Festivalname: Burning Q Festival 2026
Bands: Syndemic, Human Prey. Darkness Surrounding, Frostshock, For Victory, Traktat, Nephylim, Exorcism, Phantom Spell, Tyranthrope, Endseeker, Servant, Ambush, Aquilla, Immolation, Nail By Nail, Grave Digger, Sunken, Lamp Of Murmuur, Riot City, Chainsaw Demons, Damnation Defaced, Diabolisches Werk, Megaton Sword, Türböwitch, Knife, Rană, Nailed To Obscurity, Tyranex, Atlantean Kodex, Nexion, The Haunted, Lucifer’s Child, Spectral Wound, Steelpreacher
Ort: Freißenbüttel, Osterholz-Scharmbeck
Datum: 23.07.2026 – 25.07.2026
Kosten: Zwei-Tages-Ticket: 89,90 € plus VVK-Gebühren – Fahrzeugticket: 5,00 €
Genre: Metal, Death Metal, Heavy Metal, Thrash Metal, Black Metal
Besucher: 1000 Besucher (Ausverkauft)
Veranstalter: Burning Q Project e.V.
Link: https://www.burningq.de/
Bericht von: René W. und Philipp A. / Bilder von Mario T.
René W.: Pünktlich um 12:00 Uhr starten wir mit den Bremern Chainsaw Demons in den abschließenden Festival-Samstag. In der Tentstage wird zum morgendlichen Black-/Thrash-Metal-Tanz gebeten. Trotz der frühen Stunde blicken die Norddeutschen nicht auf leere Planken. Das Publikum des Burning Q ist unglaublich Metal-geil und lässt keinen Act hängen. Es ist wirklich beachtlich, dass bei 1000 Zuschauern auch auf der kleineren Bühne mindestens 100–150 Mosher die jeweiligen Bands abfeiern, und das egal zu welcher Stunde. Chainsaw Demons lassen es krachen und kündigen an: Es ist Zeit, asozial zu werden. Das ist kein Problem, und so rollt der Extreme-Metal-Zug feuchtfröhlich zur Mittagstunde durch Freißenbüttel.

Philipp A.: Bei gleißender Mittagshitze lassen sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher den Auftritt der ursprünglich aus Celle stammenden Melo-Death-Kombo Damnation Defaced, die schon mehrfach beim Burning Q zu sehen gewesen ist, nicht entgehen. Auch wenn sie mit The Dark Companion vorerst keine schattenspendende Wolkenfront heraufbeschwören, so sorgen sie mit ihrer abwechslungsreichen Setlist (vom mitreißenden Invader From Beyond der gleichnamigen EP bis zu Empathy For The Lost von ihrer 2023er-Scheibe They Brought Death To The Darkness, ergänzt durch das Entombed-Cover Wolverine Blues) dennoch für die gewisse musikalische Abkühlung vor der Bühne (und sei es nur durch die fliegende Mähne des Nebenmanns bzw. der Nebenfrau). Nachdem sich das Quintett mit Stargazer von der Menge verabschiedet hat, singt und tanzt sich diese zu Totos Africa noch für den restlichen letzten Festivaltag warm, sofern dies zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nötig ist.
René W.: 2020 in Kiel gegründet, haben Diabolisches Werk bereits zwei Longplayer auf der Habenseite. Damit gehen die Norddeutschen direkt ins Gefecht. Das gut aufgeheizte Zelt wird zum teuflischen Austragungsort für ihren Death und Thrash Metal. Das Quartett arbeitet hochkonzentriert. Knochenmark, Sänger und Gitarrist, agiert am entspanntesten und kann das Publikum schnell mitziehen. Bassistin Krüger ist absolut fokussiert, was jedoch die Dynamik auf der Bühne ein wenig hemmt. Das Wetter spielt den ersten Bands heute sicher nicht in die Karten. Nach bereits zwei langen Tagen steigt die Wärme schnell und so bleiben viele bis zum späteren Nachmittag im Campbereich. Ein Dutzend Pommesgabeln gibt es aber auch für Diabolisches Werk, welches zum Ende des Sets immer stärker wird.

