Temple Of Dread – Dreadspawn Dominion

07.08.2026 - Death Metal - Testimony Records - 40:20 Minuten

Da sind sie wieder, die fleißigen Ostfriesen mit dem Nagel im Auge. Letzteres trifft wohl nur auf Mastermind Markus Bünnemeyer zu, denn er stammt ja von der Insel Spiekeroog. Den Namen der Insel könnte man mit „Nagel im Auge übersetzen“ und so schließt sich der Kreis. Auf jeden Fall sind die Ostfriesen eine Band, deren Bekanntheitsgrad in den letzten Jahren unheimlich gestiegen ist, und das auch zu Recht, denn alle fünf Alben, die bis 2024 erschienen sind, haben es in sich. Seit 2024 spielen sie auch live und mittlerweile agiert man auch zu fünft. Es tut sich was im Hause Temple Of Dread. Markus hat wieder seine Finger flitzen lassen und nun erwartet uns Album Nummer sechs namens Dreadspawn Dominion. Und natürlich hat man wieder im Soundlodge Studio aufgenommen. Schon praktisch, wenn der Drummer ein eigenes Studio hat.

Mit einem obligatorischen, anmutigen und zur textlichen Thematik passenden Intro namens Wings Of Immortality bereitet man die Hades-Freunde auf das vor, was noch kommen mag.

Das Zauberspiel fängt dann mit Dreadspawn Dominion, dem Namensgeber des Albums, an. Wer jetzt zu Beginn gleich ein Feuerwerk erwartet, dem sei gesagt, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, aber es wurde erbaut. So ist es auch hier mit dem Feuerwerk. Es geht sperrig los, aber nach einigen Sekunden setzt man gemeinsam ein und es geht ab. Herrlich. Jens schreit sich wieder die Seele aus seinem Alabasterkörper und gibt Vollgas. Thrashiges Riffing und ab auf die Zwölf. Kleines Solo mit eingestreut und nach ca. einer Minute nimmt man das Tempo heraus und bahnt sich langsam und groovig den Weg durch die Unterwelt. Das Ganze hat einen absoluten Achtziger-Flair und macht so was von Laune. Man baut eine gewisse Dunkelheit mit ein. Diese wird auch noch von der Produktion unterstützt. Dann dieser galoppierende, mit einem Solo versehene und melodische Wiederaufbau des Songs. Ach ja, Leute, das schockt ohne Ende. Natürlich nimmt man das Tempo auf. Zwischendurch heulen die Gitarren wieder auf, dann gibt es erneut die volle Attacke und am Ende steht der Gesang kurz alleine da. Ein absolut würdiges Ende eines gelungenen Openers. Thematisch geht es weiter um den Kampf zwischen Hades und Charon und der griechischen Unterwelt. Musikalisch mal wieder sehr stark umgesetzt.

Dass Kollege Bünne, seines Zeichens Songwriter Nummer eins auf Spiekeroog und bei Temple Of Dread, ein riesiger Fan von Chuck Schuldiner und Death ist, dürfte ja schon seit dem ersten Album namens Blood Craving Mantras bekannt sein. Diese Liebe wird beim Song Born To Rot durchaus noch einmal hervorgehoben. Alte Liebe rostet eben nicht. Diese Mischung aus technischen Elementen und oldschooliger Death-Metal-Attacke kommt immer wieder zum Punkt, obwohl man an einigen Stellen sehr verspielt rüberkommt, aber alles im Sinne des Songwritings. Gerade die Gitarrenarbeit ist schon eine Art Hommage, ohne sich beim Meister direkt zu bedienen, und natürlich gibt es auch hier absolut was auf die Glocke, das darf nicht fehlen. Der Songname alleine ruft ja schon Erinnerungen wach und beim Refrainpart Born To Rot darf man gerne mal seine Goldkehlchen bedienen und mitträllern.

Also alles beim Alten bei Temple Of Dread. Mitnichten, würde ich sagen, denn wieder einmal schaffen sie es, eine gewisse Weiterentwicklung einzubauen, aber trotzdem ihren eigenen Ansprüchen und ihren Roots treu zu bleiben. Die beiden Neuen haben schon am Songwriting mitgewirkt und dieses hat man auch ein wenig verändert.

