Headbangers Open Air 2026 vom 23.07. bis 25.07.2026 in Brande-Hörnerkirchen – Freitag

Event: Headbangers Open Air 2026

Bands: Voivod, Agent Steel, Death Angel, Threshold, Praying Mantis, Ambush, Existance, Mortal Strike, Sortilege, Bangalore Choir (mit David Reece), Bengal Tigers, Mindwars, Bronze, Löanshark, Sinister Realm, Emeral Rage, Fatal Embrace, Tempest, Atlantean Kodex, Troops Of Doom, Saracen, Insult, Turbokill, Ruthless, Manos, Bullet, Storace (special Krokus-Show), Wicked Leather

Datum: 23.07. – 25.07.2026, (22.07. Warm-up)

Genres: Heavy Metal, Prog Metal, NWOBHM, Rock, Thrash, Hard Rock

Besucher: ca. 2000 Leute

Kosten: Dreitagesticket ab 89 €, Tagetickets 47 €, Warm-up 24 €

Ort: Brande-Hörnerkirchen

Veranstalter: Thomas Tegelhütter

Aus Brande-Hörnerkirchen berichten Maren J., Kay L. und Jürgen F.

Der zweite Tag ist wettertechnisch ebenso perfekt wie der Vortag. Wolkig, trocken und um die 20 Grad laden zum Verweilen im Infield oder zum Schlendern über die Händlerrunde, in der unter anderem Dying Victims Production mit einem Zelt zu finden sind und sich über fehlende Nachfrage nicht beklagt. Die neuen LPs von Iron Kobra und Demon Spell für 20 € sind mehr als fair. Auf der Hauptbühne geht es bereits um 12 Uhr los. Es sind heute einige große Namen am Start mit Bands wie Threshold, Praying Mantis und Atlantean Kodex. Die Hitzeschlacht vom Hörnerfest vor vier Wochen an gleicher Stelle ist Geschichte. Rein geht es in das Vergnügen mit einer Rutsche Thrash aus Aachen.

Tempest
Tempest – Headbangers Open Air 2026

Genau dort sind Tempest beheimatet und lärmen sich bereits seit 2013 durch Klubs und Festivals. Zwei LPs und ein Schwein sind bisher auf der Habenseite notiert. 2018 When Hate Has Dominion und vier Jahre später Point Of No Return. Das Schwein steht heute mit auf der Bühne. Lyrisch sind es die nicht unbekannten Thrash-Metal-Topics über Selbstzweifel, soziale Ungerechtigkeiten oder Kriege. Sachen wie Fire Will Judge, Unbroken oder Collateral Murder sagen bereits vom Titel alles aus und gehen gut nach vorne. Wie so oft auf dem Headbangers Open Air erspielt sich eine junge Band ihr Publikum und empfiehlt sich für das kommende True Thrash Fest im Herbst im Bambi Galore.

Mortal Strike
Headbangers 2026 – Mortal Strike

Mit Mortal Strike steht eine Band aus dem fernen Österreich auf der Bühne. Geht Thrash aus Wien überhaupt? Ja, das geht und zwar richtig gut. Fette Riffs, Energie und Aggression lassen die Bühne zur Mittagszeit beben. Die bereits anwesenden Zuschauer werden glatt umgeblasen von so viel Energie und den druckvollen Riffs. Mit nur einer EP und einem Longplayer im Gepäck schaffen es die Österreicher, ihren Slot eindrucksvoll zu füllen, und auch der Zuspruch bei der Autogrammstunde ist entsprechend groß. So geht Heavy Metal.

Wer nun Interesse an der Band gefunden hat, dem sei die Bandcamp-Seite empfohlen, auf der in naher Zukunft auch neues Material zu finden sein wird.

Existance
Existance – Headbangers Open Air 2026

Alte Bekannte sind ein Nachrücker auf dem Headbangers Open Air 2026. Existance aus dem französischen Clermont sind erst im Frühjahr für die diesjährige Ausgabe bestätigt worden, gehören aber fast schon zum Inventar. Das nicht nur in Brande-Hörnerkirchen. In den Hamburger Clubs waren die Metaller unter anderem als Opener für U.D.O. oder Primal Fear, oder auch als Headliner im Bambi Galore zu erleben. Zumindest sind die Gesichter am Merch und auf der Bühne bestens bekannt.