Philipp A.: Ein äußerst dankbares Publikum empfängt die Eidgenossen Megaton Sword auf der Hauptbühne. Raving The Light Of Day, Iron Plains, For Glory: Hier reiht sich Hymne an Hymne, während Publikum und Band mit imaginär gezogenen Schwertern über das Burning Q’sche Schlachtfeld ziehen. Ein schlichter und vielleicht gerade deshalb umso packender Auftritt der Schweizer, die mit Pristine War noch einmal die letzten Kräfte bündeln und zum letzten Angriff blasen, bevor ihr epischer schwermetallischer Triumphzug für heute nach neun Kapiteln zu Ende geht.
René W.: Die Ungarn Türböwitch sind ein Geheimtipp in Sachen Speed, Punk Attitüde und einem düsteren Thrash Metal. Sänger Zslöd ist ein markanter Typ und zerstört alleine mit seinem Blick. Im Fokus steht die aktuelle wie grandiose Platte Under Haunted Skies. Für mich persönlich der erste Höhepunkt des Tages. Nach dem Intro ballert bereits der Titeltrack Under Haunted Skies durchs Zelt. Im Anschluss folgt die stärkste Nummer der neuen Scheibe Cult Mastery. Die Köpfe werden zum Headbangen heruntergenommen und die Birnen langsam abgeschraubt. Fuck Off In Hell wird mit einem Circlepit gehuldigt. Schwitzend dreht das Publikum laut grölend seine Kreise. Infernal Beer Demons füllt die Krüge. Während Mosphit At The End Of The Day für den ultimativen Rausschmiss sorgt.

50 Minuten Vollgas geben die Senkrechtstarter von Knife. Die Musiker haben sich nicht nur in den letzten sieben Jahren eine ordentliche Fanbase aufgebaut, sondern den grauen Metalpunkt im Zentrum Deutschlands zum Glühen gebracht. Die Marburger nutzen die komplette Breite der Mainstage und zerlegen diese mit einem galligen Blackened Speed Metal. Mit der aktuellen Live-EP Live Leather Hounds im Schlepptau lassen sie die Korken knallen. I Am The Priest geht sofort ab, während No Gods In The Dark ordentliche Schneisen in den Pit treibt. Vince Nihil blüht am Mikrofon auf und sucht immer wieder den Schulterschluss zu seinen Anhängern. Dabei werden nicht nur alte Fans zufriedengestellt, sondern auch neue gewonnen!
Auch Rană haben sich nach dem Black Tides Fest im November in Hinte bei Emden entwickelt. Die Musiker aus Braunschweig laufen mit ihrer neuen EP Freamăt auf. Black Metal in Kombination aus Post Metal und Crust erfüllt das Zelt. A blickt gen Himmel, während er die theatralischen wie emotionalen Lyrics zum Besten gibt. Mit vielen Gefühlstiefen versehen, setzen Rană zum apokalyptischen Seelenstrudel an. Der Sound ist dicht und der Zuspruch groß. Dicht gedrängt kommt sofort Atmosphäre auf, von der die fünf Musiker getragen werden. Trotz der tagesbedingten Helligkeit, die auch bis ins Zelt dringt, schaffen es die Künstler, zermürbende Melodienwände frostig zu zementieren. Höhepunkte werden dabei gezielt gesetzt, die Bühne mit Schädeln präpariert und die Fans der dunklen Kunst geschickt um den Finger gewickelt.

Philipp A.: Mit zwei Ausnahmen von Stücken ihres neuesten Opus’ Generation Of The Void dominiert, legen die norddeutschen Melodic-Death/Doom-Metaller Nailed To Obscurity einen starken Auftritt hin – obgleich es vor der Bühne auf den ersten Blick etwas leer zu sein scheint, da ein Großteil des Publikums das Geschehen von der schattigen Seite des Infields verfolgt. Doch auch über die erwähnte Entfernung findet das aktuelle Material der Band hohen Anklang, und die zahlreichen NTO-Shirts unter den Fans belegen, dass einige insbesondere für die Ostfriesen angereist sind, die schon mehrfach in Freißenbüttel zu Gast gewesen sind und die für ihre klare Kante gegen Diskriminierung jeglicher Art eine Extrarunde Applaus einheimsen. Anschließend ebnet Deadening von ihrem Durchbruchsalbum King Delusion den Weg für den Fanliebling Liquid Mourning, bevor Road To Perdition das 55-minütige Set mit wehmütiger Note ausklingen lässt. Ein melancholisches Highlight an diesem brütend-warmen Nachmittag!
René W.: Ich muss gestehen, dass ich Tyranex überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Die Band aus Schweden dringt in einen Old School Speed Metal, der wie üblich auf eine Thrash-Metal-Basis setzt. Sängerin und Gitarristin Linnea Landstedt ist seit über 20 Jahren mit am Start und macht einen wirklich guten Job. Das Bühnenbild ist schlicht gewählt. Die Skandinavier lassen lieber ihre Musik für sich sprechen, und das funktioniert, wie schon erwähnt, überraschend gut. Mit dem Startschuss Rise From The Dead erheben sich Tyranex wie ein Phönix aus der Asche. Mit Reasons For The Slaughter steht nur ein Longplayer in den letzten zehn Jahren in der Diskografie der Truppe. Shows in Deutschland sind rar, und so tragen Chasing Death und Full Circle schnell zur guten Stimmung bei. Unaufgeregt und zielstrebig wird das Set beackert. Dabei wird das Rad mit Do Or Die nicht neu erfunden. Live machen Tyranex trotzdem Spaß und werden unter Applaus nach dem Rauswerfer Fight Them Back verabschiedet.