Bei Hybrid Horde Eternal fegt man am Anfang so über das Feuer, dass das Fegefeuer erlischt. Oha, welch ein Wortspiel. Egal, die Mucke ist so gut, da kann man drüber weghören. Oldschooliger Death Metal mit thrashigem Gitarrenspiel, serviert im Uptempo. Nach einer Minute verschreibt man sich selbst ein Geschwindigkeitsverbot und liefert einen doomigen Part ab, der absolut düster, intensiv und vernichtend ist. Dann wird  der Song wieder mit wildem Gitarrenspiel aufgebaut, bis man erneut das Uptempo erreicht hat, und wechselt wild hin und her. Ja, was soll man da noch sagen? Einfach nur extrem geil. Die Riffs ziehen einem im positiven Sinne die Nägel aus den Füßen. Am Ende wird der Gesang ausgefadet und fertig. Ja, das kann man nicht nur so machen, das muss man so machen.

Und natürlich geht es immer so weiter und weiter. Wie gesagt, man versucht immer eine gewisse Weiterentwicklung zu gewährleisten. Im Vergleich zum genialen World Sacrifice geht man etwas indirekter, melodischer und dunkler an die Thematik heran, verliert dabei aber nie die Kontrolle, im Gegenteil. Total intensiv und bedrohlich, das ganze Szenario hier, und ich kann immer nie verstehen, woher gerade Songwriter Bünne immer wieder diese Ideen und Energie hat. Wie ich ihn kenne, hat er schon wieder 50 Riffs fürs neue Album.

Ist Bünne der Rogga Johansson von Spiekeroog? Man weiß es nicht, hehe.

Was auffällt und ins Gewicht fällt, ist meines Erachtens, dass sie, ich würde mal sagen, okkulter, aber auch ein wenig effektiver an die Schreibweise herangetreten sind, und das passt hervorragend, und natürlich sind das hier alles klasse Songs.

Hört euch einfach mal alleine den Mittelteil von Death March an. Der ganze Song ist geil und intensiv, aber der Part ist krass. Man walzt sich hier durch die Gegend und drückt die ansonsten kalte Stimmung. Lecker Ding.

Und wer auf extrem geile Gitarrenmelodien steht, sollte sich unbedingt Blood Pyre zu Gemüte ziehen. Diese sind beinahe schon im klassischen Sinne angelegt. Wunderbar. Aber auch hier gilt, dass der Rest des Songs auch absolut intensiv ist und alle Rädchen ineinandergreifen.

Auch die nachfolgenden Stücke Scorched By Cosmic Fire (absolutes Brett), Rites Of Blasphemy und Artisan Of Oblivion gehen runter wie Maschinenöl und werden die Fähre vom Charon wohl gut geölt über den Styx gleiten lassen.

Infernal Eternity beendet dann wieder den Spaß und wie auf jedem Album zeigen sie sich zum Schluss von ihrer experimentellen Seite, aber keine Sorge, das ist immer noch Death Metal pur, aber eben ein wenig verspielt und atmosphärisch.

Ich habe meine ostfriesische Brille zur Seite gelegt und komme trotzdem zum Entschluss, dass auch das sechste Album eine Pflichtveranstaltung ist.

Hier geht es für weitere Informationen zu Temple Of Dread  Dreadspawn Dominion in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Temple Of Dread – Dreadspawn Dominion
Fazit zu Dreadspawn Dominion
Sechstes Album im verflixten siebten Jahr, da gehen einem bestimmt schnell die Ideen aus? Nein, nicht bei Temple Of Dread, keine Sorge! Das ostfriesische Tee-Dreigestirn tritt ja seit längerem auch live auf und hat sich jetzt auch mit neuem Basser und Gitarristen verstärkt. Diese haben sich dann auch gleich am Songwriting beteiligt. Und wie immer hat man sich selber eine Weiterentwicklung auferlegt und diese wieder meisterhaft umgesetzt. Keine Ahnung, woher diese kreativen Strömungen herkommen, wahrscheinlich von der Nordseeluft. Auch auf Dreadspawn Dominion hört man eine kompromisslose Mischung aus oldschooligem Death Metal und Thrash Metal. Gefüttert mit einigen blackigen Zitaten, doomigen Aspekten und Blastbeatattacken. Alles wurde zu einem gekonnten Zusammenspiel aller Einheiten zusammengezimmert. Gesang, Riffs und Produktion – alles passt! Man klingt ein wenig kälter, ein wenig dunkler, ein wenig melodischer und ein wenig okkulter – aber man ist zu jeder Zeit kompromisslos, straight und intensiv. Der Kampf von Hades und Charon in der Unterwelt geht weiter und ihr müsst ihn unbedingt mitverfolgen. Pflichtkauf!

Anspieltipps: Dreadspawn Dominion, Hybrid Horde Eternal und Scorched By Cosmic Fire
Michael E.
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