Musikalisch huldigt das Quartett den Heroen der 80er, allen voran Rob Halford und Co. Eine neue Platte ist ebenfalls am Start mit Wildfire, die im März über ein französisches Label auf den Markt kam. Französische Labels und Promos sind außerhalb von Frankreich ein Problem. Das betrifft nicht nur Existance, sondern auch Sortilège, die im Laufe des Tages auf die Bühne klettern werden. Überraschungen liefert Wildfire keine. Existance klingen auch 2026 wie immer und lassen bei ihrem circa 45-minütigen Gig wenig anbrennen. Die Saitenarbeiter erweisen sich als exzellente Poser und mischen das Publikum ordentlich auf. Klassischer Stoff geht immer, gerade zur Mittagszeit, zu der der Kater vom Vortag in dem einen oder anderen Gesicht seine Spuren hinterlassen hat.

Manos
Manos – Headbangers Open Air 2026

Der stilistische Ausreißer des Headbangers Open Air 2026 heißt Manos. Was ist das eigentlich? Der Bassist kommt als Kronleuchter (nein, nicht Armleuchter) auf die Bühne, der Gitarrist singt was über Bockwurst und schmeißt eine Stoffwurst ins Publikum. Gutalax für Oldies? Überspitzt lässt sich der Auftritt als etwas derb Schrages mit genauso derb schrägen Klängen zusammenfassen. Grindcore – ja, auch, Death Metal natürlich, Thrash Metal sowieso und Punk ist wohl die Basis für den Gig. Das Ganze mit einer ordentlichen Portion Augenzwinkern liefern uns Manos um Bandgründer Mike „Andrew“ Andrae. Während ein Teil der Fans den schrägen Gig abfeiert, sucht ein anderer Teil den Weg in nicht klangdurchflutete Gefilde.

Aber Manos sind mehr als ein schräger Auftritt. Manos sind Musikgeschichte und waren Opener in Leipzig und Zeitz für Mayhem 1990 bei der ersten Reise der norwegischen Black-Metaller in den Osten der Republik. Wer sich dafür interessiert, dem sei ein Buch von Abo Alsleben empfohlen. Der Herr organisierte damals die drei Gigs. Nach 45 Minuten ist der Spuk für die Die-Hard-Fraktion des klassischen Stoffs vorbei und eine französische Legende übernimmt das Ruder.

Sortilège
Headbangers 2026 – Sortilège

Das Headbangers Open Air schafft es immer wieder, international bekannte Acts zu motivieren, hier aufzutreten. Nun kommt mit Sortilège eine französische Band zum Zuge. Musikalisch wird klassischer Heavy Metal der mir bis dato unbekannten Band gespielt. Hätte ich mich vorher etwas schlauer gemacht, dann hätte ich das extra für diese Show im Vorfeld gekaufte Album nicht gebraucht, denn von den ursprünglichen Mitgliedern ist nur noch eines dabei. Der Rest wurde erst nach der Reunion in die Band integriert. Als ich dann vom ausschließlich französisch sprechenden Mercher eine andere Platte erwerben möchte, sind diese ausverkauft. Blöd, ich. Gesungen wird auf Französisch, da die Versuche mit englischen Texten in der Vergangenheit nach hinten losgingen. So beginnt das Set mit Amazone von ihrer ersten EP Sortilège. Mit viel Spielfreude überzeugen mich die Franzosen auf ganzer Linie, auch wenn ich bisher keinen einzigen ihrer Songs kannte. Ähnlich scheint es vielen Zuschauern zu gehen, obwohl die große Menschenmenge vermuten lässt, dass die Band doch bekannter ist, als ich angenommen hatte.

Threshold
Headbangers 2026 – Threshold

Warum Threshold so früh spielen, erschließt sich mir nicht. Immerhin sind sie einer der bekanntesten Progressive-Metal-Acts und haben in der Vergangenheit diverse Headliner-Touren bestritten. Trotzdem freue ich mich, sie hier zu sehen und vor allem zu hören. Ich bin seit Jahren Fan und es ist immer wieder schön, Gitarrist Karl Groom und Johanne James an den Drums zu erleben. Ich kannte die Band bereits mit Sänger Damian Wilson und fand, dass er immer hervorragend zu Threshold passte. Seit 2017 ist Glynn Morgan wieder an Bord und macht seine Sache unheimlich gut. Mit Slipstream legen Threshold los und vermögen bereits ab der ersten Minute zu überzeugen.

