System Of A Down am 10.07.2026 im Open Air Park in Düsseldorf 

Chop Suey! Mit Sommer-Open-Air und Zeitreisegefühl

Headliner: System Of A Down

Vorbands: Acid Bath, Queens Of The Stone Age

Ort: Open Air Park, Düsseldorf

Datum: 10.07.2026

Kosten: 107-210 €, je nach Kategorie

Genre: Alternative Metal, Nu Metal, Experimental Metal, Hard Rock, Progressive Metal

Besucher: 80.000 Besucher

Veranstalter: D.LIVE GmbH & Co. KG

Link: https://www.openairpark-dus.de/event/system-of-a-down

Setlist System Of A Down: 

  1. Soldier Side – Intro 
  2. B.y.o.b. 
  3. Suite-Pee 
  4. Chic ‚N‘ Stu 
  5. Prison Song 
  6. Violent Pornography 
  7. Aerials 
  8. I-E-A-I-A-I-O 
  9. Innervision 
  10. Darts 
  11. Genocidal Humanoidz 
  12. Needles 
  13. Deer Dance 
  14. Radio/Video 
  15. Dreaming (Bridge) 
  16. Hypnotize 
  17. Atwa 
  18. Bounce 
  19. Suggestions 
  20. Psycho (Mit Kraftwerks „Trans-Europa Express“ Snippet) 
  21. Chop Suey! 
  22. Lonely Day 
  23. Lost In Hollywood 
  24. Tentative 
  25. Spiders 
  26. Forest 
  27. Cigaro (With „Ballad Of My Cock“ Intro) 
  28. Toxicity 
  29. Sugar 

Nach gefühlt ewigen Zeiten der Abstinenz von Festivals und Konzerten – bedingt durch Familienzuwachs – ist nun der Abend vomSystem-Of-A-Down-Konzert in Düsseldorf gekommen und ich kann zum ersten Mal wieder Konzertluft und dann auch noch Open Air schnuppern.

Von mir – Nähe Düsseldorf und auf dem Land – ergeben weder öffentliche Verkehrsmittel noch Fahrgemeinschaften einen Sinn. Also ab ins Auto und schön über die A44 und über den Rhein. Ein paar wenige Fußgänger und Radfahrer lassen das nahende Open-Air-Gelände schon erahnen, und mein Navi verrät inzwischen ein leichtes Verkehrsaufkommen ab der Ausfahrt Messe. Na ja, “leichtes” Verkehrsaufkommen ist DAS nicht! Das Parkleitsystem scheint völlig kollabiert und ich frage mich, wieso? Eigentlich ist die Location perfekt an der Autobahn gelegen, ein großes Parkplatzangebot und ein mehrspuriges Straßensystem sollten doch die Besuchermassen bewältigen können. Irgendetwas scheint da nicht ganz geklappt zu haben – Frust kommt auf. Ringsum im Stau erblicke ich viele Fahrgemeinschaften, also sind es auch keine 80.000 Autos bei 80.000 Besuchern. Nun ja – nutzt ja nichts – alle müssen da jetzt durch.

Ich habe noch Glück und bin zumindest auf dem Gelände, während Acid Bath spielen. Viele versuchen zu dem Zeitpunkt noch immer, auf den Parkplatz zu kommen, und werden sogar teilweise Queens Of The Stone Age verpassen.
Das Gelände selbst erweist sich zu dem Zeitpunkt noch als entspannt weitläufig – klar, der Rest steht ja noch draußen – und vermittelt bei sonnigem Wetter ein tolles Open-Air-Festival-Feeling. Ganz entspannt kann ich den doomigen und abwechslungsreichen Songs von Acid Bath lauschen. Ich fühle mich schon jetzt Richtung 90er versetzt und frage mich, warum ich die Band vorher nicht auf dem Schirm hatte.

Bei einem noch sehr entspannten Gang über das Gelände checke ich die Futterbuden und Getränke aus. Gewohnt hohe Preise, aber viel Essensangebot und sehr viele Getränkestände. Hier scheint man auf den Ansturm der Massen vorbereitet zu sein. Leider gibt es kein alkoholfreies Bier, aber immerhin am Cocktailstand einen alkoholfreien Cocktail (Saftmischung mit 0,3L für 12 €) und einen Gin 0% Tonic (0,3 L für 10 €). Das sind für mich dann mal astronomische Preise und ich gehe mir lieber meine mitgebrachte Wasserflasche an einem der dafür eingerichteten Frischwasserbecken auffüllen. Gut, dafür muss man an der “Legebatterie” aus mobilen Toiletten und den Herren am runden Urinal vorbei, aber immerhin gibt es Wasser.

Zu Queens Of The Stone Age füllt sich das Gelände dann schon deutlich. Die Herren rocken ihre Klassiker und scherzen mit einem vom Publikum mitgebrachten aufblasbaren, überdimensionalen Penis. Irgendwie auch alles voll 90er. Die Zeit scheint heute einmal zurückgedreht.

