Obscene Extreme Festival vom 01.07. bis 05.07. in Trutnov, Tschechien

27 Jahre kompromisslose Leidenschaft für extreme Musik

Event: Obscene Extreme Festival 2026

Bands: Dismember, Pro-Pain, Macabre, Converge, Dwarves, Jungle Rot, Necrot, Razorrape, Rectal Smegma, Insanity Alert, Bonded, Assassin, Warcollapse, Rotten Sound, Eyehategod, Benighted, Demonical

Ort: Battlefield, Trutnov, Tschechien

Datum: 01.07. – 04.07.2026

Kosten: 169 Euro

Zuschauer: etwa 5.000

Genre: Grindcore, Death Metal, Thrash Metal, Hardocore, Crustpunk

Veranstalter: Miloslav „Curby“ Urbanec

Link: https://obsceneextreme.cz/cs

Vom 1. bis 5. Juli ist die kleine tschechische Stadt Trutnov ein weiteres Mal das globale Epizentrum für Grindcore, Death Metal, Hardcore und sämtliche andere Spielarten extremer Musik. Bereits zum 27. Mal öffnet das Obscene Extreme Festival seine Tore – ein Festival, das sich in fast drei Jahrzehnten eine Identität geschaffen hat, die in Europa ihresgleichen sucht.

Miloslav „Curby“ Urbanec, Gründer des Obscene Extremes, verfolgte von Anfang an die Vision, ein Festival zu schaffen, das sich ausschließlich der extremen Musik widmet. Dabei waren ihm Werte wie Gleichberechtigung, Respekt und ein familiäres Miteinander wichtig. Und heute reisen Jahr für Jahr Fans aus allen Teilen der Welt nach Trutnov, um Teil dieser einzigartigen Gemeinschaft zu sein. Trotz seines internationalen Renommees hat sich das Festival seinen Charakter bewahrt. Es ist noch immer ein Ort, an dem sich Bands und Besucher gleichermaßen als Teil derselben großen Familie fühlen.

People, Obscene Extreme Festival 2026

Austragungsort ist das mittlerweile legendäre Battlefield in Trutnov, ein natürliches Amphitheater, das neben ausreichend Platz für Mosh- und Circle-Pits auch zahlreiche Sitzplätze bietet. Das Areal ist von Bäumen gesäumt, die nicht nur Schatten spenden. Einige Besucher verbringen die Tage hier auch in ihren Hängematten. Der einzigartige Veranstaltungsort ist längst fester Bestandteil der OEF-Identität. Damit könnte es leider bald vorbei sein: Zwar hat die Festivalleitung bereits bestätigt, dass auch 2027 ein Obscene Extreme stattfinden wird – mit GWAR wurde bereits der erste Headliner angekündigt –, ob man auf das Battlefield zurückkehren kann, ist aber noch nicht klar. Man kann nur hoffen, dass dieses außergewöhnliche Gelände auch in Zukunft die Heimat des Festivals bleibt. Denn ein Ort mit vergleichbarer Atmosphäre dürfte nur schwer zu finden sein.

Doch bevor wir uns den Kopf wegen ungelegter Eier zerbrechen, erfreuen wir uns an der diesjährigen Ausgabe der weltgrößten Freakshow. Wie gewohnt ist das Programm auch in diesem Jahr überwältigend. An sechs intensiven Tagen – einschließlich der Pre-Party und After-Party, bei der einige Bands des Hauptprogramms einen weiteren Auftritt hinlegen – bietet das Festival nahezu durchgehend Live-Musik: von 10 Uhr morgens bis weit nach Mitternacht. Ein gnadenloses Tempo, bei dem man als Besucher ständig vor der Qual der Wahl steht: Konzert oder Essenspause? Kurz ausruhen oder lieber weiter durch das Gelände schlendern und die einzigartige Atmosphäre aufsaugen?

Ein weiteres Markenzeichen des Obscene Extreme ist, dass auf dem Gelände nur veganes und vegetarisches Essen angeboten wird. Wenn man etwas Fleischhaltiges will, muss man also entweder selbst den Kochlöffel in der mitgebrachten Campingküche schwingen oder eines der nahegelegenen Restaurants besuchen (direkt neben dem Einlass findet sich ein sehr empfehlenswertes Gasthaus, das von einer Craftbier-Brauerei betrieben wird) – so oder so, man muss das Festivalgelände verlassen. Da die Bands am Nachmittag teilweise nur 30 Minuten spielen, verpasst man schnell den einen oder anderen Act.

