Pelagic Fest 2026 am 28.08. und 29.08.2026 in Maastricht // Tag 1

Zwei Tage zwischen Post-Rock, Post-Metal und musikalischen Grenzgängen

Eventname: Pelagic Fest

Bands: The Ocean, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, Oh Hiroshima, EF, Lost In Kiev, Spurv, The Devil’s Trade, Predatory Void, Otay:Onii, Zatokrev, Norna, Abraham, Hanry, Preyrs

Ort: Muziekgieterij, Boschstraat 5, 6211 AE Maastricht, Niederlande

Datum: 28.08. – 29.08.2026

Kosten: 130 Euro (2-Tages-Ticket) zzgl. VVK-Gebühren

Genre: Progressive Metal, Progressive Rock, Post Rock, Post Metal, Sludge, Doom, Ambient, Experimental

Veranstalter: Pelagic Records

Link: https://www.facebook.com/events

Tag 1: Pelagic Fest 2026 – 200 Meter, die plötzlich 1,8 Kilometer lang sind

Über die Einladung zum Pelagic Fest 2026 (28. und 29. August) freuen Heike und ich uns riesig. Also fahren wir frühzeitig los, um rechtzeitig in Maastricht zu sein. Unser Hotel liegt laut Buchung gerade einmal 200 Meter von der Muziekgieterij entfernt – perfekt! Dumm nur, dass unser Navi daraus kurzerhand 1,8 Kilometer macht. Also laufen wir die Strecke einfach.

In der Muziekgieterij angekommen, kommen wir schnell mit anderen Fans und Besuchern ins Gespräch. Die bestätigen uns dann auch mehrfach: „Das sind doch niemals 1,8 Kilometer!“ Und tatsächlich: In der Nacht erreichen wir unser Hotel in nicht einmal zwei Minuten. Das Navi hatte also offensichtlich seine ganz eigene Vorstellung von Entfernung. 😉

Impressionen, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Die Muziekgieterij erweist sich dabei als perfekte Festival-Location. Mit ihrer Main Stage und der kleineren Bühne bietet sie kurze Wege und trotzdem zwei völlig unterschiedliche Räume.

Beim Fest von Pelagic Records in Maastricht erwarten uns Bands aus den Bereichen Post-Rock, Post-Metal, Progressive Metal, Ambient und experimenteller Musik. Für uns also die perfekte Gelegenheit, zwei Tage lang tief in diese ganz eigene musikalische Welt einzutauchen. Und eines sei bereits vorweggenommen: Die Reise nach Maastricht hat sich mehr als gelohnt.

Preyrs – Dunkler Auftakt mit ordentlich Energie

Pünktlich um 16:00 Uhr fällt im kleinen Saal der Muziekgieterij der Startschuss für das Pelagic Fest 2026 und Preyrs übernehmen die undankbare Aufgabe, als erste Band des Festivals.

Die Iren um Frontfrau Amy Montgomery und Schlagzeuger und Multiinstrumentalist Michael Mormecha machen allerdings schnell klar, dass hier niemand lange auf Betriebstemperatur warten muss. Ihr Mix aus Alternative Rock, Industrial, Post-Rock und düsteren Metal-Elementen klingt eigenwillig und gleichzeitig erstaunlich eingängig. Vor allem Frontfrau Amy Montgomery zieht alle Blicke auf sich. Sie bewegt sich permanent, lebt jeden einzelnen Song und wechselt mühelos zwischen zerbrechlich wirkenden, beinahe entrückten Momenten und wütender, kraftvoller Performance. Besonders spannend ist dabei die Dynamik innerhalb der Songs: Mal wird es beinahe intim, nur um kurze Zeit später wieder deutlich aggressiver und druckvoller zu werden. Im kleinen Saal sorgt besonders die Nähe zwischen Band und Publikum für eine clubartige Atmosphäre, und Preyrs nutzen diesen direkten Kontakt hervorragend.

Preyrs, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Spurv – Atmosphärische Klangwelten

Nur fünf Minuten nach Preyrs geht es auf der Main Stage mit Spurv weiter. Das norwegische Sextett bringt mit seinem instrumentalen Post-Rock einen völlig anderen Ansatz auf die Bühne.

Von Beginn an entstehen weitläufige, melancholische Klanglandschaften, in denen sich filigrane Gitarren mit orchestralen Elementen verbinden. Statt großer Gesten setzen Spurv auf Dynamik und Atmosphäre, mal ruhig und beinahe zerbrechlich, dann wieder mit gewaltiger Intensität. Spurv führen ihr Album Kelolågen als komplettes Set auf. Das funktioniert live hervorragend: Die sechs Musiker lassen sich Zeit, bauen ihre Stücke langsam auf und ziehen das Publikum immer tiefer in ihre Klangwelt hinein.

