Aus der weitläufigen norwegischen Post-Rock-Landschaft hervorgegangen, kündigen Spurv ihr viertes Album Kelolågen an, das am 5. Februar 2027 über Pelagic Records erscheinen wird. Begleitend dazu präsentiert die sechsköpfige Band die erste Single des Albums, Kelogadd – ein düsterer, lärmiger Post-Punk-Track, der von Bass und elektronischer Perkussion angetrieben wird. Er besticht durch hauchenden Gesang sowie eine stark bearbeitete Feldaufnahme eines Wasserfalls in einem Urwald im Norden Norwegens.
Kelogadd ist ab sofort auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar – hier anhören.
Im Laufe von fünfzehn Jahren haben Spurv einen unverwechselbaren Sound entwickelt, der Elemente aus klassischer Komposition, Folk, Post-Punk, Noise, elektronischer Musik und den härteren Spielarten des Metal vereint. Durch ineinandergreifende Gitarren, dynamische Perkussion, orchestrale Arrangements und sorgfältig geschichtete Klangtexturen erkundet die Band Musik als einen Weg, unsere Beziehung zur Natur zu ergründen.
Der Albumtitel bezieht sich auf ein Phänomen, für das es im Englischen (und Deutschen) keine direkte Entsprechung gibt. Ein Kelolåg ist eine Kiefer, die jahrhundertelang stand, im Stehen starb, sich silbergrau verfärbte und schließlich umfiel – um dann über Hunderte von Jahren hinweg allmählich zu Erde zu werden. Die meisten Norweger selbst kennen diesen Begriff kaum, da Urwälder nur etwa 1 % der norwegischen Waldfläche ausmachen. Auf ihrem vierten Album verleihen Spurv dem umgestürzten Baum eine Stimme – und zum ersten Mal auch einen Sänger. Bandgründer Gustav Jørgen Pedersen, der die Gruppe unter anderem deshalb ins Leben rief, um selbst niemals singen zu müssen, übernimmt nun genau diese Rolle.
„Kelo“ ist ein aus dem Samischen stammendes Lehnwort für diese trockenen, rindenlosen Bäume; „låg“ bezeichnet etwas, das umgefallen ist und auf dem Boden liegt. „Language practices sustain words that are meaningful for a language community,“, erklärt Gustav Jørgen Pedersen. „Without old-growth forests, there is no need for a term like kelolåg.“
Kelogadd – Tracklist:
- Visne Til Liv
- Soldyrker
- Kelogadd
- Navnløs
- Sammenkveilingen
- Uendelig Uendelig
Besetzung:
Gustav Jørgen Pedersen – Gesang, Gitarren, Pumporgel, Glockenspiel, Feldaufnahmen
Eirik Ørevik Aadland – Gitarren, Glockenspiel, Synthesizer
Herman Otterlei – Gitarren
Hans-Jakob Jeremiassen – Bass
Simon Ljung – Schlagzeug
Simen Eifring – Posaune
Brage Sæbø – Violine
Emilie Haagenrud – Violine
Einar Bauge – Viola
Marek Bieńkuński – Cello
Das Album wurde von Jørgen Smådal Larsen im Paradiso Studio in Oslo aufgenommen und abgemischt; das Ergebnis ist ein roher, dichter und organischer Klang. Das Mastering übernahm Magnus Lindberg von Cult Of Luna. Das Cover-Artwork stammt von Sten Ove Toft, die Fotos von Birte Magnussen.
Nachdem sie sich auf Myra (2018) mit Moorlandschaften und auf Brefjære (2023) mit Gletschern auseinandergesetzt haben, widmen sich Spurv nun dem Urwald. Die sechs Titel des Albums folgen dem Lebenszyklus eines Kelo-Baums – von seinem Wachstum zum Licht hin bis zu seinem schließlichen Umstürzen und der langsamen Rückkehr in den Boden. Die Idee dazu kam Pedersen, als er im Muddus-Nationalpark in Nordschweden auf Kelo-Bäume stieß; dies löste eine Suche nach weiteren Exemplaren im gesamten Norden aus.
Musikalisch ist Kelolågen das bisher kompakteste Werk von Spurv: Anstelle von langatmigen Aufbauphasen und Vorspielen setzt die Band auf eine höhere Dichte und Unmittelbarkeit, ohne dabei auf ihre charakteristischen Melodien und orchestralen Arrangements zu verzichten. Zudem schlägt das Album ein neues Kapitel auf, denn zwei der zentralen Stücke enthalten Gesang. „In a way, I started the band so I wouldn’t have to sing in a band“, erzählt Pedersen. „Recording the vocals was a big step but turned out to be surprisingly fulfilling.“
Da diesmal mehr Bandmitglieder als je zuvor am Songwriting und an den Arrangements beteiligt waren, erweitert Kelolågen das klangliche Spektrum von Spurv. Der Gitarrist Eirik Ørevik Aadland schrieb große Teile des Albums mit – darunter einen Großteil der vom Progressive Rock beeinflussten Riffs –, während der Posaunist Simen Eifring die Streicherarrangements beisteuerte. Das Ergebnis ist das bislang abwechslungsreichste Album der Band, das durch eine größere klangliche Tiefe, vielfältige Farben und sogar eine integrierte Harmonium-Orgel besticht.
Anstatt den Wald als verlorenes Paradies darzustellen, feiert Kelolågen seine Komplexität und Vitalität – und endet eher in einem Geist des Trotzes als in Verzweiflung. „People need to know about the old-growth forest and about kelo trees“, sagt Pedersen, „and we must stop destroying them.“ Für Spurv ist der Wald zudem ein Ort, an dem man sich alternative Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens vorstellen kann.
Spurv online:
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