Immer wieder ein Hingucker ist Johanne James, der mit viel Mimik das Geschehen vor ihm kommentiert. Auf der linken Seite agiert Bassist Steve Anderson, der stets etwas gelassener wirkt. Auch Keyboarder Richard West ist schon lange dabei und seine Einsätze verleihen Threshold die progressive Note. Da es nur eine Stunde Spielzeit gibt, kommen lediglich neun Songs zum Zug. Vom aktuellen Album ist mit Silenced nur ein Titel vertreten. Ein schöner Auftritt, der allerdings nicht unbedingt zum bedingungslosen Bangen einlädt, sondern eher zum kollektiven Nicken und Freuen. Bereits der Opener Slipstream, einer der herausragenden Threshold-Songs, zeigt, wo es hingeht. Weiter geht es mit Silenced und Turn On Tune In. So ist die gute Stunde gefüllt mit progressiven Klängen, die aber auch mehr als nur dankbar angenommen werden. Der letzte Song ist dann Small Dark Lines.

Praying Mantis
Headbangers 2026 – Praying Mantis

Ein weiteres Highlight für mich sind Praying Mantis. Die habe ich bereits einige Male gesehen und immer wieder begeistern sie mich. Die beiden Troy-Brüder, dazu Sänger John Cuijpers, der zurzeit etwas angeschlagen auf Krücken daherkommt, sowie Andy Burgess und Drummer Hans In ’t Zandt schaffen es immer wieder, für gute Laune zu sorgen. Bereits bei der Autogrammstunde waren viele Fans da, die sich Memorabilia unterschreiben ließen, vor allem auch ältere Platten, auf denen nur noch Tino und Chris Troy vertreten sind. Schaut man sich die Liste der ehemaligen Mitmusiker an, findet man einige bekannte Größen wie Damian Wilson, Doogie White, Clive Burr, Bernie Shaw – heute bei Uriah Heep – und Paul Di’Anno.

Fast schon traditionell legen Praying Mantis mit Praying Mantis los. Der Song, der gleichzeitig der Bandname ist, kommt beim Publikum hervorragend an. Panic In The Streets und Highway folgen fast ohne Unterbrechung, bevor John das erste Mal das Wort ergreift. Die Band ist bereits öfter Gast beim Headbangers Open Air gewesen, und so ist es wie mit alten Freunden. Man freut sich einfach auf die gemeinsame Zeit. Eine Ballade gibt es mit Dream On auch, bevor weitere Klassiker gespielt werden. Zum Jahresende spielen Praying Mantis in der Bambi Galore, da werde ich noch mal hingehen. Und auch Dio Alive stehen auf meiner Liste. bei denen singt John „Jaycee“ Cuijpers mit.

Atlantean Kodex
Atlantean Kodex – Headbangers Open Air 2026

Es gibt Bands, die haben innerhalb der Bubble um das Printmagazin Deaf Forever, Keep It True Festival und Headbangers Open Air eine Art Legendenstatus. Eine dieser Bands sind Atlantean Kodex. Während Sänger Markus Becker bereits seit dem Vormittag in Brande-Hörnerkirchen weilt, kommt der Rest der Band erst im Laufe des Tages. Pünktlich zur Signing Session sind Cora, Mario und Flo auf dem Gelände und das neue Gesicht ist Markus Ullrich, der den Platz von Manu Trummer übernimmt. Ein ungewohnter Anblick ohne den Lockenkopf auf der Bühne. Fragezeichen sind mit dabei, als das Quintett ihren 60-minütigen Auftritt startet. Erste Überraschung: He Who Walks Behind The Years von der The Course Of Empire eröffnet das Set. Spätestens mit Lions Of Chaldea erhebt sich der Chor in Brande-Hörnerkirchen auf ein Niveau, wie es vielleicht Blaze Bayley mit The Clansman erreichte. Aber die erfahrene Kodex-Anhängerschaft weiß: Da geht noch viel mehr.

Atlantean Kodex – Headbangers Open Air 2026

Neues Liedgut stellt Becker auch vor. The Pattern Under The Plough könnte auf der kommenden LP mit drauf sein. Aber auch hier sind die erfahrenen Recken in den Reihen klar im Vorteil. Auf dem Keep It True Rising in Würzburg 2025 gab es die Nummer bereits als Kostprobe. Aber wie schlägt sich Markus Ullrich an der Gitarre, der mit seiner eigenen Band Under Ruins in ähnlichen Gefilden wie Atlantean Kodex unterwegs ist? Kurz gefasst: Mit Ullrich ist mehr Heavy Metal, Trummer war mehr Doom Metal. Tight ist der Gig aber ohne Zweifel und insgesamt druckvoller und mehr auf den Punkt gespielt als mit der eher ausschweifenden Saitenarbeit von Trummer. Es ist am Ende eine Geschmacksfrage und hat nichts mit besserer oder schlechterer Performance zu tun. Beide Gitarren passen zum Kodex. Mit Ullrich sind die komplexen Strukturen evtl. etwas zugänglicher und nicht nur für Ohren der Epic- oder Doom-Metal-Anhängerschaft bestimmt.