Spurv, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Red Dwarf Star – Melancholische Klangwelten

Pünktlich geht es im kleinen Saal mit Red Dwarf Star weiter. Hinter dem Projekt steckt Coley Dennis, bekannt als Gitarrist der US-Post-Rock-Institution Maserati. Für Red Dwarf Star schlägt er allerdings deutlich persönlichere und melancholischere Töne an.

Die Songs bewegen sich zwischen Post Rock, Shoegaze und Alternative Rock. Statt großer Ausbrüche dominieren zunächst verträumte, teilweise düstere Klangflächen, die immer wieder von treibenden Rhythmen und intensiveren Passagen durchbrochen werden. Live bekommt das Material dadurch deutlich mehr Druck, als man es von einem ursprünglich sehr persönlichen Soloprojekt erwarten könnte.

Red Dwarf Star, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Abraham – Düster, brachial und kompromisslos

Im kleinen Saal geht es mit den Schweizern Abraham weiter. Das Quartett aus Lausanne (Schweiz) gehört zu den düstereren Vertretern des Pelagic-Kosmos und verbindet Post-Metal mit Hardcore- und Black-Metal-Einflüssen.

Live lassen sie ein „Alpendonnern“ hier: schwere, dissonante Gitarren, wuchtige Drums und die verzweifelten Vocals von Dave „Schlagmeister“ Haldimann erzeugen eine bedrückende Atmosphäre. Die Band klingt roh, dreckig und stellenweise geradezu apokalyptisch. Dabei verzichten Abraham weitgehend auf verspielte Elemente und setzen stattdessen auf pure Intensität. Die Nähe zum Publikum im kleinen Saal verstärkt die ohnehin schon beklemmende Wirkung der Musik und macht den Auftritt zu einem ersten richtig schweren Brocken des Tages. Ich hatte den Jungs noch eine mitgebrachte Platte zum Signieren an den Merchstand gelegt. Das haben sie allerdings vergessen. Da muss ich dann leider auf ein nächstes Aufeinandertreffen mit den Schweizern warten.

Abraham, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

EF – 20 Jahre „Give Me Beauty… Or Give Me Death!“

Nach dem Auftritt von Abraham wird es auf der Main Stage wieder deutlich melodischer. EF aus Göteborg stehen auf der Bühne und haben für das Pelagic Fest etwas ganz Besonderes im Gepäck: Zum 20-jährigen Jubiläum spielen sie ihr Debüt Give Me Beauty… Or Give Me Death! komplett. Zwischen fragilen, melancholischen Passagen und gewaltigen Soundwänden entfaltet sich der typische EF-Post-Rock, der immer wieder von Melodien getragen wird. Dazu kommen die emotionalen Vocals, die den ansonsten überwiegend instrumentalen Stücken zusätzliche Tiefe verleihen.

EF, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Predatory Void – Brutale Intensität

Im kleinen Saal wird es mit Predatory Void nun richtig düster und brachial. Die Belgier um Lennart Bossu (Amenra, Oathbreaker, Living Gate) verbinden Sludge, Doom, Black- und Death-Metal mit einer gehörigen Portion Hardcore. Sängerin Lina R wechselt dabei zwischen eindringlichen cleanen Passagen und gnadenlosen Screams und Growls. Ich bin von der enormen Wucht dieses Live-Auftrittes richtig angetan. Die Gitarren walzen schwer und dissonant durch den Raum, während das Schlagzeug für ordentlich Druck sorgt. Gleichzeitig bleibt genügend Atmosphäre, sodass der Auftritt nicht einfach nur brutal, sondern auch beklemmend und intensiv wirkt. Ein kompromissloser Auftritt, der den kleinen Saal ordentlich durchrüttelt – ganz nach meinem Geschmack!

Predatory Void, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Wheel – Progressive Metal mit ordentlich Druck

Nach der brachialen Show von Predatory Void geht es auf der Main Stage mit Wheel weiter. Hierbei handelt es sich nicht um die deutschen Epic-Doomer, sondern um das finnisch-britische Quartett um Sänger und Gitarrist James Lascelles. Wheel bringen nun wieder eine deutlich progressivere Note ins Festival. Dieser Wechsel der Stilrichtungen macht das Festival aus!

Die deutschen Wheel habe ich bereits vor Jahren live gesehen, die heute auf der Bühne stehenden Wheel jedoch noch nicht, wobei ich ihre Musik natürlich kenne.