Bei der Verpflegung mit flüssigen Nahrungsmitteln ist das Obscene Extreme dafür vergleichsweise fanfreundlich. Ein halber Liter Bier kostet nach wie vor rund 3 Euro, Longdrinks bewegen sich bei etwa 7 bis 8 Euro. Und da die Preise in tschechischen Kronen angeschrieben sind, verliert man sowieso schnell den Überblick, was das Geldausgeben deutlich leichter macht.

People, Obscene Extreme Festival 2026

Positiv ist auch das Wetter: Nach Jahren, in denen Schlamm und Dauerregen fast schon zum Festival gehörten, zeigt sich das Wetter diesmal von seiner freundlichen Seite. Abgesehen von einigen kurzen Regenschauern spielt das Wetter nahezu das gesamte Festival über mit und sorgt dafür, dass die Konzerte unter deutlich angenehmeren Bedingungen als gewohnt stattfinden können.

Für große Enttäuschung sorgt dafür eine Neuerung im generellen Programm. Nach einem unschönen Vorfall im vergangenen Jahr, bei dem einige Biertische und -bänke zu Bruch gingen, und Beschwerden von Anwohnern verabschiedet sich das Obscene Extreme von seiner traditionellen Afterparty. Im Zelt, in dem früher Hunderte alkoholisierte Punks, Grindcore-Fans und Metalheads Rock- und Pop-Klassiker zum Besten gaben, kann man 2026 höchstens noch ein Bier trinken und die WM-Übertragung verfolgen. (Als bekennender Argentinien-Fan dürfte OEF-Chef Curby mit dem Ausgang der WM allerdings weniger zufrieden sein.)

Mittwoch

Eröffnet wird das Spektakel wie immer mit dem Freak Festival, einem der Markenzeichen des Obscene Extreme. Hier kann man Menschen dabei zusehen, wie sie extrem scharfes Essen verschlingen, bis sie sich übergeben, in Mülltonnen um die Wette fahren oder sich mit Peitschenhieben traktieren lassen. Ein Spektakel, das wahrscheinlich nur im Kosmos des Obscene Extreme wirklich funktioniert und den Geist dieses Festivals perfekt widerspiegelt: Hier kann jeder so Spaß haben, wie er es für richtig hält. Und wenn man unter Spaß ein wundes Gesäß versteht, dann ist das eben so.

Danach beginnt der musikalische Marathon. Schon der erste Festivaltag macht deutlich, dass auf dem Obscene Extreme Krach auf hohem Niveau geboten wird. Bands wie The Accüsed ADEyehategod und Dwarves sorgen für das passende musikalische Rahmenprogramm eines gelungenen ersten Festivaltages.

Converge, Obscene Extreme Festival 2026

Den großen Höhepunkt des Tages (und vielleicht des ganzen Festivals) liefern Converge. Von der ersten bis zur letzten Minute entfaltet die Band eine unglaubliche Intensität. Die Truppe verbindet Metalcore, Hardcore Punk, Mathcore, Noise und Extreme Metal zu einer ebenso natürlichen wie vernichtenden Klangwand. Präzise, kompromisslos und voller unbändiger Energie zeigen Converge einmal mehr, warum sie auch nach mehr als drei Jahrzehnten noch zu den prägendsten und einflussreichsten Bands des Extreme-Metal-Untergrunds zählen.

Danach hauen die Italiener Hideous Divinity der Meute noch eine Packung Technical Death um die Ohren, bevor eine weitere OEF-Besonderheit auf dem Programm steht: die Fly High Tribe Show. Dabei handelt es sich um ein Kollektiv, dessen Mitglieder sich mittels durch die Haut gestochenen Haken an Seilen in die Luft ziehen lassen. Wer sich jetzt denkt: „Potblitz, das will ich auch mal ausprobieren!“ – keine Sorge, die Jungs und Mädels hängen das restliche Festival über im Wäldchen hinter den Essensständen rum. Einfach hingehen und fragen, dann kann man selbst auch mal hoch in die Lüfte steigen. Die Mutigen (oder Durchgeknallten?), die dieses Angebot wahrnehmen, erkennt man an den fachmännisch versorgten Wunden.

Skurriler geht’s nicht? Weit gefehlt! Den Abschluss macht Samora Squid. Im Programmheft wird er als „Tasmanian Freak“ beschrieben, der Schwerter schluckt und Geschlechtsverkehr mit Explosionen hat. Letzteres funktioniert so: Er wirft brennende Knallkörper in einen Eimer, in den er anschließend auch sein entblößtes Genital hält. Wer mehr wissen will, sollte sich bei der nächsten Gelegenheit selbst ein Bild machen.