Was in Richtung Ende des Sets kommt, weiß jeder Fan, der vor der Bühne steht. „Heresiarch! Saint of the streets and whores. Bringer of fire and force – Heresiarch – Heresiarch! God of the sevenfold veil – Light on the warrior’s blade, oh bringer, of plagues“ Die Steigerung nennt sich natürlich „On a strong white bull the Goddess rides, in the darkest night twelve stars will rise. Daughter of the East in an azure gown, our new Jerusalem we found.“ Das Infield ist knüppelvoll und bis in die hinteren Reihen fliegen die Haare und recken sich die Fäuste gen Himmel. Kodex halt!

Wie endet ein Atlantean Kodex-Konzert? „Heed to the – Atlantean Kodex, Kneel before – Atlantean Kodex, Bow your head – Atlantean Kodex, Share the madness, the fury and the might„. Noch Fragen? Dann finde die Antworten dazu auf einem der kommenden Gigs von Atlantean Kodex, zum Beispiel beim Steel Held High Festival in Braunschweig im März 2027. Da sind Atlantean Kodex sogar Headliner und gönnen uns satte 90 Minuten Ohrenschmaus.

Storace
Storace – Headbangers Open Air 2026

Wer hier heute Headliner des Tages ist bzw. war, zeigt sich bereits vor dem Auftritt von Storace. Der Infield hat sich mehr als nur gelichtet. Es ist nicht leer, aber für den eigentlichen Headliner eher schwach besucht. Aber eigentlich wussten die Fans das alle schon vorher. Wer den Kodex bestellt, bestellt einen Headliner.

Bei der Band Storace handelt es sich um den Krokus-Sänger Mark Storace, der mit Patrick Aeby an den Drums und Dominique Favez zwei weitere ehemalige Krokus-Musiker in seinen Reihen hat. Die beiden Herren waren nach dem erneuten Einstieg von Storace nach der Round 13 (eingesungen von Carl Sentance) gleich mit ihm bei Krokus eingestiegen. Nach Rock The Block und Hellraiser waren aber die alten Haudegen Fernando Van Arb und Mark Kohler sowie Freddy Steady an den Drums zurückgekehrt. Storace blieb mit seinen ehemaligen Schützlingen in Kontakt und das Ergebnis ist die Solo-Band des Krokus-Sängers.

Auf die Ohren gibt es Krokus-Classics plus eigene Stücke von Storace. Während Sachen wie Hellraiser, To The Top, Madworld oder das Guess-Who-Cover American Woman, das aber auch zum Bandkatalog von Krokus gehört, noch ordentlich rocken, wird es mit den eigenen Kompositionen dünn. Rock This City oder High On Love sind nicht schlecht, aber einfach nicht bekannt genug, um die finalen Reserven aus den Fans hervorzulocken. So tröpfelt sich das Infield immer weiter in Richtung noch größerer Lücken, als gegen einige Minuten nach Mitternacht der musikalische Teil des zweiten Festivaltages endet.

Wer noch mag, bekommt ein Kaltgetränk. Dann ist ein langer und intensiver Festivaltag Geschichte, an dem eine Band ein mehr als klares Statement abgegeben hat. Mit Atlantean Kodex wird in den kommenden Jahren zu rechnen sein.

Hier kommt ihr zum Bericht vom Mittwoch und Donnerstag.

Was sagt eigentlich Markus Becker von Atlantean Kodex zum Headbangers Open Air?

Atlantean Kodex – Headbangers Open Air 2026

Headbangers Open Air, was eine geile Sause hier. Wir sind heute zum zweiten Mal hier. Vor neun Jahren zum letzten Mal. Da war, habe ich auf der Bühne heute schon gesagt, alles unter Wasser. Wir haben gar nicht richtig mitbekommen, was hier alles ist, weil wir nur mit Gummistiefeln durch den Matsch gewatet sind. Aber dieses Mal genial, Wetter genial, Leute genial, geht nicht besser. Für ein Festival, für die Art Musik mit den Fans – das geht nicht besser.

 

Eine weitere Stimme zum Headbangers Open Air von Tino Troy (Praying Mantis).

Headbangers 2026 – Praying Mantis

Headbangers Open Air. What can I say about Headbangers Open Air? This is one of the most amazing festivals we’ve played. In fact, it’s probably our sixth or seventh time here. It’s amazing. Thomas and Jürgen and organizers of this festival keep it going because this is like what people want. This is like a small festival, 2000 or 3000 people, whatever it, but it’s great. That’s very brilliant. It’s friends, it’s family. It’s everything you ever want and great music.