Harlott – Exsequiis

11.09.2026 – Thrash Metal – Metal Blade Records – 46:05 Minuten

Was für ein heftiger Bass-Sound – wie ein Hammer, der wild auf Stahlstreben einschlägt. Trotz kurzem Intro erwischt einen der mörderische Stahl aus der Welt der Xenobiten kalt und erbarmungslos. Haben die Aussie-Thrasher Harlott mit Kneifzangen am Mischpult gesessen, um solch einen fiesen Sound zu produzieren? Dann ballern sie auch noch los, als wäre ein Jäger hinter ihrem Leben her. Besser eine Rüstung anlegen, wer die Dreiviertelstunde modernen Thrash Metal von Exsequiis in einem Stück überstehen möchte.

Ideenmangel vs. Leidenschaft

Maschinengewehr-Blast-Parts sägen in die Gliedmaßen, versierte Riffs schneiden tief ins Fleisch, ein kraftvoller Beat klopft jeden Widerstand weich und obendrein lässt Shouter und zugleich Saiten-Handwerker Andrew Hudson keinen Zweifel daran, dass ihn derzeit wohl vieles ankotzt. So halten Harlott den Aggro-Faktor über die gesamte Spielzeit der zehn Songs hoch, ohne stumpf drauflos zu thrashen.

Die vier Jungs wissen, wie Thrash Metal anno 2026 zu spielen ist: variantenreich und doch ohne Sperenzien, brutal und doch mit Augenmaß, modern und doch mit Gespür, wo die Wurzeln des Thrash Metal liegen und wo er immer noch hingehört – in die kleinen Clubs. Harlott sind auch keine Anfänger mehr. Am Spagat zwischen 1985 und 2026 brechen sie sich nicht das Rückgrat. Es ist die mangelnde Eigenständigkeit, die sich ab einem gewissen Zeitpunkt mit Nachdruck negativ und nervend bemerkbar macht.

Altes Handwerk vs. moderne Technik

In den stampfenden Mid-Tempo-Passagen werden gekonnt Exodus geklont. Die schnellen Parts sind dem Patent der Mid-80er-Thrash-Version von Metallica entrissen. Bei den bombastisch-harmonischen Teilen inklusive Double-Bass lassen sich die zeitgenössischen Kreator mehr als einmal heraushören. Die aggressiven Hardcore-Crew-Shouts sind auch nicht neu, dafür aber effektiv eingearbeitet. Aus diesem Sammelsurium an unüberhörbaren Versatzstücken formen Harlott zugegebenermaßen zu einem überaus energischen Thrash-Metal-Mix.

Hier geht es lang für weitere Informationen zu Harlott – Exsequiis in unserem Time For Metal Release-Kalender

Harlott – Exsequiis
Fazit zu Exsequiis
Mit eigenen Ideen können Harlott leider nur wenig Land gewinnen, doch Leidenschaft und Überzeugung sind ihr Pfund, mit dem sie wuchern gehen können. Ihr Potpourri aus dem Besten von Exodus, Metallica und Kreator sollten sie Fans dieser Combos auf ihre Seite ziehen können. Für den zerstörenden Bass-Sound gibt es einen weiteren Daumen hoch sowie dafür, dass die Aussies über 80 Prozent der Zeit kompromisslos thrashen. Moderne Elemente wie deplatzierte Clean-Vocals und käsige hymnische Chöre stellen aber die gesichtslose Seite der Medaille dar. Zum Glück fällt diese nicht allzu oft auf diese Seite, sodass Exsequiis durchaus als überdurchschnittliches Album, aber nicht mehr, bezeichnet werden kann.

Anspieltipp: Void
Kristian H.
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