Philipp A.: Aus dem Süden in den hohen Norden der Republik gekommen ist der Samstags-Co-Headliner Atlantean Kodex. Der bajuwarische Doom-Metal-Fünfer spielt sich mit einer Selbstverständlichkeit durch neun Songs seiner Diskografie, wie man sie selten zu sehen und zu hören bekommt. Nicht umsonst ertönen immer wieder lautstarke „Kodex“-Rufe, während die Band ihre epischen, teils überlangen Tracks performt und der Untergang der Sonne hinter den geländenahen Bäumen zu Sol Invictus sein Übriges tut. Nach Heresiarch, dem persönlichen Set-Highlight von Frontmann Markus Becker, laufen auch die Fans im Rahmen von Twelve Stars And An Azure Gown zu gesanglicher Höchstform auf und leiten damit den selbstbetitelten Konzertabschluss ein, ehe Atlantean Kodex als drittletzter Mainstage-Act des Festivals ein wohlverdientes Bad in der Menge nehmen.
Dass sich eine musikalische Reise nach Island immer wieder lohnt, bestätigt der Auftritt Nexions. Die Black Metaller um den gebürtigen Amerikaner Jósúa Hróðgeir Rood am Gesang feiern beim Burning Q ihre Deutschland-Livepremiere und hinterlassen u. a. aufgrund ihrer extravaganten Gesangsdarbietung ein begeistertes Publikum im Zelt. Fünf Songs ihres aktuellen Albums Sundrung bilden die heutige Setlist und sorgen mit ihrem englisch-isländischen, geradezu schamanischen Erzählmix für nachhaltigen Eindruck, den die Band durch eine schlichte, auf dunkle und rote Farbtöne beschränkte Lichtshow untermauert. Den Namen Nexion gilt es für die Zukunft definitiv auf dem Zettel zu haben und zudem Ende 2026 mit Panzerfaust auf Europatour erneut live zu sehen.

René W.: Der nächste Headliner in Form von The Haunted macht sich auf der Mainstage bereit. Ähnlich gut gefüllt blickt man wie bei Grave Digger auf ein volles Infield. Kaum einer der 1000 Besucher lässt die Schweden aus. Nach einer längeren Pause wurde mit Songs Of Last Resort im letzten Jahr ein grandioses Comeback gefeiert und auch live liefern Marco Aro und seine Mitstreiter voll ab. An den Äxten wirbeln Patrik Jensen und Ola Englund mächtig Staub auf. Der groovige Thrash Metal braucht keine Vorlaufzeit, um auf dem Burning Q zu zünden. Warhead öffnet die Büchse der Pandora, während 99 und Trespass zur Circlepit-Eskalation aufrufen. Marco wirft seinen Fans ein Küsschen zu und ist sichtbar gerührt von dem herzlichen wie intensiven Empfang. Melodisch und bissig servieren sie To Bleed Out, der sich in einem bunten Set aus alten Tracks und neuen Hits absolut wohlfühlt. Mit 18 Kompositionen fahren sie ordentlich auf und haben Zeit, aus allen Epochen zu zelebrieren. Hollow Ground eröffnet das Finale, ohne die Party zu früh zu ersticken. Hat Song und All Against All ziehen die Stimmung auf den Siedepunkt. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Nach dem Motto verlassen The Haunted nach Bullet Hole die Bühne, als wären sie nie weg gewesen.
Um 22:35 Uhr starten Lucifer’s Child aus Griechenland. Drei Longplayer haben die Südeuropäer in zehn Jahren produziert und ziehen mit ihrem aktuellen Werk The Illuminant dunkle Fronten auf. Ihr Black Metal wird vom roten Licht umgarnt, das in leichte Nebelschwaden getaucht wird. Leichter Nebel. Das Zelt ist dabei gut gefüllt, um sich den diabolischen Sound ins Gehirn drücken zu lassen. Kopfnickend werden die Fäuste je nach Geschwindigkeitsgrad in die Luft geworfen. Weit hergeholte Rotting-Christ-Einflüsse sind spürbar. Die Bühnenpräsenz ist hoch und die Erfahrung der Musiker spiegelt sich beim Blick auf der Bühne in der intensiven Interpretation ihrer Stücke ohne Abstriche wider. Mit Lucifer’s Child wurde ein Leckerbissen gebucht, der diesen Sommer nur ausgewählte Festivals zum Beben bringt. In Deutschland steht nur noch das Party.San auf dem Programm. Bis dahin zermürben die Griechen das Publikum aus Norddeutschland, bis dieses zufrieden zum letzten Act der Mainstage zieht.