Donnerstag

Für gute Laune sorgt am zweiten Festivaltag die österreichische Crossover-Kapelle Insanity Alert, die jedes ihrer Konzerte dank ihres ganz eigenen Humors in eine riesige Party verwandelt. Ihre unbeschwerte Herangehensweise, voller absurder Ideen und herrlich skurriler Momente, passt perfekt zum Geist des Festivals, bei dem der Spaß fast genauso wichtig ist wie die Musik selbst.

Malignant Tumour, Obscene Extreme Festival 2026

Mit Spannung erwartet wurde am Donnerstag auch der Auftritt von Malignant Tumour, eine Band, die seit vielen Jahren eng mit der Geschichte des Obscene Extreme verbunden ist. Sänger Bilos ist zugleich die rechte Hand von Curby. Deshalb fühlt sich jeder Auftritt der Band beinahe wie ein großes Familientreffen an. Mit ihrem unverwechselbaren Rock ’n‘ Roll begeistern sie das Publikum einmal mehr vom ersten bis zum letzten Song.

In eine ganz andere Richtung geht es mit Necrot, einer der spannendsten Bands der modernen Death-Metal-Szene. Die Kalifornier liefern erneut einen makellosen Auftritt ab – schwer, technisch anspruchsvoll und unglaublich druckvoll.

Extreme Musik kommt in vielen Facetten und dieses Jahr spielt Hardcore eine ungewöhnlich große Rolle. Mit Pro-Pain geben sich am Donnerstag echte Szene-Veteranen die Ehre. Der Auftritt überzeugt auf ganzer Linie.

Mit Nunslaughter gibt es danach noch eine Ladung punkigen Thrash mit einer ordentlichen Death-Schlagseite auf die Ohren. Kaum zu glauben, dass die Band bereits gut 35 Jahre auf dem Buckel hat. Auf der Bühne geben sie nach wie vor Vollgas und haben nach wenigen Riffs auch die jüngeren Fans auf ihrer Seite.

Genau darin liegt eine der größten Stärken des Obscene Extreme: Es spielt keine Rolle, zu welcher Uhrzeit eine Band auftritt oder wie groß ihr Name auf dem Festivalposter steht – nahezu jede Band hat ihren Platz auf diesem Festival absolut verdient. Die Auswahl bleibt Jahr für Jahr außergewöhnlich hochwertig, enttäuschende Konzerte sind hier eine echte Seltenheit.

Freitag

Das hohe Niveau hält auch am dritten Tag an. Zu den größten positiven Überraschungen gehörten Phantom, eine junge Speed-Metal-Band aus Mexiko. Gemeinsam mit Poison The Preacher sind die Mexikaner auf Europatour unterwegs und überzeugen auf dem OEF mit mitreißender Bühnenpräsenz. Mit ihren schnellen Riffs erobern sie das Publikum im Sturm.

Auch Bands wie die stets kompromisslosen Bodyfarm, die Schweden von Demonical, die Crust-Veteranen Warcollapse, die unermüdlichen Isacaarum und die deutschen Fleshcrawl sorgen dafür, dass auch am dritten Tag noch keine Müdigkeit aufkommt. Sie alle liefern starke und originelle Auftritte ab. Hier wird deutlich, wie facettenreich Death Metal sein kann.

Macabre, Obscene Extreme Festival 2026

Eine besondere Erwähnung verdienen Macabre, eine jener einzigartigen Bands, die sich bis heute eine vollkommen eigene Identität innerhalb des Extreme Metal bewahrt haben. Ihre außergewöhnliche Mischung aus Death Metal, schwarzem Humor und Geschichten über Serienmörder funktioniert auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung noch hervorragend. Einen großen Anteil daran hat Corporate Death, ein herausragender und außerordentlicher Frontmann, dessen enorme Ausdrucksstärke jede einzelne Nummer in ein kleines Theaterstück verwandelt. Zwischen den Songs erklärt er kurz, welcher Killer als nächstes abgehandelt wird. Während der Songs sorgen kostümierte Figuren für visuelle Untermalung. Das alles wird mit viel Augenzwinkern präsentiert – hier ist der Name Programm.

Fans des Old-School-Death-Metal kommen an diesem Tag mit Jungle Rot ebenfalls voll auf ihre Kosten. Daneben sorgen zahlreiche andere Bands wie VulvectomyRazorrape und Svaveldioxid für Abwechslung.

