Amon Amarth – Berserker

Die Schweden bringen Thors Wut erneut unter die Menschen

Artist: Amon Amarth

Herkunft: Stockholm, Schweden

Album: Berserker

Spiellänge: 57:03 Minuten

Genre: Metal, Death Metal, Melodic Death Metal

Release: 03.05.2019

Label: Sony Music

Link: https://www.facebook.com/OfficialAmonAmarth

Bandmitglieder:

Gesang – Johan Hegg
Gitarre – Olavi Mikkonen
Gitarre – Johan Söderberg
Bassgitarre – Ted Lundström
Schlagzeug – Jocke Wallgren

Tracklist:

  1. Fafner’s Gold
  2. Crack The Sky
  3. Mjölner, Hammer Of Thor
  4. Shield Wall
  5. Valkyria
  6. Raven’s Flight
  7. Ironside
  8. The Berserker At Stamford Bridge
  9. When Once Again We Can Set Our Sails
  10. Skoll And Hati
  11. Wings Of Eagles
  12. Into The Dark

Die Schweden Amon Amarth begleiten mich von ihrer ersten Stunde an. Die ersten Alben waren eine Macht, danach wurde das Konzept immer weiter verfeinert und auch die ganz harte Handschrift etwas abgeschüttelt. Melodischer mit noch eindringlicheren Refrains haben die Stücke noch emotionalere Stimmungen parat. Gut, das Lager der ersten Stunde dürfte genau dieser nordischen Härte nachtrauern, doch spätestens mit dem letzten Werk Jomsviking haben die Skandinavier bewiesen, dass eine längere Pause zwischen den einzelnen Silberlingen das Niveau noch mal puschen kann. Johan Hegg bleibt eine einmalige Ikone. Der Hüne mit dem Körper eines übermenschlichen Wikingers hat nicht nur eine Kehle, die einmalig ist, sondern er wirkt stets auf der Bühne wie ein treuer Vater, der seine Kinder vor der Bühne durch jede noch so grausame Schlacht unbeschadet führen möchte. Über Sony Music bringen sie Anfang Mai ihr elftes Studioalbum auf den Markt, welches in diesem Jahr auch bereits live zu bewundern sein wird – unter anderem auf dem Rockharz Open Air im Juli.

Mit Jomsviking sprangen Amon Amarth direkt auf Platz eins der Albumcharts und genau da dürfte man Berserker auch eingruppieren. Die Entwicklung in die melodischen Fahrwasser mit epischen Veranlagungen wird gnadenlos fortgeführt. Ihr Death Metal ist alles andere als roh – eher modern, wie auf Jomsviking, und John Hegg wird mit seinem heidnischen Gefolge dem hohen Anspruch verdammt schnell gerecht. Die Breaks sind glatter, die Sequenzen bringen noch mehr Breite in die Stücke und die Stockholmer haben hörbar Spaß noch bombastischer zu agieren, als sie es in den letzten Wochen eh schon getan haben. Ihre Markenzeichen werden trotzdem nicht radiert – dies fängt bei Jocke Wallgren hinter den Fellen an, der typische Amon Amarth Schlagfolgen in den neuen zwölf Kompositionen geschickt platziert. Galoppierende Double Base bleiben nicht das einzige Werkzeug. Berserker lebt von Geschwindigkeitswechsel gepaart mit verschiedenen Härtegraden und der flexiblen Verteilung von wütenden Auswüchsen, die durch feine Einspielungen durchbrochen werden. Dadurch werden Titel wie Fafner’s Gold oder Skoll And Hati noch undurchdringlicher. Mit einem schweren Schutzschild aus Eichenholz und geschmiedetem Eisen steht Johan wie ein Urvater vor uns und wehrt jeden feindlichen Angriff unter Einsatz seines Lebens ab. Lange Gitarrenpassagen wie bei Crack The Sky bringen Leben ins Spiel, Gleiches gilt für die gesprochenen Lyrics, die eine weitere Facette offenbaren, die nicht nur Herr Hegg perfekt beherrscht. Die Refrains sitzen, bleiben im Kopf und setzen das nächste Ausrufezeichen. Vielleicht klingt es frech und für manche Jünger der ersten Stunde auch etwas unglaubwürdig, aber technisch dringt die Band immer mehr in Heavy Metal Gefilde vor, mit dem Unterschied, dass harte Riffs zum Tagesgeschäft gehören und Clean Gesang nicht befürchtet werden muss. Der Wechsel zu Sony Musik hat das Quintett noch einmal beflügelt und zur Höchstform angestachelt. Gereift, mit einem unglaublichen Siegeswillen, entspringen Höhepunkte wie Mjölner, Hammer Of Thor oder The Berserker At Stamford Bridge aus der Feder von Amon Amarth im Jahre 2019. Nach dem Album Surtur Rising hätte man sich so eine Entwicklung in den schönsten Träumen nicht vorstellen können. Berserker, das wohl anspruchsvollste Werk überhaupt, darf man ganz hoch einsortieren und hat das Potenzial zu einem der erfolgreichsten Metalalben des Jahres!