Wheel, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Die Band verbindet komplexe Rhythmen, wuchtige Gitarren und atmosphärische Passagen zu einem Sound, der ebenso technisch wie eingängig ist. Gerade live funktionieren die langen, abwechslungsreichen Songs hervorragend. Wheel spielen konzentriert, präzise und mit ordentlich Druck, ohne dabei ihre melodische Seite zu verlieren. Ein starker Auftritt, der den musikalischen Facettenreichtum des Pelagic Fest einmal mehr unterstreicht.

Aiming For Enrike – Zwei Musiker, ein gewaltiger Sound

Im kleinen Saal wird es mit Aiming For Enrike noch einmal richtig ungewöhnlich. Das norwegische Duo Simen Følstad Nilsen an der Gitarre und Tobias Ørnes Andersen am Schlagzeug braucht eigentlich nicht mehr als diese beiden Instrumente und eine Menge Effektgeräte und Loops. Trotzdem entsteht ein Sound, der deutlich größer wirkt.

Die Mischung aus Math Rock, Elektronik, Post Rock und experimentellen Elementen ist dabei ebenso tanzbar wie unberechenbar. Während Andersen hinter seinem Drumkit für treibende und teilweise geradezu hypnotische Rhythmen sorgt, baut Nilsen mit Loops und Effekten immer neue Klangschichten auf. Aiming For Enrike liefern einen überraschend energiegeladenen und völlig eigenständigen Auftritt. Genau der richtige Abschluss im kleinen Saal, bevor es auf der Main Stage mit dem Top-Act The Ocean weitergeht.

Aiming For Enrike, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

The Ocean – Die volle Dröhnung zum Abschluss

Den Abschluss des ersten Festivaltages übernehmen die Berliner The Ocean und besser könnte dieser Tag nicht enden. Ich habe die Band noch im letzten Jahr beim Freak Valley als Top-Act der damaligen Besetzung erlebt. Mastermind Robin Staps, gleichzeitig Chef von Pelagic Records und Veranstalter des Events, ist es gelungen, die Band weiter bestehen zu lassen und eine neue Besetzung zusammenzubringen. Heute dürfen wir die Band in der neuen Besetzung erleben, es ist erst ihr zweiter Gig in dieser Besetzung.

Mit Enrico Tiberi und Lane Shi stehen gleich ein Vocalist und eine Vocalistin am Mikrofon, während Robin Staps, Emmanuel Jessua und Marco Gennaro für die Gitarren sorgen. Mattias Hägerstrand übernimmt den Bass und Jordi Farré sitzt hinter dem Schlagzeug. Besonders ins Auge fällt dabei Lane Shi, die während des gesamten Auftritts eine auffällige Wollmaske trägt und damit der ohnehin intensiven Performance noch eine ganz eigene, mystische Note verleiht.

The Ocean, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Was The Ocean anschließend auf die Bühne bringen, ist schlicht spektakulär. Das Progressive-/Atmospheric-Post-Metal-Kollektiv lässt sich ohnehin nur schwer in eine Genre-Schublade stecken. Progressive Metal, Post-Metal, Sludge und jede Menge weiterer Einflüsse verschmelzen zu einem völlig eigenen Sound.

Die volle Dröhnung gibt es heute Abend zum Abschluss für die Ohren. Mächtige Soundwände treffen auf atmosphärische Momente. Der Veranstalter hätte eigentlich warnen müssen: Der Genuss von The Ocean kann zu vorübergehenden Beeinträchtigungen der Sinne führen! 😉

Spaß beiseite: Was hier passiert, ist einfach beeindruckend. The Ocean setzen zum Abschluss einen gewaltigen Schlusspunkt unter den ersten Festivaltag – besser geht es kaum.

Fazit – Ein Auftakt, der Maßstäbe setzt

Der erste Tag des Pelagic Fest 2026 zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das musikalische Universum des Labels ist. Von atmosphärischem Post-Rock über progressive Klangwelten bis hin zu brachialem Post-Metal und experimentellen Sounds ist eigentlich alles dabei. Besonders die beiden Bühnen funktionieren dabei hervorragend: kurze Wege, keine Überschneidungen und immer die Möglichkeit, schnell zwischen den unterschiedlichen musikalischen Welten zu wechseln. Genügend Zeit auch für das eine oder andere Getränk, oder intensive Gespräche mit netten Menschen.

Impressionen, Pelagic Fest 2026, Pic by Big Simonski

Mit The Ocean findet der Tag schließlich einen spektakulären Abschluss. Das Pelagic Fest schafft es, unterschiedlichste Facetten schwerer, atmosphärischer und experimenteller Musik unter einen Hut zu bekommen, ohne dass dabei ein Act wie ein Fremdkörper wirkt.