Amon Amarth + Deficiency am 03.06.2019 in der La Laiterie in Straßburg

Einzug der Wikingerhorden im Elsass

Event: Berserker World Tour 2019

Headliner: Amon Amarth

Vorband: Deficiency

Ort: La Laiterie, 13 Rue du Hohwald, 67000 Straßburg, Frankreich

Datum: 03.06.2019

Kosten: ab 33,- € VVK

Besucher: ca. 800

Genre: Thrash Metal, Melodic Death Metal, Viking Metal

Veranstalter: La Laiterie Artefact https://www.artefact.org und Live Nation France https://www.livenation.fr

Link: https://www.facebook.com/events/617238038729563/

Setlisten:

Deficiency:
01. The Introspection Of The Omnipotent
02. Uncharted Waters
03. Newborn`s Awakening
04. The Experiment
05. Unfinished

Amon Amarth:
01. The Pursuit Of Vikings
02. Deceiver Of The Gods
03. First Kill
04. The Way Of Vikings
05. Asator
06. Cry Of The Black Birds
07. Fathner`s Gold
08. Crack The Sky
09. As Loke Falls
10. Legion Of The Berserker
11. War Of The Gods
12. Death In Fire
13. Shield Wall
14. Raven`s Flight
15. Guardians Of The Asgaard
16. Raise Your Horns
17. Twilight Of The Thunder God

Die Geschichte der Wikinger ist geprägt von langen Reisen, und so mache ich mich heute auf den Weg in den Elsass. Auf ihrer Berserker World Tour macht die Schwedenhorde von Amon Amarth Halt in der gnadenlos ausverkauften La Laiterie. Im Vorprogramm spielen die lokalen Deficiency, die sich zuvor schon bei Auftritten im Vorprogramm von Testament, Machine Head, Suicidal Angels und Angelus Apatrida eine gewisse lokale Bekanntheit erspielen konnten. Die Wikinger kommen! Der Ruf, der in der Vergangenheit sicherlich schon oft für Angst und Schrecken gesorgt hat und viele Menschen in die Flucht geschlagen hat, lässt die Menschen heute in Scharen herbeiströmen. Offenbar ist der Ruf für den halben Elsass Grund genug, sich auf den Weg zu machen, denn als ich eine Stunde vor Einlass an der alten Lagerhalle ankomme, ist die wartende Schlange schon ellenlang. Pünktlich um 19:30 Uhr gehen die Tore dann auf und die nordischen Spiele können beginnen.

Den Anfang machen pünktlich um 20:00 Uhr die Forbacher Thrasher Deficiency, die mit The Introspection Of The Omnipotent in ihr Set einsteigen. Von Beginn an explodieren die Franzosen förmlich auf der Bühne und wütendes Gestampfe erfüllt die La Laiterie. Harte Riffs, wilde Sprünge und fliegende Haare dominieren das Geschehen auf der Bühne. Viele Leute stehen noch rauchend und Bier trinkend draußen, trotzdem haben sich schon etwa 250 Headbanger vor der Bühne versammelt, die dann auch gleich ordentlich Stimmung machen. Offenbar bin ich hier der Einzige, der die Jungs noch nicht live gesehen hat. Der Sound ist eine Mischung aus Thrash und Melodic Death und irgendwo zwischen Machine Head, Soilwork, Slayer und Trivium einzuordnen. Was das Quintett um Frontmann und Sänger Laurent Gisonna abliefert, ist nicht wirklich schlecht und Songs wie Uncharted Waters oder The Experiment haben ordentlich Drive, sind aber auch nicht besonders einfallsreich. Handwerklich hat man es drauf, jedoch hat man nach 10-jähriger Bandgeschichte und trotz dreier veröffentlichter Alben noch keinen eigenen Stil für sich entdeckt. Die rhythmische Genetik, den eher wenig eingängigen Refrain, oder das harte Riffgerüst wirkt irgendwie ausgelutscht und schon tausendfach gehört. Slayer haben einige gute Grundriffs vom Stapel gelassen, aber aufgewärmt machen sie eben nur halb soviel Spaß. Mit der Meinung stehe ich aber ganz offenbar alleine da, denn das überwiegend französische Publikum (die anwesenden Deutschen stehen weitestgehend noch draußen) geht richtig steil und die Fäuste fliegen wie Dampfhämmer zur Hallendecke. Nach nur fünf Songs geht der Auftritt dann mit Unfinished auch genauso beliebig zu Ende. Ich will die Jungs nicht schlecht schreiben, aber ich wage zu prophezeien, dass Deficiency über die lokale Bekanntheit nicht hinauskommen, solange sie ihre Songstrukturen nicht mit wesentlich mehr Ecken und Kanten versehen und gehörig an Eigenständigkeit dazugewinnen.

Während der Umbaupause füllt sich die Location dann zusehends, sodass ich kurz vor Beginn der Amon Amarth Show kaum noch eine Chance habe, mich in den Fotograben vorzukämpfen. Natürlich versuche ich es trotzdem und ernte einige giftige Blicke. Der schon bekannte Bühnenaufbau in Form eines überdimensionalen Wikingerschädels inklusive Helm, auf dem das Drumkit von Jocke Wallgren thront, wird erst enthüllt, als schon das Intro ertönt. Feiner Nebel wabert über die Bühne und lässt das Bühnenbild mystisch erscheinen. Zuerst betritt die Saitenfraktion mit Johan Söderberg, Olavi Mikkonen und Ted Lundström die in blaues Licht gehüllte Bühne, und die Reise durch die nordische Mythologie kann beginnen. Eigentlich habe ich einen Berserker Song zum Einstieg erwartet, doch als Johan Hegg die Bühne stürmt und zunächst einmal seine lederne Faust reckt und dem Publikum die Zunge rausstreckt, beginnt die Reise mit The Pursuit Of Vikings und wird mit Deceiver Of The Gods und First Kill fortgesetzt. Hegg ist richtig gut drauf und rennt ständig von einer Bühnenseite zur anderen, reckt immer wieder seine Fäuste in Richtung Publikum und bleckt seine weiße Zahnreihe in die Kameras. Er post mit seinen Gitarristen und steht wild bangend vor dem Wikingerschädel, der nun in blutrotes Licht getaucht ist. Der Sound ist heute überraschend gut, das habe ich hier auch schon ganz anders erlebt, aber wenn die wilden Wikingerhorden ins Land fallen, dann spurt selbst der Mann am Mischpult. War der Hintergrund bisher schlicht schwarz, so wird jetzt ein Backdrop mit einem muskulösen Wikinger in einer Meeresszenerie, der auch schon von der letzten Tour her bekannt ist, ins Licht gerückt. Der musikalische Raubzug geht dagegen mit The Way Of Vikings weiter und während ich versuche, mich wieder aus dem Fotograben herauszukämpfen, betreten einige Wikingerstatisten mit Speeren und Schildern bewaffnet die Bühne. Von den Kämpfen bekomme ich aber nichts mit, denn der Gang durch die Menge ist ein schwerer. Ab da habe ich leider ziemlich die A….karte, denn ins Infield ist für mich kein reinkommen mehr möglich. Das Publikum steht dicht gedrängt bis raus in die Zwischengänge und es wurden definitiv einige Tickets zu viel verkauft. Was auf der Bühne passiert, kann ich ab diesem Moment leider nicht mehr verfolgen, also versorge ich mich erst mal mit was Flüssigem und höre mir zumindest den Rest der Show von außerhalb an. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Horns up!

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