Amon Amarth – Berserker
Fazit
Fazit Rene W.: Ganz persönlich gesprochen: Die ersten Alben von Amon Amarth waren schon wirklich klasse und haben meine Jugend maßgeblich musikalisch geprägt. Enttäuscht wurde man im Prinzip nicht, wenn man Surtur Rising mal in Klammern setzt. Der Weg danach imponiert: Wie selbstverständlich hat die Truppe ihren Weg nicht neu gewählt, sondern langsam ihre Struktur verändert, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Eine enorme Power hat an Atmosphäre dazu gewonnen. Es bleiben prägnante Stücke, die nicht unnötig langgezogen werden, aber auch nicht in drei Minuten lieblos abserviert den Weg auf den Longplayer finden. Die Tatsache, dass Amon Amarth sich mehr Zeit zwischen den Produktionen nehmen, zieht das Niveau sehr deutlich an und so kann man den fünf Musikern nur zu Berserker gratulieren, der nicht nur ihnen, sondern auch ihrem Gefolge in den nächsten Monaten viel Freude bringen wird!

Anspieltipps: Mjölner, Hammer Of Thor und The Berserker At Stamford Bridge

Fazit Kay L.: Das lang erwartete Album Berserker beschert eine mehr als nur solide Leistung. Dabei halten die zwölf Tracks allerdings kaum Überraschungen bereit. Altbewährte Viking Metal Kost, die genau das macht, was sie soll: schmecken. Es gibt kaum Abweichungen zu den bisherigen Werken. Alles wirkt gewohnt und setzt auf die bekannten Merkmale. Schnelle Riffs, fette Rhythmusbasis darüber der gutturale Gesang und das tiefe Growlen von Shouter Johan Hegg. Das alles sind Garanten für ein starkes, neues Werk. Thematisch in der Welt der Götter, Gezeiten oder auch Großbritannien verankert, werden Schlachten geschlagen. An der einen oder anderen Stelle blitz mal ein abweichendes Intro auf, das dann aber schnell durch den bekannten Sound abgelöst wird. Insgesamt fehlt mir etwas Neues, das eine deutliche Entwicklung aufzeigt. Aber warum auch etwas ändern, was gut funktioniert? Nach mehrmaligem Hören schälen sich dann noch maidenähnliche Gitarrenarbeit und auch melodiöse Schmankerl heraus. Sollte ich ein oder zwei Songs hervorheben, dann wäre da Ironside zu nennen, das in der Mitte mit einer gesanglichen Ausnahme daherkommt und Into The Dark, das mit einem feinen Piano- und Gitarrenintro punktet und sich dann in einen geilen Midtempo Stampfer verwandelt.

Anspieltipps: Ironside und Into The Dark
Rene W.
9.5
Kay L.
9.3
Leser Bewertung2 Bewertungen
6.5
Pro
Contra
9.4
Punkte
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