Samstag
Bonded, Obscene Extreme Festival 2026

Auch der letzte Festivaltag kennt keine Gnade. Früh am Tag liefern Devangelic und Keitzer kompromisslose Auftritte ab, womit die Marschrichtung für den restlichen Tag klar ist. Fast ein wenig nostalgisch wird es beim Auftritt von Bonded, der Thrash-Kapelle um den ehemaligen Sodom-Gitarristen Bernd „Bernemann“ Kost, der über zwanzig Jahre lang Teil der legendären deutschen Thrash-Metal-Band war. Die Band gehört mit ihrem klassischen Sound zwar eher zu den radiotauglicheren Bands auf dem Obscene Extreme, liefert mit einem Cover des Sodom-Hits City Of God aber einen der Höhepunkte des Festivals.

Kurz darauf ist es noch mal Zeit für Bilderbuch-Grindcore. Denn Freunde des gepflegten Lärms wissen, wenn Rectal Smegma spielen, ist Party angesagt. Schwimmreifen, aufblasbares Spielzeug, Kostüme, Konfetti und ein Publikum, das sich mit voller Begeisterung auf das Spektakel einlässt – so wird der Battleground zu einer großen Partyarea.

Murder Squad und Assassin gehen zwar seriöser ans Werk, sind damit aber keineswegs weniger unterhaltsam. Eine weitere absolute Dampfwalze lassen Benighted über das Gelände rollen. Nur wenige Bands verstehen es derart meisterhaft, Aggressivität und technische Präzision zu einer kompromisslosen und brutalen Show zu vereinen.

Macabre, Obscene Extreme Festival 2026

Später kehren Macabre noch einmal auf die Bühne zurück – diesmal mit einem ungewöhnlichen, rund halbstündigen Akustik-Set. Hier zeigt sich einmal mehr die skurrile Seite des Festivals. Anschließend folgt einer der am meisten erwarteten Auftritte des gesamten Wochenendes: Dismember. Die Pioniere des schwedischen Death Metal haben es noch immer drauf und müssen sich vor den jüngeren Vertretern des Genres keineswegs verstecken. Direkt danach übernehmen die finnischen Szene-Helden Rotten Sound, deren kompromisslose Grindcore-Attacke – wie so oft – voll ins Schwarze trifft.

Den Rausschmeißer machen die deutschen Despondency, die trotz der offensichtlichen Erschöpfung nach fünf intensiven Festivaltagen einen äußerst überzeugenden Auftritt abliefern. Während der letzten Konzerte setzt schließlich noch einmal leichter Regen ein, doch selbst das kann einem ebenso emotionalen wie würdigen Festivalabschluss nichts anhaben. Ohne die traditionelle Zeltparty markieren die letzten Töne gleichzeitig das Ende einer weiteren unvergesslichen Ausgabe des Obscene Extreme.

People, Obscene Extreme Festival 2026

Während viele Metal-Festivals mittlerweile doch sehr kommerziell in ihrer Ausrichtung sind, hat sich das Obscene Extreme auch 2026 viel von seinem Charme bewahrt. Vor der Bühne wird fast durchgängig gemosht – egal, ob gerade eine altgediente Szenegröße oder ein südamerikanischer Newcomer auf der Bühne steht. Auf eben dieser Bühne stehen selten nur Musiker, sondern auch immer ein gutes Dutzend Fans, das mit der Band tanzt, nur um sich anschließend in die Menge zu stürzen. Man sieht Besucher in den verrücktesten Verkleidungen und skurrile Gestalten in aufwendig gestalteten Gewandungen. Natürlich darf auch der eine oder andere Nackte nicht fehlen – etwas, das mittlerweile fast schon zur Tradition des Festivals gehört, auch wenn vermutlich niemand ausdrücklich darum gebeten hat.

So geht eine weitere Ausgabe des Obscene Extreme Festivals zu Ende. Eine weitere unvergessliche Edition voller großartiger Konzerte, spannender Neuentdeckungen und Freaks aus allen Teilen der Erde. Ein Festival, das sich seine ganz eigene Identität bis heute bewahrt hat. Hier steht extremer Metal nach wie vor im Mittelpunkt. Kaum ein anderer Ort vermittelt ein derart starkes Gemeinschaftsgefühl wie Trutnov. Es bleibt zu hoffen, dass die Freaks auch 2027 in Trutnov für ein paar Tage ganz sie selbst sein können.