Die Kanadier Spectral Wound überzeugen mit ihrem aktuellen Langeisen Songs Of Blood And Mire ihre letzten Kritiker. Starke Shows bringen die Männer aus Nordamerika auch zu ihrem Burning-Q-Debüt, von dem beide Seiten profitieren. Sänger und Frontmann Jonah ist eine absolute Rampensau. Live sind Spectral Wound eine Macht und fallen wie ein Unwetter über Freißenbüttel herein. Die Bühne dunkel gehalten, blitzen nur punktuell helle Spots auf. Die Stimmung könnte nicht besser sein, als Fevers & Suffering und Aristocratic Suicidal Black Metal durch die Nacht schallen. Frigid And Spellbound dringt tief in den Kopf ein. Rhythmus und Härte werden geschickt dosiert und holen sofort neue Fans ab. Jonah flitzt über die Bühne und kann mit seinem Karma den Auftritt von einem Black-Metal-Konzert zu einer hochtheatralischen dunklen Sause emporheben. Der Weg zeigt weiter steil nach oben und genau diesen Weg wollen die Musiker mit aller Macht gehen. Technisch anspruchsvoll und musikalisch mitreißend bringen sie das Tanzbein zum Zucken, bis der ganze Körper wie in Ekstase zu den deftigen Riffs abfeiert. Es wird nicht lange dauern, bis Spectral Wound eine große Headliner-Tour spielen werden oder auf Festivals spätere Slots ergattern können.
Philipp A.: Den musikalischen Rausschmeißer geben in diesem Jahr Steelpreacher, die die allerletzten „Überlebenden“ mit ihren teils biergeschwängerten Songs (Wish You Were Beer, DOA (Drunk On Arrival) etc.) ein letztes Mal motiviert das Tanzbein und die Mähnen schwingen lassen. Auch wenn Songtitel wie Gimme Some Metal teils plakativ daherkommen mögen und ihre bekannten musikalischen Vorbilder nicht von der Hand zu weisen sind, schafft es das Quartett doch, seinen ganz eigenen Charme zu verbreiten, den Fans von Accept, AC/DC, Saxon, Judas Priest & Co. sichtlich zu schätzen wissen. Abgerundet von ihrem selbsternannten Radiohit We Want Metal, entlassen Steelpreacher die Festivalgemeinde mit einem breiten Grinsen in die Nacht.
Nach dem Auftritt von Steelpreacher ist der Bereich vor der Mainstage für den klassischen Festivalabschluss vorbereitet. Die Burning-Q-Feuershow mit Freies Feuer gehört einfach zum Open Air. Zu bekannten Metalhits geben die Damen und Herren eine spannende Feuershow, die noch viele Besucher auf den Beinen hält. Glücklich, aber auch mit Wehmut, schließen die Tore des Burning Q einmal mehr viel zu früh. Das zeigt auch der wie gewohnt gute Start beim Vorverkauf fürs nächste Jahr. Für 2027 wurden bereits Asphyx, Fimbul Winter, Ondfødt, Spell und Struck A Nerve bestätigt. Einer erneuten Sause in Freißenbüttel steht somit nichts im Wege. Wir sehen uns vom 22.07. bis 24.07.2027 somit wieder, wenn in Freißenbüttel einmal mehr die Kuh über eines der schönsten Kleinevents Metal-Deutschlands fliegt.


























































































