Grandma’s Ashes, 2017 in Paris gegründet, begannen ihre Identität mit der EP The Fates (2021) zu formen. Bereits hier wurde ihre sehr persönliche Mischung aus Progressive Rock, Stoner und gotischen Nuancen erkennbar – getragen von diesem charakteristischen Kontrast zwischen dichten Riffs und einer kristallklaren Stimme, die bis heute eines ihrer Markenzeichen ist.
Mit ihrem Debüt This Too Shall Pass (2023) machte das Trio einen deutlichen Schritt nach vorne. Die Kompositionen wurden reifer und kongruenter, was sie unter anderem auf das Hellfest brachte, und ihnen ermöglichte, auch außerhalb Frankreichs zu touren. Damit etablierten sie sich als eine der interessantesten aufstrebenden Bands der europäischen Alternative-Szene.
Zwischen 2023 und 2025, nach einer intensiven Live-Phase, hat die Band ihren Sound sowie ihre ästhetische und thematische Ausrichtung weiter geschärft. Dabei greifen sie auf zeitgenössische Themen wie Angst, gesellschaftliche Krisen oder emotionalen Zusammenbruch zurück – Bereiche, die im heutigen Kontext fast schon allgegenwärtig sind – und übertragen diese auf eine ehrliche und stimmige Weise in ihr musikalisches Universum.
Ich habe sie letztes Jahr zufällig entdeckt, und sie haben mich vom ersten Moment an gepackt.
Bruxism wird mit Saints Kiss eröffnet: ein direkter, kraftvoller Einstieg, der sofort klarmacht, wohin die Reise geht.
Empty House hält dieses Niveau und überzeugt mit einem starken Refrain. Diese energetische Nummer dürfte gerade in Live-Situationen hervorragend funktionieren. Sufferer – die erste Single-Auskopplung des Albums – erinnert deutlich an Queens Of The Stone Age und fasst den Sound von Grandma’s Ashes gut zusammen.
Nightwalk erzeugt eine dichtere, fast hypnotische Atmosphäre, bevor die Band mit Flesh Cage und dem Einsatz von Growls wieder mehr Schärfe hineinbringt. Die Kohärenz bleibt dabei aber durchaus gewahrt. Der Band gelingt es trotz eines Wechsels im Feeling, einen wiedererkennbaren und sehr eigenen Sound beizubehalten.
Neutral Life, Neutral Death wirkt ruhiger und fast feierlich und bereitet den Weg für Cold Sun Again, die zweite Single, in der die Band zeigt, dass sie Emotion auch durch Zurückhaltung aufbauen kann. Calix fungiert als emotionaler Zwischenraum mit dynamischen Wechseln und einem abrupten Ende, das in Duality mündet – einen der konzeptionell stärksten Songs des Albums, der sich mit inneren Konflikten gegenüber konventionellen Strukturen auseinandersetzt.
Den Schlusspunkt setzt Dormant. Ein Midtempo-Stück, das sich stetig steigert und im letzten Drittel in eine deutlich rauere, growl-basierte Gesangsform übergeht. Auch live nutzt die Band diesen Song als Rausschmeißer.
Diese Entscheidung ist auf Kontrastebene durchaus interessant, kann aber auch polarisieren: Gerade bei einer so markanten und fesselnden Stimme wirkt dieser Wechsel hin zu komplettem Growl-Gesang im Finale nicht unbedingt wie die naheliegendste Wahl für einen Abschluss – weder auf Platte noch live. Dennoch fügt sich der Song in das Gesamtbild ein und verstärkt die dunklere Stimmung, mit der das Album endet.
Insgesamt überzeugt das Album durch seine Balance zwischen Zugänglichkeit und Tiefe: eingängige Refrains, eine klare, druckvolle Produktion – bei der jedes Instrument seinen Raum bekommt – und eine Gesangsleistung, die sofort hängenbleibt. Einige Songs wirken vielleicht etwas zurückhaltender als andere, doch keiner fällt ab oder wirkt fehl am Platz; alles trägt zur Gesamtwirkung bei. Alles in allem ist Bruxism ein geschlossenes, charakterstarkes Werk, das nicht darauf abzielt, das Genre neu zu erfinden, sondern seine eigene Handschrift konsequent weiterzuentwickeln. Eine wirkungsvolle Mischung aus Spannung, Dunkelheit und dem Gefühl, sich langsam in Richtung Licht zu bewegen.
Live spielen Grandma’s Ashes für gewöhnlich ein Cover der Björk-Nummer Army Of Me. Damit unterstreichen sie einen weiteren großen Einfluss, der die musikalische Ausrichtung der ungewöhnlichen Band beeinflusst hat.
Aktuell präsentieren sie das Album auf einer Tour durch kleinere bis mittelgroße Clubs – und es ist absehbar, dass sie diese Größenordnung bald hinter sich lassen werden. Verpasst diese Phase nicht: Es ist eine seltene Gelegenheit, eine Band mit großem Potenzial noch in intimen Venues zu erleben, bevor sie den nächsten Schritt macht. Mit Bruxism untermauern Grandma’s Ashes nicht nur ihre Stellung in der europäischen Szene; sie zeigen deutlich, dass sie für den nächsten Schritt bereit sind.
Sie bewegen sich stilistisch in einer Linie mit Brutus, Baroness, Queens Of The Stone Age oder Björk: Wer sich in diesem Spektrum wohlfühlt, wird hier definitiv seinen Spaß haben.
Hier geht es für weitere Informationen zu Grandma’s Ashes – Bruxism in unserem Time For Metal Release-Kalender.



