartet man von Fleshcrawl nichts anderes als schwedisch angehauchten Death Metal und den bekommt man.

Gleich der Opener Blood Dominion kommt mit voller Inbrunst aus den Boxen geballert. Kein Intro, keine Vorwarnung, nein, gleich volle Attacke. Hier bleibt kein Auge trocken. Der HM2-Gitarrensound sägt an allen Bäumen und bahnt sich gnadenlos den Weg. Bastian steigt sofort mit derbem Geknüppel ein und ballert alles kurz und klein. Borisz screamt darüber und schon bin ich auf Stimmung und in Partylaune. Hier wird gleich klargemacht, dass die Burschen nicht lockerlassen wollen und kein bisschen Bock haben, auf die Bremse zu treten. Wie ein rasanter Zug jagt man drauflos und selbst der groovige Mittelpart ist aggressiv. Kleine Stop-and-go-Parts mit eingebaut und natürlich auch ein wildes Solo. Das hat alles Hand und Fuß und ganz viele Grüße gehen natürlich in Richtung Schweden. Dismember und Entombed lassen immer noch grüßen, und das ist verdammt noch mal richtig so. Am Ende wird dann erneut das große Blutbild durcheinandergebracht und der Knüppel kommt noch einmal zum Einsatz.

Die Burschen konnten schon immer diesen Spagat zwischen knüppeligen Songs und eben diesen schleppenden, aber heftigen Einheiten, in denen man ein wenig grooviger und sachter vorgeht, wie zum Beispiel beim Song Chapel Of Guts. Sachter nur in Bezug auf das Thema Geschwindigkeit, ansonsten ist man natürlich brutal und intensiv unterwegs. Hier legt man ein wenig mehr Wert auf atmosphärische Klänge. Eine Melodie wird zersägt und dann, nach circa 150 Sekunden, kommt eben genau das, was ich von dieser Art von Mucke erwarte. Die Gitarren spielen vor und dann kommt die große Vernichtungswelle auf einen zu. So will ich es haben. Solche Parts zaubern einem Death-Metal-Fan das Lächeln ins Gesicht. Mit fetten Riffs agiert man nun weiter und hält das Aggressionslevel hoch. Der Bass brummt auch wild herum und kommt gut zur Geltung und passt natürlich absolut zum HM2-Sound. So klingt man weiterhin hart und entschlossen. Dann spielt die Gitarre noch einmal vor, der Knüppel kommt erneut richtig kurz zum Vorschein. Aber eben nur kurz, dann wird es noch einmal atmosphärisch. Bei diesen dann langsameren Sequenzen erzeugt man aber eine dunkle Stimmung und Bösartigkeit, welche es in sich hat.

Fleshcrawl erfinden sich und den Death Metal absolut nicht neu, das ist klar, aber die begrenzte Spielwiese, die zur Verfügung steht, wird absolut ausgenutzt. Die Roots der Bands sind unüberhörbar und vor allem spürbar, und wohl kaum eine Band außerhalb Schwedens zieht dieses Ding seit Jahrzehnten so durch wie Fleshcrawl. Hört euch einfach mal den Song Grave Messiah an und ihr wisst, was ich meine. Wer Innovationen möchte, kann gerne woanders hingehen. Wer auf straighten und geilen schwedischen Death Metal mit einigen Heavy-Metal-Zutaten abfährt, wird auch dieses Album lieben.

Ob man sich jetzt durch das Universum knüppelt oder eben einfach nur atmosphärisch groovt, so wie bei Embers Of Wrath zum Beispiel, spielt dabei im Grunde auch keine Rolle. Die melodischen Leads sind hier einfach nur geil. Und eben dieses Sägen der Gitarren. Nach einem Stopp und einem Bassvorspieler habe ich zum Beispiel einen Ballerpart erwartet, aber sie wiederholen den kongenialen melodischen Part noch einmal und bleiben dabei intensiv und extrem.

Und danach gibt es dann wieder mit Committed To Suffer ordentlich Haue, aber auch hier wird es atmosphärisch und groovig. Schönes Ding. Das Solo fetzt ohne Ende.

Mit dem instrumentalen Stück Chronicles Of Bloodshed hat man quasi das Intro auf später verlegt, um dann mit Rebuilt From Flesh wieder die volle Attacke zu fahren.

Und so geht es weiter und weiter, und was soll ich sagen: Das Ding gefällt mir absolut und ich bin mehr als zufrieden mit Bastian und seinen Jungs. Ich habe geilen Death Metal erwartet und ich habe genialen Death Metal bekommen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Fleshcrawl – Epitome Of Carnage in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Fleshcrawl – Epitome Of Carnage
Fazit zu Epitome Of Carnage
Der Wechsel an den Gitarren hat den Jungs von Fleshcrawl keineswegs geschadet. Frisch und wütend klingen diese fanatischen Anhänger des schwedischen Death Metal, und genauso habe ich es erwartet. Kompromisslos und aggressiv, aber eben auch diese Hand für atmosphärische Momente, welche sehr intensiv und düster daherkommen. Sänger Borisz, der ein hartes Los hat, macht seine Sache wirklich sehr gelungen. Natürlich thront über allem der HM2-Gitarrensound, den ich ja auch so schätze und liebe, und trotz des eingeschränkten Korridors, in dem man sich eben als Band dieser Spielart befindet, zeigen sich die Burschen absolut variabel. Man ist und bleibt eben alte Schule, klingt aber absolut frisch. Kaufempfehlung.

Anspieltipps: Blood Dominion und Embers Of Wrath
Michael E.
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