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Lantlôs – Nowhere In Between Forever
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·17. April 2026·3 Minuten Lesedauer

Lantlôs – Nowhere In Between Forever

03.04.2026 - Post-Metal, Alternative Rock, Shoegaze, Electronic - Prophecy Productions - 42:28 Minuten

Ich verfolge Lantlôs tatsächlich erst seit dem 2015er-Album Melting Sun, und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese Band bis heute so fasziniert. Während viele sie noch aus ihren frühen Black-Metal-Tagen kennen, habe ich sie genau in dieser Übergangsphase kennengelernt, als sich ihr Sound bereits geöffnet und verändert hatte. Und seitdem beobachte ich diese Entwicklung mit einer Mischung aus Neugier und ehrlicher Begeisterung.

Gegründet wurde Lantlôs Mitte der 2000er als klassisches Black-Metal-Projekt rund um Markus Siegenhort, heute bekannt als Markus Skye. Das Debüt von 2008 war noch tief im rohen, kalten Black Metal verwurzelt: düstere Atmosphäre, harsche Vocals und eine klare stilistische Ausrichtung. Spätestens mit .neon entwickelte sich die Band jedoch zu einem der prägendsten Acts im Post-Black-Metal bzw. Blackgaze.

Was danach folgte, ist eigentlich das, was Lantlôs heute ausmacht: ein steter Wandel. Die Musik wurde melodischer, offener, träumerischer, und spätestens mit Melting Sun begann diese Abkehr vom klassischen Black Metal, hin zu etwas Eigenständigem. Wildhund hat diese Richtung weitergeführt, hier knüpft Nowhere In Between Forever an, geht aber gleichzeitig noch einen deutlichen Schritt weiter.

Und genau dieses Nicht-Stehenbleiben ist es, was mich an der Band so begeistert. Dieses Anderssein, dieses bewusste Entfernen von Erwartungen, das kann irritieren, aber es kann eben auch unglaublich berühren. Eine Entwicklung, die nicht jeder mitgeht, aber genau das macht den Reiz aus.

Ein Album wie ein Gefühl – zwischen Nostalgie, Leichtigkeit und unterschwelliger Melancholie

Nowhere In Between Forever erschien am 3. April 2026 über Prophecy Productions und ist mittlerweile das sechste Studioalbum von Lantlôs.

Was mir sofort auffällt: Dieses Album fühlt sich (mal wieder) anders an. Es ist irgendwie heller, zugänglicher, stellenweise fast schon leichtfüßig, und gleichzeitig schwingt immer eine gewisse Melancholie mit. Es ist, als würde man in Erinnerungen an die 90er eintauchen, an eine Zeit, die sich unbeschwerter angefühlt hat, aber eben nur auf den ersten Blick. Musikalisch bewegt sich das Album irgendwo zwischen Shoegaze, Dreampop, Alternative Rock und elektronischen Einflüssen. Der Black-Metal-Ursprung ist hier kaum noch direkt greifbar, sondern eher eine ferne Erinnerung, die in der Atmosphäre mitschwingt.

Was ich besonders spannend finde: Die Songs wirken oft fast schon poppig, teilweise sehr eingängig, aber nie platt  oder gar langweilig. Hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit steckt eine gewisse Tiefe, manchmal auch etwas Künstliches, fast schon bewusst Steriles, das dem Ganzen eine interessante Spannung verleiht.

Produktionstechnisch ist das Album extrem rund. Markus Skye hat hier alles selbst in die Hand genommen, vom Songwriting über das Recording bis hin zu Mixing und Mastering. Und genau das hört man: Alles wirkt sehr geschlossen, sehr durchdacht, fast schon wie aus einem Guss.

Zwischen verträumten Melodien und elektronischen Ausflügen

Der Einstieg mit Daisies funktioniert für mich sofort. Der Song verbindet noch am ehesten die Vergangenheit mit der Gegenwart, verzerrte Gitarren treffen auf weiche Vocals und schaffen diesen typischen Lantlôs-Vibe, den ich seit Melting Sun so schätze. Cherries geht dann direkt einen Schritt weiter. Der Song wirkt fast schon leicht und verspielt, mit einer Melodie, die sich schnell festsetzt. Genau hier merkt man, wie sehr sich die Band inzwischen geöffnet hat. Mit Oxygen kommt mehr Bewegung ins Spiel. Der Track hat Tempo, wirkt lebendiger und bringt eine gewisse Dynamik rein, ohne die Grundstimmung des Albums zu verlieren. Spannend wird es vor allem bei den elektronischeren Stücken. Jeanet oder Numb TV Superstar gehen deutlich stärker in Richtung digitaler Sounds, teilweise mit Drum’n’Bass-Anleihen und synthetischen Elementen. Das ist schon ein mutiger Schritt, aber dieser funktioniert für mich erstaunlich gut, weil die Band es schafft, ihre eigene Handschrift beizubehalten. Ein echtes Highlight ist für mich Planets. Der Song hat etwas unglaublich Atmosphärisches, fast schon Cinematisches. Die Synths, die Melodie, dieses Gefühl von Weite, das sind dann diese Momente, in denen das Album richtig aufgeht. Auch Solar Death bleibt hängen. Ein eher ruhigerer, dichter Song, der viel Raum lässt und sich langsam entfaltet. Hier kommt diese melancholische Seite besonders stark zur Geltung. Clockworks bringt dann wieder etwas mehr Gewicht rein. Der Song hat eine Schwere, ohne seine Atmosphäre zu verlieren, es ist eine Mischung, die Lantlôs inzwischen wirklich gut beherrschen. Und mit Windhunter endet dieses Album auf eine sehr stimmige Art. Kein großes Finale, sondern eher ein Ausklingen, das das Gesamtgefühl der Platte noch einmal zusammenfasst.

Was man vielleicht sagen kann, ohne dass ich es zu sehr kritisieren möchte: Nicht jeder Moment zündet sofort gleich stark, und gerade durch die stilistische Nähe mancher Songs verschwimmt zwischendurch etwas die klare Abgrenzung. Aber das fällt eher beim genauen Hinhören auf und schmälert das Gesamtbild nicht wirklich.

HIER! geht es für weitere Informationen zu Lantlôs – Nowhere In Between Forever in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Lantlôs – Nowhere In Between Forever
Fazit zu Nowhere In Between Forever
Nowhere In Between Forever ist für mich ein Album, das man nicht nebenbei hört. Es ist eher ein Gefühl als eine klassische Metalplatte. Lantlôs gehen ihren Weg konsequent weiter. Es geht weg von ihren Wurzeln, hin zu etwas Eigenem, das sich irgendwo zwischen Alternative, Shoegaze und elektronischer Musik bewegt.

Und auch wenn das nicht jeden abholen wird, liegt genau darin die Stärke. Dieses Album traut sich etwas, es denkt nicht in Genregrenzen und es wirkt dabei erstaunlich ehrlich.

Für mich persönlich ist genau das der Grund, warum ich diese Band seit Melting Sun so gerne verfolge. Diese Entwicklung, dieses Loslösen von Erwartungen – das ist nicht immer einfach, aber genau deshalb so spannend.

Unterm Strich bleibt ein sehr stimmungsvolles, vielseitiges Album, das vor allem durch seine Atmosphäre und seine Melodien überzeugt – auch wenn es hier und da kleine Momente gibt, die nicht ganz die gleiche Intensität erreichen wie die Highlights.

Anspieltipps: Daisies, Planets und Clockworks
Dave S.
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2026Alternative RockDeutschlandElectronicLantlosPost-MetalProphecy ProductionsShoegaze

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