Ab dem 28.08.2026 ist das neue Album The Ember Gone der aus Bordeaux stammenden Technical-Death-Metal-Band Gorod über Base Productions / Season Of Mist auf CD und auf Vinyl verfügbar.
Eine besondere Verbindung zu Gorod
Mein erster intensiver Kontakt mit Gorod geht auf das Jahr 2018 zurück. Damals habe ich ihr Album Æthra besprochen und war von der musikalischen Qualität der Franzosen schlichtweg begeistert. Aus dem damaligen Review entwickelte sich über die Jahre eine echte Begeisterung für die Band – inzwischen darf ich mich wohl ohne Übertreibung als Die-Hard-Fan bezeichnen.
Live konnte ich Gorod erstmals 2024 beim Death Feast in Andernach erleben. Was die Franzosen dort auf die Bühne gebracht haben, war nicht nur für mich die absolute Sensation des Festivals. Ein Jahr später folgte in Köln das Wiedersehen bei einem Konzertabend, der einmal mehr eindrucksvoll bestätigte, warum diese Band innerhalb des Technical Death Metal eine Ausnahmestellung einnimmt.

Pic by Big Simonski
Zwischen Technik und Emotion
Die französischen Technical-Death-Metaller aus Bordeaux gehören seit Jahren zu den Bands, die technische Brillanz und echtes Songwriting erstaunlich selbstverständlich miteinander verbinden. Mit The Ember Gone schlägt das Quintett den progressiveren Weg noch deutlicher ein. Wer allerdings eine reine Demonstration musikalischer Fähigkeiten erwartet, liegt daneben. Vielmehr stehen auf The Ember Gone Atmosphäre, Dynamik und Emotion im Mittelpunkt.
Komplex, aber niemals kopflastig
Bereits Signs zeigt, wohin die Reise geht. Kantige Gitarrenfiguren treffen auf treibende Grooves, während die Arrangements immer wieder aufgebrochen werden und neue musikalische Räume entstehen. Devise setzt diese Entwicklung fort und verbindet technische Raffinesse mit ausgesprochen melodischen Momenten.
Genau hier liegt eine der großen Qualitäten von The Ember Gone: Gorod spielen nicht einfach möglichst viele Noten. Die Franzosen lassen ihren Kompositionen Luft, bauen Spannungen auf und lösen diese gezielt wieder auf. Selbst die anspruchsvollsten Passagen wirken dadurch organisch.
Die Gitarristen Mathieu Pascal und Nicolas Alberny sorgen für ein beeindruckendes Feuerwerk aus verschachtelten Riffs, Stakkato-Figuren und melodischen Soli. Gleichzeitig halten Bassist Benoit Claus und Schlagzeuger Karol Diers das Geschehen zusammen. Besonders Diers fällt durch sein variables und ausgesprochen musikalisches Spiel auf. Statt permanent auf Höchstgeschwindigkeit zu setzen, reagiert er auf die einzelnen Songpassagen und verleiht den komplexen Arrangements zusätzlichen Groove.
Progressive Freiheit statt Dauerfeuer
Deutlich hörbar sind Einflüsse aus Jazz, Fusion und Progressive Metal. Dabei gelingt Gorod das Kunststück, diese Elemente nicht wie Fremdkörper in den Death Metal einzubauen. Sie sind fester Bestandteil des eigenen Klangbildes.
Besonders Forgiveness und Regret zeigen diese Entwicklung. Die Stücke lassen sich Zeit, bauen Atmosphäre auf und überraschen mit unerwarteten Wendungen. Währenddessen sorgt Sänger Julien Deyres mit seinen unterschiedlichen Gesangstechniken für zusätzliche Kontraste. Neben seinen aggressiven Growls kommen zunehmend cleane und atmosphärische Passagen zum Einsatz.
Mit Crimson folgt ein Instrumentalstück, das die progressive Seite der Band besonders deutlich präsentiert. Gitarren und Rhythmussektion bekommen Raum für ausgedehnte musikalische Entwicklungen, ohne dass der Song dabei in eine reine Technikdemonstration abrutscht.

Pic by Big Simonski
Ein starkes Finale
Gegen Ende verdichtet sich das Album zunehmend. Ignite verbindet treibende Passagen mit melodischen Elementen, bevor Ember und Remains den abschließenden Spannungsbogen bilden.
Gerade Remains funktioniert dabei weniger als klassischer Death-Metal-Finale-Brecher, sondern vielmehr als atmosphärischer Abschluss. Die Musik wirkt zunehmend schwer und nachdenklich, bevor Gorod das Album mit einem offenen Gefühl ausklingen lassen.
Ein Album mit bedrückender Aktualität
Thematisch beschäftigt sich The Ember Gone mit Umweltzerstörung, menschlicher Maßlosigkeit und den Folgen eines Fortschritts, der zunehmend außer Kontrolle gerät. Das Motiv des Feuers zieht sich dabei als roter Faden durch das Album. Es geht um das, was der Mensch erschafft, verbraucht und letztlich möglicherweise selbst zerstört.
Besonders bitter ist die Tatsache, dass kurz vor der Veröffentlichung schwere Waldbrände die Region rund um Bordeaux getroffen haben. Damit erhält die ohnehin düstere Thematik des Albums eine Aktualität, die wohl niemand innerhalb der Band in dieser Form hätte vorhersehen können.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Gorod – The Ember Gone in unserem Time For Metal Release-Kalender.