System Of A Down – 2026 – Düsseldorf – Credit to Clemente Ruiz

Mit fast 30 Minuten Verspätung kommen dann endlich System Of A Down auf die Bühne. Inzwischen ist das Gelände mega voll und zeigt auch hier jetzt deutliche Grenzen bei den Menschenmassen. Von meinem Tribünenplatz kann ich die Bühne gut sehen, aber hinten im Innenraum in der Menge stehend, keine Chance. Auch der Sound verliert sich leider etwas. Vorne und Mitte gehen währenddessen richtig in den Partymodus über. Immer wieder gehen alle Blicke zum Himmel, denn die Nähe zum Flughafen Düsseldorf bietet den Anblick von Flugzeugen fast schon zum Anfassen. Was muss das für eine coole Momentaufnahme sein, wenn man aus so einem Flieger auf das System-Of-A-Down-Konzert blickt?

System Of A Down – 2026 – Düsseldorf – Credit to Clemente Ruiz

Das 90er-Feeling geht zum Millennial-Feeling über und das absolut abfeiernde Publikum zeigt selbst bei den schnellen Parts beeindruckende Textsicherheit. Immer wieder sind alle Hände in der Luft, alle hüpfen, tanzen und springen. Bei rhythmischen (Jump-)Parts bebt die Tribüne und ich denke nur: Hoffentlich hat jeder seinen Job gemacht und die Schrauben auch fest angezogen. Natürlich geht alles gut.  Vorne bilden sich immer mal wieder Moshpits und Circlepits.

System Of A Down verzichten an diesem Abend komplett auf lange Ansagen und lassen stattdessen die Musik sprechen. Nach dem kurzen Soldier-Side-Intro explodiert das Gelände förmlich mit B.Y.O.B. Spätestens jetzt gibt es kein Halten mehr. Die ersten Moshpits öffnen sich, überall fliegen Arme in die Luft und das Publikum schreit jede Zeile mit einer Intensität, als wäre die Band nie weg gewesen.

System Of A Down – 2026 – Düsseldorf – Credit to Clemente Ruiz

Was danach folgt, ist eine Reise durch nahezu alle Schaffensphasen der Band. Suite-Pee, Prison Song, Needles oder Suggestions zeigen die kompromisslose Härte der frühen Jahre, während Chic ‚N‘ Stu, I-E-A-I-A-I-O und Radio/Video mit ihrem typischen Wahnsinn zwischen Chaos, Humor und Genialität für unzählige grinsende Gesichter sorgen. Immer wieder staune ich darüber, wie mühelos Serj Tankian und Daron Malakian zwischen ihren aggressiven Schreien, eingängigen Melodien und harmonischen Gesangspassagen wechseln.

Mit Aerials, Hypnotize, Lonely Day und Lost In Hollywood gönnt die Band dem Publikum immer wieder kurze Verschnaufpausen. Für einen Moment verwandelt sich das Open Air in einen riesigen Chor. 80.000 Stimmen übernehmen den Gesang und sorgen für echte Gänsehautmomente.

System Of A Down – 2026 – Düsseldorf – Credit to Clemente Ruiz

Natürlich bleiben System Of A Down auch ihrer politischen Haltung treu. Vor Tentative widmet die Band den Song den Menschen in Gaza, dem Libanon, dem Sudan, den Verteidigern von Artsakh sowie den im Iran getöteten Demonstrierenden. Es ist einer dieser Momente, in denen die ohnehin besondere Atmosphäre für einen Augenblick nachdenklich wird und deutlich macht, dass diese Band schon immer weit mehr sein will als reine Unterhaltung.

Danach gibt es allerdings kein Zurück mehr. Spiders und Forest bauen die Spannung erneut auf, bevor mit Cigaro, Toxicity und schließlich Sugar das große Finale eingeläutet wird. Bei Toxicity scheint wirklich jeder einzelne Besucher den Text auswendig zu kennen. Die Tribüne wackelt erneut bedenklich (sie hält aber wacker stand), überall wird gesprungen und gefeiert, während sich im Innenraum ein Moshpit an den nächsten reiht.

Als mit Sugar die letzten Töne erklingen, bleibt vor allem ein Gedanke hängen: Diese Band schafft es auch nach all den Jahren noch, ein Publikum von mehreren Zehntausend Menschen komplett in ihren Bann zu ziehen. Die Mischung aus musikalischer Genialität, politischer Botschaft, völligem Wahnsinn und einer unglaublichen Energie funktioniert 2026 genauso gut wie zu Beginn der 2000er. Trotz der organisatorischen Schwächen rund um An- und Abreise verlasse ich das Gelände mit einem breiten Grinsen. Genau für solche Konzertabende habe ich das Live-Erlebnis vermisst.