Karnivool – In Verses

06.02.2026 – Alternative Rock, Progressive Rock, Art Rock – Inside Out Music – 63:25 Minuten

Was ist zwischen 2013 und 2026 alles passiert? Wir erinnern uns sofort an die Pandemie, in Europa herrscht Krieg und die Despoten und Diktatoren sind weltweit auf dem Vormarsch. Die Sportfans erinnern sich eventuell noch an einen Weltmeistertitel im Fußball. Karnivool aus Australien veröffentlichten 2013 ihren dritten Longplayer Asymmetry. 13 Jahre später folgt nun Album Nummer vier mit dem Namen In Verses. In der Zwischenzeit waren Karnivool bis auf zwei Single-Häppchen im Studio nicht aktiv. Das klingt insgesamt unrund und nach einem Re-Start. Was haben Karnivool auf ihrem vierten Werk verewigt? Können die Herren an Asymmetry, immerhin Platz eins in den australischen Charts, anknüpfen?

In Verses folgt 13 Jahre nach Asymmetry

Karnivool haben ihren bisherigen musikalischen Ansatz nicht verloren und ordnen sich irgendwo zwischen dem Alternative Rock von Soen, dem Art Rock von Leprous und den progressiven Ansätzen von Tool ein. Grundsätzlich neu ist das nicht. Die bisherigen Platten haben genau derartige Schwerpunkte. Auf In Verses vermischen sich diese Schwerpunkte, sodass das Material sehr abwechslungsreich daherkommt.

Ghost liefert zum Einstieg gleich eine große musikalische Bandbreite, die die Hörerschaft fordert. Ruhige instrumentale Passagen, progressiv sperrige Elemente und der facettenreiche Gesang von Ian Kenny lassen aufhorchen und sorgen für eine spannende Nummer über mehr als sechs Minuten. Das nachfolgende Drone überrascht mit einem lockeren Rhythmus. Karnivool biegen zum Alternative Rock ab und lassen einen gewissen Härtegrad vermissen.

Das sechsminütige Aozora und das nachfolgende Animation tummeln sich mehr in progressiven Gefilden und knüpfen grob an den Einsteiger-Track an, sodass auch der zerbrechliche Part immer wieder durchschimmert. Der erste richtige Langläufer mit mehr als acht Minuten ist Conversations, bei dem sich Karnivool als zugängliche Alternative Rocker präsentieren, auch wenn die Saiten progressive Elemente einstreuen.

Die weiteren Tracks wie Reanimation, All It Takes, Remote Self Control oder Opal bewegen sich in dem Dreieck Alternative Rock, Progressive Rock und Art Rock. Technisch gibt es nichts zu bemängeln, auch der Albumfluss und die generelle Konzeption sind gelungen. Der Schlusspunkt Salva kratzt an der Laufzeit von acht Minuten und fasst die Ausrichtung und Flexibilität von Karnivool 2026 nochmals zusammen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Karnivool – Conquering Swords in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Karnivool – In Verses
Fazit zu In Verses
Karnivool sitzen mit ihrem vierten Longplayer In Verse etwas zwischen den Stühlen. Für progressive Rockfans dürften der Härtegrad und die Sperrigkeit nicht ausreichen. Wer auf Art Rock der Marke Yes und Co. steht, dürfte sich an den teilweise harschen Riffs stören. Für Alternative Rock sind die Stücke nicht eingängig genug. Wer ist dann der Kundenkreis für Karnivool 2026?

Musikfans, die ein technisch hochklassiges und facettenreiches Werk mögen, das sich nicht aufdrängt, aber trotzdem einige Durchläufe benötigt. Eine Platte, die nicht unbedingt mitreißt, aber durch ihren Fluss und ihren Ideenreichtum jederzeit spannend rüberkommt. Oder einfach ausgedrückt: Sowohl Fans von progressiven, sperrigen Klängen, als auch die Anhängerschaft von Alternative Rock sollten Karnivool antesten und nicht nach einem Durchlauf die Segel streichen.

Anspieltipps: Ghost, Aozora und Salva
Jürgen F.
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